{"id":6235,"date":"2003-07-25T00:00:00","date_gmt":"2003-07-24T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20030725-05n"},"modified":"2003-07-25T00:00:00","modified_gmt":"2003-07-24T22:00:00","slug":"von-der-badewanne-ins-reagenzglas-schwaemme-im-visier-der-forscher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/von-der-badewanne-ins-reagenzglas-schwaemme-im-visier-der-forscher\/","title":{"rendered":"Von der Badewanne ins Reagenzglas: Schw\u00e4mme im Visier der Forscher"},"content":{"rendered":"<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20030725-05\/meeresschwaemme_g.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Schwamm\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/><b>Schw\u00e4mme produzieren eine Vielzahl von Substanzen, die medizinisch wirksam sind. Wissenschaftler erwarten von ihrer Erforschung deshalb eine ganze Reihe neuer Medikamente.<\/b> <\/p>\n<p>Stuttgart (dpa) &#8211; Die gro\u00dfen Verwandten sorgen in Badewannen f\u00fcr Genuss. Von den kleinen bunten Schw\u00e4mmen in den Aquarien an der Universit\u00e4t Stuttgart erwarten sich Forscher jedoch einiges mehr: Die Lebewesen mit der l\u00f6chrigen Gewebestruktur produzieren eine Vielzahl von Substanzen, die medizinisch wirksam sind. In Schw\u00e4mmen verbergen sich nach den Erwartungen der Wissenschaftler eine ganze Reihe neuer Medikamente &#8211; etwa gegen Viruserkrankungen und Krebs, Malaria oder Pilzbefall. <\/p>\n<p>Allerdings ist die Tierklasse der Schw\u00e4mme noch weitgehend unerforscht. Um besser hinter die Geheimnisse der Vielzeller zu kommen, haben sich neben der Arbeitsgruppe von Prof. Franz Br\u00fcmmer am Stuttgarter Zoologischen Institut mehrere Forschergruppen in Deutschland und Kroatien zum Kompetenzzentrum <a href=\"http:\/\/www.biotecmarin.de\/\" >BIOTECmarin<\/a> zusammen getan. So arbeiten inzwischen Institute in Mainz, W\u00fcrzburg, Mannheim, Kiel und D\u00fcsseldorf sowie im kroatischen Rovinj gemeinsam an den Schw\u00e4mmen. Sie wollen unter anderem die Struktur dieser urspr\u00fcnglichsten Gruppe der Mehrzeller weiter aufkl\u00e4ren, Substanzen als m\u00f6gliche Kandidaten f\u00fcr neue Medikamente identifizieren und das \u00dcberleben von Schw\u00e4mmen in Aquarien verbessern. <\/p>\n<p>Mit ihrem weichen Gewebe wirken die Tiere nicht gerade besonders wehrhaft. \u00abTrotzdem geh\u00f6ren sie zu den erfolgreichsten Lebewesen der Erdgeschichte, sie sind Meister der biologischen Kriegsf\u00fchrung\u00bb, sagt der Stuttgarter Biologe Michael Nickel. \u00abIm Laufe von mehr als 600 Millionen Jahren entwickelten sie eine riesige Palette von chemischen Substanzen, mit denen sie sich gegen Feinde sch\u00fctzen.\u00bb <\/p>\n<p>\u00abMehrere Kandidaten dieser Substanzen &#8211; wie Wirkstoffe gegen Tumorerkrankungen &#8211; werden zur Zeit in Tierversuchen getestet\u00bb, erg\u00e4nzt der Leiter der Mainzer Forschergruppe, Prof. Werner E. G. M\u00fcller. Die Schwamm-Substanz Avarol gelte als hoffnungsvoller Kandidat f\u00fcr ein m\u00f6gliches Medikament gegen Aids. <\/p>\n<p>Ein Mittel gegen Herpesviren &#8211; dessen Wirkstoff aus einem Schwamm stammt &#8211; ist bereits seit langem auf dem deutschen Markt erh\u00e4ltlich. Den Wirkmechanismus kl\u00e4rte die Mainzer Forschergruppe auf. Daneben arbeite die Forschung daran, Substanzen aus dem Schwammskelett einmal als Knochenersatz einzusetzen, sagt M\u00fcller. <\/p>\n<p>Inzwischen sind 7.500 Arten der Tiergruppe bekannt &#8211; die gesch\u00e4tzte Zahl liegt bei bis zu 45.000. \u00abEin Schwamm lebt normalerweise in einer Symbiose mit drei bis f\u00fcnf Bakterienarten &#8211; hinzu kommen weitere rund 100 Mitl\u00e4ufer-Bakterien\u00bb, erkl\u00e4rt M\u00fcller. \u00abEin Extrakt, der aus einem Schwamm gewonnen wurde, ist an Vielf\u00e4ltigkeit der enthaltenen Substanzen allem anderen \u00fcberlegen, was man aus der Biologie vielzelliger Organismen her kennt.\u00bb Dementsprechend zahlreich seien auch die Treffer bei der Suche nach m\u00f6glichen Wirkstoffen. <\/p>\n<p>Dabei sind diese Substanzen synthetisch hergestellten Stoffen in vielen Punkten \u00fcberlegen. \u00abSie sind in der Natur durch den biologischen Test der Evolution gegangen\u00bb, sagt M\u00fcller. Ein Kilo Schwammgewebe filtert an einem Tag rund eine Tonne Wasser &#8211; und kommt dabei mit einer Vielzahl von Krankheitserregern in Ber\u00fchrung. \u00abTrotzdem sind die meisten Schw\u00e4mme sauber, haben etwa keinen Pilzbewuchs.\u00bb Dieses Ph\u00e4nomen soll k\u00fcnftig auch f\u00fcr die Schifffahrt genutzt werden: Mit Wirkstoffen aus Schw\u00e4mmen k\u00f6nnten neue Schutzanstriche f\u00fcr Schiffsr\u00fcmpfe entwickelt werden. <\/p>\n<p>F\u00fcr die Erforschung der Substanzen sind jedoch riesige Mengen von Schw\u00e4mmen n\u00f6tig &#8211; die in ihrem nat\u00fcrlichen Lebensraum immer seltener werden. So zielt einer der Forschungsaspekte der Stuttgarter Gruppe auf die Haltung und effektive Vermehrung von Schw\u00e4mmen. Bei diesen Studien haben die Stuttgarter Wissenschaftler &#8211; ganz nebenbei &#8211; den \u00abschnellsten Schwamm der Welt\u00bb entdeckt: \u00abTethya wilhelma\u00bb &#8211; benannt nach seinem Fundort, dem Zoologisch-Botanischen Garten Wilhelma. Dort legt er zwei Millimeter pro Stunde zur\u00fcck und war Wissenschaftlern bis zum Jahr 2001 unbekannt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Schw&auml;mme produzieren eine Vielzahl von Substanzen, die medizinisch wirksam sind. 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