{"id":61943,"date":"2019-04-03T07:32:28","date_gmt":"2019-04-03T05:32:28","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=61943"},"modified":"2019-04-03T12:03:40","modified_gmt":"2019-04-03T10:03:40","slug":"die-gruene-zukunft-der-verpackung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-gruene-zukunft-der-verpackung\/","title":{"rendered":"Die gr\u00fcne Zukunft der Verpackung"},"content":{"rendered":"<p>Biokunststoffe sollen einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Abh\u00e4ngigkeit von erd\u00f6lbasierten Produkten zu reduzieren und den CO2-Aussto\u00df zu verringern. Das war beim FNR Wissensforum (Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.) auf der FachPack 2018 zu h\u00f6ren. Bislang ist der Anteil der Biokunststoffe am gesamten Kunststoffmarkt aber noch sehr gering. Derzeit haben biobasierte Polymere eine Gesamtproduktionsmenge von 7,5 Millionen Tonnen und damit 2% der Produktionsmenge petrochemischer Polymere. Laut einer Studie des nova-Instituts hat sich die Produktion von biobasierten Polymeren in den letzten Jahren dennoch deutlich professionalisiert und differenziert. Demnach gibt es mittlerweile f\u00fcr praktisch jede Anwendung eine biobasierte Alternative.<\/p>\n<p>Wichtige Anwendungsgebiete f\u00fcr biobasierte Verpackungskunststoffe, bezogen auf die Tonnage, sind Tragetaschen, Obst- und Gem\u00fcsebeutel, Getr\u00e4nkeflaschen, Flaschen f\u00fcr Wasch- und Reinigungsmittel, Beh\u00e4lter f\u00fcr Kosmetika, Service-Verpackungen.<\/p>\n<p>Biokunststoffe als Teil der Bio\u00f6konomie<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahren gab es verst\u00e4rkt Anstrengungen in Forschung und Industrie, Drop-In L\u00f6sungen, die chemisch nicht von ihren fossilbasierten Pendants zu unterscheiden sind, und chemisch neuartige biobasierte Kunststoffe zu entwickeln bzw. in gro\u00dfem industriellem Ma\u00dfstab herzustellen. Denn, noch haben die konventionellen Kunststoffe ihren biobasierten \u201eGeschwistern\u201c Einiges voraus: Sie sind \u00fcber Jahrzehnte in die Prozesskette der Olefinverarbeitung eingebunden und damit Teil einer hocheffizienten Herstellung und Veredelung. Um sich erfolgreich etablieren zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigen biobasierte Kunststoffe deshalb eine gesamte Prozesskette innerhalb einer Bio\u00f6konomie, die f\u00fcr die Produktion der chemischen Grundstoffe sorgt. Die Bio\u00f6konomie setzt dabei sowohl auf nachwachsende Rohstoffe als auch auf biobasierte Prozessl\u00f6sungen. Leitprinzip der Bio\u00f6konomie ist dem Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung zufolge, der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft, die im Sinne von Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit eine bestm\u00f6gliche Verwertung sowie Mehrfachnutzung von Rohstoffen und Stoffstr\u00f6men erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Verpackung ist Hauptabnehmer von Biokunststoffen<\/p>\n<p>Beim FNR Wissensforum w\u00e4hrend der FachPack 2018 nannte Dr. Harald K\u00e4b von narocon Innovationsberatung die Lebensmittelhersteller Pepsi, Danone und Nestl\u00e9 als Beispiele aus der Praxis. Die Unternehmen wollen gemeinsam Flaschen aus 100% biobasiertem PET entwickeln. In den Super- und Discounterm\u00e4rkten f\u00e4nde man au\u00dferdem bereits viele Verpackungen, die aus biobasierten Kunststoffen und Rezyklat hergestellt wurden (z.B. Getr\u00e4nkeflaschen aus Bio-PET, Folien aus Bio-PE, biobasiertem HDPE oder Zellulose, Joghurtbecher aus biobasiertem PLA). Auch in der Verpackungslogistik gibt es Bestrebungen, Kunststoffbeh\u00e4ltnisse aus biobasierten Materialien einzusetzen. So hat WALTHER Faltsysteme eine biobasierte und wiederverwertbare RFID-Faltbox f\u00fcr automatisierte Intralogistik und Lieferantentransporte im Programm. Dem Hersteller zufolge sind 100 Uml\u00e4ufe m\u00f6glich und die Boxen seien 2 bis 3 Mal wiederverwertbar.