{"id":6118,"date":"2003-06-16T00:00:00","date_gmt":"2003-06-15T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20030616-07n"},"modified":"2003-06-16T00:00:00","modified_gmt":"2003-06-15T22:00:00","slug":"traditionelle-pflanzenarzneien-mexikos-helfen-bei-diabetes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/traditionelle-pflanzenarzneien-mexikos-helfen-bei-diabetes\/","title":{"rendered":"Traditionelle Pflanzenarzneien Mexikos helfen bei Diabetes"},"content":{"rendered":"<p>Schamanen im Hochland Mexikos verschreiben gegen die Zuckerkrankheit traditionell speziell zubereitete Heilpflanzen. Dass die Naturarzneien tats\u00e4chlich hochwirksam sind und zudem nur wenige Nebenwirkungen haben, konnten nun Forscher der Universit\u00e4t Bonn nach jahrelangen Feld- und Laborstudien best\u00e4tigen.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20030616-07\/Schamane_kl.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Schamane\"\/><i>Der Shamane Audon beim Sammeln von Heilpflanzen im Hochlandurwald von Guerrero (Foto: Dr. Helmut Wiedenfeld)<\/i><br style=\"clear:left;\"\/> <br \/>In Mexiko soll jetzt eine Fabrik entstehen, die Anti-Diabetes-Kapseln auf pflanzlicher Basis produziert. Das Wissen traditioneller Heiler k\u00f6nnte damit zur L\u00f6sung eines dr\u00e4ngenden Problems beitragen: Bis zum Jahr 2025, so sch\u00e4tzt die Weltgesundheits-Organisation WHO, wird jeder siebte Mexikaner an Diabetes leiden &#8211; das w\u00e4ren knapp zw\u00f6lf Millionen Betroffene.<\/p>\n<p>Die traditionellen Heiler (Schamanen) erkennen ihre Diabetes-Kranken am Geschmack: &#8220;Wenn der Patient die entsprechenden Symptome hat &#8211; starker Durst, Harndrang, M\u00fcdigkeit, Gewichtsverlust -, testet der Heiler, ob Blut oder Urin s\u00fc\u00dflich schmecken&#8221;, erkl\u00e4rt Dr. Helmut Wiedenfeld. &#8220;Falls ja, steht die Diagnose fest.&#8221; &#8220;S\u00fc\u00dfes Blut&#8221; ist im mexikanischen Hochland keine Seltenheit: In manchen D\u00f6rfern seien acht von zehn Erwachsenen zuckerkrank, so der Bonner Phytochemiker. Als Grund vermuten Wissenschaftler Veranlagung und falsche Ern\u00e4hrung. <\/p>\n<p>Traditionell setzen mexikanische Dorf\u00e4rzte bei der Behandlung des Diabetes auf bestimmte Heilpflanzen. Zusammen mit seinen Mitarbeitern hat Dr. Wiedenfeld verschiedene Naturarzneien an zuckerkranken Ratten getestet. &#8220;Anfangs meist ohne jeden Erfolg&#8221;, erinnert sich der Pharma-Forscher. Bis sein Diplomand Ivan P\u00e9rez dem Schamanen des Hochland-Dorfs Xochipala mehrere Monate \u00fcber die Schulter sehen durfte. <\/p>\n<p>&#8220;Der Schl\u00fcssel liegt h\u00e4ufig in der Zubereitung&#8221;, erkl\u00e4rt Dr. Wiedenfeld: Der Heiler von Xochipala versetzt die Arzneipflanze beispielsweise mit Mais oder anderen Zutaten und l\u00e4sst die Mischung einige Zeit stehen. &#8220;Molekulare Scheren&#8221; im Mais zerschneiden dabei Inhaltsstoffe der Anti-Diabetes-Pflanze in kleinere Bruchst\u00fccke. &#8220;Und eines dieser Bruchst\u00fccke wirkt gegen die Zuckerkrankheit.&#8221;<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20030616-07\/Yucatan6.