{"id":59865,"date":"2019-01-23T07:26:25","date_gmt":"2019-01-23T06:26:25","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=59865"},"modified":"2019-01-18T13:49:32","modified_gmt":"2019-01-18T12:49:32","slug":"faltbare-feldbetten-aus-wellpappe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/faltbare-feldbetten-aus-wellpappe\/","title":{"rendered":"Faltbare Feldbetten aus Wellpappe"},"content":{"rendered":"<p>Ob Erdbeben, Epidemien oder Kriege \u2013 Berichte \u00fcber humanit\u00e4re Katastrophen erreichen uns mittlerweile fast t\u00e4glich und mit ihnen auch die Bilder von \u00fcberf\u00fcllten Notunterk\u00fcnften und aufgereihten Feldbetten. Hierf\u00fcr werden bisher vor allem Klapp-Feldbetten mit Aluminiumgestellen eingesetzt. Nach einem Einsatz werden die Feldbetten h\u00e4ufig in den Camps zur\u00fcckgelassen \u2013 j\u00e4hrlich m\u00fcssen Tausende Feldbetten verschrottet werden. Somit fallen riesige Mengen an Metall und Textilmaterial an, Werkstoffe, die oft schwierig zu entsorgen sind. In Krisenf\u00e4llen wie der Ebola-Epidemie in Westafrika vor wenigen Jahren k\u00f6nnen die Betten sogar ein erhebliches Infektionsrisiko darstellen.<\/p>\n<p>Mit Einweg-Feldbetten aus nachwachsenden Rohstoffen will der Diplom-Ingenieur Sven Grasselt-Gille von der Technischen Universit\u00e4t Dresden deshalb Abhilfe schaffen. Gille arbeitet an der Professur f\u00fcr Holztechnik und Faserwerkstofftechnik als Produktgestalter mit biologischen Faserverbundwerkstoffen. Als eine lokale Tischlerei mit dem Wunsch nach einem innovativen Produkt auf ihn zukam, entstand die Idee zum Einweg-Feldbett.<\/p>\n<p>Das Vorhaben wird im Rahmen des Ideenwettbewerbs \u201eNeue Produkte f\u00fcr die Bio\u00f6konomie\u201c vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) unterst\u00fctzt. Seit August 2018 befindet es sich in der sogenannten Machbarkeitsphase \u2013 diese wird f\u00fcr zwei Jahre mit rund 250.000 Euro gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Unkomplizierte Antragsstellung im Ideenwettbewerb<br \/>\nErfahren hatte Gille von dem BMBF-Ideenwettbewerb eher zuf\u00e4llig: \u201eIm Pausenraum lag ein Flyer mit dem Hinweis auf die Ausschreibung und der Ank\u00fcndigung eines Workshops zur Antragstellung von der Gr\u00fcnderf\u00f6rderung Dresden exist, an dem ich dann teilgenommen habe.\u201c Begeistert vom zweistufigen Aufbau der F\u00f6rderma\u00dfnahme und der unkomplizierten Antragsstellung reichte er eine Projektskizze ein. Dass sein Projekt die F\u00f6rderung erhielt, f\u00fchrt Gille neben der innovativen Idee auch auf die akute Lage zur\u00fcck: \u201eZum Zeitpunkt der Antragstellung war die humanit\u00e4re Notlage der vielen Gefl\u00fcchteten bei uns vor der T\u00fcr angekommen. In den Medien waren st\u00e4ndig Notunterk\u00fcnfte und Feldbetten zu sehen \u2013 unser Projekt bot hier einen greifbaren L\u00f6sungsansatz.\u201c<\/p>\n<p>Wellpappe \u00fcberzeugt als Material<br \/>\nDie Sondierungsphase nutzte Gille zun\u00e4chst zur Kontaktaufnahme mit Anwendern vor Ort, die durchweg positives Feedback gaben.\u00a0Urspr\u00fcnglich wollte er die Betten aus Holz bauen, doch schnell wurde klar: \u201eF\u00fcr diese sehr spezielle Anwendung ist das Material Holz leider zu schwer und zu teuer\u201c, so Gille. Unterst\u00fctzt durch Know-how der Arbeitsgruppe f\u00fcr Papiertechnik der Professur entschied er sich deshalb, die Einweg-Feldbetten komplett aus Wellpappe herzustellen: \u201eWellpappe ist sehr leicht und gleichzeitig sehr steif, au\u00dferdem ist sie nachhaltig und gut recyclebar. F\u00fcr mich als Gestalter hat Wellpappe zudem den Vorteil, dass ich sie falten kann.\u201c Dadurch k\u00f6nne die Konstruktion am Ende noch steifer und belastbarer werden als der urspr\u00fcnglich geplante Holz-Steckbausatz.<\/p>\n<p>Zeitnah auf den Markt<br \/>\nF\u00fcr die Dresdner Einweg-Feldbetten gibt es bereits mehrere Vorentw\u00fcrfe und erste Modelle, aber vieles muss noch erforscht und erprobt werden: \u201eDie Nassfestigkeit der Wellpappe muss noch gekl\u00e4rt werden\u201c, so Gille. Das Ziel sei es, das Bett mindestens zu 95% aus Wellpappe herzustellen. Denn dann z\u00e4hlt es noch zum Altpapier und kann als solches entsorgt werden. Auch die Bespannung der Liegefl\u00e4che soll aus Papierwerkstoff entstehen und einer H\u00e4ngematte \u00e4hneln. Offen sei auch noch, wie die F\u00fc\u00dfe der Einweg-Feldbetten nassfest gemacht werden k\u00f6nnen. \u201eEs wird auf jeden Fall biobasiert sein\u201c, sagt der Gestalter. Bei einigen Modellen arbeiten die Forscher bereits mit abnehmbaren Wood-Plastic-Composite (WPC)-Kappen. Aber auch biobasierte Beschichtungen seien denkbar.<\/p>\n<p>Da keine neuen Fertigungsprozesse entwickelt werden m\u00fcssen, ist Gille optimistisch, dass seine Einweg-Feldbetten zeitnah nach Ende der F\u00f6rderung auf den Markt kommen k\u00f6nnten. Das erste Modell im 1:1-Ma\u00dfstab soll noch im Januar 2019 fertig werden. Zur Unterst\u00fctzung der Umsetzungpl\u00e4ne besch\u00e4ftigt Gille zudem inzwischen zwei Kolleginnen, die sich vorrangig um den N\u00e4sseschutz der F\u00fc\u00dfe und die Liegefl\u00e4che k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Auch \u00fcber eine Ausgr\u00fcndung hat Gille bereits zusammen mit dem Gro\u00dfunternehmen THIMM Packaging Systems GmbH nachgedacht. Die Beteiligung des Spezialisten f\u00fcr Schwerlastverpackung wird dabei aufgrund seiner speziellen Verarbeitungsmaschinen unerl\u00e4sslich sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob Erdbeben, Epidemien oder Kriege \u2013 Berichte \u00fcber humanit\u00e4re Katastrophen erreichen uns mittlerweile fast t\u00e4glich und mit ihnen auch die Bilder von \u00fcberf\u00fcllten Notunterk\u00fcnften und aufgereihten Feldbetten. Hierf\u00fcr werden bisher vor allem Klapp-Feldbetten mit Aluminiumgestellen eingesetzt. Nach einem Einsatz werden die Feldbetten h\u00e4ufig in den Camps zur\u00fcckgelassen \u2013 j\u00e4hrlich m\u00fcssen Tausende Feldbetten verschrottet werden. 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