{"id":59141,"date":"2018-12-14T07:26:24","date_gmt":"2018-12-14T06:26:24","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=59141"},"modified":"2018-12-11T12:17:05","modified_gmt":"2018-12-11T11:17:05","slug":"mehr-bioplastik-fuehrt-nicht-zwingend-zu-mehr-klimaschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/mehr-bioplastik-fuehrt-nicht-zwingend-zu-mehr-klimaschutz\/","title":{"rendered":"Mehr Bioplastik f\u00fchrt nicht zwingend zu mehr Klimaschutz"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_59143\" aria-describedby=\"caption-attachment-59143\" style=\"width: 488px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.uni-bonn.de\/neues\/329-2018\/die-grafik-zeigt-den-prognostizierten-rueckgang-der-waldflaechen-in-verschiedenen-regionen\/image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-59143\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/image_large.jpg\" alt=\"image_large\" width=\"488\" height=\"366\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/12\/image_large.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/12\/image_large-300x225.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/12\/image_large-600x450.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 488px) 100vw, 488px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-59143\" class=\"wp-caption-text\">Die Grafik zeigt den prognostizierten R\u00fcckgang der Waldfl\u00e4chen in verschiedenen Regionen unter der Annahme, dass durch Besteuerung konventioneller Kunststoffe der Anteil von Bioplastik auf f\u00fcnf Prozent steigt. Je dunkler die Einf\u00e4rbung, desto st\u00e4rker ist der Waldverlust. In den am st\u00e4rksten betroffenen Gebieten geht bis zu einem Prozent der Waldfl\u00e4che verloren. (\u00a9 2018 Neus Escobar, Salwa Haddad, Jan B\u00f6rner und Wolfgang Britz; ver\u00f6ffentlicht durch IOP Publishing Ltd)<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bioplastik wird gerne als umwelt- und klimafreundliche Alternative zu herk\u00f6mmlichen Kunststoffen auf Erd\u00f6lbasis vermarktet. Eine Analyse der Universit\u00e4t Bonn legt nun aber nahe, dass eine Umstellung auf pflanzenbasierte Kunststoffe weniger positiv wirken k\u00f6nnte als gedacht. So d\u00fcrfte eine steigende Nutzung von Bioplastik den weltweiten Aussto\u00df von Treibhausgasen zun\u00e4chst sogar erh\u00f6hen. Die Studie ist in den \u201eEnvironmental Research Letters\u201c erschienen.<\/strong><\/p>\n<p>Plastik wird normalerweise aus Erd\u00f6l hergestellt. Mit negativen Folgen f\u00fcr das Weltklima: Das in ihnen gebundene Kohlendioxid wird beim Abbau frei und tr\u00e4gt so zur globalen Erw\u00e4rmung bei. Weltweit gelangen so j\u00e4hrlich rund 400 Millionen Tonnen CO<sub>2<\/sub> in die Atmosph\u00e4re \u2013 halb so viel, wie Deutschland 2017 insgesamt in die Luft blies. 2050 k\u00f6nnten Kunststoffe nach Sch\u00e4tzungen bereits f\u00fcr 15 Prozent der weltweiten CO<sub>2<\/sub>-Produktion verantwortlich sein.<\/p>\n<p>Bioplastik dagegen ist nahezu klimaneutral, da es auf nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Weizen oder Zuckerrohr basiert. F\u00fcr ihr Wachstum ben\u00f6tigen diese Pflanzen Kohlendioxid, das sie der Luft entnehmen. Die Herstellung von Biokunststoffen verbraucht daher CO<sub>2<\/sub>, und zwar genauso viel, wie sp\u00e4ter bei ihrer Verbrennung oder Verrottung wieder frei wird. Insgesamt ist ihre Klimagas-Bilanz daher ausgeglichen. Bioplastik wird daher gerne als umweltfreundliche Alternative vermarktet.<\/p>\n<p>Doch zumindest beim augenblicklichen Stand der Technik ist die Sache wohl nicht so klar wie oft angenommen. \u201eDie Erzeugung gro\u00dfer Mengen Bioplastik ver\u00e4ndert die Landnutzung\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Neus Escobar vom Institut f\u00fcr Lebensmittel- und Ressourcen\u00f6konomik der Universit\u00e4t Bonn. \u201eGlobal gesehen k\u00f6nnten dadurch zum Beispiel vermehrt Waldfl\u00e4chen zu Ackerland umgewandelt werden. W\u00e4lder binden aber erheblich mehr Kohlendioxid als etwa Mais oder Zuckerrohr, schon allein aufgrund ihrer gr\u00f6\u00dferen Biomasse.\u201c Dass dieser Effekt keine theoretische Spekulation ist, zeigen die Erfahrungen mit Biokraftstoffen. Die steigende Nachfrage nach der \u201egr\u00fcnen\u201c Energiequelle hatte in manchen L\u00e4ndern massive Waldrodungen zur Folge.