{"id":6445,"date":"2003-10-27T00:00:00","date_gmt":"2003-10-26T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20031027-06n"},"modified":"2003-10-27T00:00:00","modified_gmt":"2003-10-26T22:00:00","slug":"bio-diesel-der-ungeliebte-biokraftstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bio-diesel-der-ungeliebte-biokraftstoff\/","title":{"rendered":"Bio-Diesel &#8211; Der ungeliebte Biokraftstoff"},"content":{"rendered":"<p><b>Kein regenerativer Energietr\u00e4ger ist derzeit so umstritten wie Bio-Diesel. Die Hersteller des Rapsmethylesters (RME), wie der Bio-Diesel im Fachjargon genannt wird, durchlaufen eine emotionale Achterbahnfahrt. Denn w\u00e4hrend sie viel Geld in gro\u00dfe Veresterungsanlagen investieren und dabei von deutschen wie EU-Gesetzgebern R\u00fcckenwind erhalten, schl\u00e4gt ihnen von Autoherstellern, Natursch\u00fctzern und vom Umweltbundesamt Kritik entgegen. Dar\u00fcber hinaus erw\u00e4chst der Branche eine m\u00e4chtige Konkurrenz.<\/b><\/p>\n<p>Ber\u00fccksichtigt man allein seinen Anbau, verdient Bio-Diesel kein Biosiegel. Erst k\u00fcrzlich wiesen der Naturschutzbund (NABU) und der Berufsimkerbund auf ein mysteri\u00f6ses Massensterben von Bienen hin, das sie mit dem gro\u00dffl\u00e4chigen Rapsanbau f\u00fcr die Bio-Dieselproduktion in Zusammenhang bringen. Das Saatgut der gelben \u00d6lpflanzen werde mit einem Nervengift f\u00fcr Insekten behandelt, das vom Boden \u00fcber den Pflanzensaft in die Bl\u00fcten gelange, hei\u00dft es. Von dort tr\u00fcgen die Bienen das Insektizid direkt in ihre St\u00f6cke und vergifteten so ihre Brut. <\/p>\n<p>Das Umweltbundesamt (UBA) stellt den \u00f6kologischen Nutzen von RME in Frage, indem es den Fl\u00e4chenverbrauch sowie den D\u00fcnger- und Pestizideinsatz beim Rapsanbau kritisiert.<\/p>\n<p>Doch allen Einw\u00e4nden zum Trotz z\u00e4hlt die Bundesregierung Bio-Diesel zu den Biokraftstoffen, die bis Ende 2008 von der Mineral\u00f6lsteuer befreit sind. Aus Sicht des Umwelt- und Klimaschutzes sei die Befreiung geboten, so die Begr\u00fcndung. Man m\u00f6chte allerdings &#8220;politisch darauf hin wirken, den Anbau von pestizid- und d\u00fcngemittelintensiven Monokulturen zu vermeiden, soweit Biomasse f\u00fcr die Produktion der Biokraftstoffe zum Einsatz kommt&#8221;. F\u00fcr Rapsmonokulturen scheint der Vorsatz nicht zu gelten.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich w\u00fcrde extensiver Bioraps-Anbau kaum zu der dynamischen Branche passen, die angetreten ist, um den Mineral\u00f6lkonzernen Marktanteile abzujagen &#8211; und um das Klima zu sch\u00fctzen. Denn pro Liter Bio-Diesel, der fossilen Diesel substituiert, gelangen laut \u00d6kobilanz des Heidelberger IFEU-Instituts 2,2 kg weniger CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalente in die Atmosph\u00e4re. Deshalb ist Bio-Diesel auch in Br\u00fcssel sehr willkommen. <\/p>\n<p>Laut EU-Richtlinie sollen Biokraftstoffe bis 2005 rund zwei Prozent des europ\u00e4ischen Kraftstoffbedarfs decken. Bis 2010 soll ihr Anteil gar auf 5,75 Prozent steigen. Weil RME vorerst der einzige in gro\u00dfen Mengen verf\u00fcgbare Biokraftstoff ist, steigt der europ\u00e4ische Bedarf in den n\u00e4chsten zwei Jahren somit auf 3,8 Mio. t\/a. Darum baut die Branche ihre Produktionskapazit\u00e4ten rasant aus: Waren es 2001 erst 600.000 t\/a, so lassen sich heute 1,2 Mio. t\/a RME in deutschen Anlagen produzieren. Weitere Anlagen sind geplant oder im Bau. Viele davon in den neuen Bundesl\u00e4ndern, wo ein attraktiver F\u00f6rdermix von EU, Bund und L\u00e4ndern lockt. <\/p>\n<p>So meldete die Wiesbadener Nevest AG im Sommer 2000, sie habe f\u00fcr ihre Brandenburger Anlage in Schwarzheide (100.000 t\/a) einen &#8220;rechtsverbindlichen F\u00f6rderbescheid \u00fcber 13,1 Mio. DM erhalten&#8221;. Zusammen mit der gesetzlichen Investitionszulage (8,3 Mio. DM) verf\u00fcgte das Projekt bezogen auf das Gesamtinvestitionsvolumen so \u00fcber eine komfortable F\u00f6rderung von fast 50 Prozent.<br \/>Die ersten drei Jahresproduktionen der Anlage konnte Nevest verkaufen, noch bevor sie dort den ersten Tropfen Raps\u00f6l zu RME veresterte. <\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich verdient man am Nebenprodukt Glycerin. Man erziele damit gar h\u00f6here Tonnenpreise als mit dem eigentlichen Produkt RME, sagt der Vorsitzende des <a href=\"http:\/\/www.biodieselverband.de\/\" >Verbandes deutscher Bio-Dieselhersteller<\/a>, Arnd von Wissel. Daf\u00fcr m\u00fcsse man das Glycerin, von dem eine Tonne auf zehn Tonnen RME anf\u00e4llt, aber zu Pharmaqualit\u00e4t veredeln. Der Erl\u00f6s aus dem Glycerinhandel sei wichtig, so von Wissel, um RME zu einem konkurrenzf\u00e4higen Preis an die Tankstellen zu bringen. Doch einer Studie von SRI und Atlantic Consulting zufolge droht nun schon bald eine Glycerinschwemme.