{"id":62271,"date":"2019-04-12T07:35:37","date_gmt":"2019-04-12T05:35:37","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=62271"},"modified":"2019-04-09T14:47:56","modified_gmt":"2019-04-09T12:47:56","slug":"gentechnisch-modifiziertes-tequila-bakterium-produziert-cannabiswirkstoffe-aus-zucker-farmako-meldet-weltweites-patent-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/gentechnisch-modifiziertes-tequila-bakterium-produziert-cannabiswirkstoffe-aus-zucker-farmako-meldet-weltweites-patent-an\/","title":{"rendered":"Gentechnisch modifiziertes Tequila-Bakterium produziert Cannabiswirkstoffe aus Zucker: Farmako meldet weltweites Patent an"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li><strong>Standardisierter Prozess f\u00fcr Herstellung von Cannabinoiden<\/strong><\/li>\n<li><strong>Erstmalige Produktion von Cannabinoiden durch Biosynthese ohne Einsatz von Hefe <\/strong><\/li>\n<li><strong>Produktionskosten sinken auf ein Tausendstel der bisherigen Kosten<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Das Frankfurter Pharmaunternehmen \u200bFarmako\u200b hat im Februar 2019 ein weltweites Patent f\u00fcr einen neuartigen Mikroorganismus zur Erzeugung von Cannabinoiden aus Zucker durch Biosynthese beim Europ\u00e4ischen Patentamt angemeldet. Bis dato werden f\u00fcr medizinische Zwecke noch immer Cannabis-Pflanzen angebaut und nat\u00fcrliche Bl\u00fcten oder \u00d6le verschrieben. Entsprechend teuer sind Cannabis-Medikamente. Zuletzt waren Engp\u00e4sse so gro\u00df, dass Patienten ihre verschriebenen Medikamente nicht erhalten konnten. Au\u00dferdem sind Bl\u00fcten nur sehr schwer zu standardisieren und zu dosieren. Der neue Syntheseorganismus hat erhebliche Vorteile gegen\u00fcber anderen biosynthetischen Herstellungsverfahren von Cannabinoiden, die beispielsweise auf Hefepilzen basieren.<\/strong><\/p>\n<p>Farmako kann zuk\u00fcnftig die gesamte Palette verschiedener Cannabinoide f\u00fcr standardisierte Medikamente herstellen. F\u00fcr Patienten verspricht dies nicht nur Versorgungssicherheit, sondern auch deutlich niedrigere Preise: Aktuelle Produktionskosten werden vor allem durch Zucht und Anbau in die H\u00f6he getrieben.<\/p>\n<p>Vergleichsweise kostet ein Kilogramm THC durch Farmakos biosynthetischen Prozess in der Produktion rund ein Tausendstel weniger. Im Gegensatz zu weiteren Unternehmen und Wissenschaftlern verwendet Farmako erstmalig keine Hefezellen. Stattdessen wurde das Bakterium <em>\u200bZymomonas mobilis<\/em>,\u200b auch eingesetzt fu\u0308r die Herstellung von Tequila, gentechnisch so modifiziert, dass es neben CBD und THC im Rahmen einer kontinuierlichen Synthese ebenfalls 180 Cannabinoide herstellen kann.<\/p>\n<p>Die Pharmaindustrie und Cannabis r\u00fccken damit noch enger zusammen. \u201eEin x-beliebiges Cannabinoid synthetisch und unheimlich effizient herstellen zu k\u00f6nnen, ist der Durchbruch fu\u0308r Cannabis in der Medizin\u201d, sagt Niklas Kouparanis, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Gr\u00fcnder von Farmako. \u201eUnser Patent wird die Pharmaindustrie in Sachen Cannabis \u00e4hnlich revolutionieren wie die erstmalige Biosynthese von Insulin. Die Cannabisindustrie steht damit vor so rasanten Umbr\u00fcchen, wie sie beispielsweise Netflix in der Entertainment-Branche hervorgerufen hat.