{"id":62104,"date":"2019-04-08T07:32:18","date_gmt":"2019-04-08T05:32:18","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=62104"},"modified":"2019-04-03T13:14:51","modified_gmt":"2019-04-03T11:14:51","slug":"materialforschung-kunststoff-aus-kaffeesatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/materialforschung-kunststoff-aus-kaffeesatz\/","title":{"rendered":"Materialforschung: Kunststoff aus Kaffeesatz"},"content":{"rendered":"<p>Computerm\u00e4use, Lineale oder Autoteile: Zuk\u00fcnftig k\u00f6nnte Kaffeesatz vielf\u00e4ltige Wiederverwertung finden \u2013 denn Forscher der Hochschule Hannover wollen mit den Br\u00fchresten Kunststoffe herstellen. Material daf\u00fcr steht ausreichend zur Verf\u00fcgung: Nirgendwo sonst wird so viel Kaffee getrunken wie in Europa.<\/p>\n<p>Dass Kaffeesatz eigentlich zu schade zum Wegschmei\u00dfen ist, steht au\u00dfer Frage. Er taugt als Pflanzend\u00fcnger, soll Schnecken vertreiben k\u00f6nnen und sogar den Geruch von K\u00e4sefu\u00dfen. Und offenbar eignet er sich auch als Farb- und F\u00fcllstoff f\u00fcr Biokunststoffe, also f\u00fcr Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zucker oder Mais. Forscher der Hochschule Hannover testen das gerade in einem staatlich gef\u00f6rderten Projekt. Sie nutzen dazu Kaffeesatz, der bei der Produktion von Instantkaffee anf\u00e4llt und von einem Industriepartner zu feinen braunen Br\u00f6seln aufbereitet wird. Wie genau die Kr\u00fcmel in den Kunststoff kommen, erkl\u00e4rt die Ingenieurin Daniela Jahn in der Produktionshalle.<\/p>\n<p>\u201eDas ist ein beheizbares System, der Kunststoff wird aufgeschmolzen, durch Schneckenelemente weiter gef\u00f6rdert. Durch weitere Dosierungszugaben kommen dann noch Kaffeesatz hinzu und vielleicht noch weitere Zuschlagsstoffe, die wir ben\u00f6tigen, um einfach die n\u00f6tige Performance des Kunststoffs zu bekommen. Dann werden die Kunststoffstr\u00e4nge in ein Wasserbad geleitet und in einem Granulator klein geh\u00e4ckselt, sodass wirklich diese kleinen Kunststoffpellets entstehen, die Kunststoffgranulate. Und die Kunststoffgranulate werden dann weiter im Spritzgussprozess zu Produkten verarbeitet.\u201c<\/p>\n<p>Kaffeesatz soll fossile Farb- und F\u00fcllstoffe ersetzen<br \/>\nZum Beispiel zu Computerm\u00e4usen, Linealen oder Autoteilen. Das Ziel des Projekts ist, Farb- und F\u00fcllstoffe, die \u00fcblicherweise aus fossilen Quellen stammen, durch ein Biomaterial zu ersetzen. Mehr als 100 Kunststoff-Rezepturen haben die Forscher schon ausprobiert. Aus den Mischungen fertigen sie in der Regel erstmal flache St\u00e4be, die dann ein paar H\u00e4rtetests bestehen m\u00fcssen. Denn je nach Zielprodukt sollen die Materialien ganz unterschiedliche Anforderungen erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>\u201eIst der Geruch da oder ist er nicht da, je nachdem was gew\u00fcnscht ist. Kann das Bauteil f\u00fcnfmal von Tisch fallen, ohne dass es kaputt geht? Kann ich es ganz oft auf- und zuschrauben, wenn Schraubdome vorhanden sind? So etwas wird dann gemacht zum Beispiel.\u201c<\/p>\n<p>Wie gut sich der Kaffeesatz in das Material einf\u00fcgt, h\u00e4ngt auch von anderen Zuschlagstoffen ab, wie Weichmacher oder Substanzen, die f\u00fcr mehr Schlagfestigkeit sorgen sollen. Hier ist Jahn zufolge echtes Feintuning gefragt. Die Farbgebung wiederum wird vor allem vom Kunststofftyp und der Kaffeesatzdosis bestimmt. Mit verschiedenen Kombinationen konnten die Forscher schon gl\u00e4nzend braune, graue oder tief schwarze Plastikteile herstellen.<\/p>\n<p>\u201eUnd je nachdem, wenn man vielleicht noch Naturfasern hinzugibt, hat man noch einen sch\u00f6nen Faserlook dazu. Manchmal sieht man auch die kleinen Kaffeepartikel. Das ist nat\u00fcrlich dann sch\u00f6n, wenn der Endkunde dann auch sieht, was er da in der Hand hat.\u201c<\/p>\n<p>Neben Kaffeetassen auch andere Produkte<br \/>\nDas ist \u00fcbrigens auch der Fall bei den schwarzbraunen Kaffeetassen, die das Berliner Startup \u201eKaffeeform\u201c herstellt und auch schon verkauft. W\u00e4hrend die Kaffeereste hier aber sozusagen in der Branche bleiben, wollen die Forscher aus Hannover ausdr\u00fccklich Rezepte f\u00fcr eine Massenproduktion und ganz unterschiedliche Anwendungen entwickeln. Entscheidend daf\u00fcr ist, dass die Qualit\u00e4t der Rohstoffe stimmt. Deshalb, sagt Daniela Jahn, komme der Kaffeesatz aus privaten Kaffeemaschinen eher nicht in Frage.<\/p>\n<p>\u201eKaffeesatz ist nicht gleich Kaffeesatz. Die Bohnen unterscheiden sich: Es gibt verschiedene Arten von Bohnen, es gibt verschiedene R\u00f6stgrade. Und allein diese Unterschiede bestimmen schon die Prozesse. Auch dahingehend muss eine Qualit\u00e4t gegeben sein. Von daher ist es sehr schwierig, den Kaffeesatz aus dem Haushalt zu verwenden. Weil da ist es einfach nicht mehr kontrollierbar, welche Sorte jetzt verwendet worden ist.\u201c<\/p>\n<p>In ein paar Monaten wollen die Forscher erste marktf\u00e4hige Kunststoffe aus Kaffeesatz und auch eine \u00d6kobilanz dazu pr\u00e4sentieren. Wie diese ausf\u00e4llt, wie teuer die neuen Biokunststoffe sein werden und wie gut sie bei den Kunden ankommen, das ist bisher allerdings reine Kaffeesatzleserei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Computerm\u00e4use, Lineale oder Autoteile: Zuk\u00fcnftig k\u00f6nnte Kaffeesatz vielf\u00e4ltige Wiederverwertung finden \u2013 denn Forscher der Hochschule Hannover wollen mit den Br\u00fchresten Kunststoffe herstellen. Material daf\u00fcr steht ausreichend zur Verf\u00fcgung: Nirgendwo sonst wird so viel Kaffee getrunken wie in Europa. Dass Kaffeesatz eigentlich zu schade zum Wegschmei\u00dfen ist, steht au\u00dfer Frage. 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