{"id":63756,"date":"2019-06-06T07:26:59","date_gmt":"2019-06-06T05:26:59","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=63756"},"modified":"2021-09-09T21:28:48","modified_gmt":"2021-09-09T19:28:48","slug":"diskussion-im-klimakabinett-kohlendioxid-verpressen-oder-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/diskussion-im-klimakabinett-kohlendioxid-verpressen-oder-nicht\/","title":{"rendered":"Diskussion im Klimakabinett: Kohlendioxid verpressen &#8211; oder nicht?"},"content":{"rendered":"<p>Das Klimakabinett spricht heute \u00fcber das Klimaschutzgesetz, aber auch \u00fcber das Speichern von Kohlendioxid in der Erde. Umweltministerin Schulze und Kanzlerin Merkel sind daf\u00fcr &#8211; andere warnen davor.<\/p>\n<p>Ach, dieses Kohlendioxid. Wenn es in die Atmosph\u00e4re kommt, tr\u00e4gt es zum Klimawandel bei. Also &#8211; warum nicht gleich vom Kraftwerk, wo es frei wird, unter die Erde leiten &#8211; und es dort luftdicht verpacken &#8211; am besten f\u00fcr viele Tausend Jahre?<\/p>\n<p>Das ist die Idee von Carbon Capture and Storage, kurz CCS. Wirtschaftsverb\u00e4nde und Wissenschaft haben sich schon vor Jahren daf\u00fcr stark gemacht. Doch die Debatte \u00fcber die Technologie kam schnell zum Erliegen. Denn CCS hat in Deutschland einen schlechten Ruf, das wei\u00df auch die Kanzlerin: &#8220;Die Kohlendioxid-Speicherung ist in Deutschland sehr umk\u00e4mpft. Und viele Menschen haben Sorgen.&#8221;<\/p>\n<p>Risiken nicht kalkulierbar &#8230;<br \/>\nKarsten Smid von Greenpace zum Beispiel: Er sieht CCS als Ablenkungsman\u00f6ver von anderen Klimaschutzma\u00dfnahmen. Und als &#8220;Risikotechnologie&#8221;: &#8220;Wenn Millionen Tonnen Kohlendioxid im Untergrund verpresst werden, dann entstehen da enorme Dr\u00fccke. Ob die geologischen Formationen das dauerhaft aushalten, ist nicht klar. Es kommt dort zu Mikrobr\u00fcchen. Und es kann dann an anderen Stellen austreten.<\/p>\n<p>In Ketzin bei Berlin gibt es eine CCS-Pilotanlage<br \/>\nUnd wenn das passiert, dann kann der Boden oder das Grundwasser Schaden nehmen &#8211; so sieht es auch das Umweltbundesamt. Dass es so nicht kommen muss, zeigt ein Pilotprojekt des deutschen Geoforschungszentrums. In Ketzin in Brandenburg haben die Forscher, immerhin zehn Jahre lang, Kohlendioxid in der Erde eingelagert &#8211; in gut 600 Metern Tiefe.<\/p>\n<p>&#8230; oder doch?<br \/>\nDer Chef des Geoforschungszentrums, Reinhard H\u00fcttl, sagt: Die Forschung zeige, die CCS-Technologie k\u00f6nne sicher sein. &#8220;Sie k\u00f6nnen nat\u00fcrlich jede Technologie so einsetzen, dass sie nicht funktioniert. Sie k\u00f6nnen auch Br\u00fccke bauen, die nicht h\u00e4lt. Oder eine Bremse, die nicht bremst. Die Frage ist ja, macht man es richtig? Da w\u00fcrden wir sagen: Das geht, ganz sicher &#8211; unter den jeweils relevanten Rahmenbedingungen. Gestein zum Speichern gibt es zum Beispiel unter der Nordsee.&#8221;<\/p>\n<p>Im Kraftwerk Schwarze Pumpe (Brandenburg) wird bereits Kohlendioxid verpresst.<br \/>\nKlimaforscher gehen sogar noch einen Schritt weiter. Ohne CCS seien die weltweiten Klimaziele gar nicht einzuhalten &#8211; sagt etwa Jan Minx vom Mercator Institut f\u00fcr globale Gemeing\u00fcter und Klimawandel, der am Klimareport der Vereinten Nationen mitgearbeitet hat. Wenn Minx an CCS denkt, hat er nicht so sehr das Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken im Blick &#8211; denn daf\u00fcr gibt es ja eh einen Ausstiegsplan. Minx denkt eher an die Industrie. Beim Produzieren von Zement zum Beispiel entsteht viel Kohlendioxid.<\/p>\n<p>Pflanzen verbrennen, CO2 einlagern<br \/>\nUnd der Klimaforscher denkt ans Verfeuern von Pflanzen, denn so k\u00f6nnte man die Kohlendioxid-Bilanz der Welt sogar verbessern: &#8220;Der Atmosph\u00e4re wird durch das Wachstum der Pflanzen Kohlendioxid entzogen. Jetzt verfeuern wir das zur Stromproduktion in Kraftwerken. Und fangen dann aber das Kohlendioxid ab und lagern es ein. Und dann ist es ja kein Nullsummenspiel, sondern wir entnehmen der Atmosph\u00e4re Kohlendioxid.&#8221;<\/p>\n<p>Kohlendioxid aus der Luft holen &#8211; das ginge auch, indem man mehr W\u00e4lder anlegt. Aber das sei nicht sonderlich effizient, und der Platz daf\u00fcr sei begrenzt, sagt Klimaforscher Minx. Deshalb fordert er: CCS m\u00fcsse schnell marktreif werden. Bei der Solarzelle, sagt Minx, habe es damals 60 Jahre gedauert, bis sie preisg\u00fcnstig zu haben war. In der Klimafrage aber dr\u00e4nge jetzt die Zeit.<\/p>\n<p>Technik war schon totgesagt<br \/>\nDie Technik, die schon f\u00fcr tot erkl\u00e4rt wurde, k\u00f6nnte also wieder kommen. Auch Kanzlerin Merkel macht sich f\u00fcr sie stark. Denn sie will sich der Initiative des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron anschlie\u00dfen &#8211; 2050 soll Europa klimaneutral werden, also unterm Strich kein Kohlendioxid mehr aussto\u00dfen.<\/p>\n<p>Merkel l\u00e4sst durchblicken: Aus ihrer Sicht geht das nur, indem man Kohlendioxid im Boden speichert. Im Klimakabinett soll sich nun entscheiden, wie die Regierung zu CCS steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Klimakabinett spricht heute \u00fcber das Klimaschutzgesetz, aber auch \u00fcber das Speichern von Kohlendioxid in der Erde. Umweltministerin Schulze und Kanzlerin Merkel sind daf\u00fcr &#8211; andere warnen davor. Ach, dieses Kohlendioxid. 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