\u201d<\/p>\n<p>\u201eMit einem Produktionsdurchlauf k\u00f6nnen wir 900 Stunden ohne Unterbrechung Cannabinoide produzieren. In dieser Zeit entstehen beispielsweise 4,5 Kilogramm THC pro Gramm Bakterienmasse\u201d, erkl\u00e4rt Patrick Schmitt, Mitgr\u00fcnder von Farmako und Chief Science Officer (CSO) des Unternehmens. Der Molekularbiologe modifizierte das Bakterium \u200b<em>Zymomonas mobilis<\/em>,\u200b \u200b\u200bindem er Gene aus dem Malariaerreger bestimmten Bakterien sowie der Cannabispflanze einbrachte. Zudem nutzte er eine Art Genschere, um bestimmte Gene, die eigentlich fu\u0308r die Alkoholproduktion verantwortlich sind, aus dem Erbgut des Bakteriums zu entfernen. Das so k\u00fcnstlich erzeugte Bakterium mit dem Namen\u200b <em>Zymomonas cannabinoidis<\/em>\u200b<sup>\u00ae<\/sup> ist nun in der Lage, Cannabinoide aus Traubenzucker herzustellen. Schmitt war insgesamt an 500 am Markt erh\u00e4ltlichen Produkten sowie etlichen Patentierungen von Arzneimitteln beteiligt.<\/p>\n<p>\u201eAls forschendes Pharmaunternehmen sorgen wir dafu\u0308r, dass die vielen bislang noch unbekannten M\u00f6glichkeiten von Cannabinoiden endlich im Wohle der Patienten empirisch erkundet und in der Praxis eingesetzt werden. Mit dieser Patentanmeldung befinden wir uns weltweit in einer einzigartigen Position\u201d, sagt Niklas Kouparanis, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Gr\u00fcnder von Farmako.<\/p>\n<p>\u201eIm Prinzip passiert bei der Biosynthese nichts anderes als bei der Alkoholg\u00e4rung, mit dem Unterschied, dass als Endprodukte Cannabinoide statt Alkohol entstehen. Daf\u00fcr brauchen wir als Ausgangsbasis lediglich Traubenzucker\u201d, so Schmitt. Um von den \u00fcber 180 bekannten Cannabinoiden exakt das gew\u00fcnschte herzustellen, muss fortan nur ein einziges Gen ausgetauscht werde. \u201eEin prokaryotischer Syntheseorganismus wie \u200b<em>Zymomonas cannabinoidis<\/em><sup>\u00ae<\/sup>\u200b ist viel wirtschaftlicher f\u00fcr die Produktion von Cannabinoiden zu nutzen als ein eukaryotischer Organismus wie Bierhefe\u201d, erkla\u0308rt Schmitt.<\/p>\n<h3>\u201eSpitzenposition bei der Herstellung von Cannabinoiden und Fertigarzneimittel auf Cannabinoid-Basis\u201d<\/h3>\n<p>In Deutschland ist pharmazeutisches Cannabis seit 2017 legal. Auch weitere europ\u00e4ische L\u00e4nder wie D\u00e4nemark, Luxemburg oder Gro\u00dfbritannien haben den Einsatz fu\u0308r medizinische Zwecke legalisiert. In Kanada ist der Markt innerhalb von drei Jahren von 170 Millionen auf 30 Milliarden Euro gewachsen. Die Unternehmensberater von Prohibition Partners erwarten, dass der europ\u00e4ische Markt 2028 58 Milliarden Euro wert sein wird. Bislang erhalten Patienten nat\u00fcrlich gewonnene Cannabisbl\u00fcten oder \u00d6le der Cannabispflanze. Zuletzt kam es immer wieder zu Engp\u00e4ssen, so dass viele Patienten nicht an die verordneten Medikamente f\u00fcr ihre Therapien gelangen konnten. Zudem treibt die Knappheit an verf\u00fcgbaren Cannabisbl\u00fcten die Preise fu\u0308r die Patienten in die H\u00f6he. Im Vergleich zu nat\u00fcrlichen Bl\u00fcten ist die Herstellung von Cannabinoiden durch Biosynthese deutlich kosteneffizienter.<\/p>\n<p>\u201eDer neue Syntheseorganismus stellt einen enormen Wettbewerbsvorteil f\u00fcr Farmako dar. Die Herstellung von Cannabinoiden und Fertigarzneimittel auf Cannabinoid-Basis erfolgt perspektivisch synthetisch. Mit der Patentanmeldung haben wir nun ein gro\u00dfes Fragezeichen aus der Welt geschafft, wie diese Herstellung genau aussieht. Wir sind bei der Entwicklung und Forschung in diesem Bereich weltweit f\u00fchrend\u201c, sagt Kouparanis.<\/p>\n<p>Farmako hatte k\u00fcrzlich den bislang weltweit gr\u00f6\u00dften Importvertrag verk\u00fcndet (<a href=\"https:\/\/www.farmako.de\/download\/2310\/\" target=\"_blank\">Pressemitteilung\u200b<\/a>) und importiert in den n\u00e4chsten vier Jahren bis zu 50 Tonnen Cannabisbl\u00fcten und -\u00f6le vom polnischen Unternehmen Pharmacann. Durch die Distribution der nat\u00fcrlichen Produkte werden aktuelle Engp\u00e4sse bei der Versorgung europ\u00e4ischer Patienten geschlossen. Die Ertr\u00e4ge flie\u00dfen direkt in die Forschungsarbeit. So forscht ab April in einem eigenen Labor das Farmako Wissenschaftlerteam am neuen Herstellungsprozess und an Patenten.