{"id":64410,"date":"2019-07-02T07:23:29","date_gmt":"2019-07-02T05:23:29","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=64410"},"modified":"2019-06-27T16:53:35","modified_gmt":"2019-06-27T14:53:35","slug":"providing-growledge-ressourcen-und-produkte-fuer-die-biooekonomie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/providing-growledge-ressourcen-und-produkte-fuer-die-biooekonomie\/","title":{"rendered":"Providing Growledge \u2013 Ressourcen und Produkte f\u00fcr die Bio\u00f6konomie"},"content":{"rendered":"<p>Miscanthus und Hanf sind flexibel einsetzbare Biomassepflanzen, die als Ausgangsmaterial f\u00fcr zahlreiche Produkte dienen und auf bislang wenig genutzten Fl\u00e4chen produziert werden k\u00f6nnen. Ein europ\u00e4isches Konsortium um die Universit\u00e4t Hohenheim will nun das wirtschaftliche Potenzial dieser Pflanzen im Rahmen eines f\u00fcnfj\u00e4hrigen Projekts demonstrieren.<\/p>\n<p>Ob Chemikalien, Baumaterialien, Verbundstoffe, Herbizide oder Medikamente \u2013 bislang basieren diese Produkte meist auf fossilen Rohstoffen. In Zukunft k\u00f6nnten flexibel einsetzbare Biomassepflanzen, wie Miscanthus und Hanf, genutzt werden, um die Herstellung dieser Erzeugnisse auf ein erneuerbares Fundament zu stellen.<\/p>\n<p>Hanf ist eine der \u00e4ltesten Nutzpflanzen der Erde und haupts\u00e4chlich durch den Einsatz seiner Fasern in der Textilindustrie bekannt. Allerdings k\u00f6nnen auch andere Teile der Pflanze vielf\u00e4ltig verwendet werden: So l\u00e4sst sich aus den Samen Pelargons\u00e4ure gewinnen, welche in der Landwirtschaft als biobasiertes Herbizid eingesetzt werden kann. Dar\u00fcber hinaus enthalten die nach der Ernte anfallenden Dreschr\u00fcckstande Cannabidiol, welches in der Epilepsietherapie Einsatz finden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Auch der urspr\u00fcnglich aus S\u00fcdostasien stammende Miscanthus verf\u00fcgt \u00fcber eine \u00e4hnliche Variabilit\u00e4t. Das Gras bietet sich unter anderem f\u00fcr die Herstellung von Treibstoffen, Basischemikalien oder Isoliermaterialien an und zeichnet sich durch eine sehr effiziente Ressourcennutzung sowie hohe Ertr\u00e4ge aus.<\/p>\n<p>Neben ihrer weiten Anwendbarkeit weisen beide Pflanzen eine zus\u00e4tzliche vorteilhafte Besonderheit auf: Ihr Anbau ist im Vergleich zu konventionellen Ackerfr\u00fcchten wenig aufwendig. Daher k\u00f6nnen sowohl Miscanthus als auch Hanf auf marginalen Fl\u00e4chen produziert werden, die f\u00fcr einen profitablen Anbau typischer Kulturen untauglich sind. Ebenso ist es m\u00f6glich, schwermetallbelastete Fl\u00e4chen zu nutzen, die f\u00fcr die Nahrungsmittelproduktion nicht genutzt werden sollten. Ungenutztes Land kann somit in Bewirtschaftung gebracht und die Debatte um die Verwendung von Land f\u00fcr die Produktion von Nahrungsmitteln oder anderweitigen Produkten entsch\u00e4rft werden.<\/p>\n<p>Neue Wertsch\u00f6pfungsketten f\u00fcr ein biobasiertes Wirtschaften<\/p>\n<p>Diese vorteilhaften Aspekte m\u00f6chte sich ein von der Universit\u00e4t Hohenheim angef\u00fchrtes Konsortium im Rahmen des <a href=\"https:\/\/konversionstechnologie.uni-hohenheim.de\/en\/118578\/projects\/grace-en\" target=\"_blank\">Forschungsprojekts GRACE<\/a> (GRowing Advanced industrial Crops on marginal lands for biorEfineries) zunutze machen. Im Zentrum steht das Ziel, Miscanthus und Hanf auf entsprechenden Standorten bereitzustellen und die Biomasse m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig zu verwerten. Hierzu werden in sechs europ\u00e4ischen L\u00e4ndern Anbauversuche durchgef\u00fchrt und zehn Wertsch\u00f6pfungsketten demonstriert.<\/p>\n<p>Die 22 beteiligten Partnerorganisationen, zu denen Universit\u00e4ten, Unternehmen und Clusterorganisationen geh\u00f6ren, werden durch das Bio-based Industries Joint Undertaking (BBI-JU) finanziert. Diese Public Private Partnership zwischen der Europ\u00e4ischen Union und einem Industriekonsortium mit \u00fcber 200 Mitgliedsunternehmen f\u00f6rdert das Projekt in einem Umfang von 12,3 Millionen Euro. Dies erm\u00f6glicht den Partnern aus Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Italien, Kroatien, den Niederlanden und Deutschland, das Vorhaben \u00fcber 5 Jahre hinweg voranzutreiben. BBI-JU-Projekte zeichnen sich durch einen starken Anwendungs- und Industriefokus aus. So sind mehrere innovative Kleinunternehmen wie MOGU, gr\u00f6\u00dfere Unternehmen wie die kroatische Erd\u00f6lgesellschaft INA\u00a0oder auch mittelst\u00e4ndische Agrarunternehmen wie Terravesta\u00a0an GRACE beteiligt. Durch GRACE sollen Biomasseanbauer und die verarbeitende Industrie besser vernetzt und eine verl\u00e4ssliche Versorgung mit nachhaltiger Biomasse sichergestellt werden.