{"id":61421,"date":"2019-03-14T07:32:29","date_gmt":"2019-03-14T06:32:29","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=61421"},"modified":"2019-03-08T17:23:25","modified_gmt":"2019-03-08T16:23:25","slug":"oesterreich-chemische-industrie-haelt-verzicht-auf-plastik-fuer-unmoeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/oesterreich-chemische-industrie-haelt-verzicht-auf-plastik-fuer-unmoeglich\/","title":{"rendered":"\u00d6sterreich: Chemische Industrie h\u00e4lt Verzicht auf Plastik f\u00fcr unm\u00f6glich"},"content":{"rendered":"<p>Das Plastiksackerlverbot ist f\u00fcr Sylvia Hofinger nur Symbolpolitik. Auch mit der Absage an Wattest\u00e4bchen aus Kunststoff lie\u00dfe sich die Welt eher nicht retten. Weit kl\u00fcger w\u00e4re ein fl\u00e4chendeckendes Deponieverbot in der EU gewesen, meint die Chefin des Fachverbands der Chemischen Industrie. Europa habe rund um seinen Abfall jedenfalls noch etliche Hausaufgaben zu erledigen.<\/p>\n<p>\u00d6sterreichs chemische Industrie reagiert auf die immer sch\u00e4rfer gef\u00fchrten Debatten rund um weltweit wachsende Plastikberge mit einem Paket an m\u00f6glichen Gegenma\u00dfnahmen. Eines schickt Hofinger aber gleich vorweg: Auf Kunststoff zu verzichten sei undenkbar. Es sei der meistverwendete Werkstoff. Um fossile Rohstoffe zu ersetzen, reichten die biogenen Ressourcen auf Dauer nicht aus. Das Schl\u00fcsselwort aus Sicht der Branche ist daher Recycling.<\/p>\n<p>Zwei Drittel werden verbrannt<br \/>\nEine Million Tonnen an Kunststoff gelangen j\u00e4hrlich nach \u00d6sterreich. 300.000 Tonnen davon machen allein Verpackungsmaterialien aus. Lediglich ein Drittel des Plastikm\u00fclls wird wiederverwertet. Zwei Drittel werden nach wie vor verbrannt, was angesichts des hohen Aufwands der Plastikfertigung Energieverschwendung ist. Weltweit summiert sich die j\u00e4hrliche Kunststoffproduktion bereits auf 330 Millionen Tonnen. Prognosen zufolge soll sich diese Menge bis 2050 verdreifachen.<\/p>\n<p>Plastik beliebig oft im Kreislauf zu f\u00fchren sei technisch durchaus m\u00f6glich, sagt Hofinger \u2013 etwa \u00fcber chemothermische Verfahren. Dabei werden Kunststoffketten in ihre Einzelbestandteile zerlegt und somit Ausgangsmaterial f\u00fcr neues Plastik. Da die Technologie jedoch noch nicht ausgereift sei, brauche es Anreizsysteme, um sie zu f\u00f6rdern. Entscheidend f\u00fcr die gute Rezyklierbarkeit von Kunststoffen ist auch die Abkehr von Verbundmaterial. Je sortenreiner sie gefertigt werden, desto einfacher ist die Wiederverwertung. Auch Farbgebung spielt mit herein: Je transparenter und heller das Plastik, desto leichter l\u00e4sst es sich recyceln.<\/p>\n<p>Pfand auf dem Pr\u00fcfstand<br \/>\nKein Weg vorbei f\u00fchrt Hofinger zufolge an einem Ausbau der Sammel- und Sortiersysteme, um die blo\u00dfe Verbrennung hintanzuhalten. Sie will dazu Gespr\u00e4che mit dem Handel und anderen Industrieverb\u00e4nden \u00fcber Pfandsysteme f\u00fcr PET-Flaschen f\u00fchren. Die EU verlangt bei deren Sammlung bis 2029 eine Quote von 90 Prozent. \u00d6sterreich schafft derzeit allein 73 Prozent. Recycelt werden in Summe nur 34 Prozent der Flaschen.<\/p>\n<p>Bis 2025 muss jedoch, so will es die EU, die H\u00e4lfte aller Kunststoffabf\u00e4lle wiederverwertet werden. Ohne branchen\u00fcbergreifende L\u00f6sung lie\u00dfe sich das in diesem Zeitraum aber nicht realisieren, warnt die chemische Industrie. Sie r\u00e4t auch zu Mehrweg statt zu Einweg \u2013 sofern es \u00f6kologisch und hygienisch sinnvoll sei. Glas etwa verliere den besseren \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck bei Transporten \u00fcber mehr als 250 Kilometer.<\/p>\n<p>Verpflichtende \u00d6kobilanz<br \/>\nPolitischen Ma\u00dfnahmen wie einem Verbot des Plastiksackerls m\u00fcsse k\u00fcnftig eine verpflichtende \u00d6kobilanz in \u00d6sterreich vorangehen, fordert Hofinger. Diese h\u00e4tte im Fall des Sackerls ergeben, dass Plastik Papier aufgrund seines geringeren Ressourcenverbrauchs schlage. Hofinger appelliert daran, den Nutzen von Kunststoff genau abzuw\u00e4gen. In Plastik verschwei\u00dfte Gurken verhinderten etwa, dass 15 Prozent des Gem\u00fcses aussortiert werden m\u00fcssten. In Kunststoff verpacktes Fleisch erh\u00f6he im Vergleich zu offen verkaufter Ware die Haltbarkeit. Differenzierung sei auch beim sogenannten Biokunststoff angesagt, denn dieser stehe in Konkurrenz zu Nahrung und Futtermitteln.<\/p>\n<p>Wer sich vor allem auf den guten Willen der Konsumenten verl\u00e4sst, steht oft auf verlorenem Boden. Der Anteil der Wiener, der den Haushaltsm\u00fcll nicht trennt, stieg von 20 auf 29 Prozent.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Plastiksackerlverbot ist f\u00fcr Sylvia Hofinger nur Symbolpolitik. Auch mit der Absage an Wattest\u00e4bchen aus Kunststoff lie\u00dfe sich die Welt eher nicht retten. Weit kl\u00fcger w\u00e4re ein fl\u00e4chendeckendes Deponieverbot in der EU gewesen, meint die Chefin des Fachverbands der Chemischen Industrie. 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