{"id":60954,"date":"2019-02-27T07:26:57","date_gmt":"2019-02-27T06:26:57","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=60954"},"modified":"2019-02-22T12:36:16","modified_gmt":"2019-02-22T11:36:16","slug":"kampf-gegen-mikroplastik-so-soll-kleidung-umweltfreundlich-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kampf-gegen-mikroplastik-so-soll-kleidung-umweltfreundlich-werden\/","title":{"rendered":"Kampf gegen Mikroplastik: So soll Kleidung umweltfreundlich werden"},"content":{"rendered":"<p>Im Ozean schwimmt so viel M\u00fcll, dass manche ihn nur noch als Plastiksuppe bezeichnen. Neben den gro\u00dfen M\u00fcllteppichen sind im Ozean aber auch gro\u00dfe Mengen Mikroplastik zu finden.<\/p>\n<p>&#8220;Wir finden es im Arktiseis, in der Tiefsee, in B\u00f6den, Seen und Fl\u00fcssen und in den Tieren, die darin leben&#8221;, sagt Chelsea Rochman von der University of Toronto auf der Wissenschaftskonferenz AAAS in Washington. Forscher haben dort diskutiert, wie sich verhindern l\u00e4sst, dass Mikroplastik aus der Kleidung &#8211; etwa Polyester &#8211; beim Waschen ins Abwasser gelangt.<\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr 1,5 Millionen Tonnen Mikroplastik geraten laut Sch\u00e4tzungen der Weltnaturschutzunion (IUCN) jedes Jahr ins Meer. Zwei Drittel davon sind Fasern aus Kleidung (siehe Grafik unten). Kleine Plastikpartikel, die erst in der Umwelt auf unter f\u00fcnf Millimeter schrumpfen, werden dabei nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>&#8220;Wer einen Trockner hat, kennt die Mikrofasern aus der W\u00e4sche&#8221;, sagt Melik Demirel von der Pennsylvania State University. &#8220;Er holt sie regelm\u00e4\u00dfig aus dessen Filter.&#8221; Forscherin Rochman sieht die Fasern besonders kritisch, weil sie zus\u00e4tzlich zum Plastik oft auch Farbstoffe, Feuerschutz- und Impr\u00e4gniermittel enthalten, die dann ebenfalls in die Umwelt gelangen.<\/p>\n<p>Alternative: Biokunststoffe<\/p>\n<p>Eine zufriedenstellende L\u00f6sung f\u00fcr das Problem gibt es bislang nicht. &#8220;Wir k\u00f6nnten zu Wolle, Baumwolle, Seide und Leinen als wichtigsten Materialien f\u00fcr Kleidung zur\u00fcckkehren&#8221;, sagt Demirel. Die Stoffe seien im Gegensatz zu den Kunstfasern biologisch abbaubar, daf\u00fcr aber teurer. Um sie zu produzieren und zu verarbeiten, brauche es zudem viel Wasser und landwirtschaftliche Fl\u00e4che. &#8220;Damit w\u00e4re nicht viel gewonnen.&#8221;<\/p>\n<p>Forscher arbeiten daher an biologisch abbaubaren Kunstfasern. Demirel hat beispielsweise in Tintenfischen ein Protein entdeckt, das Seide \u00e4hnelt. Es verleiht kleinen Z\u00e4hnen an den Saugn\u00e4pfen der Tiere Stabilit\u00e4t und Elastizit\u00e4t zugleich.<\/p>\n<p>Angelehnt an die Struktur dieser Proteine hat Demirel mithilfe von synthetischer DNA eine k\u00fcnstliche Biofaser entwickelt. Ihre Eigenschaften kann er anpassen, indem er die Proteinstruktur ver\u00e4ndert. So wird das Material beispielsweise luftdurchl\u00e4ssiger &#8211; eine wichtige Eigenschaft von Sport- und Outdoorkleidung.<\/p>\n<p>&#8220;Im Gegensatz zu Kunststoff braucht man f\u00fcr die Produktion keine fossilen Brennstoffe&#8221;, sagt Demirel. Er sieht die Technik als beste Option, weil sie die Ursache des Plastikfaserproblems bek\u00e4mpft. Noch ist sie allerdings nicht marktreif.<\/p>\n<p>Plastikfasern gelangen auch in die Luft<\/p>\n<p>Produziert werden m\u00fcsste im gro\u00dfen Stil: 6,1 Kilogramm Kunststofftextilien verbraucht derzeit jeder Mensch durchschnittlich im Jahr &#8211; Nordamerika ist mit 17,8 Kilogramm Spitzenreiter. Zudem br\u00e4uchte es Zeit, bis alle Menschen ihre Kunstfaserkleidung gegen neue ausgetauscht h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Offen bleibt auch, wie das Mikroplastik, das bis dahin in der Umwelt gelandet ist, wieder daraus entfernt werden k\u00f6nnte. &#8220;Es gibt Bakterien, die Plastik fressen&#8221;, sagt Demirel. &#8220;Wie sich das in gro\u00dfem Ma\u00dfstab nutzen lie\u00dfe, wird derzeit erforscht. Das wird aber noch dauern.&#8221;<\/p>\n<p>Bis dahin pl\u00e4dieren die Forscher f\u00fcr einen pragmatischen Umgang mit dem Problem. Rochman testet gerade in hundert Haushalten in einem kleinen Ort in Kanada Filter an Waschmaschinen oder Hausanschl\u00fcssen. &#8220;Es war gar nicht so einfach, die Leute von den Filtern zu \u00fcberzeugen&#8221;, sagt sie. Will man die Technik breit anwenden, kostet das zudem viel Geld.<\/p>\n<p>So oder so w\u00fcrde dieser Ansatz nur einen Teil des Problems l\u00f6sen: Insgesamt 3,2 Millionen Tonnen Mikroplastik gelangen jedes Jahr in die Umwelt &#8211; knapp die H\u00e4lfe davon landet im Ozean, der Rest verteilt sich beispielsweise an Land. Forscher k\u00f6nnen die Fasern auch in der Luft nachweisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Ozean schwimmt so viel M\u00fcll, dass manche ihn nur noch als Plastiksuppe bezeichnen. 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