{"id":60650,"date":"2019-02-14T07:32:31","date_gmt":"2019-02-14T06:32:31","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=60650"},"modified":"2019-02-11T14:34:09","modified_gmt":"2019-02-11T13:34:09","slug":"benjamin-stern-wie-wir-endlich-von-der-flasche-loskommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/benjamin-stern-wie-wir-endlich-von-der-flasche-loskommen\/","title":{"rendered":"Benjamin Stern: Wie wir endlich von der Flasche loskommen"},"content":{"rendered":"<p>Das Problem: Jeder von uns verbraucht Hunderte von Plastikflaschen f\u00fcr Shampoo und Duschgel. Ein Drittel des Einwegplastik auf M\u00fclldeponien stammt von K\u00f6rperpflegeprodukten.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung: <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.com\/benjamin-stern-plastic-free-bottles-shampoo-drops-nohbo-2018-9?IR=T\" target=\"_blank\">Ein 14-j\u00e4hriger Sch\u00fcler hat biologisch abbaubare Shampoo-Tropfen erfunden<\/a>, die sich wie Waschmittel-Kapseln selbst aufl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Na, heute schon geduscht?<\/p>\n<p>Der Dreck, der sich dadurch nicht beseitigen l\u00e4sst, ist ziemlich exakt zu beziffern: Im Durchschnitt verbraucht jeder Deutsche 10 Shampoo-Flaschen,\u00a011 Flaschen Duschgel, und 3,7 Packungen Fl\u00fcssigseife &#8211; pro Jahr! Multipliziert mal 83 Millionen Einwohner macht das: 2075 Millionen Plastikflaschen. Multipliziert mit den 80 Jahren, die wir durchschnittlich auf der Welt sind, ergibt das die stattliche Zahl von 166 Milliarden. So viele Plastikflaschen verbrauchen wir. Hinzu kommen die kleinen Shampoofl\u00e4schchen, die man in Hotels klaut. Und all die Wasserflaschen, Cremetiegel, Zahnpastatuben, Rasierschaumcontainer undsoweiter, die wir sonst noch f\u00fcr ein passables Erscheinungsbild brauchen, sind noch gar nicht mitgez\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Als Benjamin Stern mit 14 Jahren im Biologieunterricht seiner Schule in Florida zum ersten Mal vom Ausma\u00df des Plastikproblems h\u00f6rt, ist er schockiert. Ein Drittel des Einwegplastik in M\u00fclldeponien stammt von K\u00f6rperpflegeprodukten. \u00bbIn Amerika k\u00f6nnten wir alleine mit den Shampoo-Flaschen jedes Jahr 1200 Football-Stadien f\u00fcllen, und vier von f\u00fcnf Leuten geben zu, dass sie nicht konsequent recyclen\u00ab, sagt der 19-J\u00e4hrige heute. \u00bbWir werfen tonnenweise Plastikm\u00fcll weg, und vieles davon landet in den Meeren, den Gew\u00e4ssern, unserer Natur. Ich wusste, dagegen wollte ich was unternehmen.\u00ab Noch am gleichen Tag will er nach dem Sport eine leere Shampoo-Flasche wegwerfen, aber er findet nirgendwo in der Umgebung der Duschen einen Recycling-Container. Als er nach Hause kommt, sieht er seine Mutter die W\u00e4sche waschen, mit einer Waschmittelkapsel, die sich selbst aufl\u00f6st. \u00bbDas war mein Heureka-Moment! Kann man das nicht auch mit Shampoo und Duschgel machen?\u00ab<\/p>\n<p>Der Sch\u00fcler experimentiert mit biologisch abbaubaren Materialien und gr\u00fcndet die Firma Nohbo-Drops. Die Abk\u00fcrzung steht f\u00fcr \u00bbNo Hair Bottles\u00ab: Die tropfenf\u00f6rmigen Kleckse mit Shampoo oder Duschgel werden von einer biologisch abbaubaren Schicht aus Zucker zusammengehalten und l\u00f6sen sich auf, wenn sie mit Wasser in Ber\u00fchrung kommen. Einmal unter der Dusche in den H\u00e4nden reiben, und die richtig dosierte Menge Shampoo f\u00fcr eine Haarw\u00e4sche ist in Sekundenschnelle einsatzbereit. Es gibt keinen M\u00fcll, keine R\u00fcckst\u00e4nde. Dass Benjamin Stern die Idee hatte, als er erst 14 war, macht sie umso charmanter &#8211; auch f\u00fcr Investoren.