{"id":62630,"date":"2019-04-29T07:26:48","date_gmt":"2019-04-29T05:26:48","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=62630"},"modified":"2019-04-24T14:20:02","modified_gmt":"2019-04-24T12:20:02","slug":"wird-hanf-der-erste-umweltfreundliche-verbundwerkstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wird-hanf-der-erste-umweltfreundliche-verbundwerkstoff\/","title":{"rendered":"Wird Hanf der erste umweltfreundliche Verbundwerkstoff?"},"content":{"rendered":"<p>Ein K\u00e4rntner Forscherteam setzt auf nachhaltigen Leichtbau: Das Kompetenzzentrum Holz, Carinthian Tech Research und die Fachhochschule K\u00e4rnten arbeiten an naturfaserverst\u00e4rkten Kunststoffen, die mit Sensorik und cleverer Datenauswertung kombiniert werden.\u00a0Damit w\u00e4re das Recyclingthema von Leichtbaustoffen kein Problem mehr. Denn keiner wei\u00df, was man mit Carbon (CFK) sowie Glasfaserkunststoffen (GFK) im End-Of-Life anstellen soll, speziell im gr\u00f6\u00dften Einsatzbereich bei Rotorbl\u00e4ttern von Windenergieanlagen. Diese m\u00fcssen in der Regel alle 20 Jahre getauscht werden. Ein wachsendes Problem nicht nur in \u00d6sterreich. So schrieb\u00a0\u201eDer Spiegel\u201c, dass ab 2040 allein in Deutschland etwa\u00a030.000 Tonnen Rotorbl\u00e4tter\u00a0j\u00e4hrlich entsorgt werden m\u00fcssen.\u00a0Viele Forscher suchen nach Auswegen. In K\u00e4rnten k\u00f6nnte man einen gefunden haben und zwar auf Basis von Hanf.<\/p>\n<p>\u201eWir sehen unser Forschungsprojekt als Grundlagenforschung. Jetzt wollen wir den n\u00e4chsten Schritt machen \u2013 von der strategischen Forschung in die Praxis.\u201c Herfried Lammer, Leiter des Projekts.<\/p>\n<p>Warum Hanf?<br \/>\nKonkret wurde in K\u00e4rnten daran get\u00fcftelt, Hanf als Basis eines Verbundwerkstoffes f\u00fcr den Einsatz in einem Windkraftwerk zu verwenden \u2013 und zwar f\u00fcr die Rotorbl\u00e4tter. Gef\u00f6rdert wird das nachhaltige Leichtbauprojekt vom K\u00e4rntner Wirtschaftsf\u00f6rderungsfonds mittels EFRE-Mitteln (EU-Fonds f\u00fcr regionale Entwicklung). Projektleiter Herfried Lammer erz\u00e4hlt vom Prototyp: \u201eDie Fl\u00fcgel sind etwa zwei Meter lang und bestehen zu 70 Prozent aus Hanf.\u201c Als Rohstoffbasis verwende man Nutzhanf: Das \u00d6l der Hanfsamen wird in biobasiertes Epoxidharz umgewandelt sowie aus den Hanffasern ein Garn gesponnen und ein Gewebe zur Verst\u00e4rkung hergestellt. Beides zusammen ergibt einen Hochleistungsverbundwerkstoff, der unter anderem die Anforderungen f\u00fcr Windkraftwerke erf\u00fcllt. Doch warum gerade Hanf? \u201eEs ist ideal f\u00fcr den Leichtbau geeignet: Hanf ist leicht und hat die idealen Eigenschaften \u2013 von der Steifigkeit bis zum Schallschutz und der Akustik.\u201c Dazu komme der nachhaltige Aspekt: Die Pflanze ist robust, kann j\u00e4hrlich abgeerntet werden und kann mehrfach verwendet werden. Das Hanf\u00f6l ist sehr gesund, die Bl\u00fcten bieten Grundlage f\u00fcr pharmazeutische Produkte und die Fasern eben f\u00fcr Leichtbauanwendungen. Und auch das Recycling ist kein Problem. Rundum nachhaltig also.