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Yucatan\"\/><i>Ein einheimischer Maya-Indianer zeigt H. Wiedenfeld eine Heilpflanze, deren Bl\u00e4tter zur Bereitung eines antidiabetisch wirkenden Aufgusses verwendet werden (Foto: Dr. Helmut Wiedenfeld)<\/i><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Der Heiler gewinnt aus dem Gemisch ein Getr\u00e4nk, das er &#8220;Agua de Uso&#8221; nennt, Wasser zum t\u00e4glichen Gebrauch. Einen halben Liter m\u00fcssen seine Patienten pro Tag davon trinken. Inzwischen ist es den Wissenschaftlern gelungen, Kapseln mit der pulverf\u00f6rmigen Wirksubstanz herzustellen. Drei Kapseln enthalten soviel Wirkstoff wie 250 Gramm Pflanzenmaterial, das entspricht der t\u00e4glichen Dosis. <\/p>\n<p>Inzwischen laufen die ersten klinischen Versuche. Eine Naturarznei-Firma hat bereits Interesse an dem neuen Bio-Medikament bekundet. Sofern die Tests erfolgreich verlaufen, soll bald direkt vor Ort eine Produktionsanlage f\u00fcr Anti-Diabetes-Kapseln entstehen. Die Bauern erhalten eine Abnahmegarantie f\u00fcr gesammelte oder angebaute Arzneipflanzen; au\u00dferdem profitieren die Einheimischen von den neu geschaffenen Arbeitspl\u00e4tzen. <\/p>\n<p>Die meisten Einheimischen leiden unter dem so genannten &#8220;Typ-II&#8221; oder &#8220;nicht-insulinpflichtigen&#8221; Diabetes. Fr\u00fcher nannte man diese Form auch &#8220;Altersdiabetes&#8221;; mittlerweile ist jedoch bekannt, dass der Typ II-Diabetes bereits in jungen Jahren auftreten kann.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20030616-07\/Mexiko-Pflanze.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Mexiko\"\/><i>H. Wiedenfeld im tropischen Nebelwald von Veracruz. Bei der Pflanze handelt es sich um eine Ageratum-Art, die von Einheimischen zur Behandlung des Diabetes Typ II eingesetzt wird (Foto: Dr. Helmut Wiedenfeld)<\/i><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Als Faktoren, die die Krankheit ausl\u00f6sen oder verschlimmern k\u00f6nnen, gelten kohlenhydrat- und fettreiche Ern\u00e4hrung bei gleichzeitigem Bewegungsmangel. Zur Behandlung werden in erster Linie synthetische Wirkstoffe eingesetzt, die jedoch Nebenwirkungen wie \u00dcbelkeit, allergische Reaktionen oder Ver\u00e4nderungen des Blutbildes hervorrufen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>&#8220;Ein Problem bei dieser Erkrankung ist meist die sp\u00e4te Diagnose: Da im fr\u00fchen Stadium der Blutzuckerspiegel noch nicht so drastisch erh\u00f6ht ist wie z.B. beim Typ-I Diabetes, f\u00e4llt das bei Routineuntersuchungen nur selten auf&#8221;, erkl\u00e4rt Dr. Wiedenfeld. Zumal die Routinechecks meist in n\u00fcchternem Zustand und daher bei geringerer Blutzuckerkonzentration durchgef\u00fchrt werden. Zu sp\u00e4t behandelt, drohen den Patienten dramatische Folgesch\u00e4den bis hin zur Erblindung oder dem Verlust von Gliedma\u00dfen. <\/p>\n<p><b>R\u00fcckfragen bei:<\/b><br \/>Dr. Helmut Wiedenfeld<br \/>Pharmazeutisches Institut der Universit\u00e4t Bonn<br \/>Tel.: 0228-73-5225<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:wiedenfeld@uni-bonn.de\">wiedenfeld@uni-bonn.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schamanen im Hochland Mexikos verschreiben gegen die Zuckerkrankheit traditionell speziell zubereitete Heilpflanzen. 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