{"id":62437,"date":"2019-04-24T06:41:26","date_gmt":"2019-04-24T04:41:26","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=62437"},"modified":"2019-04-15T10:35:30","modified_gmt":"2019-04-15T08:35:30","slug":"wieviel-natur-verlieren-wir-durch-hoehere-ertraege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wieviel-natur-verlieren-wir-durch-hoehere-ertraege\/","title":{"rendered":"Wieviel Natur verlieren wir durch h\u00f6here Ertr\u00e4ge?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Um den Ertrag bewirtschafteter Nutzfl\u00e4chen zu steigern, wird die Landnutzung intensiviert. In welchem Ma\u00df der Ertrag dabei zunimmt, und wie hoch gleichzeitig der Verlust der biologischen Vielfalt ausf\u00e4llt, dar\u00fcber ist bislang kaum etwas bekannt. Ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat nun unter Leitung des UFZ Daten weltweiter Forschungsarbeiten ausgewertet, in denen sowohl Ertrag als auch Biodiversit\u00e4t vor und nach Intensivierungsma\u00dfnahmen untersucht wurden. Die Resultate dieser Meta-Analyse sind jetzt im Fachmagazin Global Change Biology ver\u00f6ffentlicht.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_62433\" aria-describedby=\"caption-attachment-62433\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-62433\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/pic_20190409105921_9702ce80aa-300x194.jpg\" alt=\"Die Intensit\u00e4t der Landnutzung l\u00e4sst sich anhand verschiedener Indikatoren ableiten (z.B. manuelle Bearbeitung von Ackerland oder Verzicht auf Pestizide -&gt; niedrige Intensit\u00e4t \/ Nutzung gro\u00dfer Maschinen und chemischem D\u00fcnger -&gt; hohe Intensit\u00e4t). In den drei dominierenden Produktionssystemen (Lebensmittel, Futtermittel, Holz) erh\u00f6ht die Intensivierung den Ertrag (+ 20,3%, roter Pfeil), f\u00fchrt jedoch auch zu einem Artenverlust (-8,9%, blauer Pfeil). Foto: UFZ Photo: UFZ\" width=\"300\" height=\"194\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/04\/pic_20190409105921_9702ce80aa-300x194.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/04\/pic_20190409105921_9702ce80aa-600x388.jpg 600w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/04\/pic_20190409105921_9702ce80aa.jpg 913w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-62433\" class=\"wp-caption-text\">Die Intensit\u00e4t der Landnutzung l\u00e4sst sich anhand verschiedener Indikatoren ableiten (z.B. manuelle Bearbeitung von Ackerland oder Verzicht auf Pestizide -&gt; niedrige Intensit\u00e4t \/ Nutzung gro\u00dfer Maschinen und chemischem D\u00fcnger -&gt; hohe Intensit\u00e4t). In den drei dominierenden Produktionssystemen (Lebensmittel, Futtermittel, Holz) erh\u00f6ht die Intensivierung den Ertrag (+ 20,3%, roter Pfeil), f\u00fchrt jedoch auch zu einem Artenverlust (-8,9%, blauer Pfeil).<br \/>Foto: UFZ<br \/>Photo: UFZ<\/figcaption><\/figure>\n<p>Rund 80 Prozent der Landfl\u00e4chen in Europa sind besiedelt und werden land- und forstwirtschaftlich genutzt. Um die Ertr\u00e4ge weiter zu steigern, wird die Nutzung intensiviert: Fl\u00e4chen werden zusammengelegt, um sie mit gr\u00f6\u00dferen Maschinen effizienter zu bewirtschaften. Es werden vermehrt Pestizide und D\u00fcngemittel eingesetzt oder eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl an Tieren auf der Weide gehalten. &#8220;Solche Ma\u00dfnahmen wirken sich nicht nur positiv auf den Ertrag, sondern meist auch negativ auf die Biodiversit\u00e4t aus&#8221;, sagt UFZ-Biologe Dr. Michael Beckmann. &#8220;Denn auch landwirtschaftlich genutzte Fl\u00e4chen bieten Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum &#8211; dem wird h\u00e4ufig zu wenig Beachtung geschenkt.