{"id":6033,"date":"2003-04-15T00:00:00","date_gmt":"2003-04-14T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20030415-03n"},"modified":"2003-04-15T00:00:00","modified_gmt":"2003-04-14T22:00:00","slug":"nachtkerze-harmlos-wie-haferflockensuppe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nachtkerze-harmlos-wie-haferflockensuppe\/","title":{"rendered":"Nachtkerze: Harmlos wie Haferflockensuppe"},"content":{"rendered":"<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20030415-03\/Nachtkerze.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Nachtkerze\"\/>Seit l\u00e4ngerem w\u00e4chst das Interesse an den Samen der Nachtkerze. Und zwar nicht aus kulinarischen Gr\u00fcnden, sondern wegen ihres wertvollen \u00d6les, das reich an Gamma-Linolens\u00e4ure ist und sowohl f\u00fcr die pharmazeutische sowie kosmetische Industrie als auch f\u00fcr reinigungschemische Prozesse von gro\u00dfem Interesse ist.<br style=\"clear:left;\"\/><br \/>&#8220;Das Tensid aus Nachtkerzen\u00f6l hat hervorragende Benetzungseigenschaften&#8221;, schw\u00e4rmt Diplomchemikerin Brigitte Olschewski. Zusammen mit ihrem Mann Max betreibt sie in Berlin das <a href=\"http:\/\/www.cc-bo-umwelt.de\/\" >CC BO<\/a> Entwicklungslabor, das ein europ\u00e4isches Patent auf die Herstellung eines grenzfl\u00e4chenaktiven Stoffes inne hat, der ausschlie\u00dflich aus nachwachsenden Rohstoffen \u2013 pflanzliches \u00d6l und Hefe &#8211; hergestellt wird. <\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20030415-03\/Kessel.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Kessel\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>&#8220;Wir nehmen f\u00fcr unser natives Tensid Hefe, spalten sie in die gew\u00fcnschte molekulare Kettenl\u00e4nge und mischen dann, stark vereinfacht gesagt, soviel Nachtkerzen\u00f6l dazu, bis die Wasser-Fett-Balance in der Substanz optimal ist&#8221;, erkl\u00e4rt Olschewski die Produktion ihres Tensids. Obwohl manche mit dieser Erfindung voreilig eine &#8220;Revolution in der Waschk\u00fcche&#8221; herbeiw\u00fcnschten, hat sich doch die Nachfrage nach diesen nativen, vollst\u00e4ndig abbaubaren Waschmitteln nur in sehr bescheidenem Ma\u00dfstab entwickelt. <\/p>\n<p>Jedoch immerhin findet das <a href=\"http:\/\/www.cc-bo-umwelt.de\/haushalt.html\" >Faliten<\/a>, das nach den Worten von Olschewski &#8220;harmlos wie Haferflockensuppe&#8221; ist, auf der Basis einheimischer Hanf- und Nachtkerzen\u00f6le trotz massiver Konkurrenz etablierter Chemiegr\u00f6\u00dfen wie Henkel, die nachwachsende Rohstoffe wie das umstrittene Palm\u00f6l aus Indonesien zu Niedrigpreisen importieren, seine Abnehmer: Bodenreinigungsfirmen ebenso wie die Deutsche Bahn AG. <\/p>\n<p>Einer der Rohstofflieferanten von CC BO ist Hans-Georg Kurth. Ohne eigentlich gro\u00dfe Risiken einzugehen, baut Kurth nun seit einigen Jahren die Nachtkerze auf einigen Hektar an. Und zwar an einem sehr sandigen Standort direkt am Wald, der f\u00fcr anspruchsvollere Kulturpflanzen ohnehin nicht die beste Location ist. F\u00fcr die anspruchslose Nachtkerze gen\u00fcgt es allemal. So zeigte sich der gelb bl\u00fchende Bestand im letzten Jahr dicht bewachsen. <\/p>\n<p>Sehr zur Freude der Stieglitze, die in Schw\u00e4rmen \u00fcber die gelb bl\u00fchenden Pflanzen herfielen und sich viele Samenk\u00f6rner stibitzten. &#8220;Also wenn die V\u00f6gel uns etwas \u00fcbriglassen&#8221;, so Kurth im unbehandelten Bestand, &#8220;dann k\u00f6nnen wir 200 Kilogramm Nachtkerzensamen pro Hektar ernten. Wir