{"id":63577,"date":"2019-05-29T07:26:51","date_gmt":"2019-05-29T05:26:51","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=63577"},"modified":"2019-05-25T13:54:16","modified_gmt":"2019-05-25T11:54:16","slug":"biopolymer-innovation-award-querdenker-sind-vorreiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biopolymer-innovation-award-querdenker-sind-vorreiter\/","title":{"rendered":"Biopolymer Innovation Award \u2013 Querdenker sind Vorreiter"},"content":{"rendered":"<p>Der <a href=\"https:\/\/polykum.de\/biopolymer-award\/\" target=\"_blank\">Biopolymer Innovation Award<\/a> zeichnet bioabbaubare Kunststoff-Produkte aus, die den Kunststoff-Abfall reduzieren. Mit der Auszeichnung sollen die Produkte einer breiteren \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht werden. In diesem Jahr pr\u00e4mierte die Jury auf dem Biopolymer Processing Kongress in Halle\/Saale drei Produkte, deren Erfinder sich als Querdenker mit dem Einsatz biobasierter und bioabbaubarer Kunststoffe in neue Gesch\u00e4ftsfelder vorgewagt haben. Den ersten Preis erh\u00e4lt der Hersteller des Eco-Spacers. Das biobasierte und bioabbaubare Granulat sch\u00fctzt Beton- und Gehwegplatten beim Transport. Den zweiten Preis vergab die Jury f\u00fcr Re-Cast. Die mehrfach formbare Schiene f\u00fcr medizinische Anwendungen kann herk\u00f6mmliche PU-Schalen ersetzen. Ein glasfaserverst\u00e4rkes PLA-Composite, bei dem nicht nur die PLA-Matrix biologisch abbaubar, sondern auch die Glasfasern verrotbar sind, erhielt die dritte Auszeichnung.<\/p>\n<p>Hochklassige Bewerbungen mit einer gro\u00dfen inhaltlichen Bandbreite bescherten den Juroren des Biopolymer Innovation Award einen anstrengenden Weg der Entscheidungsfindung. \u201eWir h\u00e4tten durchaus mehr als drei Preise vergeben k\u00f6nnen\u201c, befand Horst Stoye vom Ministerium f\u00fcr Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung Sachsen-Anhalt im Anschluss an die Jurysitzung.\u00a0 Unternehmen aus Deutschland, Holland und Finnland hatten neueste Entwicklungen auf der Basis biologisch abbaubarer Kunststoffe f\u00fcr den von der gemeinn\u00fctzigen F\u00f6rdergemeinschaft Polykum ausgeschriebenen Wettbewerb eingereicht.<\/p>\n<p>Unter den Bewerbern waren, wie von den Initiatoren angestrebt, \u00fcberwiegend kleine und mittelst\u00e4ndische Firmen und ein Einzelunternehmer. Bei den eingereichten Innovationen handelte es sich um Material- und Produktneuheiten unter anderem f\u00fcr das Bauwesen, f\u00fcr die Gastronomie, den Leichtbau, die Schreibwarenindustrie, den Sport- und Freizeitbereich sowie f\u00fcr die Verpackungsbranche.<\/p>\n<p>Biopolymer Innovation Award \u2013 Auszeichnung f\u00fcr Eco-Spacer<\/p>\n<p>Die Juroren entschieden sich nach eingehender Analyse und mehrst\u00fcndiger, intensiver Diskussion f\u00fcr drei Finalisten, die \u201esich als Querdenker mit dem Einsatz biobasierter und bioabbaubarer Kunststoffe in neue Gesch\u00e4ftsfelder vorgewagt haben\u201c, wie Peter Putsch, Vorsitzender des POLYKUM e.V., zusammenfasste. Die nominierten Produktentwicklungen wiesen nach Einsch\u00e4tzung des Gremiums \u201ebeachtliche wirtschaftliche und \u00f6kologische Potenziale\u201c auf und entfalteten zudem \u201ebesondere Vorbildwirkung f\u00fcr die jeweiligen Branchen\u201c.