{"id":59999,"date":"2019-01-24T07:26:07","date_gmt":"2019-01-24T06:26:07","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=59999"},"modified":"2019-01-21T12:30:32","modified_gmt":"2019-01-21T11:30:32","slug":"zahnbuersten-aus-zuckerrohr-firma-forscht-mit-biokunststoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/zahnbuersten-aus-zuckerrohr-firma-forscht-mit-biokunststoff\/","title":{"rendered":"Zahnb\u00fcrsten aus Zuckerrohr: Firma forscht mit Biokunststoff"},"content":{"rendered":"<p>Formsch\u00f6n und in satten Farben m\u00fcssen Biokunststoffe daherkommen. Sonst scheitern sie am Markt. Niemand kauft sie. Das wei\u00df Volker Dreher. Er ist Betriebsleiter der Firma GEK, einem Spezialisten in der Kunststoffverarbeitung. Plaste &#8211; das Wort hat der Verantwortliche l\u00e4ngst aus seinem Wortschatz gestrichen, weil es negativ besetzt ist. &#8220;Alle reden immer viel von Bio und nachwachsenden Rohstoffen. Wenn man aber den Test macht, greifen alle zum sch\u00f6nsten Produkt&#8221;, sagt er &#8211; und das sei meist aus konventionellem Kunststoff.<\/p>\n<p>Mit dem Verbot von Wegwerfprodukten aus Plastik in der EU sieht die Firma im vogtl\u00e4ndischen Oelsnitz eine Chance auf sich zukommen. Denn an der Verarbeitung von biobasierten Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrohr oder Mais forscht das Unternehmen seit mehr als zehn Jahren. Jetzt startet in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut ein neues Projekt. Ziel ist es, einen Stoff weiterzuentwickeln und zu verarbeiten, der sich in den Weltmeeren nicht zum M\u00fcllteppich dazugesellt, sondern wieder zersetzt. Innerhalb von 14 Tagen l\u00f6st sich der Kunststoff im Salzwasser in seine Bestandteile auf. Der Knackpunkt: Das Material muss f\u00fcr die Verarbeitung und die Markteinf\u00fchrung dennoch hitzebest\u00e4ndig und stabil sein. &#8220;Wenn jemand beim Essen an einer abgebrochenen Zacke der Gabel erstickt, dann n\u00fctzt es wenig, wenn sie aus Biokunststoff war&#8221;, sagt Dreher.<\/p>\n<p>Als eine ihrer ersten alternativen Entwicklungen stellte die Firma Besteck aus wieder abbaubaren Materialien her. In dem Gemisch kam damals unter anderem Erbsenmehl zum Einsatz. Den Qualit\u00e4tsanspr\u00fcchen gen\u00fcgte es nicht, nach einiger Zeit wurde es por\u00f6s &#8211; auch ohne Salzwasser. Jetzt kn\u00fcpft die Firma an dem Punkt noch einmal an. &#8220;Es wird sich im ersten Jahr zeigen, ob es funktioniert&#8221;, sagt Volker Dreher. Knapp 150.000 Euro Zuschuss gestreckt auf drei Jahre erh\u00e4lt der Betrieb f\u00fcr die Pionierarbeit. Nur f\u00fcnf Industriepartner sind Teil des Projekts, einer ist die Firma in Oelsnitz.<\/p>\n<p>Acht Forschungsprojekte ging das Unternehmen auf dem Gebiet bislang an, es stellt alternative Kunststoffe aus Bioalkohol her, destilliert aus Zuckerrohr und St\u00e4rke statt aus fossilem Roh\u00f6l. Manche Stoffe beinhalten Holz, andere werden mit keramischen Anteilen hergestellt. Sie sind formstabil, k\u00f6nnen allerdings nur industriell recycelt werden. Mit Blockfl\u00f6ten, die aus einem Gemisch mit fl\u00fcssigem Holz gespritzt werden, schaffte es die Firma vor f\u00fcnf Jahren in &#8220;Die Sendung mit der Maus&#8221;.