{"id":62683,"date":"2019-05-03T06:41:00","date_gmt":"2019-05-03T04:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.chemie.de%2Fnews%2F1160691%2Ffrueher-trug-man-bunt-chemiker-erforschen-jahrtausende-alte-stoffe.html%3FWT.mc_id%3Dca0065%26pk_campaign%3Dca0065"},"modified":"2019-05-02T15:03:33","modified_gmt":"2019-05-02T13:03:33","slug":"frueher-trug-man-bunt-chemiker-erforschen-jahrtausende-alte-stoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/frueher-trug-man-bunt-chemiker-erforschen-jahrtausende-alte-stoffe\/","title":{"rendered":"Fr\u00fcher trug man bunt: Chemiker erforschen Jahrtausende alte Stoffe"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auch vor Tausenden von Jahren haben die Menschen schon Kleidung mit bunten Mustern getragen. F\u00fcr deren Herstellung nutzten sie verschiedene Farbstoffe aus dem Tier- und Pflanzenreich. Das zeigen neue Analysen von Chemikern der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg (MLU), die mehrere Jahrtausende alte Textilien aus China und Peru untersucht haben. Im Fachjournal &#8220;Scientific Reports&#8221; beschreiben sie ein neues Verfahren, mit dem sich die r\u00e4umliche Verteilung der Farbstoffe in Textilproben und somit auch deren Muster rekonstruieren lassen.<\/strong><\/p>\n<p>Untersucht haben die Chemiker Dr. Annemarie Kramell und Prof. Dr. Ren\u00e9 Csuk von der MLU zwei alte Textilproben: Eine stammt aus der chinesischen Ruinenstadt Niya und war vermutlich Teil eines Hemdes. Sie ist \u00fcber 2.000 Jahre alt. Die andere Probe hat ihren Ursprung im Peru um die Zeit von 1.100 bis 1.400 nach Christus. Sie geh\u00f6rt zur Ichma-Kultur, die in dieser Zeit in Peru ans\u00e4ssig war. Dass solch alte Kleider einmal bunt waren, sieht man den Stoffen heute h\u00e4ufig nicht mehr an: &#8220;Sie haben einen langen Leidensweg hinter sich: Was einmal bunt war, kommt jetzt zumeist schmutzig, grau und braun daher&#8221;, sagt Ren\u00e9 Csuk. \u00dcber die lange Zeit haben sich die Farbstoffe aus der Natur durch die Einwirkung von Licht, Luft und Wasser zersetzt, erkl\u00e4rt der Chemiker. Fr\u00fcher wurden zum F\u00e4rben nur Naturstoffe eingesetzt: &#8220;Wurzeln von Pflanzen der Gattung Rubia waren zum Beispiel die Grundlage f\u00fcr rote Farben, mit zermahlenen Walnussschalen wurden braune Farben hergestellt&#8221;, sagt Annemarie Kramell. Auch damals mischen die Menschen einzelne Materialien, um andere Farbt\u00f6ne zu kreieren.<\/p>\n<p>Um herauszufinden, welche Materialien f\u00fcr welche Farben verwendet wurden, haben die Forscher ein neues Analyseverfahren entwickelt. Mit Hilfe der modernen bildgebenden Massenspektrometrie ist es ihnen gelungen, Farbstoffzusammensetzungen bei historischen Textilproben als Verteilungsbilder darzustellen. Bisher war es daf\u00fcr n\u00f6tig, die Farbstoffe aus den Textilien herauszul\u00f6sen. Dadurch wurde aber auch das Muster zerst\u00f6rt. Mit ihrem neuen Verfahren analysieren die halleschen Chemiker dagegen die Farbstoffe direkt von der Oberfl\u00e4che der Textilproben. Daf\u00fcr wird das zu untersuchende St\u00fcck Stoff zun\u00e4chst in ein anderes Material eingebettet. &#8220;Das St\u00fcck befindet sich in einer Matrix, die aus dem Material Technovit7100 besteht. Aus diesem Stoff werden wenige Mikrometer d\u00fcnne Schnitte erzeugt, die auf spezielle Objekttr\u00e4ger \u00fcberf\u00fchrt werden&#8221;, so Csuk. \u00c4hnliche Verfahren finden zum Beispiel in der medizinischen Forschung f\u00fcr die Untersuchung von menschlichem Gewebe Einsatz. Der Vorteil ist, dass mit dieser Methode sehr komplexe Proben im Mikrometerbereich untersucht werden k\u00f6nnen. &#8220;Damit k\u00f6nnen wir sogar zwei ineinander verwobene F\u00e4den voneinander unterscheiden, die urspr\u00fcnglich andere Farben hatten&#8221;, sagt Csuk.<\/p>\n<p>In der neuen Studie haben die Forscher zum Beispiel Indigo-Farbstoffe in den Proben nachweisen k\u00f6nnen. Die Methode ist aber auch auf viele weitere Farbstoffklassen anwendbar und gew\u00e4hrt Einblicke in den Prozess der Textilherstellung l\u00e4ngst vergangener Kulturen, so die beiden Wissenschaftler abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p>Die Forschung wurde vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung im Rahmen des Projekts &#8220;Silk road fashion: Kleidung als Kommunikationsmittel im 1. Jahrtausend vor Christus in Ostzentralasien&#8221; gef\u00f6rdert. Beteiligt waren zudem das Hans-Kn\u00f6ll-Institut in Jena und Dr. Gerd Hause vom Biozentrum der MLU in Halle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch vor Tausenden von Jahren haben die Menschen schon Kleidung mit bunten Mustern getragen. F\u00fcr deren Herstellung nutzten sie verschiedene Farbstoffe aus dem Tier- und Pflanzenreich. Das zeigen neue Analysen von Chemikern der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg (MLU), die mehrere Jahrtausende alte Textilien aus China und Peru untersucht haben. 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