{"id":63022,"date":"2019-05-14T06:41:19","date_gmt":"2019-05-14T04:41:19","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.innovations-report.de%2Fhtml%2Fberichte%2Fbiowissenschaften-chemie%2Fformulierungen-ohne-loesungsmittel-oekologische-klebstoffe-aus-pflanzenoel.html"},"modified":"2019-05-12T18:16:23","modified_gmt":"2019-05-12T16:16:23","slug":"oekologische-klebstoffe-aus-pflanzenoel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/oekologische-klebstoffe-aus-pflanzenoel\/","title":{"rendered":"\u00d6kologische Klebstoffe aus Pflanzen\u00f6l"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bioprodukte boomen. Denn statt Massentierhaltung und Chemikalien-Cocktails auf den Feldern w\u00fcnschen sich viele Verbraucher sattgr\u00fcne Weiden f\u00fcr die Tiere, m\u00f6glichst unbehandeltes Obst und Gem\u00fcse sowie Textilien aus \u00f6kologisch erzeugter Baumwolle. Allerdings ist es nicht damit getan, Kunststoffe durch Materialien wie Holz oder Kork zu ersetzen. Wirklich nachhaltig sind die Produkte nur dann, wenn auch die Klebstoffe und Lacke aus biobasierten Rohstoffen hergestellt werden.<\/strong><\/p>\n<p>Bisher bestehen Klebstoffe und Co. meist aus duroplastischen Epoxidharzen auf Erd\u00f6lbasis. Einfacher gesagt: aus Kunstharzen, die sich \u2013 einmal erw\u00e4rmt \u2013 nicht mehr verformen lassen. Als Bausteine f\u00fcr diese Epoxidharze dienen Monomere. Gibt man einen H\u00e4rter hinzu, vernetzen sich die Einzelmolek\u00fcle zu einem festen Kunststoff, der sich nicht mehr aufschmelzen l\u00e4sst. \u00dcber zugegebene Funktionsstoffe lassen sich die Eigenschaften feinjustieren und an die jeweiligen Anwendungen anpassen. So k\u00f6nnen sie die Epoxidharze f\u00e4rben, vor Feuer sch\u00fctzen oder daf\u00fcr sorgen, dass sie sich besser verarbeiten lassen.<\/p>\n<h3>Pflanzen\u00f6lepoxide mit naturbasierten Additiven<\/h3>\n<figure id=\"attachment_63211\" aria-describedby=\"caption-attachment-63211\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-63211\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/1554300513045_imws-oekologischeklebstoffeauspflanzenoelbild2-300x200.jpg\" alt=\"\u00a9 Fraunhofer IMWS Organosolv-Lignin-Pulver und Leinsamen. Im Hintergrund: Lein\u00f6lepoxidproben f\u00fcr die Klebstoffpr\u00fcfung mit fl\u00fcssigem (gelb) und past\u00f6sem H\u00e4rter (wei\u00df), sowie mit Organosolv-Lignin (schwarz).\" width=\"275\" height=\"183\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/05\/1554300513045_imws-oekologischeklebstoffeauspflanzenoelbild2-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/05\/1554300513045_imws-oekologischeklebstoffeauspflanzenoelbild2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/05\/1554300513045_imws-oekologischeklebstoffeauspflanzenoelbild2-600x400.jpg 600w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/05\/1554300513045_imws-oekologischeklebstoffeauspflanzenoelbild2.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-63211\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Fraunhofer IMWS<br \/>Organosolv-Lignin-Pulver und Leinsamen. Im Hintergrund: Lein\u00f6lepoxidproben f\u00fcr die Klebstoffpr\u00fcfung mit fl\u00fcssigem (gelb) und past\u00f6sem H\u00e4rter (wei\u00df), sowie mit Organosolv-Lignin (schwarz).