<\/p>\n<p>Mit dem ersten Preis zeichnete die Jury die Produktentwicklung von Biofibre aus Straubing aus. Die Idee f\u00fcr das Produkt ist ebenso einfach wie genial. Biofibre enwickelte bioabbaubare Kunststoffpellets, die Beton-Bodenplatten bei Transport und Lagerung vor Besch\u00e4digung sch\u00fctzen. Die bisher aus LDPE hergestellten Pellets gelangen auf Baustellen in Gr\u00f6\u00dfenordnungen von mehreren Hundert Tonnen j\u00e4hrlich unkontrolliert in der Umwelt. Die Eco-Spacer k\u00f6nnen 2019 voraussichtlich 400 Tonnen Kunststoffabfall in der Umwelt werden du durch 97 % biobasiertes, nicht toxisches Material substituiert werden, erl\u00e4uterte der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Biofibre, Christoph Glammert. \u201eUnd ganz wichtig: es zerf\u00e4llt nicht zu Mikroplastik!\u201c Inzwischen empfiehlt ein Verband der Baubranche den Eco-Spacer als umweltfreundliche Alternative zu konventionellem Granulat. Aufgrund der gro\u00dfen Nachfrage wird eine Erweiterung der Produktpalette auch f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Dr\u00fccke wahrscheinlich, sch\u00e4tzt der Anbieter. Die Bioabbaubarkeit des Produkts wurde zwar noch nicht von unabh\u00e4ngiger Stelle zertifiziert, doch der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer betont: \u201eIch m\u00f6chte an herausstellen, dass wir darauf achten, dass s\u00e4mtliche Inhaltsstoffe \u00f6ko-toxikologisch v\u00f6llig unbedenklich und schwermetallfrei sind. Den Nachweis haben wir bereits \u00fcber eine DIN EN 16785 Zertifizierung erlangt.\u201c<\/p>\n<p>Vom Nachteil zum Vorteil<\/p>\n<p>Die geringe Temperaturbest\u00e4ndigkeit von PLA wird zum Vorteil. Sie erm\u00f6glich das mehrfache Nachformen nach Erw\u00e4rmung spart Kunststoffabfall. (Bildquelle: N\u00f6ll)<br \/>\nN\u00f6lle Kunststofftechnik aus Meschede erhielt den zweiten Preis f\u00fcr die Entwicklung der PLA-basierten Re-Cast Schiene. Der Cast dient zur Ruhigstellung von Frakturen. Im Unterschied zu bisher \u00fcblichen Kunststoffprodukten ist der Re-Cast durch IR-W\u00e4rme mehrfach nachformbar und am Ende der Nutzungsdauer kompostierbar. Herk\u00f6mmliche PU-Schalen h\u00e4rten dagegen mit Wasser aus und k\u00f6nnen nach Nutzung nur teuer entsorgt werden k\u00f6nnen. \u201eAlleine im Bereich der Immobilisationsprodukte, zu denen Re-Cast z\u00e4hlt, werden \u2013 je nach Statistik \u2013 nur in Deutschland im best Case 30 Tonnen und im worst Case 150 Tonnen Cast pro Jahr in M\u00fclldeponien entsorgt und verbrannt! Wenn das keine Chance ist,\u201c freute sich Anselm Gr\u00f6ning, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der N\u00f6lle Kunststofftechnik. Die Bioabbaubarkeit wurde als informeller Feldversuch in industrieller Kompostieranlage im Landkreis Meschede mit 150 kg Produktionsabf\u00e4llen getestet. Nach \u00fcblicher Umschlagfrist waren Re+Cast-Materialien nicht mehr auffindbar. Der Hersteller gibt an, dass Re-Cast derzeit am Markt das einzige Immobilisationskonzept aus einem biobasierten und bioabbaubaren Kunststoff sei, welches mit vorgeformten Schienen in verschiedenen Gr\u00f6\u00dfen arbeitet, so der Hersteller. Den Ansto\u00df f\u00fcr die Entwicklung lieferte ein Orthop\u00e4de, der sich \u00fcber die fehlende mehrfache Anpassbarkeit und die gro\u00dfen Mengen von Plastikm\u00fcll beklagte. Die L\u00f6sung aus PLA nutzt den vermeintlichen Nachteil der geringen thermischen Stabilit\u00e4t des Biokunststoffs und macht ihn zum Vorteil durch die M\u00f6glichkeit, das Produkt mehrfach durch Erw\u00e4rmen nachzuformen.