haben jedoch das Problem, dass die Nachtkerze nicht gleichm\u00e4\u00dfig abreift und dadurch ein Teil der Samenk\u00f6rner verloren geht&#8221;, merkt der Chef der Agrargenossenschaft noch Verbesserungspotenziale an der Nachtkerze an, die im Gesamtbild noch nicht den Eindruck einer durchtrainierten Kulturpflanze hinterl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Kein Wunder, ist doch die Nachtkerze erst seit sechs Jahren z\u00fcchterisch behandelt worden. Und in sechs Jahren wird aus einer Wildpflanze noch keine Kulturpflanze. &#8220;Da kann man sich so anstrengen, wie man m\u00f6chte&#8221;, entschuldigt Dr. Lothar Adam die \u00d6lspenderin mit dem lateinischen Namen Oenothera biennis. Der Agrar-Experte bei der Landesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft in G\u00fcterfelde koordinierte die von der <a href=\"http:\/\/www.fnr.de\/\" >Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe<\/a> (FNR) finanzierten Vorarbeiten, um aus der Nachtkerze, einer gro\u00dfen Unbekannten, erstmalig eine landwirtschaftliche Kultur zu etablieren. &#8220;Wir sind auf die Nachtkerze gekommen, weil sie in hervorragender Weise umweltvertr\u00e4gliche Aspekte in sich vereint&#8221;, berichtet Adam, der neben dem erprobten Einsatz f\u00fcr biologisch abbaubare Tenside auch die M\u00f6glichkeiten einer pharmazeutisch-kosmetischen Schiene betont. (<a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20030415-03\/FNR-Projekt-Nachtkerze.pdf\" >Download<\/a> des Berichts zum FNR-Verbundprojekts (FKZ:96 NR 160-F, 1998-2001).)<\/p>\n<p>Ebenso kann sich Adam die Nachtkerzensamen, die einen hohen Anteil an Antioxidantien enthalten, auch als Zusatz f\u00fcr Backwaren vorstellen. Gerade \u00f6kologisch erzeugte Ware erzielt derzeit einen Marktpreis von bis zu sechs EUR pro Kilogramm, womit pro Hektar im g\u00fcnstigsten Fall Erl\u00f6se von bis 1.200 EUR erreicht werden k\u00f6nnten. Dagegen liegt der Weltmarktpreis f\u00fcr konventionell angebaute Nachtkerzensamen zurzeit bei katastrophalen 2 EUR pro Kilogramm. Ein Preis, bei dem jegliche Anstrengungen der Produktion aus hiesiger landwirtschaftlicher Sicht schon im Keim scheitern muss. <\/p>\n<p>Auf der anderen Seite ist das extrahierte \u00d6l aus dem Samen relativ teuer. CC OB zahlt f\u00fcr das kostbare Nachtkerzen\u00f6l rund 40 EUR pro Kilogramm. Obwohl nur drei Prozent \u00d6l ins abbaubare Waschmittel gelangen, hebt es den Produktpreis derart an, dass es vergleichsweise teurer ist als Produkte auf petrochemischer Basis. <\/p>\n<p>Trotzdem sieht Brigitte Olschewski noch gro\u00dfe Potenziale, die durch einen gr\u00f6\u00dferen Absatz und damit einer Massenproduktion freigesetzt werden k\u00f6nnten. Wenn auch nicht die preisliche Parit\u00e4t erreichbar sei, w\u00e4re aber immerhin eine Ann\u00e4hrung aus ihrer Sicht durchaus denkbar. Also doch ein waschechte Revolution mit einem Mittel, das so harmlos wie Haferflockensuppe ist?<\/p>\n<p>(<b>Anm. d. Redaktion:<\/b> Den vollst\u00e4ndigen Artikel zum Thema Nachtkerze &#8220;Harmlos wie Haferflockensuppe&#8221; findet man im Magazin <a href=\"http:\/\/www.energie-pflanzen.de\/\" >energie pflanzen<\/a> Ausgabe 2\/2003).<\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/anbau-von-nachtkerze-oenothera-biennis-l-zur-gewinnung-des-gamma-linolensaeurehaltigen-oeles\/\" >2002-07-05<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit l&auml;ngerem w&auml;chst das Interesse an den Samen der Nachtkerze. 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