{"id":6034,"date":"2003-04-15T00:00:00","date_gmt":"2003-04-14T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20030415-02n"},"modified":"2018-02-16T13:58:20","modified_gmt":"2018-02-16T12:58:20","slug":"naturverbund-im-autofond","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/naturverbund-im-autofond\/","title":{"rendered":"Naturverbund im Autofond"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 10px;\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20030415-02\/Karosserie.jpg\" alt=\"Karosserie\" align=\"left\" border=\"0\" \/><br style=\"clear: left;\" \/><br \/>\nVerbundstoffe aus Naturfasern und Kunststoffen ersetzen im Auto schon seit l\u00e4ngerem herk\u00f6mmliche Kunststoffe. Bioverbundstoffe aus Naturfasern und Biopolymeren, die Erd\u00f6l basierte Kunststoffe g\u00e4nzlich ersetzen w\u00fcrden, sind dagegen die verlockende Zukunftsmusik.<\/p>\n<p>Da sparsamer Verbrauch ein wichtiges Argument beim Autokauf ist, sind die Konstrukteure aller gro\u00dfen Automobilkonzerne fieberhaft auf der Suche nach neuen Materialien, die das Auto &#8220;erleichtern&#8221;. Dabei spielen gerade die naturfaserverst\u00e4rkten Kunststoffe \u2013 also eine stoffliche Kombination aus Naturfasern wie Kokos, einheimischem Flachs und Hanf oder Jute und einem Polymer \u2013 eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<p>Jedoch m\u00fcssen zun\u00e4chst erstmal grunds\u00e4tzliche Fragen zur Begriffskl\u00e4rung, zu den Pr\u00fcfkriterien und den Marktpotenzialen gekl\u00e4rt werden. Fragen, die unter der Leitung von Dr. Riedel im Arbeitskreis naturfaserverst\u00e4rkte Polymere bei der <a href=\"http:\/\/www.avk-tv.de\/\">Arbeitsgemeinschaft Verst\u00e4rkte Kunststoffe \u2013 Technische Vereinigung<\/a> (AVK &#8211; TV) aufgegriffen werden. Dabei beurteilen die Experten die im Sommer 2002 umgesetzte EU-Altautoverordnung \u00e4u\u00dferst kritisch.<\/p>\n<p>Ohnehin scheint das letzte Wort zu dieser gesetzlichen Regelung noch nicht gefallen zu sein, denn mit einem gro\u00df angelegten Gutachten wollen Automobilhersteller und Zulieferer die zust\u00e4ndige EU-Kommission in Detailfragen noch umstimmen. Um letztlich auch in Zukunft den Einsatz von Leichtmaterialien, darunter auch Naturfasern, nicht zu gef\u00e4hrden. &#8220;Wir k\u00f6nnen doch nicht alles kompostieren&#8221;, klagt auch Dr. Renate L\u00fctzkendorf vom <a href=\"http:\/\/www.titk.de\/\">Th\u00fcringischen Institut f\u00fcr Textil- und Kunststoffforschung<\/a> (TITK) \u00fcber die Verordnung. &#8220;Die Landwirtschaft wird und kann soviel Kompost gar nicht abnehmen.&#8221;<\/p>\n<p><b>Einsatz in der Serienproduktion<\/b><br \/>\nUngeachtet dieser auf stoffliche Kreisl\u00e4ufe fixierte Recycling-Verordnung arbeitet L\u00fctzkendorf als Leiterin der Textil- und Werkstoff-Forschungsabteilung am TITK seit einigen Jahren an neuartigen Verfahrenstechniken, die den Einsatz von Naturfasern nicht nur im Thermopressverfahren erlauben, sondern auch im Bereich der Spritzgusstechnik erm\u00f6glichen. &#8220;Wir haben eine Produktionsmethode entwickelt, bei der man Naturfaser und Kunststoff zu einem f\u00fcr die Spritztechnik unabk\u00f6mmlichem Granulat in einer Schnittl\u00e4nge von 10 bis 30 Millimeter verarbeitet.&#8221; (Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/neues-naturfaser-kunststoffverfahren-fuer-automobilindustrie\/\">2003-05-30<\/a>.)