<\/p>\n<p>PLA in kurzer Zykluszeit verarbeiten<\/p>\n<p>Den dritten Platz erreichte Arctic Biomaterials Oy aus Tampere in Finnland mit ihren Arcbiox-Werkstoffen. Die Composit-Materialien zeichnen sich dadurch aus, dass nicht nur ihre Kunststoffmatrix kompostierbar, sondern auch die verst\u00e4rkenden Glasfasern verrotbar sind. Die abbaubaren Glasfasern seien einzigartig auf dem Markt, erkl\u00e4rte Mika Hurri, Sales Manager von Arctic Biomaterials Oy. Die Bioabbaubarkeit des verst\u00e4rkten PLA ist nach DIN EN 13432 vom T\u00dcV Rheinland zertifiziert. Ein wesentlicher Vorteil des Materials ist, dass es \u2013 untypisch f\u00fcr PLA \u2013temperaturbest\u00e4ndig bis 100\u00b0C ist und bei vergleichsweise geringer Temperatur von 30\u00b0C und kurzer Zykluszeit verarbeitbar ist. \u201eDiese Materialien, HDTb 122 c und HDTb 96C, sind revolution\u00e4r, da die Prozesszeit beim Spritzgie\u00dfen typischerweise die gr\u00f6\u00dfte Barriere f\u00fcr die Gro\u00dfserienproduktion ist,\u201c schw\u00e4rmte der Experte. Die hohe mechanische Stabilit\u00e4t des Werkstoffs erlaubt Produkte mit geringer Wandst\u00e4rke herzustellen, womit sich ein gro\u00dfes Anwendungsspektrum f\u00fcr den Biokunstsoff er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Biokunststoff Kongress<\/p>\n<p>Die feierlichen Preisverleihung\u00a0 fand auf dem Kongress \u201eBiopolymer \u2013 Processing &amp; Moulding\u201c in Halle\/Saale am 21. Mai statt. Der Hauptpreis war mit 2.000 Euro dotiert. Auf dem Kongress diskutierten die Biokunststoff-Experten Fragen wie: Mit welchen Verfahren lassen sich biobasierte, bioabbaubare Kunststoffe besonders schonend verarbeiten? K\u00f6nnen Masterbatches zum F\u00e4rben von Plastwerkstoffen 100% \u201ebio\u201c sein? Nach welchen Verfahren wird die Kompostierbarkeit von Bio-polymeren getestet und zertifiziert? Welche Faktoren machen den Markterfolg bioabbaubarer Kunststoffe aus? Ist eine Welt ohne Kunststoffm\u00fcll denkbar?<br \/>\nDer Jury des BIOPOLYMER Innovation Awards geh\u00f6rten an:<\/p>\n<p>Dr. Martin Bussmann, Teamleiter Biodegradable Packaging and Technical Marketing, BASF SE, Ludwigshafen.<br \/>\nDr. Etwina Gandert, Redakteurin des Fachmagazins \u201ePlastverarbeiter\u201c, H\u00fcthig GmbH, Heidelberg<br \/>\nPeter Putsch, Vorsitzender der POLYKUM e. V. \u2013 F\u00f6rdergemeinschaft f\u00fcr Polymerentwicklung und Kunststofftechnik in Mitteldeutschland, Merseburg<br \/>\nHorst Stoye, Referent f\u00fcr Innovationspolitik im Ministerium f\u00fcr Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung Sachsen-Anhalt, Magdeburg<br \/>\nProf. Dr. Susanne Vollberg, Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg und Vorstandsmitglied Science2Public Gesellschaft f\u00fcr Wissenschaftskommunikation, Halle (Saale)<br \/>\nMichael Walter, Sales Manager Packaging, Omya GmbH, K\u00f6ln<br \/>\nBegr\u00fcndungen der Jury<\/p>\n<p>Platz 1: Biofibre GmbH, Altdorf \u2013\u00a0BPB ECO SPACER VP<\/p>\n<p>Den 1. Preis verdient die Firma Biofibre nicht zuletzt angesichts des beachtlichen Umwelteffektes, den das Unternehmen mit seinem \u201eBPB\u00ae ECO SPACER VP\u00ae\u201c erzielt. Obwohl erst Ende 2018 testweise eingef\u00fchrt, konnten bis M\u00e4rz 2019 bereits 80 Tonnen des Streugranulats an Beton- und Bodenplattenhersteller ausgeliefert und Bestellungen f\u00fcr weitere 160 Tonnen verbucht werden. Die realistische Verkaufsprognose f\u00fcr 2019 liegt bei 400 Tonnen. Wenn man davon ausgeht, dass nur ein Zehntel der dadurch ersetzten LDPE-Granulate bisher an Wegesr\u00e4ndern und in Wassergr\u00e4ben landeten (belastbare Zahlen existieren nicht), erspart das Produkt unserer Umwelt 40 Tonnen Mikroplastik pro Jahr. Das ist mehr, als der Rhein einer aktuellen Studie der Universit\u00e4t Basel zufolge an winzigen Kunststoffpartikeln ins Meer sp\u00fclt!