{"id":60348,"date":"2019-02-06T07:26:59","date_gmt":"2019-02-06T06:26:59","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=60348"},"modified":"2019-02-04T12:38:02","modified_gmt":"2019-02-04T11:38:02","slug":"deutsches-start-up-praesentiert-armband-aus-kuenstlicher-spinnenseide","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/deutsches-start-up-praesentiert-armband-aus-kuenstlicher-spinnenseide\/","title":{"rendered":"Deutsches Start-up pr\u00e4sentiert Armband aus k\u00fcnstlicher Spinnenseide"},"content":{"rendered":"<p>In der Kosmetik und bei Implantaten wird synthetisch hergestellte Spinnenseide bereits eingesetzt. Nun ist dem M\u00fcnchener Start-up Amsilk im Textilbereich der Durchbruch gelungen: Der Luxusuhrenhersteller Omega hat ein Armband auf den Markt gebracht, das mit Fasern aus k\u00fcnstlicher Spinnenseide gemacht ist.<\/p>\n<p>\u201eDamit zeigen wir, dass der Einsatz im Textilbereich m\u00f6glich ist\u201c, sagte Amsilk-CEO Jens Klein dem Handelsblatt. \u201eDie Fashion-Industrie kann ein riesiger Markt werden.\u201c Amsilk plane schon jetzt eine Reihe von weiteren Projekten im Textilbereich, das Interesse in der Branche an neuen Materialien sei gro\u00df. Das Unternehmen aus Martinsried bei M\u00fcnchen ist mehrheitlich im Besitz der Hexal-Gr\u00fcnder Andreas und Thomas Str\u00fcngmann.<\/p>\n<p>Bei der Gewinnung synthetischer Spinnenseide werden Kolibakterien genetisch so manipuliert, dass sie in gro\u00dfen Stahltanks den Eiwei\u00dfstoff produzieren. Ein getrocknetes Seidenpulver kann dann in Kosmetika, als Ummantelung von Implantaten oder in Faserform in der Textilindustrie genutzt werden. Der Vorteil: Synthetische Seide ist widerstandsf\u00e4hig, flexibel und weich. Zudem ist das Produkt zu 100 Prozent biologisch abbaubar.<\/p>\n<p>Daher ist sie zum Beispiel f\u00fcr die Outdoor-Industrie, die verst\u00e4rkt auf Nachhaltigkeit setzt, reizvoll. Die nat\u00fcrliche Gewinnung von Spinnenseide \u2013 das Melken von Seidenspinnen \u2013 ist aufwendig und teuer. Zudem m\u00fcssen laut Tierschutzorganisation Peta f\u00fcr ein einziges Seidenkleid 50.000 Seidenraupen get\u00f6tet werden.<\/p>\n<p>In einer Reihe von Kosmetika werden Amsilk-Produkte bereits kommerziell eingesetzt. Das Pulver kann zum Beispiel Nagellack atmungsaktiver machen. Adidas entwickelte einen Turnschuh auf Basis des Biosteel, so nennt Amsilk die synthetische Faser. Allerdings ist der Schuh bislang nicht kommerziell verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>Anders ist dies nun bei der Kooperation mit Omega. Der Luxusuhrenhersteller bietet k\u00fcnftig seine NATO-Textilarmb\u00e4nder mit Biosteel-Fasern an. Diese werden in das traditionelle Gewebe integriert und sollen die Armb\u00e4nder im Vergleich zu den fr\u00fcheren aus Polyamid so leichter, komfortabler und atmungsaktiver machen.<\/p>\n<p>F\u00fcr synthetische Spinnenseide sind viele weitere Anwendungen denkbar. So verk\u00fcndete Amsilk vor einigen Monaten eine Partnerschaft mit dem Flugzeugbauer Airbus. Ziel ist die Entwicklung von Leichtbauverbund-Materialien f\u00fcr die Luftfahrtbranche auf der Basis von synthetischer Spinnenseide.<\/p>\n<p>Viele Start-ups experimentieren mit der Technik<br \/>\nDie Luftfahrtbranche sucht st\u00e4ndig neue, leichtere Materialien, um Treibstoffkosten zu sparen. Airbus und Amsilk k\u00fcndigten eine \u201eneue \u00c4ra der Verbundwerkstoffe f\u00fcr den Einsatz in der Luft- und Raumfahrtindustrie\u201c an. Klein kann sich sp\u00e4ter auch einen Einsatz f\u00fcr die Elektromobilit\u00e4t vorstellen<\/p>\n<p>Die Technologie des Biosteel basiert auf Forschungen von Thomas Scheibel, Professor f\u00fcr Biomaterialien an der Universit\u00e4t Bayreuth. Amsilk ist aber nicht allein. Eine Reihe namhafter Start-ups arbeitet an \u00e4hnlichen Entwicklungen.<\/p>\n<p>Der Outdoor-Ausr\u00fcster North Face hat gemeinsam mit der Biotechfirma Spiber einen Parka aus k\u00fcnstlicher Spinnenseide entwickelt. Das US-Start-up Bolt Threads, das unter anderem Peter Thiel als Investor an Bord hat, brachte als erstes Produkt eine Krawatte auf den Markt. Zudem ist eine Jacke von Patagonia geplant.<\/p>\n<p>Bislang sind das eher Pilotprojekte, um zu zeigen, was m\u00f6glich ist. Denn das Material ist noch teuer. Ob es den Massenmarkt erobern wird, ist zumindest umstritten. Amsilk-Chef Klein begr\u00fc\u00dft es auch, wenn Textil-Produkte auf der Basis von Konkurrenz-Entwicklungen auf den Markt kommen. \u201eAllein kann man so einen gro\u00dfen Markt nicht entwickeln.\u201c<\/p>\n<p>Im Kosmetikbereich habe man bereits gesehen, dass das neue Material in der Szene schnell zum Thema werde, wenn erst einmal die ersten Produkte auf dem Markt sind. \u201eDann kommt es zu einer Industrieakzeptanz.\u201c Wenn es mehr Textilprodukte gebe, k\u00f6nne auch die Faserherstellung skaliert \u2013 und damit billiger werden.<\/p>\n<p>Amsilk hat 2016 frisches Kapital eingesammelt. Hauptinvestor ist AT Newtec, eine der Investmentt\u00f6chter von Andreas und Thomas Str\u00fcngmann. Die Br\u00fcder hatten den Generikahersteller Hexal gegr\u00fcndet und geh\u00f6ren zu den aktivsten und nachhaltigsten Biotechinvestoren in Deutschland. Als Investor ist zudem der MIG Fonds an Bord. Die Eigent\u00fcmer haben bislang einen zweistelligen Millionenbetrag investiert.<\/p>\n<p>In diesem Jahr will Amsilk erstmals Millionenums\u00e4tze machen. Vorstandschef Klein geht davon aus, dass dann mittelfristig auch zweistellige Millionenums\u00e4tze drin sind. F\u00fcr die breite Markteroberung kann er sich Partnerschaften mit Chemieunternehmen vorstellen. Es gibt auch Anfragen f\u00fcr eine \u00dcbernahme der Amsilk. \u201eGrunds\u00e4tzlich w\u00e4re das Gesch\u00e4ftsmodell sicher auch etwas f\u00fcr die B\u00f6rse.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Kosmetik und bei Implantaten wird synthetisch hergestellte Spinnenseide bereits eingesetzt. 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