{"id":62514,"date":"2019-04-23T07:26:24","date_gmt":"2019-04-23T05:26:24","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=62514"},"modified":"2019-04-18T13:37:16","modified_gmt":"2019-04-18T11:37:16","slug":"die-cannabis-anbauer-in-deutschland-stehen-fest-vorerst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-cannabis-anbauer-in-deutschland-stehen-fest-vorerst\/","title":{"rendered":"Die Cannabis-Anbauer in Deutschland stehen fest \u2013 vorerst"},"content":{"rendered":"<p>Die Zuschl\u00e4ge f\u00fcr den Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland sind erteilt: Die Deutschland-T\u00f6chter der kanadischen Firmen Aphria und Aurora sowie das 2017 gegr\u00fcndete Berliner Unternehmen Demecan erhalten die Zuschl\u00e4ge f\u00fcr die insgesamt 13 Lose. Das erfuhr das Handelsblatt aus Branchenkreisen.<\/p>\n<p>Aphria Deutschland best\u00e4tigte dem Handelsblatt, den Zuschlag f\u00fcr f\u00fcnf der 13 Lose bekommen zu haben. Aurora Deutschland, das nach Brancheninformationen ebenfalls f\u00fcnf Lose bekommen haben soll, \u00e4u\u00dferte sich zun\u00e4chst nicht. Demecan best\u00e4tigte am Donnerstagnachmittag den Zuschlag f\u00fcr drei Lose.<\/p>\n<p>\u201eWir freuen uns sehr, den Zuschlag f\u00fcr f\u00fcnf Lose bekommen zu haben und mit unserer Erfahrung Cannabis in medizinischer Qualit\u00e4t in Deutschland aufbauen zu k\u00f6nnen\u201c, sagt Aphria-Deutschland Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Hendrik Knopp. Aphria geh\u00f6rt in Kanada zu den f\u00fchrenden Cannabisunternehmen.<\/p>\n<p>In Deutschland will Aphria sein Gesch\u00e4ft auf zwei S\u00e4ulen aufstellen: drei Bl\u00fctensorten will Aphria durch den Anbau vor Ort anbieten, weitere Sorten medizinischen Cannabis k\u00f6nnen aus Kanada und k\u00fcnftig auch aus den Anlagen in D\u00e4nemark importiert werden. Aphria Deutschland wird die Cannabispflanzen in seiner 8.000 Quadratmeter gro\u00dfen Anlage in Neum\u00fcnster anbauen, wo derzeit noch medizinisches Chili, das unter anderem f\u00fcr W\u00e4rmepflaster ben\u00f6tigt wird, w\u00e4chst.<\/p>\n<p>79 Bieter beziehungsweise Bietergemeinschaften hatten im Ausschreibungsverfahren des Bundesinstituts f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) Angebote abgegeben. Die Ausschreibung umfasst 10.400 Kilogramm Cannabis, verteilt auf vier Jahre mit jeweils 2.600 Kilogramm. Das Bundesinstitut erwartet die erste Ernte f\u00fcr das 4. Quartal 2020. Bei Bedarf kann auch weiterhin zus\u00e4tzlich medizinisches Cannabis importiert werden.<\/p>\n<p>Dieser Gr\u00fcnder will synthetisches Cannabis aus Bakterien herstellen<\/p>\n<p>Ganz final ist die Entscheidung f\u00fcr die Cannabis-Anbauer in Deutschland allerdings noch nicht. Zehn Tage lang kann noch gegen die Vergabe der einzelnen Lose geklagt werden. Wegen dieser verfahrenstechnischen Gr\u00fcnde nimmt das Bfarm nach Angaben eines Sprechers derzeit auch nicht zur Zuschlagserteilung Stellung.<\/p>\n<p>Der Einsatz von Cannabis f\u00fcr therapeutische Zwecke ist in Deutschland seit M\u00e4rz 2017 bei scherwiegenden Erkrankungen erlaubt. Laut Gesetz muss Cannabis als Medizin von den gesetzlichen Krankenkassen auch erstattet werden, wenn etwa andere therapeutische M\u00f6glichkeiten ausgesch\u00f6pft sind. Aktuelle Sch\u00e4tzung gehen von rund 40.000 Cannabis Patienten in Deutschland aus. Eine nationale Statistik dar\u00fcber gibt es nicht.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr wurden laut Statistik des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen mehr als 185.000 Verordnungen f\u00fcr cannabishaltige Zubereitungen, Bl\u00fcten und Fertigarzneimittel erteilt. Die Verordnungen summieren sich auf einen Bruttoumsatz von 74 Millionen Euro. Die mehr als 71.000 Verordnungen f\u00fcr Bl\u00fcten schlagen dabei mit knapp 33 Millionen Euro zu Buche.<\/p>\n<p>F\u00fcr wie viel Umsatz die Lose der Ausschreibung stehen, will Aphria-Deutschlandchef Knopp nicht verraten. Feststeht: die drei Anbauer in Deutschland, die die Zuschl\u00e4ge bekommen haben, k\u00f6nnen mit Millionenums\u00e4tzen rechnen. Ein Los steht f\u00fcr eine Jahresmenge von 200 Kilogramm Cannabisbl\u00fcten, f\u00fcnf Lose somit f\u00fcr eine Tonne. Die Herstellerabgabepreise f\u00fcr Cannabis liegen nach Informationen aus Branchenkreisen auf dem Weltmarkt zwischen 1,50 Euro und etwa acht Euro je Gramm Cannabis.<\/p>\n<p>Die Preise bei der Ausschreibung in Deutschland d\u00fcrften sich vermutlich unterhalb der Marke von f\u00fcnf Euro bewegen. Legt man einen Preis von vier Euro zugrunde, stehen die f\u00fcnf Lose f\u00fcr einen Umsatz von vier Millionen Euro pro Jahr beziehungsweise 16 Millionen Euro f\u00fcr die Ausschreibungsdauer von vier Jahren.<\/p>\n<p>Eine erste Ausschreibung zum Anbau von Medizinalcannabis in Deutschland hatte das Bfarm im vergangenen Jahr aufheben m\u00fcssen, weil das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf der Auffassung eines klagenden Unternehmens gefolgt war, dass die Frist nach einer Verfahrens\u00e4nderung nicht ausreichend gewesen sei.<\/p>\n<p>Gegen die zweite Ausschreibung hat Branchenkreisen zufolge Aphria geklagt. Da das Unternehmen nun aber einen Zuschlag bekommen hat, entf\u00e4llt der Klagegrund und Insider erwarten, dass das Unternehmen seine Klage zur\u00fcckzieht. Aphria selbst will zu dem Thema keine Stellung nehmen.<\/p>\n<p>K\u00fcnftig wird die von der Bfarm eingerichtete Agentur das in Deutschland gebaute medizinische Cannabis verkaufen. Sie wird die Bl\u00fcten gem\u00e4\u00df den Vorgaben der Vereinten Nationen \u00fcber Suchtstoffe ankaufen, in Besitz nehmen und an Hersteller von Cannabisarzneimitteln, Gro\u00dfh\u00e4ndler oder Apotheken verkaufen. Dabei darf das Bundesinstitut keine Gewinne oder \u00dcbersch\u00fcsse erzielen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zuschl\u00e4ge f\u00fcr den Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland sind erteilt: Die Deutschland-T\u00f6chter der kanadischen Firmen Aphria und Aurora sowie das 2017 gegr\u00fcndete Berliner Unternehmen Demecan erhalten die Zuschl\u00e4ge f\u00fcr die insgesamt 13 Lose. Das erfuhr das Handelsblatt aus Branchenkreisen. 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