<\/p>\n<h3>Cannabinoide als Medizin: 80 Jahre unerforscht<\/h3>\n<p>Patente f\u00fcr die Produktion von Cannabinoiden durch Bierhefe werden von zwei verschiedenen Unternehmen aus den USA gehalten. Das Extrahieren einzelner Cannabinoide aus der Pflanze, etwa durch CO\u200b<sub>2<\/sub>\u200b Extraktion, ist zeitaufwendig und kostspielig. \u201eAus wirtschaftlicher Sicht sind Cannabinoid-Synthesen in Hefepilzen wenig attraktiv. Zwar k\u00f6nnen mithilfe von Bierhefe Cannabiniode produziert werden, jedoch m\u00fcssen die Zellen nach dieser Synthese aufgebrochen werden, was die Produktion unterbindet. Das bereitet gro\u00dfe Schwierigkeiten, wenn man die Produktion in den industriellen Ma\u00dfstab \u00fcberf\u00fchren mo\u0308chte. \u200b<em>Zymomonas cannabinoides<\/em><sup>\u00ae\u200b<\/sup> hingegen gibt die produzierten Cannabiniode direkt an das umliegende Medium ab. Dies erm\u00f6glicht eine kontinuierliche Produktion ohne Unterbrechung\u201c, so Schmitt. Experten bewerten den Wert des Patentes auf einen gegenw\u00e4rtigen Wert von 300 Millionen Euro.<\/p>\n<p>Durch die zuk\u00fcnftig breite Palette verf\u00fcgbarer, synthetisch hergestellter Cannabinoide erh\u00e4lt die evidenzbasierte, empirische Forschung eine v\u00f6llig neue Perspektive. Schmitt: \u201e\u00dcber 80 Jahre wurden Cannabinoide nicht erforscht. Weder die Herstellung, Verarbeitung noch die pharmazeutische Anwendung hat nennenswerte Fortschritte gemacht. Wir wollen die Aufholjagd anf\u00fchren und stellen Medizinern und Forschern einen Baukasten mit allen f\u00fcr den medizinischen Fortschritt erforderlichen Cannabinoiden parat. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir, dass Cannabinoide wie THC oder CBD in vielen Krankheitsf\u00e4llen besser wirken als handels\u00fcbliche Medikamente. Sei es bei starken Schmerzen, bei Schlaflosigkeit oder Nervenkrankheiten oder sogar in der Krebsbehandlung. Allerdings wei\u00df man auch, dass das Verh\u00e4ltnis bestimmter Cannabinoide sowie verschiedener Terpene zueinander eine ma\u00dfgebliche Rolle bei der Behandlung verschiedener Krankheitsbilder bildet. Aus diesem Grund ist die Erforschung verschiedener Cannabinoidspektren auch k\u00fcnftig von gro\u00dfer Bedeutung.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>\u00dcber Farmako<\/h3>\n<p>Die Farmako GmbH ist ein forschendes Pharmaunternehmen mit Sitz in Frankfurt. Dabei setzt das Unternehmen auf die Distribution von pharmazeutischem Cannabis und auf Forschung, um den Forschungsr\u00fcckstand im Bereich von pharmazeutischem Cannabis aufzuholen. Farmako plant, in diesem Markt ein vertikal integrierter Marktfu\u0308hrer in jedem europ\u00e4ischen Land mit entsprechender gesetzlicher Grundlage zu werden. Bereits jetzt hat Farmako Niederlassungen in Deutschland, D\u00e4nemark und Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Standardisierter Prozess f\u00fcr Herstellung von Cannabinoiden Erstmalige Produktion von Cannabinoiden durch Biosynthese ohne Einsatz von Hefe Produktionskosten sinken auf ein Tausendstel der bisherigen Kosten Das Frankfurter Pharmaunternehmen \u200bFarmako\u200b hat im Februar 2019 ein weltweites Patent f\u00fcr einen neuartigen Mikroorganismus zur Erzeugung von Cannabinoiden aus Zucker durch Biosynthese beim Europ\u00e4ischen Patentamt angemeldet. 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