&#8221; In bisherigen Studien werden die Auswirkungen intensivierter Landnutzung zudem meist nur von einer Seite betrachtet: entweder mit Blick auf den Ertragszuwachs oder den Biodiversit\u00e4tsverlust. &#8220;In welchem Verh\u00e4ltnis beides zueinander steht, und f\u00fcr welchen Ertrag die Natur letztlich welchen Preis zahlen muss, dar\u00fcber wissen wir leider noch viel zu wenig&#8221;, sagt Beckmann. Mit seiner aktuellen Studie m\u00f6chte das Wissenschaftlerteam hier mehr Licht ins Dunkel bringen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr haben die Forscher etwa 10.000 thematisch relevante Studien gesichtet und nach solchen gefahndet, in denen vor und nach Intensivierungsma\u00dfnahmen sowohl Messdaten f\u00fcr Ertrag als auch f\u00fcr Biodiversit\u00e4t erhoben wurden. &#8220;Der Gro\u00dfteil der Studien ist dabei durchs Raster gefallen. Nur 115 Studien haben tats\u00e4chlich beide Parameter auf den gleichen Fl\u00e4chen gemessen und waren damit f\u00fcr uns relevant&#8221;, sagt Beckmann. Die 449 untersuchten Nutzfl\u00e4chen dieser Studien sind jedoch rund um den Globus verteilt, befinden sich in unterschiedlichen Klimazonen und die Dauer ihrer Nutzung variiert stark. Um sie f\u00fcr ihre Berechnungen nutzen k\u00f6nnen, entwickelten die Forscher ein komplexes Rechenmodell, das die bestehenden Unterschiede ber\u00fccksichtigt und die Daten vergleichbar macht. Anschlie\u00dfend fassten sie jeweilige Ertragszuw\u00e4chse sowie Biodiversit\u00e4tsverluste zusammen. &#8220;Wir konnten zeigen, dass die Intensivierung der Landnutzung im Mittel zu einer Ertragssteigerung von 20 Prozent f\u00fchrt, gleichzeitig aber mit einem Artenverlust von neun Prozent einhergeht&#8221;, sagt Beckmann.<\/p>\n<p>Um einen detaillierteren Einblick in die Auswirkungen von Intensivierungsma\u00dfnahmen zu bekommen, haben die Forscher die untersuchten Nutzfl\u00e4chen in drei Intensit\u00e4tsklassen &#8211; niedrig, mittel oder hoch &#8211; eingeteilt. Auf diese Weise konnten die Ergebnisse aller drei landwirtschaftlicher Produktionssysteme &#8211; Ackerland, Graslandschaft oder Wald &#8211; miteinander verglichen werden. Fl\u00e4chen mit mittlerer Nutzungsintensit\u00e4t zeigten nach Intensivierungsma\u00dfnahmen mit 85 Prozent den h\u00f6chsten Ertragsanstieg. Mit 23 Prozent hatten sie aber auch den gr\u00f6\u00dften Verlust an Arten. Fl\u00e4chen mit bereits hoher Nutzungsintensit\u00e4t zeigten dagegen zwar keine signifikanten Artenverluste, hatten aber noch einen Ertragszuwachs von 15 Prozent. &#8220;Zun\u00e4chst klingt das ja ganz hervorragend: Mehr Ertrag ohne Verlust von Arten&#8221;, sagt Beckmann. &#8220;Doch wo schon zu Anfang durch hochintensive Nutzung nicht mehr viel Biodiversit\u00e4t vorhanden ist, kann nat\u00fcrlich auch nicht mehr viel verlorengehen. Hier ist der kritische Punkt wom\u00f6glich schon \u00fcberschritten.&#8221; Beim Vergleich der Auswirkungen von Intensivierungsma\u00dfnahmen auf Ackerland, Graslandschaft und Wald schnitt der Wald hinsichtlich niedriger Artenverluste am besten ab. Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass intensivierte Landnutzung in Einzelf\u00e4llen, wie etwa der Holzproduktion, auch zu Ertragssteigerungen f\u00fchren kann, ohne dass dies zu Lasten der Biodiversit\u00e4t geht.<\/p>\n<p>Die vorliegende Studie macht deutlich, wie gro\u00df der Einfluss der Intensit\u00e4t landwirtschaftlicher Produktion f\u00fcr den Schutz von Biodiversit\u00e4t sein kann. Sie zeigt generelle Trends und identifiziert Wissensl\u00fccken. Konkrete Handlungsempfehlungen f\u00fcr einzelne Regionen lassen sich daraus aber nicht ableiten. &#8220;Um zu verstehen, unter welchen Bedingungen Landnutzung mit geringem bzw. besonders hohem Risiko f\u00fcr die Artenvielfalt verbunden ist, ist weitere Forschung notwendig&#8221;, sagt Michael Beckmann. &#8220;Nur so k\u00f6nnen wir in Zukunft effiziente Landnutzung betreiben und gleichzeitig die Artenvielfalt sch\u00fctzen. Denn Artenschutz kann und muss auch in unseren genutzten Kulturlandschaften stattfinden.&#8221;<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzt wurde diese Arbeit vom Nationalen Synthesezentrum (SESYNC; NSF DBI-1052875) und sDiv, dem Synthesezentrum des Deutschen Zentrums f\u00fcr Integrative Biodiversit\u00e4tsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig (DFG FZT 118).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um den Ertrag bewirtschafteter Nutzfl\u00e4chen zu steigern, wird die Landnutzung intensiviert. In welchem Ma\u00df der Ertrag dabei zunimmt, und wie hoch gleichzeitig der Verlust der biologischen Vielfalt ausf\u00e4llt, dar\u00fcber ist bislang kaum etwas bekannt. 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