<\/p>\n<p>Dass sie in der Branche f\u00fcr ihren Ehrgeiz auf der Suche nach neuen L\u00f6sungen von manchem bel\u00e4chelt werden, st\u00f6rt Volker Dreher schon lange nicht mehr. Inzwischen haben er und seine Mitarbeiter den Dreh raus, wie Lebensmittelfarben den hei\u00dfen Prozess des Spritzgie\u00dfens mit Brillanz \u00fcberstehen oder wie man Biegsamkeit im Spielzeug ohne Weichmacher erreicht. &#8220;Es hat sich gelohnt, so fr\u00fch anzufangen&#8221;, sagt Dreher. &#8220;Andere stecken jetzt noch in den Kinderschuhen oder lehnen ein Umdenken ab. Das sehen wir f\u00fcr uns aber als Chance.&#8221;<\/p>\n<p>Die Abk\u00fcrzung GEK steht f\u00fcr Gesellschaft f\u00fcr Elektroger\u00e4tebau und Kunststoffverarbeitung. Zum Februar 1991 wurde die Firma unter dem Namen gegr\u00fcndet. Damit war der einstige VEB Plaste privatisiert. Die eigentliche Firmengeschichte begann bereits 1874. Heute geh\u00f6rt das Unternehmen zur Rudi G\u00f6bel Gruppe mit Sitz in Helmbrechts. Am Standort Oelsnitz werden Pr\u00e4zisionsspritzguss-Werkzeuge und Kunststoff-Bauteile hergestellt, auch f\u00fcr die Automobilindustrie. 102 Mitarbeiter sind dort besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>28 Tonnen Biokunststoff hat die Firma dieses Jahr verarbeitet, unter anderem in zehn Millionen Chips, die sich wie Puzzleteile zu den verschiedensten Formen zusammenstecken lassen &#8211; erfunden von zwei Spielzeugentwicklern aus Leipzig, die hinter der Marke Tic Toys stehen. Die Granulate daf\u00fcr kommen von einem Hersteller bei Stuttgart, aber auch vom Weltmarktf\u00fchrer aus Brasilien, wo Zuckerrohr angebaut wird. F\u00fcr zwei Gr\u00fcnder aus Berlin stellt GEK Zahnb\u00fcrsten aus diesen Stoffen her. Dank Wechselkopf und weniger Verpackung soll M\u00fcll vermieden werden. Ausgeliefert wird das Produkt unter dem Namen Tio an Biom\u00e4rkte. Eine Zahnb\u00fcrste mit Reisekappe kostet knapp f\u00fcnf Euro. &#8220;Wir gehen dorthin, wo der Kunde das Produkt auch sucht und will&#8221;, sagt Dreher.<\/p>\n<p>Drei Prozent des Gesamtumsatzes generierte der Betrieb 2018 \u00fcber den alternativen Produktionszweig. &#8220;Das ist ein Anfang&#8221;, sagt der Chef. Dieses Jahr erwartet er eine Steigerung. Nicht f\u00fcr jedes Bauteil sei Biokunststoff eine Alternative. Aber GEK will den Bereich ausbauen. Ziel sei, s\u00e4mtliche Produkte im Bereich der Haushaltswaren aus biobasierten Kunststoffen herzustellen. F\u00fcr die Vogtl\u00e4nder ist das die Zukunft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Formsch\u00f6n und in satten Farben m\u00fcssen Biokunststoffe daherkommen. Sonst scheitern sie am Markt. Niemand kauft sie. Das wei\u00df Volker Dreher. Er ist Betriebsleiter der Firma GEK, einem Spezialisten in der Kunststoffverarbeitung. Plaste &#8211; das Wort hat der Verantwortliche l\u00e4ngst aus seinem Wortschatz gestrichen, weil es negativ besetzt ist. &#8220;Alle reden immer viel von Bio und [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[12230],"supplier":[303,15323],"class_list":["post-59999","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-biokunststoff","supplier-fraunhofer-institut-fuer-umwelt-sicherheits-und-energietechnik-umsicht","supplier-gek-gesellschaft-fuer-elektrogeraetebau-und-kunststoffverarbeitung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59999","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=59999"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59999\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=59999"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=59999"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=59999"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=59999"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}