{"id":5993,"date":"2003-02-11T00:00:00","date_gmt":"2003-02-10T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20030211-04n"},"modified":"2003-02-11T00:00:00","modified_gmt":"2003-02-10T22:00:00","slug":"nova-interview-mit-dr-matin-qaim-uni-bonn-zu-feldversuchen-mit-gen-baumwolle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-interview-mit-dr-matin-qaim-uni-bonn-zu-feldversuchen-mit-gen-baumwolle\/","title":{"rendered":"nova-Interview mit Dr. Matin Qaim (Uni Bonn) zu Feldversuchen mit Gen-Baumwolle"},"content":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich neuester Ergebnisse aus Feldstudien mit der gentechnisch ver\u00e4nderten Bt-Baumwolle (vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/gen-baumwolle-zeigt-sich-im-feldversuch-ertragreicher\/\" >2003-02-07a)<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nicht-nur-gentechnik-gegen-baumwollschaedlinge\/\" >2003-02-07b)<\/a>) hatte <a href=\"http:\/\/www.nova-institut.de\/\" >nova<\/a> Gelegenheit, dem Bonner Wissenschaftler Dr. Matin Qaim noch einige weiter f\u00fchrende Fragen zu stellen, die der Forscher per E-Mail-Interview beantwortete.<\/p>\n<p><b>nova:<\/b> Welche Entwicklungen erwarten Sie hinsichtlich der genetisch ver\u00e4nderten Bt-Baumwolle im kommenden Jahr?<\/p>\n<p><b>Dr. M. Qaim:<\/b> Die Ergebnisse, \u00fcber die wir in der Zeitschrift Science berichten, beruhen auf umfangreichen Feldversuchen, die im Jahr 2001 in Indien durchgef\u00fchrt wurden. 2002 genehmigte die indische Regierung erstmals den kommerziellen Anbau der Technologie, und Bt-Hybride wurden in der letzten Saison auf etwa 40.000 Hektar angebaut. Einige Bauern klagten \u00fcber D\u00fcrresch\u00e4den und Virusbefall, der aber sowohl bei den konventionellen Hybriden als auch bei den Bt-Hybriden auftrat, also mit der Technologie selbst nichts zu tun hatte. Der Gro\u00dfteil der Bauern war sehr zufrieden mit der Ernte, so dass f\u00fcr 2003 eine Bt-Baumwollfl\u00e4che von 250-300.000 Hektar in Indien erwartet wird. Bis 2005 k\u00f6nnte diese Fl\u00e4che auf 2 Mio. Hektar ansteigen. Die w\u00e4ren etwa 25% der gesamten Baumwollfl\u00e4che Indiens.<\/p>\n<p><b>nova:<\/b> Welche Gr\u00f6\u00dfenordnungen werden nach Ihrer Information die Anbaufl\u00e4chen und Ertr\u00e4ge der Bt-Baumwolle in 2003 in Drittweltl\u00e4ndern erreichen?<\/p>\n<p><b>Dr. M. Qaim:<\/b> Bisher ist Bt-Baumwolle nur in einigen wenigen L\u00e4ndern zugelassen. Bei den Entwicklungsl\u00e4ndern ist allen voran China zu nennen, wo die Bt Anbaufl\u00e4chen in den vergangenen Jahren rasant angestiegen sind. F\u00fcr 2003 wird in China mit einer Bt-Baumwollfl\u00e4che von 1,5-2 Mio. Hektar gerechnet. Weitere Entwicklungsl\u00e4nder, in denen die Technologie zugelassen ist, sind S\u00fcdafrika, Mexiko und Argentinien, und eine eingeschr\u00e4nkte Zulassung gibt es auch in Indonesien. In diesen L\u00e4ndern sind die Gesamtanbaufl\u00e4chen f\u00fcr Baumwolle aber vergleichsweise gering. <\/p>\n<p>Die gesamte Bt-Baumwollfl\u00e4che in Entwicklungsl\u00e4ndern d\u00fcrfte demnach in 2003 bei etwas \u00fcber 2 Mio. Hektar liegen. Dazu kommen etwa 2 Mio. Hektar Bt-Baumwolle in den USA und einige Zehntausend Hektar in Australien. Zu den Ertr\u00e4gen lassen sich schwer Prognosen abgeben, weil diese stark von aktuellen Witterungsbedingungen abh\u00e4ngen. Insgesamt zeigen wir aber in unserer Studie, dass die positiven Ertragseffekte der Bt-Technologie in tropischen und subtropischen Regionen h\u00f6her sein werden als in den gem\u00e4\u00dfigten Breitengraden.<\/p>\n<p><b>nova:<\/b> Wie hoch sch\u00e4tzen Sie das Risiko der Resistenzbildung bei der indischen Variante des Baumwollkapselwurms ein, wenn ausschlie\u00dflich Bt-Baumwolle angebaut w\u00fcrde?