<\/p>\n<p>Sensoren machen Hanf schlau<br \/>\n\u201eAber \u201agr\u00fcn\u2018 alleine reicht aber nicht, um erfolgreich am Markt bestehen zu k\u00f6nnen. Man braucht immer einen Mehrwert. Und das sehen wir als unsere Herausforderung: Wir sind Materialforscher, unser Ziel ist es, Material intelligent zu machen\u201c, sagt der Projektleiter. Deshalb hat man den Hanf-Bauteilen ein weiteres Gadget mit auf den Weg gegeben: Sensoren. Und zwar nicht irgendwelche, sondern Sensoren aus Papier. \u201eWir haben nach einem Weg gesucht, wie wir die Sensoren bestm\u00f6glich mit dem Hanf verbinden k\u00f6nnen. Indem wir die Sensoren jetzt auf Papier drucken, k\u00f6nnen wir sie in die Bauteile einbauen, ohne eine k\u00fcnstliche Fehlstelle bei der Impr\u00e4gnierung vorzusehen. Und so sind die Sensoren im Inneren bestens gesch\u00fctzt.\u201c Durch den Einsatz der Sensoren wird der Leichtbauteil zum smarten Produkt: Sie melden beispielsweise Informationen \u00fcber\u00a0\u00a0N\u00e4sse oder andere Belastungen im Werkstoff.<\/p>\n<p>Holz als Vorbild gegen Schimmel<br \/>\nApropos N\u00e4sse: Um die Naturfasern vor Schimmelbefall oder F\u00e4ulnis zu sch\u00fctzen, wird das Material nicht nur impr\u00e4gniert, sondern es wird auch speziell geformt. Als Vorbild dient daf\u00fcr Holz: Die kleinen Wasseradern, mit denen Holz durchzogen ist, wird in den Hanffasern nachgebildet. Das f\u00fchre nicht nur das Wasser ab, sondern wirke sich auch positiv auf die Bruchenergie des Materials aus. Letzteres ist wichtig, damit das Material nicht zu stark splittert.<\/p>\n<p>Interessierte Unternehmen gesucht<br \/>\nDer Windkraftfl\u00fcgel soll erst der Anfang gewesen sein. Die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Einsatz von hanffaserverst\u00e4rkten Verbundwerkstoffen seien gro\u00df, meint Herfried Lammer: \u201eEin interessanter Bereich ist nat\u00fcrlich die Automotive Industrie. Schon heute wird gerade in teureren Autos viel mit Naturfasern gearbeitet. Das liegt vor allem an der besseren Akustik und an anderen positiven Eigenschaften wie dem geringen Splittern.\u201c Auch die Sportartikelindustrie k\u00e4me als Partner in Frage \u2013 f\u00fcr Produkte f\u00fcr Surfboards oder Ski.<\/p>\n<p>Einsatzm\u00f6glichkeiten grenzenlos<br \/>\nAber im Grunde seien die Einsatzm\u00f6glichkeiten grenzenlos. Was noch alles mit Hanf-Leichtbauteilen m\u00f6glich w\u00e4re, will das Forschungs-Trio in weiteren Projekten ermitteln. Daf\u00fcr werden aktuell Partner aus der Wirtschaft gesucht. \u201eWir sehen unser Forschungsprojekt als Grundlagenforschung. Jetzt wollen wir den n\u00e4chsten Schritt machen \u2013 von der strategischen Forschung in die Praxis\u201c, so Lammer. Sein Vorschlag an Unternehmer lautet deshalb: \u201eWenn man einen Bauteil entwickelt, warum dann nicht nachhaltig? Es spricht alles daf\u00fcr, k\u00fcnftig auf innovative Naturfasern zu setzen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein K\u00e4rntner Forscherteam setzt auf nachhaltigen Leichtbau: Das Kompetenzzentrum Holz, Carinthian Tech Research und die Fachhochschule K\u00e4rnten arbeiten an naturfaserverst\u00e4rkten Kunststoffen, die mit Sensorik und cleverer Datenauswertung kombiniert werden.\u00a0Damit w\u00e4re das Recyclingthema von Leichtbaustoffen kein Problem mehr. 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