{"id":59536,"date":"2019-01-08T11:20:20","date_gmt":"2019-01-08T10:20:20","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=59536"},"modified":"2019-01-10T13:39:18","modified_gmt":"2019-01-10T12:39:18","slug":"tiefenpsychologische-marktforschung-kommt-zu-ueberraschenden-erkenntnissen-ueber-die-haltung-von-verbrauchern-zu-bio-basierten-produkten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/tiefenpsychologische-marktforschung-kommt-zu-ueberraschenden-erkenntnissen-ueber-die-haltung-von-verbrauchern-zu-bio-basierten-produkten\/","title":{"rendered":"Tiefenpsychologische Marktforschung kommt zu \u00fcberraschenden Erkenntnissen \u00fcber die Haltung von Verbrauchern zu bio-basierten Produkten"},"content":{"rendered":"<p><strong>In den letzten Jahren wurden zahlreiche Online-Umfragen und Fokusgruppenanalysen unter Konsumenten durchgef\u00fchrt, um zu verstehen, was Verbraucher von bio-basierten Produkten halten. Es ist allerdings bekannt, dass andere Methoden wie Tiefeninterviews besser geeignet sind, um fest verwurzelte Ansichten, Vorurteile und Kontexte zu erforschen. Im europ\u00e4ischen Projekt BIOFOREVER wurde diese Methodik nun erstmals auf Fragestellungen mit Relevanz f\u00fcr die bio-basierte Wirtschaft angewendet \u2013 mit zum Teil erstaunlichen Ergebnissen.<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">English version:<\/span> <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/in-depth-psychological-market-research-finds-surprising-insights-into-consumers-mindset-towards-bio-based-products\/\" target=\"_blank\">https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/in-depth-psychological-market-research-finds-surprising-insights-into-consumers-mindset-towards-bio-based-products\/<\/a><\/p>\n<p>Welche Materialien und Produkte erwarten die Verbraucher in Zukunft in ihrem Alltag? F\u00fcr welche Anwendungen werden sie bio-basierte Produkte bevorzugen und wann lieber Dinge aus recycelten Materialien verwenden? Was halten die Verbraucher von der biologischen Abbaubarkeit von Kunststoffen oder von der Nutzung von CO<sub>2<\/sub> f\u00fcr Kraftstoffe und Matratzen? Machen die Verbraucher einen Unterschied zwischen Biomasse-Rohstoffen der ersten und zweiten Generation f\u00fcr bio-basierte Produkte? Das sind einige der Fragen, die f\u00fcr Politik und Wirtschaft von Interesse sind. Viele Akteure m\u00f6chten wissen, was die Verbraucher wirklich denken und wie sie sich beim Einkauf verhalten.<\/p>\n<p>Das europ\u00e4ische Forschungsprojekt BIOFOREVER<sup>1<\/sup> besch\u00e4ftigt sich vor allem mit den technologischen Aspekten der Frage, wie so genannte Biomasse der zweiten Generation, d. h. vor allem Holz und lignocellulosische Nebenprodukte, \u00f6kologisch und \u00f6konomisch sinnvoll genutzt werden k\u00f6nnen. Das Projekt umfasst aber auch Fragen der gesellschaftlichen Akzeptanz bei der Nutzung von Biomasse f\u00fcr Konsumg\u00fcter. Diese Fragen wurden in Zusammenarbeit zwischen \u201eseptember Strategie &amp; Forschung\u201c (K\u00f6ln) und dem nova-Institut (H\u00fcrth) untersucht. September geh\u00f6rt zu den f\u00fchrenden Unternehmen f\u00fcr tiefenpsychologische Marktforschung in Deutschland, das nova-Institut ist bekannt f\u00fcr seine B2B-Marktforschung in der bio-basierten Wirtschaft. Im Sommer 2018 wurden in Polen, Deutschland und Italien 60 Tiefeninterviews \u00fcber je 90 Minuten durchgef\u00fchrt und ausgewertet. Einige der Ergebnisse sind \u00fcberraschend und erg\u00e4nzen und vertiefen die Erkenntnisse der zuvor durchgef\u00fchrten Online-Frageb\u00f6gen und Fokusgruppen.