<\/p>\n<p>Dr. Neus Escobar und ihre Kollegen Salwa Haddad, Prof. Dr. Jan B\u00f6rner und der Privatdozent Dr. Wolfgang Britz haben die Auswirkungen einer vermehrten Verwendung von Bioplastik simuliert. Dazu nutzten und erweiterten sie ein Computermodell, das auch schon zur Berechnung der Biokraftstoff-Effekte eingesetzt wurde. Es basiert auf einer Datenbank, die die gesamte Weltwirtschaft abbildet.<\/p>\n<p>\u201eWir haben f\u00fcr unser Modell die Annahme getroffen, dass der Bioplastik-Anteil bei den wichtigsten Produzenten \u2013 Europa, China, Brasilien und den USA \u2013 auf f\u00fcnf Prozent steigt\u201c, erkl\u00e4rt sie. \u201eDabei haben wir zwei verschiedene Szenarien durchgespielt: eine Steuer auf konventionelle Kunststoffe gegen\u00fcber einer Subvention f\u00fcr Bioplastik.\u201c Am dramatischsten waren die Auswirkungen im Steuer-Szenario: Da dadurch herk\u00f6mmlich hergestellte Kunststoffe erheblich teurer wurden, sank die Nachfrage nach ihnen deutlich. Weltweit wurden so pro Jahr 0,08 Prozent weniger Klimagase ausgesto\u00dfen. Allerdings ist ein Teil dieses R\u00fcckgangs auf \u00f6konomische Verwerfungen zur\u00fcckzuf\u00fchren, da die Steuer insgesamt das Wirtschaftswachstum bremste.<\/p>\n<h3>Mehr \u00c4cker, weniger W\u00e4lder<\/h3>\n<p>Gleichzeitig stieg in diesem Szenario die landwirtschaftlich genutzte Fl\u00e4che, w\u00e4hrend die Waldfl\u00e4che um 0,17 Prozent abnahm. Dadurch gelangten enorme Mengen Treibhausgase in die Atmosph\u00e4re. \u201eDabei handelt es sich zwar nur um einen einmaligen Effekt\u201c, erkl\u00e4rt Escobar. \u201eDennoch dauert es nach unseren Berechnungen mehr als 20 Jahre, bis er durch die erzielten Einsparungen wettgemacht wird.\u201c<\/p>\n<p>Insgesamt braucht es also einen langen Atem, damit sich die Umstellung auf Bioplastik auszahlt. Zudem beziffern die Forscher die Kosten dieser Strategie auf mehr als 2.000 Dollar pro Tonne Treibhausgas \u2013 eine vergleichsweise hohe Summe. Eine Subvention von Bioplastik h\u00e4tte zwar in vielen Punkten deutlich unterschiedliche Effekte. An der Kompensations-Zeit von gut 20 Jahren und den Kosten f\u00fcr die Klimagas-Reduktion w\u00fcrde sich aber auch hier wenig \u00e4ndern.<\/p>\n<p>\u201eEine vermehrte Verwendung von Bioplastik aus Nutzpflanzen scheint also keine effiziente Strategie zu sein, das Klima zu schonen\u201c, betont die Wissenschaftlerin. Zumal sie eine Reihe weiterer Negativ-Effekte h\u00e4tte, etwa steigende Nahrungsmittel-Preise. \u201eDas s\u00e4he aber vermutlich anders aus, wenn zur Herstellung zum Beispiel pflanzliche Abf\u00e4lle genutzt w\u00fcrden\u201c, sagt Escobar. \u201eWir empfehlen, die Forschungsanstrengungen auf dieses Bioplastik der zweiten Generation zu konzentrieren und es so zur Marktreife zu bringen.\u201c<\/p>\n<p>Auch die Hoffnung, dass durch Bioplastik die Verm\u00fcllung der Weltmeere abnehme, m\u00fcsse sich nicht notwendigerweise erf\u00fcllen. Kunststoffe aus Pflanzen seien nicht automatisch leichter abbaubar als solche aus Erd\u00f6l, betont Escobar. \u201eBio-PE und Bio-PET verrotten genauso schlecht wie ihre Pendants auf Erd\u00f6l-Basis.\u201c Einen Vorteil habe Bioplastik allerdings: Es schone die immer knapper werdenden fossilen Brennstoffquellen. Wer die Umwelt sch\u00fctzen wolle, solle aber eher auf eine andere Strategie setzen, ziehen die Wissenschaftler ein Fazit: Sinnvoller sei ein materialsparender Umgang mit Plastik und ein m\u00f6glichst vollst\u00e4ndiges Recycling.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Publikation:<\/strong> Neus Escobar, Salwa Haddad, Jan B\u00f6rner und Wolfgang Britz: Land use mediated GHG emissions and spillovers from increased consumption of bioplastic; Environmental Research Letters; \u00a0<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1088\/1748-9326\/aaeafb\" target=\"_blank\">https:\/\/doi.org\/10.1088\/1748-9326\/aaeafb<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kontakt<\/h3>\n<p>Dr. Neus Escobar<br \/>\nInstitut f\u00fcr Lebensmittel- und Ressourcen\u00f6konomik<br \/>\nUniversit\u00e4t Bonn<br \/>\nTel. 0228\/733776<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:neus.escobar@ilr.uni-bonn.de\" target=\"_blank\">neus.escobar@ilr.uni-bonn.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Bioplastik wird gerne als umwelt- und klimafreundliche Alternative zu herk\u00f6mmlichen Kunststoffen auf Erd\u00f6lbasis vermarktet. 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