<\/p>\n<p>Die baden-w\u00fcrttembergischen Projektteilnehmer der Universit\u00e4t Hohenheim sind neben ihrer Rolle als Koordinatoren auch in weiteren Funktionen gefragt. Am Fachgebiet Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergiepflanzen verantwortet man die Durchf\u00fchrung der Miscanthus-Anbauversuche an den Lindenh\u00f6fen, einer Versuchsstation der Universit\u00e4t. Neue Miscanthusgenotypen werden hier hinsichtlich ihrer Eignung f\u00fcr Marginalstandorte sowie spezifische Produktanwendungen untersucht. Des Weiteren werden die Auswirkungen des kommerziellen Miscanthusanbaus auf die lokale Artendiversit\u00e4t beobachtet und die sozio\u00f6konomische und \u00f6kologische Vorteilhaftigkeit der ausgew\u00e4hlten Wertsch\u00f6pfungsketten untersucht. Hierzu werden die biobasierten Produkte wie Isoliermaterial oder Verbundstoffe unter Zuhilfenahme etablierter Methoden der Nachhaltigkeitsbewertung mit konventionellen Alternativen verglichen.<\/p>\n<p>Biogene Chemikalien aus dezentralen Bioraffinerien<\/p>\n<p>Die Riege Hohenheimer Forscher und Forscherinnen wird im Projekt durch Mitarbeitende des Fachgebiets Konversionstechnologien nachwachsender Rohstoffe sowie der Landesanstalt f\u00fcr Agrartechnik und Bioenergie komplementiert. An beiden Instituten setzt man sich mit der Umwandlung von Miscanthus in Plattformchemikalien auseinander. Im Fokus steht dabei Hydroxymethylfurfural (HMF), eine variabel einsetzbare Chemikalie, die unter anderem zur Produktion von biogenen Alternativen zu PET oder Formaldehyd herangezogen werden kann. Im Rahmen von GRACE m\u00f6chten die beteiligten Forschenden zeigen, dass eine skalierbare Herstellung von HMF aus Miscanthus m\u00f6glich ist. Hierf\u00fcr erproben sie die Konversion in einer neu errichteten Demonstrationsanlage am Rande der Schw\u00e4bischen Alb. Diese ist dabei nicht zuf\u00e4llig auf der universit\u00e4tseigenen Agrarversuchsstation Lindenh\u00f6fe bei Eningen platziert. Die Vision der Beteiligten ist es, die auf landwirtschaftlichen Betrieben anfallende Biomasse dezentral, in On-Farm-Bioraffinerien, zu HMF zu verarbeiten. Dabei sollen anfallende Reststofffl\u00fcsse aus dem Prozess in der hofeigenen Biogasanlage verwertet werden.<\/p>\n<p>Durch den starken Anwendungs- und Industriefokus des Projekts werden bereits die praktische Umsetzung und Nutzung der Ergebnisse mitgedacht. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist der Prozess zur HMF-Herstellung, f\u00fcr dessen Weiterentwicklung die Forschenden aus Hohenheim mit dem Schweizer Chemieunternehmen AVA Biochem kooperieren. Erg\u00e4nzt wird der projektinterne Austausch zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen oder Biomasseanbauern durch das sogenannte Industry Panel. Diese Plattform erm\u00f6glicht es externen Unternehmen, an den Ergebnissen teilzuhaben. So k\u00f6nnen Hanf- oder Miscanthusbiomasse aus den Anbauversuchen oder Produktproben der demonstrierten Wertsch\u00f6pfungsketten f\u00fcr Experimente bezogen werden, um sich von deren Qualit\u00e4t zu \u00fcberzeugen und die Weiterverarbeitung zu testen. Obendrein k\u00f6nnen Landwirte mit Interesse an alternativen Kulturen auf Feldtagen von den Ergebnissen und Erfahrungen des kommerziellen Hanf- und Miscanthusanbaus profitieren. Somit tr\u00e4gt das Projekt zur Verkn\u00fcpfung der Ressourcen- und Produktperspektive bei und leistet einen erheblichen Beitrag f\u00fcr eine erfolgreiche Transformation hin zu einer Bio\u00f6konomie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Miscanthus und Hanf sind flexibel einsetzbare Biomassepflanzen, die als Ausgangsmaterial f\u00fcr zahlreiche Produkte dienen und auf bislang wenig genutzten Fl\u00e4chen produziert werden k\u00f6nnen. Ein europ\u00e4isches Konsortium um die Universit\u00e4t Hohenheim will nun das wirtschaftliche Potenzial dieser Pflanzen im Rahmen eines f\u00fcnfj\u00e4hrigen Projekts demonstrieren. 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