{"id":61215,"date":"2019-03-04T06:52:37","date_gmt":"2019-03-04T05:52:37","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=61215"},"modified":"2019-03-03T12:57:05","modified_gmt":"2019-03-03T11:57:05","slug":"bdi-gruene-gase-fuer-deutschlands-klimaneutralitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bdi-gruene-gase-fuer-deutschlands-klimaneutralitaet\/","title":{"rendered":"BDI: \u201eGr\u00fcne Gase\u201c f\u00fcr Deutschlands Klimaneutralit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><strong>Um die deutsche Wirtschaft komplett CO<sub>2<\/sub>-frei zu machen, sind gro\u00dfe Mengen an sogenannten \u201esynthetischen Kraftstoffen\u201c, die aus erneuerbaren Energien gewonnen werden, erforderlich, erkl\u00e4rt der Branchenverband BDI. Daf\u00fcr m\u00fcssten sp\u00e4testens ab 2050 j\u00e4hrlich 340 Terawattstunden an Energie importiert werden \u2013 was dem aktuellen Niveau der gesamten deutschen Stromproduktion entspricht.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr ehrgeizige Klima- und Energieziele brauchen wir Power-to-X in erheblichem Umfang,\u201c sagt Carsten Rolle, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Weltenergierates Deutschland und Leiter des Bereichs Energie- und Klimapolitik beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).<\/p>\n<p>\u201ePower-to-X\u201c ist ein weit gefasster Begriff, der sich laut Erl\u00e4uterungen der Europ\u00e4ischen Kommission auf die Umwandlung von Strom in synthetische Gase oder Fl\u00fcssigkeiten \u2013 wie Wasserstoff oder Methan \u2013 bezieht.<\/p>\n<p>\u201eDer wahrscheinlich st\u00e4rkste Treiber [im Bereich Power-to-X] wird der Verkehrssektor sein,\u201c prognostizierte Rolle vergangene Woche bei einem Besuch in Br\u00fcssel. Er erwarte weiter, die gr\u00f6\u00dften Nutzer synthetischer Kraftstoffe w\u00fcrden die Luft- und Schifffahrt sein, wo eine Elektrifizierung insbesondere auf langen Strecken nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Nach den Pl\u00e4nen der EU soll kohlenstoffarmer Strom aus erneuerbaren Energien und Kernenergie bis 2050 etwas mehr als die H\u00e4lfte des gesamten europ\u00e4ischen Energiebedarfs decken, so dass \u00fcber 40 Prozent f\u00fcr fl\u00fcssige Brennstoffe und andere Arten von \u201egr\u00fcnen Gasen\u201c wie beispielsweise Wasserstoff \u00fcbrig blieben, wenn die Wirtschaft komplett CO2-neutral sein soll.<\/p>\n<p>Diese Technologien seien gerade \u201eim Zusammenhang mit reichlich vorhandenem Strom aus kohlenstofffreien Quellen wie Wind-, Solar- und Kernenergie attraktiv\u201c, so die Kommission in ihren im November 2018 ver\u00f6ffentlichten energiepolitischen Szenarien f\u00fcr 2050.<br \/>\nElektrobusse gegen den Klimawandel: Europas St\u00e4dte tun sich schwer<br \/>\nVollelektrische Busse machen nur neun Prozent des Umsatzes mit Stadtbussen in Europa aus. Hohe Vorlaufkosten seien das gr\u00f6\u00dfte Hindernis, besagt eine neue Studie.<\/p>\n<p>Gerade die Importstatistiken, die der BDI in einem Bericht vom Oktober vergangenen Jahres prognostiziert, stechen ins Auge. Rolle, der an dem Bericht mitgearbeitet hat, erl\u00e4utert, Deutschland w\u00fcrde in den Szenarien f\u00fcr 2050 dann \u201eeinen Importbedarf von 340 Terawattstunden (TWh) an E-Kraftstoffen\u201c aufweisen.<\/p>\n<p>Dies entspreche \u201eim Gro\u00dfen und Ganzen der [aktuellen] Kapazit\u00e4t des gesamten deutschen Kraftwerkbestandes\u201c und m\u00fcsse in Form von \u201eWasserstoff oder anderen E-Kraftstoffen im Ausland f\u00fcr Deutschland erzeugt werden\u201c.<\/p>\n<p>Der derzeitige Energieverbrauch Deutschlands betr\u00e4gt rund 380 TWh. Nach aktuellem Stand m\u00fcssten in Zukunft also rund 90 Prozent des Energiebedarfs des Landes durch Importe gedeckt werden.<\/p>\n<p>Solche Importe synthetischer Kraftstoffe werden haupts\u00e4chlich aus Regionen wie Australien, dem Nahen Osten, Afrika oder Lateinamerika erwartet. Diese weisen ein deutlich gr\u00f6\u00dferes Potenzial f\u00fcr erneuerbare Energien wie Solar und Wind auf als Europa, so Rolle.<\/p>\n<p>Er erinnert erneut, dass diese gr\u00fcnen Energiekapazit\u00e4ten \u201enur f\u00fcr den Zweck, Wasserstoff f\u00fcr Deutschland zu produzieren\u201c gedacht w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Ein globaler \u201ePower-to-X\u201c-Markt<\/p>\n<p>Nach Angaben des Weltenergierates k\u00f6nnte der globale Markt f\u00fcr Power-to-X im Jahr 2050 allerdings bei satten 10.000 TWh liegen \u2013 in einem konservativ gesch\u00e4tzten Szenario. Das w\u00fcrde bedeuten, dass 40 Prozent der im Schiff- und Flugverkehr verbrauchten Kraftstoffe durch Power-to-X abgedeckt w\u00fcrden. Ein \u201ekleiner Teil\u201c des Stra\u00dfeng\u00fcterverkehrs und der Industrie sei darin ebenfalls enthalten, so Rolle.