<\/p>\n<p>Portionsweise in wasserl\u00f6slicher Folie: Das Shampoo von Benjamin Stern<br \/>\nMit 16 Jahren bewirbt sich der Jungunternehmer mit diesem Konzept bei der amerikanischen Wettbewerbs-Show Shark Tank (die deutsche Entsprechung w\u00e4re Die H\u00f6hle der L\u00f6wen mit Carsten Maschmayer). Mit Erfolg: Der Unternehmer Mark Cuban ist von dem enthusiastischen Teenager so begeistert \u2013 vielleicht auch, weil ihn der dunkelhaarige Entrepreneur ein wenig an ihn selbst erinnert \u2013 dass er ihm 100.000 Dollar Startkapital gibt. Unerschrocken googelte der forsche Teenager danach einfach die Email-Adressen von f\u00fchrenden CEOs und schrieb unter anderem den CEO der Hyatt-Hotel-Kette an. Der forderte prompt Proben an. Im Interview fl\u00fcstert Stern geheimnisvoll, Verhandlungen mit mehreren Hotelketten, die Mini-Portions-Fl\u00e4schchen in ihren Zimmern durch Tropfen zu ersetzen, st\u00fcnden kurz vor dem Abschluss. Trotz seines jungen Alters hielt Stern inzwischen Vortr\u00e4ge in Yale und am renommierten MIT, und nennt sich nun, mit 19 Jahren, stolz Head Honcho seiner eigenen Firma.<\/p>\n<p>Er ist gut positioniert in einem intensiven Wettrennen, wer am schnellsten, billigsten und praktischsten Plastik-Alternativen auf den Markt wirft. Denn bekanntlich haben die EU und zig andere Staaten angek\u00fcndigt, demn\u00e4chst Wegwerfplastik verbieten. Ab 2021 sollen keine zus\u00e4tzlichen Plastikgabeln, Strohhalme und Wattest\u00e4bchen aus Plastik die Weltmeere und M\u00fcllhalden belasten &#8211; zumindest aus Europa. Was werden wir stattdessen verwenden? Erfinder arbeiten an biologisch abbaubarem Plastikersatz aus Algen, Zucker oder Maisst\u00e4rke: eine Art positiver Wettbewerb, wirklich umweltfreundliche Alternativen zu kreieren. Auch in dieser Kolumne stelle ich immer wieder neue Ideen vor, etwa Kaffeetassen aus Kaffeesatz, T\u00fcten aus Zucker, Klamotten aus Mist\u00a0und Verpackungen aus Bio-Abfall \u00a0herzustellen. Alles pfiffige Ideen, aber klar ist auch: durchsetzen wird sich nur, was praktisch, massentauglich und billig ist.<\/p>\n<p>Stern gibt selbst zu, dass die erste Version, die er bei Shark Tank pr\u00e4sentierte, verbesserungsbed\u00fcrftig war. Der Prototyp \u00e4hnelte eher in Bonbonpapier gewickelten Badesalzen. Inzwischen hat der junge CEO ein professionelles Team, und ein deutlich besseres Produkt, finanziert durch eine Crowdfunding-Kampagne. Dass die Leute weniger Plastik wollen, wird nicht nur in allen Umfragen klar, sondern auch bei Nohbo war das Interesse so enorm, dass Stern in kurzer Zeit dreimal soviel Geld einsammelte wie erhofft. Die neuen Nohbo-Tropfen beinhalten Shampoo, das ohne Parabene, Sulfate oder sch\u00e4dliche Chemikalien auskommt. Es ist in eine hauchd\u00fcnne, aber stabile Schicht aus Zuckerrohr gebettet, die \u2013 so verspricht Stern zumindest &#8211; auch den Transport in der Sporttasche oder dem Reisegep\u00e4ck \u00fcberstehen soll. Nur mit Wasser d\u00fcrfen die Tropfen nicht in Ber\u00fchrung kommen, logisch.<\/p>\n<p>Was bei Teenagern wie der 16j\u00e4hrigen schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg, der inzwischen dreizehnj\u00e4hrigen Avery McRae aus Oregon, die die amerikanische Regierung mit dem Children\u2019s Trust wegen Unt\u00e4tigkeit verklagt, oder eben Benjamin Stern auff\u00e4llt, ist, dass sie Dinge ganz anders angehen als die Generation vor ihnen und sich nicht damit zufrieden geben, auf dem Status Quo aufzubauen. \u00bbIch wollte den Konsum von Plastikflaschen nicht reduzieren, nicht mehr recyclen, die Leute nicht zu Verzicht aufrufen\u00ab, sagt Stern dazu, \u00bbsondern ich m\u00f6chte Plastikflaschen ersetzen, denn wenn wir eine Plastikanwendung nach der anderen ersetzen, brauchen wir hoffentlich irgendwann \u00fcberhaupt kein Plastik mehr.\u00bb<\/p>\n<p>Das Shampoo ist jetzt auf dem Markt, Conditioner, Duschgel und Rasiercreme sollen noch in diesem Fr\u00fchjahr folgen. Sollte Stern mit seiner Vision erfolgreich sein, wird die menschliche K\u00f6rperpflege vielleicht bald wirklich eine saubere Angelegenheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Problem: Jeder von uns verbraucht Hunderte von Plastikflaschen f\u00fcr Shampoo und Duschgel. Ein Drittel des Einwegplastik auf M\u00fclldeponien stammt von K\u00f6rperpflegeprodukten. Die L\u00f6sung: Ein 14-j\u00e4hriger Sch\u00fcler hat biologisch abbaubare Shampoo-Tropfen erfunden, die sich wie Waschmittel-Kapseln selbst aufl\u00f6sen. Na, heute schon geduscht? 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