<\/p>\n<p><b>Norm-Probleme mit Diesel\/Bio-Mix<\/b><br \/>\u00dcberdies versagen die Autohersteller dem ungeliebten Kraftstoff nach und nach die Unterst\u00fctzung. Und zwar nicht deshalb, weil der RME-Sprit zuweilen Benzinleitungen und Einspritzpumpen verstopft, sondern weil die Motorentwickler damit die kommenden scharfen EU-Abgasnormen nicht in den Griff bekommen. Wenn die Euro-IV-Norm 2005 in Kraft tritt, m\u00fcssen zugleich die NOx- und Partikelemissionen deutlich sinken. Eine schwierige Aufgabe. Denn je hei\u00dfer die Verbrennung, desto weniger Ru\u00df entsteht, doch um so mehr steigt der Aussto\u00df der NOx. Um dieses Problems Herr zu werden, setzen die Konzerne auf eine immer feinere Abstimmung der Verbrennung. Diese setzt laut Wolfgang Steiger klar definierte Kraftstoffe voraus. Der VW-Forschungsleiter kritisiert, dass man heute Motoren auf hoch- und minderwertige fossile Diesel und RME zugleich einstellen m\u00fcsse, die jeweils verschiedene Siedeverhalten aufwiesen.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit der Bundesforschungsanstalt f\u00fcr Landwirtschaft hat VW deshalb einen Sensor entwickelt, der dem Motormanagement jeweils aktuell mitteilt, ob und in welchem Mischungsverh\u00e4ltnis RME und fossile Diesel im Einsatz sind. VW wird daf\u00fcr einen Aufpreis verlangen, von dessen H\u00f6he es abh\u00e4ngen wird, ob es sich dann noch lohnt, RME zu tanken. Die spontane Kundschaft der Bio-Dieselbranche droht dann wegzubrechen.<\/p>\n<p><b>Konkurrenz: synthetischer Kraftstoff<\/b><br \/>Unterdessen w\u00e4chst f\u00fcr die Bio-Dieselhersteller ein m\u00e4chtiger Konkurrent heran: Unterst\u00fctzt von DaimerChrysler und VW wird die Freiberger Choren Industries GmbH in den n\u00e4chsten Jahren in f\u00fcnf Bundesl\u00e4ndern je 500 Mio. EUR in neue Werke investieren, die einen synthetischen Kraftstoff aus Biomasse produzieren sollen. Vorteil des Freiberger Biokraftstoffs: Er verbrennt emissionsarm. Zudem hat Biomasse eine h\u00f6here Energieausbeute pro Hektar als RME. Und das ohne den Einsatz von Kunstd\u00fcnger und Pestiziden. Denn anstatt wie beim Raps nur das \u00d6l der Frucht zu verarbeiten, nutzt Choren Industries ganze Pflanzen.<\/p>\n<p>Nach Sch\u00e4tzungen von VW l\u00e4sst sich allein auf den ca. 1,2 Mio. ha Stilllegungsfl\u00e4chen die H\u00e4lfte des hiesigen PKW-Dieselbedarfs erzeugen. Dagegen kann Raps selbst bei optimaler Ausnutzung des Anbaus nur sieben bis acht Prozent des Dieselverbrauchs decken, weil man ihn nur jedes vierte Jahr auf derselben Fl\u00e4che anbauen kann. Es k\u00f6nnte also schon bald ein sehr ungleicher Streit um stillgelegte Ackerfl\u00e4chen ausbrechen.<\/p>\n<p><b>Verband Deutscher Bio-Dieselhersteller e.V. (VDB)<\/b> <br \/>Am Weidendamm 1a<br \/>D-10117 Berlin<br \/>Tel.: 030-72 62 59-1<br \/>Fax: 030-72 62 59-19<br \/>E-mail: <a href=\"mailto:info@biodieselverband.de\">info@biodieselverband.de<\/a> <br \/>Internet: <a href=\"http:\/\/www.biodieselverband.de\/\" >www.biodieselverband.de<\/a><\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/sundiesel-co2-neutrale-tankfuellung-fuer-neue-dieselfahrzeuge\/\" >2003-10-08<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/volkswagen-ag-biodiesel-auf-wunsch\/\" >2003-09-26<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/neue-ifeu-studie-oekobilanz-von-biodiesel\/\" >2003-09-12<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biodiesel-schwarzheide-nimmt-produktion-auf\/\" >2002-11-16<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-besprechung-ifo-studie-gesamtwirtschaftliche-bewertung-des-rapsanbaus-zur-biodieselproduktion-in-deutschland\/\" >2002-05-28<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biodiesel-bioluege\/\" >2002-03-11<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biodiesel-mit-umstrittener-oekobilanz\/\" >2000-09-28<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Kein regenerativer Energietr&auml;ger ist derzeit so umstritten wie Bio-Diesel. 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