{"id":58883,"date":"2018-12-06T07:26:16","date_gmt":"2018-12-06T06:26:16","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=58883"},"modified":"2018-12-03T14:50:34","modified_gmt":"2018-12-03T13:50:34","slug":"forscher-entwickeln-raffinerie-fuer-biokunststoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/forscher-entwickeln-raffinerie-fuer-biokunststoffe\/","title":{"rendered":"Forscher entwickeln Raffinerie f\u00fcr Biokunststoffe"},"content":{"rendered":"<p>Andrea Kruse hat eine Vision. Wenn sich Frauen k\u00fcnftig Nylonstr\u00fcmpfe \u00fcberstreifen, sollen deren Bestandteile aus Gras bestehen.<\/p>\n<p>Oder aus Chicor\u00e9e-Wurzeln. Oder aus alten Br\u00f6tchen. Erm\u00f6glichen soll das eine sogenannte Bioraffinerie, die pflanzliches Ausgangsmaterial in Biokunststoffe verwandelt. Kruse ist Fachgebietsleiterin f\u00fcr Konversionstechnologien nachwachsender Rohstoffe an der Universit\u00e4t Hohenheim und hat am Mittwoch mit einem Forscherteam ihrer Hochschule den Prototyp in Betrieb genommen.<\/p>\n<p>Die Bioraffinerie der Hohenheimer Wissenschaftler steht in einem ehemaligen Schlachthaus auf einer Hofanlage in Eningen (Baden-W\u00fcrttemberg), wo die Universit\u00e4t eine Versuchsstation betreibt. Umbau der R\u00e4ume und Bau der Anlage haben insgesamt mehr als 1,2 Millionen Euro gekostet, gef\u00f6rdert aus Forschungsprojekten von EU, Bund und Land. Ein Jahr lang habe das Team die Raffinerie geplant und dabei auf seit vielen Jahren erhobene Labordaten zur\u00fcckgegriffen, sagt Ingenieur David Steinbach.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnen die Forscher einen Brei aus Miscanthus, einer auch als Chinaschilf bekannten Pflanze, in die Bioraffinerie einspeisen. Mit der Anlage l\u00e4sst sich aus dem Schilfgras sogenanntes Hydroxymethylfurfural (HMF) gewinnen &#8211; ein Ausgangsstoff zur Herstellung von Getr\u00e4nkeflaschen, Verpackungen und Autoteilen. Oder eben von Strumpfhosen. \u00abBisher benutzte man daf\u00fcr Erd\u00f6l\u00bb, sagt Steinbach. HMF soll solche fossilen Rohstoffe ersetzen.<\/p>\n<p>Die Universit\u00e4t Hohenheim pflanzt Chinaschilf auf einigen Testfeldern um Eningen an. In ganz Baden-W\u00fcrttemberg belaufe sich die Anbaufl\u00e4che derzeit auf 100 Hektar, sch\u00e4tzt Agrarwissenschaftlerin Iris Lewandowksi. Geht es nach Andrea Kruse, vergr\u00f6\u00dfert sich diese k\u00fcnftig deutlich: \u00abUnsere Idee ist, dass Landwirte es auf ihren weniger guten Feldern anbauen und so die Biomasseproduktion in ihren Betrieb integrieren.\u00bb Zu dieser Idee geh\u00f6rt auch, dass Bauern eine Bioraffinerie auf ihrem Hof stehen haben und diese mit selbst angebautem Schilf f\u00fcttern. \u00dcber zentrale Sammelanlagen soll der Biokunststoff zu Industriepartnern gelangen. Kruse will beispielsweise Babynahrungshersteller, Getr\u00e4nkekonzerne oder eben Sportbekleidungs- und Strumpffabrikanten daf\u00fcr gewinnen.<\/p>\n<p>In anderen Fachbereichen, etwa der Chemie, existierten bereits \u00e4hnliche Forschungsprojekte, sagt Kruse. Eine Studie des Nova-Instituts im Auftrag des Bio-Based Industrie Consortium verzeichnet Ende 2017 europaweit 224 unterschiedliche Bioraffinerien &#8211; auch solche, die auf Zucker-, \u00d6l- und Holzbasis arbeiten oder Biodiesel produzieren. Das Heidelberger Institut f\u00fcr Energie- und Umweltforschung untersucht das Marktpotenzial biobasierter Lebensmittelverpackungen oder die Anwendbarkeit von Biokunststoffen im unternehmerischen Gro\u00dfeinkauf.<\/p>\n<p>Die Bioraffinerie im ehemaligen Eninger Schlachthaus setzt ein Kilogramm Chinagras pro Stunde um. F\u00fcr die Anlagen der Zukunft schwebt den Forschern ein Wert von einer Tonne am Tag vor &#8211; die Dimensionen k\u00fcnftiger Raffinerien h\u00e4ngen allerdings auch vom Ausgangsrohstoff ab. Denn Kruse zufolge lassen sie sich neben Schilf auch mit anderen bisherigen Abfallprodukten &#8211; etwa Teilen der Chicor\u00e9e-Wurzel oder sogar alten Backwaren &#8211; bef\u00fcllen. F\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Folgeanlagen m\u00fcssten aber erst einmal Investoren gefunden werden. Steinbach sch\u00e4tzt ihre Kosten auf zwei Millionen Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andrea Kruse hat eine Vision. 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