<\/p>\n<p>Mehrere Autozulieferer und Autohersteller testen derzeit dieses Verfahren, daher rechnet L\u00fctzkendorf schon bald mit einem Einsatz in einer Serienproduktion. Die Chancen stehen nicht schlecht, erhielten doch die Th\u00fcringer neben zwei anderen Mitbewerbern, darunter das niederl\u00e4ndische Institut ATO, auf der im Herbst letzten Jahres abgehaltenen Konferenz &#8220;Naturfaser-Spritzguss f\u00fcr Verbundwerkstoffe in der Automobilindustrie&#8221; vom am Test beteiligten Unternehmen gute Noten. (Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-studie-naturfasereinsatz-in-verbundwerkstoffen-in-der-automobilindustrie\/\">2003-02-05<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-konferenzbericht-naturfaser-spritzguss-fuer-verbundwerkstoffe-in-der-automobilindustrie\/\">2002-10-11<\/a>.)<\/p>\n<p>Wenngleich die Werte hinsichtlich ihrer Biegefestigkeit, Schlagz\u00e4higkeit und Zugdehnung nicht ganz das Niveau von glasfaserverst\u00e4rktem Polypropylen erreichen, attestierten die Fachleute diesen Werkstoffen trotzdem eine industrielle Reife. W\u00e4hrend eine Internet-Datenbank f\u00fcr naturfaserverst\u00e4rkte Kunststoffe ab Mai nun den endg\u00fcltigen Durchbruch begleiten soll, schweigt sich L\u00fctzkendorf aus, welcher Hersteller nun mit welchem Mobil zuerst dieses neue Werkstoffverfahren anwenden wird. Vielleicht wird sie im September, wenn sie auf dem Symposium &#8220;Werkstoffe aus Nachwachsenden Rohstoffen&#8221; in Erfurt \u00fcber die Granulatherstellung referiert, schon mehr verraten d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><b>Bioverbundstoffe f\u00fcr Rotorbl\u00e4tter<\/b><br \/>\nHochinteressant ist auch ein eventueller Einsatz in der boomenden Windkraftindustrie, in der beim Bau der riesigen Fl\u00fcgel bisher ausschlie\u00dflich Polyesterharze und Glasfasermatten eingesetzt wurden. Deshalb wartet auch diese Branche gespannt auf die Ergebnisse einer Studie vom Braunschweiger DLR, die die Belastungsf\u00e4higkeit von Bioverbundstoffen untersucht und kl\u00e4rt, wie gro\u00df der Anteil von Biopolymeren beispielsweise eines Windkraftfl\u00fcgels sein darf, um die Qualit\u00e4tsanspr\u00fcche herk\u00f6mmlicher Kunststoffe wie Polyurethan oder Polyethylen zu erf\u00fcllen. (Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/windraeder-aus-nachwachsenden-rohstoffen\/\">2002-01-09<\/a>.)<\/p>\n<p>W\u00e4hrend aber die Windkraftindustrie noch in den Startl\u00f6chern verharrt, ist der Schienenverkehr offenbar schon einen Zug weiter. Besser gesagt mehrere Z\u00fcge weiter, hat doch die Hamburger Hochbahn f\u00fcnf Triebwagen der Baureihe DT 4.5 mit Innenverkleidungen (u. a. Sitzr\u00fcckw\u00e4nde) aus naturfaserverst\u00e4rktem Bioverbundstoffen beim Hersteller Alstom bestellt. Der erste Triebwagen kreuzt mittlerweile schon durch die Elbmetropole. (Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/zu-95-prozent-recyclebar-und-energiesparend-neue-u-bahnzuege-fuer-hamburg-setzen-umweltstandards\/\">2002-11-11<\/a>.)<\/p>\n<p>&#8220;Wir versuchen st\u00e4ndig, den Materialeinsatz f\u00fcr unsere Waggons zu optimieren, die Recyclingquote zu erh\u00f6hen und auch Energie einzusparen&#8221;, umschreibt Falko Niemeyer von der Hamburger Hochbahn die Motive f\u00fcr einen solchen Einsatz. So sitzt der U-Bahnfahrer \u2013 ohne es optisch zu erkennen \u2013 statt auf modifiziertem Erd\u00f6l in Zukunft auf einem intelligenten Verbund aus Naturfasern und Pflanzen\u00f6len.<\/p>\n<p>(<b>Anm. d. Redaktion:<\/b> Den vollst\u00e4ndigen Artikel zum Thema Bioverbundwerkstoffe &#8220;Mobilit\u00e4t aus der Natur&#8221; von Dierk Jensen findet man im Magazin <a href=\"http:\/\/www.energie-pflanzen.de\/\">energie pflanzen<\/a> Ausgabe 2\/2003).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verbundstoffe aus Naturfasern und Kunststoffen ersetzen im Auto schon seit l&auml;ngerem herk&ouml;mmliche Kunststoffe. 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