{"id":60112,"date":"2019-01-30T07:26:52","date_gmt":"2019-01-30T06:26:52","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=60112"},"modified":"2019-01-29T14:25:05","modified_gmt":"2019-01-29T13:25:05","slug":"warum-bioplastik-meist-gar-nicht-so-bio-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/warum-bioplastik-meist-gar-nicht-so-bio-ist\/","title":{"rendered":"Warum Bioplastik meist gar nicht so &#8220;bio&#8221; ist"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_60199\" aria-describedby=\"caption-attachment-60199\" style=\"width: 495px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-60199 size-full\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/biokunststoff_bioplastik.jpg\" alt=\"biokunststoff_bioplastik\" width=\"495\" height=\"247\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/01\/biokunststoff_bioplastik.jpg 495w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/01\/biokunststoff_bioplastik-300x150.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 495px) 100vw, 495px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-60199\" class=\"wp-caption-text\">Bioplastik ist bunt, leicht und umweltfreundlich, das sagt schon der Name. Nur: Es stimmt oft nicht. \u00a9 CC<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>&#8220;Bioplastik&#8221; ist im besten Fall ein \u00fcberstrapaziertes Buzzword, im schlimmsten pure Verbrauchert\u00e4uschung. Haupts\u00e4chlich deshalb, weil nicht das drin ist, was der Verbraucher von der Bezeichnung &#8220;Bioplastik&#8221; erwartet. Diese ist tats\u00e4chlich verwirrend, da sind sich das schweizerische Bundesamt f\u00fcr Umwelt (BAFU), das deutsche Bundesumweltministerium, BUND, Greenpeace und diverse Nachhaltigkeits-Blogs f\u00fcr einmal einig.<\/strong><\/p>\n<p>Es f\u00e4ngt schon damit an, dass &#8220;Bioplastik&#8221; oder &#8220;Biokunststoff&#8221; zwei verschiedene Stoffklassen bezeichnet. Da w\u00e4re zum einen Kunststoff, der aus nat\u00fcrlichen Rohstoffen hergestellt wird. Das kann zum Beispiel Milchs\u00e4ure, Bambus oder auch St\u00e4rke sein, wie bei sich (geplant) selbst aufl\u00f6senden Implantaten, Geschirr oder den bekannten St\u00e4rke-Verpackungschips.<\/p>\n<h3>Wo &#8220;bio&#8221; draufsteht, ist oft nicht nur bio drin<\/h3>\n<p>Solche Stoffe sollten eigentlich &#8220;bio-basiert&#8221; genannt werden. Sie enthalten dar\u00fcber hinaus oft noch andere Stoffe, die sie widerstandsf\u00e4higer machen oder die Verarbeitung erst erm\u00f6glichen. Ein Beispiel ist das beliebte Bambusgeschirr, das ausser Bambus noch &#8220;Harze&#8221; enth\u00e4lt, die oft alles andere als nat\u00fcrlich sind. Das ist zwar nachhaltiger, als komplett erd\u00f6lbasierte Kunststoffe zu verwenden. Wer meint, damit der Umwelt etwas Gutes zu tun, hat damit aber h\u00f6chstens teilweise recht. Wegen der klassisch chemischen Bestandteile m\u00fcssen solche Kunststoffe in der Regel im Restm\u00fcll entsorgt und damit verbrannt werden. Einige k\u00f6nnen sogar giftige Stoffe freigeben.<\/p>\n<h3>F\u00fcr Verbraucher nur schwer unterscheidbar<\/h3>\n<figure id=\"attachment_60198\" aria-describedby=\"caption-attachment-60198\" style=\"width: 523px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-60198\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Scan_20190116.jpg\" alt=\"Scan_20190116\" width=\"523\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/01\/Scan_20190116.jpg 800w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/01\/Scan_20190116-300x192.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/01\/Scan_20190116-600x383.