<\/p>\n<p>\u201eTechnologisch ist es machbar, aber es erfordert andere Rahmenbedingungen als die, die wir heute haben,\u201c warnt er dennoch. \u201eDazu geh\u00f6rt auch, dass E-Kraftstoffe in den EU-Verkehrsvorschriften gleichberechtigt mit der direkten Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien behandelt werden. Au\u00dferdem bedarf es einer engen Zusammenarbeit mit den potenziellen Exportl\u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir wollen die Diskussion \u00fcber einen Fahrplan beginnen,\u201c erkl\u00e4rt Rolle. Der Weltenergierat habe \u201eeinige wichtige Elemente auf den Tisch gelegt\u201c, die den Investoren mehr Planungssicherheit in Bezug auf zuk\u00fcnftige Marktentwicklungen bieten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>\u201eEs geht darum, einen globalen Markt f\u00fcr Power-to-X zu schaffen,\u201c fordert Rolle.<br \/>\nDie deutsche Industrie ist mit ihrer Ansicht, dass \u201ePower-to-X\u201c ein ad\u00e4quates Mittel zur Dekarbonisierung darstellt, nicht alleine: Auch die EU-Kommission hat derartige Technologien in ihrer langfristigen Klima- und Energiestrategie f\u00fcr 2050 ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Die EU-Exekutive weist jedoch auch darauf hin, dass die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen derzeit noch ein sehr energieintensiver Prozess ist, der billigen Strom in gro\u00dfen Mengen erfordert.<\/p>\n<p>Mehr und weniger optimistische Aussichten<\/p>\n<p>Auch der europ\u00e4ische Stromsektor zeigt Interesse an Power-to-X, insbesondere f\u00fcr die Schwer-\/Stahlindustrie und den Fernverkehr. Beide Bereiche gelten als \u201eschwer elektrifizierbar\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Fachverband Eurelectric stellen die genannten Energieverluste bei der Produktion jedoch aktuell noch einen eindeutigen Nachteil dar: \u201ePer Definition ist dies ein Prozess, bei dem man Umwandlungsverluste hat. Sie haben Strom, den Sie dann in fl\u00fcssige Form umwandeln \u2013 was bedeutet, dass Sie dabei Energie verlieren,\u201c erkl\u00e4rt Kristian Ruby, Generalsekret\u00e4r von Eurelectric.<\/p>\n<p>Die Verluste seien besonders gro\u00df, \u201ewenn Wasserstoff dann wieder in Strom umgewandelt wird. Man hat dann also zwei Umwandlungen. Deshalb erwarten wir im Energiesektor einen sehr begrenzten Einsatz von Wasserstoff \u2013 er ist grunds\u00e4tzlich einfach zu teuer,\u201c so Ruby k\u00fcrzlich in einem Interview mit EURACTIV.com.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund werde Power-to-X laut Eurelectric in einem pessimistischen Dekarbonisierungsszenario nur etwa f\u00fcnf Prozent des gesamten europ\u00e4ischen Endenergieverbrauchs decken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gaslobbyist: Erdgas aus den USA ist eine &#8220;gute Erg\u00e4nzung&#8221; im Strommix<br \/>\nIm Interview spricht Erdgas-Lobbyist Fred H. Hutchison \u00fcber die Vorteile, die der Import von amerikanischem Fl\u00fcssig-Erdgas f\u00fcr Europa bringen k\u00f6nnte.<br \/>\nDer Weltenergierat ist jedoch anderer Ansicht: Die Produktion in sonnigen oder windigen Regionen der Welt k\u00f6nne deutlich gesteigert werden und somit \u201edeutlich billiger als P2X aus europ\u00e4ischer Produktion\u201c werden. Eine gro\u00dffl\u00e4chige Transportinfrastruktur sei ebenfalls bereits vorhanden, so dass die Kosten f\u00fcr lange Transportstrecken \u201erelativ gering\u201c seien.<\/p>\n<p>Laut Weltenergierat k\u00f6nnte ein entwickelter Weltmarkt f\u00fcr gr\u00fcne synthetische Kraftstoffe bis 2050 problemlos eine Gr\u00f6\u00dfenordnung von 10.000 bis 20.000 TWh pro Jahr erreichen.<\/p>\n<p>Das entspricht rund 50 Prozent der heutigen weltweiten Nachfrage nach Roh\u00f6l.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die deutsche Wirtschaft komplett CO2-frei zu machen, sind gro\u00dfe Mengen an sogenannten \u201esynthetischen Kraftstoffen\u201c, die aus erneuerbaren Energien gewonnen werden, erforderlich, erkl\u00e4rt der Branchenverband BDI. Daf\u00fcr m\u00fcssten sp\u00e4testens ab 2050 j\u00e4hrlich 340 Terawattstunden an Energie importiert werden \u2013 was dem aktuellen Niveau der gesamten deutschen Stromproduktion entspricht. \u201eF\u00fcr ehrgeizige Klima- und Energieziele brauchen wir [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[14619,15494],"supplier":[91,15493],"class_list":["post-61215","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-klimaneutral","tag-power-to-x","supplier-bundesverband-der-deutschen-industrie-ev","supplier-weltenergierat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61215","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61215"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61215\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61215"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61215"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61215"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=61215"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}