<\/p>\n<h3>Woraus bestehen Kunststoffe? Die Verbraucher haben in der Regel keine Ahnung, dass Mineral\u00f6l der Rohstoff ist. Die Wahrnehmung, dass Kunststoffe \u201eschlecht\u201c sind und Tiere im Meer t\u00f6ten, ist weit verbreitet<\/h3>\n<p>Wenn es um Kunststoffe geht, dachten die Befragten vor allem an negative Aspekte, aber fast niemandem war bewusst, dass sie aus Roh\u00f6l hergestellt werden: \u201eEtwas Chemisches, Industrielles, K\u00fcnstliches, wenn es um Bestandteile geht, ich wei\u00df es nicht wirklich\u201c. Das vermeintliche Hauptproblem war, dass Kunststoffe sich nicht biologisch abbauen: \u201eDas Problem mit Kunststoff ist das Recycling, es ist nicht biologisch abbaubar\u201c. \u201eKunststoff ist der Grund, warum viele Tiere im Meer sterben\u201c. Die Befragten waren sehr \u00fcberrascht zu erfahren, dass Kunststoffe tats\u00e4chlich aus Pflanzen hergestellt werden k\u00f6nnen \u2013 nur die Italiener waren sich dessen relativ bewusst. Die Marktpr\u00e4senz von bio-basierten und biologisch abbaubaren Einkaufstaschen in Italien spielt hier eine entscheidende Rolle bei der Bewusstseinsbildung.<\/p>\n<h3>Einfaches Denken: Pflanzenmerkmale werden auf das Produkt projiziert \u2013 Chemie ist \u201egiftige Magie\u201c<\/h3>\n<p>Ein weiteres interessantes Ergebnis ist, dass bei den Verbrauchern das Wissen \u00fcber Chemie sehr gering ist und die Umwandlung von fl\u00fcssigem Mineral\u00f6l in festen Kunststoff wie ein Wunder wirkt. Chemie ist \u201egiftige Magie\u201c. So werden die Eigenschaften der Rohstoffe im Bewusstsein der Verbraucher direkt auf die Endprodukte \u00fcbertragen. Holz ist hart, widerstandsf\u00e4hig und langlebig; entsprechend sollte es nur zur Herstellung von harten, widerstandsf\u00e4higen und langlebigen Produkten verwendet werden. Holz wird als sehr wertvoller Rohstoff wahrgenommen, so dass die Nutzung als Verpackung oder Einwegprodukt als Verschwendung angesehen wird und das T\u00f6ten des Waldes f\u00fcr diese Verwertung noch schlimmer erscheint als die Verwendung von Mineral\u00f6l. Abholzung wird als ein gro\u00dfes Problem unserer Zeit angesehen, das es zu verhindern gilt. Denn der Wald ist f\u00fcr viele Menschen ein Ort der Sehnsucht. Vor allem Stadtbewohner assoziieren W\u00e4lder mit einem Gef\u00fchl der Auszeit, des Ausruhens usw. \u201eDer Wald ist die Lunge der Erde und Lebensraum f\u00fcr Tiere und muss gesch\u00fctzt werden\u201c. Es bestand auch die Sorge, den (geliebten) Wald als Ausflugsziel und Ort der Entspannung und des Nachdenkens zu verlieren. \u201eWenn ich mir all diese Produkte ansehe, dass die aus Holz statt aus Kunststoff hergestellt werden sollten, dann br\u00e4uchten wir wirklich viel Holz. Ich finde es wichtig, den Wald zu sch\u00fctzen. Ich f\u00fcrchte, dass wir am Ende nicht genug Holz haben werden.\u201c<\/p>\n<h3>Rohstoffe der ersten Generation f\u00fcr Einweganwendungen<\/h3>\n<p>F\u00fcr flexible und Einweganwendungen bevorzugen die Befragten Rohstoffe der ersten Generation: \u201eNahrungspflanzen sind ein hochwertiger Rohstoff, aber sie werden als weniger wertvoll angesehen als reine Lignocellulose, da Nahrungspflanzen schneller wachsen.