<\/p>\n<p>Die Firma Biofibre wurde durch eine zuf\u00e4llige Begegnung auf das Problem der Streugranulate aufmerksam. Bis dahin noch ohne Verbindung zur Bauwirtschaft, machte sie sich dessen L\u00f6sung zur Aufgabe. Selbst mehrj\u00e4hriger Forschungsaufwand und erhebliche Entwicklungskosten konnten die Entscheider nicht von diesem Ziel abbringen. Mit einem Partner aus der Baubranche entstand schlie\u00dflich ein Produkt, das dem bis dahin g\u00e4ngigen Standardgranulat in seinem Gebrauchswert nahezu 100-prozentig ebenb\u00fcrtig ist, aber dessen Umweltbilanz ins Positive kehrt. Die ECO SPACER werden von Mikroorganismen bisherigen Tests zufolge im Boden in der Regel binnen zwei Jahren zu Kompost verstoffwechselt. Das rechtfertigt aus Sicht vieler Betonplattenhersteller sogar den im Vergleich mit Standardprodukten h\u00f6heren Preis, wie die Verkaufszahlen eindrucksvoll beweisen.<\/p>\n<p>Mit dem 1. Preis m\u00f6chte die Jury Innovatoren aus der Kunststoffbranche ermuntern, besonders im vermeintlich Unscheinbaren, wenig Beachteten nach innovativen L\u00f6sungen zu suchen. Denn gerade hier liegen oft besonders gro\u00dfe Verbesserungspotenziale, wie das Beispiel der ECO SPACER zeigt. So wird die Baubranche bisher kaum mit bioabbaubaren Produkten in Verbindung gebracht. Dabei ist sie der gr\u00f6\u00dfte Kunststoffverbraucher und \u2011anwender \u00fcberhaupt!<\/p>\n<p>Platz 2: N\u00f6lle Kunststofftechnik GmbH, Meschede \u2013\u00a0Re+Cast, biobased cast technology<\/p>\n<p>Die Firma N\u00f6lle m\u00fcnzt mit ihrer Innovation einen oft beklagten Nachteil des biologisch erzeugten und bioabbaubaren Kunststoffes Polymilchs\u00e4ure (PLA) in einen Vorteil um. Denn dass PLA in einem Temperaturbereich von etwa 55 bis 65\u00b0C \u201eweich\u201c wird, macht das Unternehmen sich und seinen Kunden im medizinischen Bereich ebenso wie Patienten und unserer Umwelt zunutze. Mit Infrarotstrahlung erw\u00e4rmt, lassen sich die Schienen mehrfach verformen und so im Heilungsverlauf an Ver\u00e4nderungen der zu behandelnden K\u00f6rperpartie anpassen. Allein damit tr\u00e4gt das Produkt in relevantem Umfang dazu bei, Kunststoffabf\u00e4lle zu vermeiden und Kohlendioxid einzusparen. Durch die M\u00f6glichkeit, re+cast\u00ae industriell zu kompostieren, wird dieser Umwelteffekt zus\u00e4tzlich verst\u00e4rkt. Pro Jahr werden verschiedenen Statistiken zufolge allein in Deutschland 30 bis 150 Tonnen Cast-Material (zumeist aus Polyurethan\/PU) teuer entsorgt.<\/p>\n<p>Mit ihrem Produkt nimmt die N\u00f6lle Kunststofftechnik GmbH nach \u00dcberzeugung der Jury eine Vorbildrolle im Medizinproduktemarkt ein. Was umso beachtlicher ist, als das 1947 gegr\u00fcndete Familienunternehmen zuvor noch nicht in diesem Segment aktiv war. Die Firma hat sich vor allem als Hersteller von Spritzgussteilen im Consumerbereich (unter anderem f\u00fcr die Raumgestaltung) sowie als Werkzeugbauer im Kunststoff-Spritzguss einen Namen gemacht.<\/p>\n<p>Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer wurde durch einen befreundeten Arzt eher zuf\u00e4llig auf das Problem aufmerksam. Bei der Suche nach L\u00f6sungen fand der Unternehmer kompetente Partner im Fraunhofer Institut f\u00fcr Angewandte Polymerforschung (IAP) in Potsdam sowie im St. Walburga Krankenhaus in Meschede. Mit beiden entwickelte er seine Idee anwender- und umweltfreundlicher Casts bis zur Produktreife.<\/p>\n<p>Als sich im Verlauf der Praxistests herausstellte, dass in bestimmten F\u00e4llen eine Polsterung der re+casts\u00ae erforderlich ist, entwickelte das Unternehmen mit dem S\u00e4chsischen Textilforschungsinstitut in Chemnitz zudem einen neuartigen Filzwerkstoff, der diese Funktion erf\u00fcllt und nach Gebrauch mit den Schienen kompostiert werden kann. Auch diese Konsequenz m\u00f6chte die Jury mit dem 2. Platz w\u00fcrdigen.