<\/p>\n<p><b>Dr. M. Qaim:<\/b> Das Risiko der Resistenzbildung in Sch\u00e4dlingspopulationen existiert grunds\u00e4tzlich, und in Laborexperimenten konnte eine relativ rasche Resistenzbildung gezeigt werden, wenn die Larven sich ausschlie\u00dflich von Bt-Baumwolle ern\u00e4hren. <\/p>\n<p>Dies ist allerdings eine Situation, wie sie in der Praxis nicht auftritt. Au\u00dfer von Baumwolle ern\u00e4hrt sich der \u201eAmerican bollworm\u201c (das ist die wichtigste indische Variante des Kapselbohrers) auch noch von Mais, Sorghum, einer Reihe von H\u00fclsenfr\u00fcchten und verschiedenen Gem\u00fcsearten, die alle in den kleinb\u00e4uerlichen Betriebssystemen Indiens g\u00e4ngigerweise angebaut werden. Als Erwachsener, also im Paarungsstadium, ist der Baumwollkapselbohrer ein Falter, der h\u00e4ufig einige Kilometer Flugstrecke zur\u00fccklegt. <\/p>\n<p>Auf seiner Reise \u00fcber die kleinen Felder wird er immer Bt-anf\u00e4llige Paarungspartner finden, selbst dann, wenn die gesamte Baumwolle gentechnisch ver\u00e4ndert sein sollte (was ja in absehbarer Zukunft nicht erwartet wird, siehe oben). Der Selektionsdruck f\u00fcr die Resistenz ist also unter solchen Umst\u00e4nden vermutlich geringer als in L\u00e4ndern, wo Baumwolle von Gro\u00dfbauern wom\u00f6glich als Monokultur angebaut wird. Dennoch m\u00fcssen diese Zusammenh\u00e4nge noch weiter erforscht werden, weil durchaus noch nicht alle Faktoren bekannt sind, die die Resistenzentwicklung m\u00f6glicherweise beeinflussen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>nova:<\/b> Was halten Sie von den Ergebnissen des Forscherteams der Universit\u00e4t Arizona um Yves Carriere, die angeben, dass eine Resistenzbildung des Sch\u00e4dlings durch die unmittelbar benachbarte Anpflanzung von herk\u00f6mmlichen Baumwollpflanzen verhindert w\u00fcrde?<\/p>\n<p><b>Dr. M. Qaim:<\/b> Carriere und Kollegen haben erstmals wirkliche Feldbeobachtungen zur Resistenzentwicklung \u00fcber einen Zeitraum von 10 Jahren durchgef\u00fchrt. Somit unterscheidet sich ihre Studie von bisherigen Ver\u00f6ffentlichungen, die gr\u00f6\u00dftenteils auf Simulationen aufbauten. Solche empirischen Langzeitstudien sind sehr wichtig, und sie k\u00f6nnen letztlich auch zum Testen und zur Verbesserung von Modellen und Simulationen dienen. <\/p>\n<p>Die Ergebnisse von Carriere et al. erscheinen mir durchaus plausibel. Sie unterst\u00fctzen bisherige Forschungserkenntnisse und Hypothesen, dass der Selektionsdruck dann h\u00f6her ist, wenn f\u00fcr den Sch\u00e4dling ausschlie\u00dflich Bt-Pflanzen als Nahrungsquelle verf\u00fcgbar sind. <\/p>\n<p>Die Studie in Arizona bezieht sich allerdings auf den so genannten \u201ePink bollworm\u201c, ein in den USA bedeutender Sch\u00e4dling, der zwar zur gleichen Familie wie der American bollworm geh\u00f6rt, von der Biologie her aber doch etwas anders ist. Dadurch sind die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf Indien \u00fcbertragbar. Der Pink bollworm fliegt weniger weit als der American bollworm, so dass die unmittelbare Nachbarschaft von nicht-Bt-Pflanzen wichtig ist, um einer Resistenzbildung entgegenzuwirken. Dadurch kommt der strikten Einhaltung von Resistenzmanagementauflagen in den USA eine noch wichtigere Bedeutung zu.<\/p>\n<p><b>nova:<\/b> Vielen Dank, Herr Dr. Qaim, f\u00fcr die freundliche Beantwortung unserer Fragen!<\/p>\n<p><b>R\u00fcckfragen:<\/b><br \/>Dr. Matin Qaim<br \/>Center for Development Research (ZEF)<br \/>University of Bonn<br \/>Walter-Flex-Str. 3<br \/>53113 Bonn<br \/>Tel.: +49-(0)228-73-1872<br \/>Fax: +49-(0)228-73-1869<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:mqaim@uni-bonn.de\">mqaim@uni-bonn.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl&auml;sslich neuester Ergebnisse aus Feldstudien mit der gentechnisch ver&auml;nderten Bt-Baumwolle (vgl. 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