<\/p>\n<p>Noch fehlen Standards<\/p>\n<p>Dennoch seien auch Biokunststoffe \u201enur\u201c Kunststoffe, betonte Nuse Lack-Ers\u00f6z von der Hochschule Hannover, Institut f\u00fcr Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB), w\u00e4hrend des FNR Wissensforums. Auch bei biobasierten Polymeren m\u00fcssen \u2013 wie bei erd\u00f6lbasierten Polymeren \u2013 Additive eingesetzt werden, um die Funktionalit\u00e4t und Verarbeitbarkeit zu gew\u00e4hrleisten, best\u00e4tigt auch Dr. Frank Welle, Fraunhofer-Institut f\u00fcr Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV), Freising. In der Regel sind dies dieselben Additive wie bei erd\u00f6lbasierten Polymeren. Spezielle Additive ausschlie\u00dflich f\u00fcr biobasierte Polymere seien nicht am Markt. Lack-Ers\u00f6z bem\u00e4ngelt zudem, dass es f\u00fcr Nachhaltigkeitsbewertungen von Biokunststoffen derzeit noch keine standardisierten Regelwerke gibt. Sie empfiehlt deshalb eine harmonisierte Vorgehensweise f\u00fcr konventionelle Kunststoffe und Biokunststoffe in Europa, um eruieren zu k\u00f6nnen, wo Vor- und Nachteile bestehen. Ihrer Auffassung nach sind Biokunststoffe ebenso zukunftstr\u00e4chtig und nachhaltig wie konventionelle Kunststoffe. Beide br\u00e4chten Vor- und Nachteile mit sich. Das Problem l\u00e4ge vielmehr im falschen Umgang mit dem Kunststoffabfall.<\/p>\n<p>Recycling von Biokunststoffen<\/p>\n<p>Dr. Harald K\u00e4b sieht in diesem Zusammenhang gro\u00dfe Chancen, Verpackungskunststoffe, die aus Erd\u00f6l gewonnen werden, durch solche zu ersetzen, die aus nachwachsenden Rohstoffen wie Agrar-, Rest- und Abfallstoffen, darunter Holz, Rohrzucker, Algen oder den Schalen von Meerestieren erzeugt werden. Gerade, weil mit dem neuen Verpackungsgesetz, das am 01.01.2019 in Kraft trat, nicht oder schlecht recycelbare Verpackungen teurer geworden sind. Dr. K\u00e4b sprach von einer New Plastics Economy, also dem \u00dcbergang von fossilen zu erneuerbaren Rohstoffen und Rezyklaten und vergleicht dies mit dem Wandel der Energiewirtschaft und des Transportwesens. Dabei beg\u00fcnstige die zunehmende Bedeutung der Kreislaufwirtschaft in der Politik recycelbare Verpackungen.<\/p>\n<p>Ein Vorteil f\u00fcr die Wiederverwertung ist, dass Kunststoffe, die chemisch identisch zu Kunststoffen aus fossilen Rohstoffen sind (Drop-In-Materialien), sich beim Recycling wie ihre petrochemischen Pendants verhalten und gemeinsam mit ihnen verwertet werden k\u00f6nnen. W\u00e4re eine biobasierte recycelbare Verpackung, die anteilig aus Rezyklat hergestellt wurde, das wiederum biobasiert ist dann das ultimative Ziel? Laut Dr. K\u00e4b ist das Verpackungsgesetz (\u00a721) ein wichtiges Vehikel zur Umsetzung dazu. Wie sich das Verpackungsgesetz in der Praxis bisher auswirkt, werden wir im n\u00e4chsten Artikel im Newsroom der FachPack genauer beleuchten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biokunststoffe sollen einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Abh\u00e4ngigkeit von erd\u00f6lbasierten Produkten zu reduzieren und den CO2-Aussto\u00df zu verringern. Das war beim FNR Wissensforum (Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.) auf der FachPack 2018 zu h\u00f6ren. Bislang ist der Anteil der Biokunststoffe am gesamten Kunststoffmarkt aber noch sehr gering. 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