<\/figcaption><\/figure>\n<p>Doch lassen sich solche Epoxidharze auch auf \u00f6kologische Weise herstellen? Einen neuartigen Ansatzpunkt gibt es bereits: die Pflanzen\u00f6lepoxide, also die \u00f6kologische Variante der herk\u00f6mmlichen Epoxidharze. Basis bilden Pflanzen\u00f6le, die einen hohen Anteil an unges\u00e4ttigten Fetts\u00e4uren haben. Diese Fetts\u00e4uren werden epoxidiert, also mit einem Drei-Ring aus zwei Kohlenstoffatomen und einem Sauerstoffatom versehen. Kombiniert man diese Pflanzen\u00f6lepoxide mit entsprechenden H\u00e4rtern, entstehen hochbelastbare Kunststoffe. Nachhaltige Klebstoffe, Lacke oder auch Schaumharze r\u00fccken somit in den Bereich des M\u00f6glichen. Doch die chemische Zusammensetzung von nat\u00fcrlichen Rohstoffen kann stark schwanken, schlie\u00dflich werden sie aus der Saat von \u00d6lpflanzen extrahiert. Dies stellt Produzenten vor gro\u00dfe Herausforderungen.<\/p>\n<h3>\u00d6kologische Klebstoffe mit optimalen Eigenschaften<\/h3>\n<p>Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS nehmen die Eigenschaften solcher neu entwickelter biogener Harze daher genau unter die Lupe. \u00bbWir untersuchen die Harze von der Mikro- bis zur Makroebene\u00ab, best\u00e4tigt Andreas Krombholz, Gruppenleiter am IMWS. Wie wirken sich die variierenden Inhaltsstoffe auf die Harze aus? Ist dieser erste Schritt getan, optimiert das IMWS-Team die Harze und passt sie an die Verarbeitungsverfahren an.<\/p>\n<p>Zudem entwickeln die Fraunhofer-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler aus den Pflanzen\u00f6lepoxiden neuartige Klebstoffe. So sind alle diese Klebstoffformulierungen aus den Fraunhofer-Laboren vollkommen frei von L\u00f6sungsmitteln. Weiterhin widmen sich die Forschenden der Frage: Welche F\u00fcll- und Funktionsstoffe bieten welchen Nutzen?\u00a0Ein solcher w\u00e4re beispielsweise eine hohe elektrische Leitf\u00e4higkeit: Durch das Anlegen einer elektrischen Spannung l\u00e4sst sich die Klebschicht von innen heraus aufheizen \u2013 und h\u00e4rtet somit schnell und gezielt aus. Oder aber man bringt modifiziertes Thymian\u00f6l in den Kleber ein. So erh\u00e4lt er eine antibakterielle Wirkung.<\/p>\n<h3>Epoxidierung auf Enzyme umgestellt<\/h3>\n<p>Der biobasierte Anteil der aus den Pflanzen\u00f6lepoxiden gefertigten Klebstoffen liegt mittlerweile bei 86 Prozent, weil die Materialien viel Pflanzen\u00f6l enthalten und auch die bisher erd\u00f6lbasierten H\u00e4rterchemikalien gegen biobasierte Substanzen ausgetauscht wurden. Zum Vergleich: Bereits ab einem biobasierten Anteil von 35 Prozent gilt ein Material als nachhaltig. \u00bbGemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut f\u00fcr Grenzfl\u00e4chen- und Bioverfahrenstechnik IGB haben wir die Epoxidierung erstmalig auf Enzyme umgestellt, wir k\u00f6nnen die Pflanzen\u00f6le also ohne Erd\u00f6l-basierende Chemikalien mit diesem Verfahren behandeln. Und da dies via Enzymen bei 40 Grad Celsius vonstatten geht statt bei \u00fcber 100 Grad Celsius wie bisher, sparen wir zudem Energie\u00ab, erl\u00e4utert Krombholz. Doch damit nicht genug: Bisher verwendete die Industrie Lein\u00f6l aus Kanada f\u00fcr die Pflanzen\u00f6lepoxide \u2013 was schon allein im Hinblick auf die Lieferwege nicht \u00f6kologisch ist. Der Wissenschaftler und sein Team haben den Prozess daher von Lein\u00f6l auf Drachenkopf\u00f6l umgestellt, das in Deutschland \u00f6kologisch hergestellt wird. Das verbessert zus\u00e4tzlich die Umweltbilanz. Und den H\u00e4rter, bislang ein hochgiftiges Produkt, haben die Expertinnen und Experten durch eine \u00f6kologische Variante ersetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bioprodukte boomen. Denn statt Massentierhaltung und Chemikalien-Cocktails auf den Feldern w\u00fcnschen sich viele Verbraucher sattgr\u00fcne Weiden f\u00fcr die Tiere, m\u00f6glichst unbehandeltes Obst und Gem\u00fcse sowie Textilien aus \u00f6kologisch erzeugter Baumwolle. Allerdings ist es nicht damit getan, Kunststoffe durch Materialien wie Holz oder Kork zu ersetzen. 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