\u201c Nur sehr wenige Befragte waren sich der Diskussionen \u00fcber Food- oder Non-Food-Kulturen f\u00fcr die Industrie bewusst, die haupts\u00e4chlich eine Debatte im politischen Bereich zu sein scheinen.<\/p>\n<p>Und es gab noch weitere Gr\u00fcnde f\u00fcr die Bevorzugung von Nahrungspflanzen, zum Beispiel die nachvollziehbare \u00dcbertragung der Rohstoffeigenschaften auf das Produkt: \u201eDieses Kunststoffprodukt k\u00f6nnte aus Mais hergestellt werden, weil Mais sich wie Kunststoff anf\u00fchlt\u201c \u2013 also kann man daraus auch Kunststoff machen. Schnell wachsendes \u201eGem\u00fcse ist eher weich, flexibel und nicht widerstandsf\u00e4hig, kurzlebig\u201c \u2013 perfekt f\u00fcr Einmalprodukte. Das analoge Denken bei der Beurteilung von Holz zeigt sich also auch hier. Ein weiterer Aspekt ist die Gesundheit: \u201eNormaler Kunststoff ist nicht gut f\u00fcr den K\u00f6rper! Flaschen aus Mais k\u00f6nnten das Wasser auf eine gesunde Art beeinflussen.\u201c<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich begr\u00fc\u00dften die Probanden die Verwendung von biogenen Abf\u00e4llen, aber es gab Bedenken: \u201eunhygienisch, schlechte Ger\u00fcche, m\u00f6gliche Umweltverschmutzung\u201c. So sollten beispielsweise keine Produkte aus biogenen Abf\u00e4llen hergestellt werden, die mit Lebensmitteln oder dem K\u00f6rper in direkte Ber\u00fchrung kommen.<\/p>\n<h3>Niemand versteht \u201ebio-basiert\u201c und alle pflanzlichen Produkte k\u00f6nnen biologisch abgebaut werden<\/h3>\n<p>Produkte aus Pflanzen sind f\u00fcr den Verbraucher automatisch auch biologisch abbaubar. Das bedeutet: Es wird biologisch abgebaut, wenn man es auf den Kompost oder in den Wald wirft. Also: \u201eAlles, was aus Pflanzen hergestellt wird, ist umweltfreundlich\u201c. Der Begriff \u201eBio\u201c ist mit \u201eorganisch\u201c verbunden, im Gegensatz zu \u201ebio-basiert\u201c, das nicht verstanden oder missverstanden wurde. Den Begriff \u201epflanzenbasiert\u201c jedoch verstanden die Verbraucher.<\/p>\n<h3>Die Verbraucher wollen von der Politik aufgekl\u00e4rt werden<\/h3>\n<p>Die Verbraucher f\u00fchlen sich \u00fcberfordert, nicht kompetent und nicht verantwortlich f\u00fcr die Beurteilung, welche Materialien gut oder schlecht sind. Die Befragten wollten ein einfaches, offizielles und vertrauensw\u00fcrdiges Etikett, das ihnen hilft, die guten Materialien zu identifizieren. Dieses Ergebnis stellt die zahlreichen laufenden Projekte zur Sensibilisierung der Verbraucher in Frage. Vielleicht w\u00e4re die Entwicklung eines geeigneten Kennzeichnungssystems hilfreicher.<\/p>\n<p>Dies sind nur einige der Ergebnisse. Eine vollst\u00e4ndige Pr\u00e4sentation der Methodik und der detaillierten Ergebnisse wird auf der 12. International Conference on Bio-based Materials, vom 15. bis 16. Mai 2019 im Maternushaus, K\u00f6ln, vorgestellt.<\/p>\n<p>\u201eWir vom nova-Institut sind \u00fcberzeugt, dass wir und die bio-basierte Wirtschaft mit der Erg\u00e4nzung unseres umfassenden Marktwissens durch fundierte psychologische Marktforschungsmethoden v\u00f6llig neue Erkenntnisse gewinnen k\u00f6nnen.\u201c Michael Carus, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des nova-Instituts.