{"id":6041,"date":"2003-04-10T00:00:00","date_gmt":"2003-04-09T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20030410-03n"},"modified":"2003-04-10T00:00:00","modified_gmt":"2003-04-09T22:00:00","slug":"russland-ein-riese-der-flachsproduktion-ein-riese-auf-toenernen-fuessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/russland-ein-riese-der-flachsproduktion-ein-riese-auf-toenernen-fuessen\/","title":{"rendered":"Russland \u2013 ein Riese der Flachsproduktion. Ein Riese auf t\u00f6nernen F\u00fcssen?"},"content":{"rendered":"<p>Mitte der achtziger Jahre wurden in der Sowjetunion etwa 1 Mio. ha Flachs angebaut, die in rund 250 Schwingbetrieben verarbeitet wurden. Der Flachs wurde sehr extensiv angebaut, meist wurden lokale Sorten oder mehrfach wild nachgebaute westeurop\u00e4ische Sorten ausges\u00e4t. <\/p>\n<p>Die Aussaat erfolgte witterungsbedingt meist erst im Mai, so dass h\u00e4ufig erst Ende Juli \/ Anfang August die Gelbreife erreicht wurde. Da die Leinsaat nicht nur f\u00fcr den Nachbau interessant war, sondern als \u00d6lsaat einen nicht unbetr\u00e4chtlichen (textilunabh\u00e4ngigen) Erl\u00f6santeil darstellte, wurde der Flachs \u00fcberwiegend mit Rauf\/Entkapselmaschinen in der Totreife geerntet. Dies brachte eine weitere Versp\u00e4tung des Starts der Feldr\u00f6ste mit sich.  <\/p>\n<p>Wenden und Pressen bzw. B\u00fcndeln wurde teilweise von Hand, teilweise mit einfacher Traktormechanisierung durchgef\u00fchrt. Im Ergebnis nimmt es nicht wunder, dass in vielen Jahren der Flachs erst im Oktober geborgen werden konnte \u2013 mit den bekannten Problemen wie z.B. unkontrollierter Nachr\u00f6ste aufgrund zu hohem Feuchtegehalt oder Verlust der Parallellage der Flachsst\u00e4ngel in den B\u00fcndeln. <\/p>\n<p>Diese Fehler konnten durch erh\u00f6hten Aufwand (k\u00fcnstliche Trocknung des Materials unmittelbar vor der Schwingturbine, hoher Personalaufwand beim Einspeisen und Sortieren) nicht kompensiert werden. Durchschnittliche Langfaserausbeuten in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 5% bis 8% (zum Vergleich Westeuropa: 15% bis 18%) sowie in der Regel eher mindere, \u00fcberr\u00f6stete Fasern konnten selbst unter dem sehr geringen Kostendruck nicht zu einem wirtschaftlichen Verfahren f\u00fchren. <\/p>\n<p>Hinzu kam das Problem der Entkopplung von Anbau und Verarbeitung: durch staatlich festgelegte Preise bestand seitens des Anbaues kein echter Anreiz, besonders hochqualitatives Flachsstroh zu liefern. \u00c4hnliches galt f\u00fcr die Schwingbetriebe in bezug auf die Spinnereien.<\/p>\n<p>Inzwischen stellt sich die Lage nochmals verschlechtert dar: der Anbau ist auf etwa 100.000 ha gesunken, die Anzahl der Schwingbetriebe auf unter 150, der Fl\u00e4chenertrag liegt bei 2 t Flachsstroh je ha mit einer Ausbeute von etwa 6-8% Langflachs und 12 bis 16% Werg.  <\/p>\n<p>Damit bel\u00e4uft sich die j\u00e4hrliche Fasererzeugung auf etwa 14.000 t Langflachs und 28.000 t Werg. Die Schwingen arbeiten aufgrund der schlechten Strohqualit\u00e4t unwirtschaftlich und k\u00f6nnen ihre Vorlieferanten nicht bezahlen. Die wenigen verbliebenen Weiterverarbeitungsbetriebe haben den Strukturwandel u.a. deshalb \u00fcberlebt, weil sie in Weltmarktqualit\u00e4t produzieren. <\/p>\n<p>Dies bedeutet jedoch auch, dass gegen wertvolle Devisen f\u00fcr bestimmte Qualit\u00e4ten hochwertiger westeurop\u00e4ischer Langflachs importiert werden muss. <br \/>Damit schlie\u00dft sich der Teufelskreis aus Kapitalmangel, minderer Produktqualit\u00e4t und hohen Verarbeitungskosten. Ein Strudel, in dem auch der traditionell gro\u00dfe russische Binnenmarkt f\u00fcr  Leinenprodukte unterzugehen droht.<\/p>\n<p>Eine echte Perspektive f\u00fcr den russischen Flachsanbau kann nur in einer gewaltigen Investition in Anbau-, Ernte- und Verarbeitung bestehen, einschlie\u00dflich einem Management, welches vom Anbau bis zum Eingang Spinnerei durchgehend verantwortlich zeichnet. Solange dies nicht einmal ansatzweise in Aussicht steht, bleiben die F\u00fcsse des Riesen t\u00f6nern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitte der achtziger Jahre wurden in der Sowjetunion etwa 1 Mio. ha Flachs angebaut, die in rund 250 Schwingbetrieben verarbeitet wurden. 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