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 523px) 100vw, 523px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-60198\" class=\"wp-caption-text\">Beschriftung auf der Verpackung eines Mehrweg-Kaffebechers.<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr Benutzerinnen und Benutzer wird das nicht sofort deutlich. Bei Angaben wie &#8220;besteht haupts\u00e4chlich aus Bambusfasern und Maismehl&#8221;, so gelesen auf der Verpackung eines Mehrweg-Kaffeebechers, sollten schon einmal die Alarmglocken klingeln.<\/p>\n<p>Die nicht-haupts\u00e4chlichen Komponenten, stellt sich beim Blick auf das Kleingedruckte heraus, sind gar nicht bio. Dort steht: &#8220;enth\u00e4lt Melaminharz als Bindemittel&#8221;.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-60197\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Melaminharz-to-go2.jpg\" alt=\"Melaminharz to go2\" width=\"536\" height=\"124\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/01\/Melaminharz-to-go2.jpg 800w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/01\/Melaminharz-to-go2-300x69.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/01\/Melaminharz-to-go2-600x139.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 536px) 100vw, 536px\" \/><\/p>\n<p>Das ist immer noch besser, als ein Einwegbecher aus Pappe und Plastik. Wirklich nachhaltig oder recyclierbar ist der Becher damit aber nicht. Das Kunstharz Melamin, warnt unter anderen das Nachhaltigkeits-Portal &#8220;<a href=\"https:\/\/utopia.de\/ratgeber\/coffee-to-go-bambus\/\" target=\"_blank\">Utopia<\/a>&#8220;, ist bei Kaffeebechern zudem nicht ganz unbedenklich. Das chemische und Veterin\u00e4r-Untersuchungsamt Stuttgart (<a href=\"http:\/\/www.cvuas.de\/pub\/beitrag.asp?ID=2609&amp;subid=1&amp;Thema_ID=3&amp;lang=DE\" target=\"_blank\">CVUA<\/a>) hat 13 Bambusartikel untersucht und fand in allen synthetische Kunststoffe.<\/p>\n<h3>&#8220;Kompostierbar&#8221; heisst nicht gleich &#8220;bio&#8221;<\/h3>\n<p>Selbst wenn die Plastikt\u00fcte, der Blumentopf oder das Geschirr tats\u00e4chlich aus 100 Prozent nat\u00fcrlichen Materialien bestehen, ist damit nicht gesagt, dass sie unter normalen Umst\u00e4nden auch kompostierbar sind. Selbst dann nicht, wenn sie den Vermerk &#8220;bioabbaubar&#8221; tragen. Womit sie zur zweiten Gruppe der Biokunststoffe geh\u00f6ren. Was bioabbaubar ist, muss aber nicht gleichzeitig bio-basiert sein. Sowohl das <a href=\"https:\/\/www.bafu.admin.ch\/bafu\/de\/home\/themen\/abfall\/dossiers\/biokunststoff-alles-abbaubar.html\" target=\"_blank\">BAFU<\/a> wie das deutsche <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/tueten-aus-bioplastik-sind-keine-alternative\" target=\"_blank\">Umweltbundesamt<\/a> bem\u00fchen sich auf ihren Internetseiten, diese Sachverhalte aufzukl\u00e4ren. F\u00fcr die meisten Verbraucher vermutlich vergeblich.<\/p>\n<h3>Und auch &#8220;kompostierbar&#8221; ist teilweise eine Mogelpackung<\/h3>\n<p>Kompostierbare oder bioabbaubare Kunststoffe zersetzen sich grunds\u00e4tzlich schon, ihr Abbau dauert aber teilweise sehr lange oder erfordert bestimmte Umst\u00e4nde. Unter industriellen Bedingungen ist das nicht wirtschaftlich, auf dem heimischen Komposthaufen verrotten sie teilweise gar nicht. Recycler fischen diese Kunststoffe zum Teil aus den Anlagen, weil diese nicht darauf eingerichtet sind. Am Ende werden die &#8220;Biokunststoffe&#8221; dann verbrannt.