<\/p>\n<h3>Hintergrundinformationen<\/h3>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie auch die Verbraucher und ihre wahren Motive und Entscheidungsprozesse verstehen? Das september &amp; nova-Team bietet Ihnen die M\u00f6glichkeit, Antworten n\u00e4her zu kommen als bei traditionellen, strukturierten Interviews. Probieren Sie es aus! Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme. Ansprechpartner: Michael Carus, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des nova-Instituts (<a href=\"mailto:michael.carus@nova-institut.de\">michael.carus@nova-institut.de<\/a>)<\/strong><\/p>\n<p>Die Kooperation zwischen den Marktforschern \u201eseptember\u201c und \u201enova-Institut\u201c wurde im November 2018 beschlossen, um die Denkweise der Verbraucher in Bezug auf bio-, CO<sub>2<\/sub>-basierte und Kreislaufwirtschaft besser zu verstehen.<\/p>\n<p><strong>\u201eseptember Strategie &amp; Forschung\u201c<\/strong>, K\u00f6ln, ist einer der deutschen Marktf\u00fchrer in der tiefenpsychologischen Marktforschung. Dank umfangreicher Tiefeninterviews mit Verbrauchern ist es m\u00f6glich, hinter die Kulissen des Kaufverhaltens zu schauen und Verbindungen zu finden, die in Online-Umfragen verborgen bleiben.<br \/>\nseptember arbeitet nach drei Leits\u00e4tzen: \u201eprofessionelle Naivit\u00e4t\u201c, \u201eoffenes Interview\u201c und \u201ekundenorientierter Ansatz\u201c. Das Motto: \u201eEinblicke in die Matroschka: Wie fundierte Marktforschung Ihnen hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen\u201c.<br \/>\n\u201eseptember\u201c arbeitet f\u00fcr Marktf\u00fchrer in den Bereichen Food, Fashion, Retail, Telekommunikation und Medien (<a href=\"http:\/\/www.september-online.de\" target=\"_blank\">www.september-online.de<\/a>).<\/p>\n<p>Das <strong>\u201enova-Institut f\u00fcr Innovation und \u00d6kologie\u201c<\/strong>, H\u00fcrth bei K\u00f6ln, ist einer der Marktf\u00fchrer im Bereich der Markt- und Trendberichte in der bio-, CO<sub>2<\/sub>-basierten und Kreislaufwirtschaft, insbesondere in B2B-Fragen. Vor allem die Marktanalysen zu Biopolymeren, Building Blocks und CO<sub>2<\/sub>-Nutzung sowie zu GreenPremium-Preisen sind weltweit bekannt (<a href=\"http:\/\/www.bio-based.eu\" target=\"_blank\">www.bio-based.eu<\/a>).<\/p>\n<hr \/>\n<p><sup>1<\/sup><em>BIOFOREVER wird vom Bio-Based Industries Joint Undertaking im Rahmen des European Unions\u2019s Horizon 2020 Forschungs- und Innovationsprogramms unter der F\u00f6rdernummer 720710 gef\u00f6rdert. Die Projektlaufzeit erstreckt sich von September 2016 bis August 2019. Weitere Informationen auf <a href=\"http:\/\/www.bioforever.org\">www.bioforever.org<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pressemitteilung als PDF: <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/19-01-08-PM-Psychologische-Marktforschung-und-Kooperation-nova-september.pdf\">19-01-08 PM Psychologische Marktforschung und Kooperation nova september<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren wurden zahlreiche Online-Umfragen und Fokusgruppenanalysen unter Konsumenten durchgef\u00fchrt, um zu verstehen, was Verbraucher von bio-basierten Produkten halten. Es ist allerdings bekannt, dass andere Methoden wie Tiefeninterviews besser geeignet sind, um fest verwurzelte Ansichten, Vorurteile und Kontexte zu erforschen. 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