<\/p>\n<p>Platz 3: Arctic Biomaterials Oy, Tampere \u2013 ArcBiox\u00a0Bioglasfaser-verst\u00e4rkte PLA-Compounds<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten forschen Wissenschaftler an biologisch abbaubaren Kunststoff-Compounds, die in mechanisch beanspruchten medizinischen Implantaten zum Einsatz kommen k\u00f6nnen. Die Firma Arctic Biomaterials Qy aus Tampere kommt diesem Ziel nach \u00dcberzeugung der Jury nun bemerkenswert nah.<\/p>\n<p>Mit seinen glasverst\u00e4rkten, PLA-basierten ArcBiox-Compounds verschiebt das 2014 gegr\u00fcndete Start-up die Grenzen mehrerer bisher bei PLA-Compounds f\u00fcr m\u00f6glich gehaltener Parameter in neue Sph\u00e4ren. Die Bioabbaubarkeit nach der DIN EN 13432 ist durch den T\u00dcV Rheinland zertifiziert.<\/p>\n<p>Dass selbst Glasfasern kompostiert werden k\u00f6nnen, ist bislang einzigartig. Die von Arctic Biomaterials entwickelten Fasern werden unter dem Einfluss von Mikroben und Enzymen zu Alkalien, Salzen und S\u00e4uren abgebaut \u2013 und zwar nach Angaben des Unternehmens nicht nur unter industriellen Bedingungen, wie vom T\u00dcV zertifiziert, sondern auch im heimischen Kompost und sogar im Meer.<\/p>\n<p>Im Zusammenspiel mit der speziell modifizierten PLA-Matrix sorgen die Glasfasern \u00a0f\u00fcr Schlagz\u00e4higkeits- und Biege-Elastizit\u00e4tswerte, die denen von verst\u00e4rktem Polyamid und Polypropylen \u2013 den bislang typischen Materialien f\u00fcr technische Anwendungen \u2013 vergleichbar sind.<\/p>\n<p>Zudem beeindrucken die PLA-basierten ArcBioxTM-Werkstoffe\u00a0 mit einer f\u00fcr derartige Compounds untypischen W\u00e4rmeformbest\u00e4ndigkeit von \u00fcber 100\u00b0C. Zugleich sind sie zum Teil schon mit Werkzeugtemperaturen von 30\u00b0C im Spritzguss verarbeitbar. Eine weitere Besonderheit bilden kurze Zykluszeiten von teilweise nur 20 Sekunden. Damit eignen sich die Bio-Kunststoffe aus Tampere hervorragend f\u00fcr die Gro\u00dfserienproduktion im Spritzguss, etwa von d\u00fcnnwandigem Geschirr oder stabilen kompostierbaren Verpackungen. Bislang bilden lange Zykluszeiten (h\u00e4ufig 40 Sekunden und mehr) von Biokunststoffen hier regelm\u00e4\u00dfig noch eine gro\u00dfe H\u00fcrde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Biopolymer Innovation Award zeichnet bioabbaubare Kunststoff-Produkte aus, die den Kunststoff-Abfall reduzieren. Mit der Auszeichnung sollen die Produkte einer breiteren \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht werden. In diesem Jahr pr\u00e4mierte die Jury auf dem Biopolymer Processing Kongress in Halle\/Saale drei Produkte, deren Erfinder sich als Querdenker mit dem Einsatz biobasierter und bioabbaubarer Kunststoffe in neue Gesch\u00e4ftsfelder vorgewagt [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[13082,10763,12875],"supplier":[3000,104,19585,15813,14854,5696,771],"class_list":["post-63577","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-bioabbaubarkeit","tag-biokunststoffe","tag-kompostierbarkeit","supplier-biofibre-gmbh","supplier-fraunhofer-institut-fuer-angewandte-polymerforschung-iap","supplier-martin-luther-universitat-halle-wittenberg-mlu","supplier-noelle-kunststofftechnik-gmbh","supplier-polykum-e-v","supplier-sachsisches-textilforschungsinstitut-e-v","supplier-tv-rheinland"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63577","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63577"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63577\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63577"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63577"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63577"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=63577"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}