<\/p>\n<p>Was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man genauer dar\u00fcber nachdenkt. &#8220;Bioplastik&#8221; kann die Anforderungen, die Verbraucher erst einmal mit diesem Begriff verbinden, gar nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Kompostierbarer Kunststoff muss einerseits so stabil sein, dass er sich l\u00e4nger lagern und verwenden l\u00e4sst und hygienisch einwandfrei ist. Das heisst, die Bio-Flasche und die Bio-Plastikt\u00fcte d\u00fcrfen nicht schon auf dem Weg zum Verbraucher verkeimen. Andererseits muss das Material unter bestimmten Bedingungen zerfallen, was ebenso nach hinten losgehen kann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_60196\" aria-describedby=\"caption-attachment-60196\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-60196\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/e4e710c1-8fbf-4aa0-b3e5-43cd7a2a3dc6.original1024.jpg\" alt=\"e4e710c1-8fbf-4aa0-b3e5-43cd7a2a3dc6.original1024\" width=\"530\" height=\"336\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/01\/e4e710c1-8fbf-4aa0-b3e5-43cd7a2a3dc6.original1024.jpg 800w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/01\/e4e710c1-8fbf-4aa0-b3e5-43cd7a2a3dc6.original1024-300x191.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/01\/e4e710c1-8fbf-4aa0-b3e5-43cd7a2a3dc6.original1024-600x381.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-60196\" class=\"wp-caption-text\">Bio-M\u00fcllbeutel zersetzen sich relativ schnell. Die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Rems-Murr-Kreises, von der dieses Bild stammt, hat sie dennoch verboten, weil der Entsorger damit nicht zurecht kommt.<\/figcaption><\/figure>\n<p>In Erinnerung ist mir pers\u00f6nlich die Bio-Kompost-T\u00fcte, die sich an warmen Tagen so gut zersetzte, dass sie ohne weitere Vorsichtsmassnahmen auf dem Weg zur Bioklappe bereits die H\u00e4lfte ihres Inhalts verlor.<\/p>\n<p>Bio-Geschirr, das auch noch sp\u00fclmaschinenfest sein soll, kann beide Bedingungen eigentlich nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n<h3>&#8220;Der beste Abfall ist der, der gar nicht entsteht&#8221;<\/h3>\n<p>Greenpeace h\u00e4lt Bioplastik-Produkte zum Teil f\u00fcr reines &#8220;Greenwashing&#8221;. Zudem entz\u00f6gen die f\u00fcr die Rohstoffe ben\u00f6tigten Fl\u00e4chen der Landwirtschaft Platz f\u00fcr die Nahrungsproduktion, schrieb das <em>&#8220;<a href=\"https:\/\/www.greenpeace-magazin.de\/biokunststoff-tueten-mit-tuecken\" target=\"_blank\">Greenpeace Magazin<\/a>&#8220;<\/em> 2015. Dennoch sei ein vern\u00fcnftig konzipiertes bio-basiertes Produkt nachhaltiger als eines aus Erd\u00f6l. Verwirrung allenthalben also. Verbrauchern bleibt unter dem Strich nur, sich zu informieren und fleissig das Kleingedruckte zu lesen.<\/p>\n<p>Der BUND empfiehlt geradeheraus: &#8220;<a href=\"https:\/\/www.bund.net\/chemie\/achtung-plastik\/alternative-bioplastik\/\" target=\"_blank\">Der beste Abfall ist der, der \u00fcberhaupt nicht entsteht<\/a>.&#8221; Was erstens einfach und zweitens nicht ganz falsch ist. Zumindest im Lebensmittelbereich gibt es nur wenige Produkte, die sich nicht durch Mehrweg-Varianten aus Metall, Keramik oder Glas ersetzen liessen. Und f\u00fcr die Einkaufstasche gilt immer noch: entscheidend ist, wie oft Sie sie verwenden \u2013 egal, ob sie aus Baumwolle oder Plastik ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Bioplastik&#8221; ist im besten Fall ein \u00fcberstrapaziertes Buzzword, im schlimmsten pure Verbrauchert\u00e4uschung. Haupts\u00e4chlich deshalb, weil nicht das drin ist, was der Verbraucher von der Bezeichnung &#8220;Bioplastik&#8221; erwartet. Diese ist tats\u00e4chlich verwirrend, da sind sich das schweizerische Bundesamt f\u00fcr Umwelt (BAFU), das deutsche Bundesumweltministerium, BUND, Greenpeace und diverse Nachhaltigkeits-Blogs f\u00fcr einmal einig. 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