{"id":58629,"date":"2018-11-26T07:26:15","date_gmt":"2018-11-26T06:26:15","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=58629"},"modified":"2021-09-09T21:32:27","modified_gmt":"2021-09-09T19:32:27","slug":"co2-neutralitaet-in-schwerindustrie-und-schwertransport-technisch-und-wirtschaftlich-bis-mitte-des-21-jahrhunderts-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/co2-neutralitaet-in-schwerindustrie-und-schwertransport-technisch-und-wirtschaftlich-bis-mitte-des-21-jahrhunderts-moeglich\/","title":{"rendered":"CO<sub>2<\/sub>-Neutralit\u00e4t in Schwerindustrie und Schwertransport technisch und wirtschaftlich bis Mitte des 21. Jahrhunderts m\u00f6glich"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gem\u00e4ss dem heute von der Energy Transitions Commission (ETC) ver\u00f6ffentlichten Bericht ist CO<sub>2<\/sub>-Neutralit\u00e4t in Schwerindustrie und Schwertransport technisch realisierbar und wirtschaftlich machbar: Bei Kosten von weniger als 0.5% des globalen BIP k\u00f6nnte dieses Ziel bis 2060 erreicht werden, in Industriel\u00e4ndern bereits m\u00f6glicherweise zu einem fr\u00fcheren Zeitpunkt. Der Bericht Mission Possible: &#8216;CO<sub>2<\/sub>-Neutralita\u0308t in schwer zu dekarbonisierenden Sektoren erreichen&#8217; skizziert m\u00f6gliche Wege zur vollst\u00e4ndigen Dekarbonisierung von Zement, Stahl, und Kunststoffen, sowie Schwerlast-, See- und Lufttransport. Diese Sektoren machen derzeit aggregiert 30 Prozent der heutigen Energieemissionen aus, k\u00f6nnten bis 2050 jedoch auf bis zu 60 Prozent ansteigen &#8211; bei gleichzeitiger Emissionsreduktion in anderen Sektoren.<\/strong><\/p>\n<p>Der Bericht \u201eMission Possible\u201c wurde im Rahmen eines sechsmonatigen Beratungsverfahrens entwickelt mit Beitr\u00e4gen von insgesamt mehr als 200 Branchenexperten. Demzufolge ist eine vollst\u00e4ndige Dekarbonisierung technisch m\u00f6glich, und zwar mit derzeit bereits existierenden Technologien, die jedoch teilweise noch Marktreife erreichen m\u00fcssen. Die Gesamtkosten fu\u0308r die Weltwirtschaft w\u00fcrden weniger als 0,5% des globalen BIP in 2050 betragen und k\u00f6nnten sogar weiter gesenkt werden, etwa durch gesteigerte Energieeffizienz, eine verbesserte Nutzung kohlenstoffintensiver Materialien (durch erh\u00f6hte Materialeffizienz und effektivere Wiederverwertung) und begrenztem Nachfragezuwachs nach kohlenstoffintensiven Transport (durch h\u00f6here Logistikeffizienz und modale Verlagerung).<\/p>\n<p>Zudem zeigt der Bericht, dass diese verschiedenen Ma\u00dfnahmen nur geringe Auswirkungen auf die Kosten von Endverbraucherprodukten haben w\u00fcrden. Folgende Beispiele verdeutlichen dies:<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>Der Einsatz von umweltfreundlichem Stahl w\u00fcrde den Preis fu\u0308r ein Auto um rund 160 Euro erh\u00f6hen.<\/li>\n<li>Ein umweltfreundlicherer Schiffstransport w\u00fcrde den Preis fu\u0308r eine Jeans um weniger als 1% erh\u00f6hen.<\/li>\n<li>Kohlenstoffarme Kunststoffe w\u00fcrden den Preis fu\u0308r eine Flasche Mineralwasser um 1 Cent erh\u00f6hen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Elektro-LKWs und -Busse fu\u0308r Schwertransport &#8211; ob mit Batterie oder Wasserstoffbrennstoffzellen &#8211; k\u00f6nnen voraussichtlich bis 2030 kostenwettbewerbsf\u00e4hig sein. Dagegen zeichnet sich beim See- und Lufttransport ab, dass Fl\u00fcssigkraftstoffe die bevorzugte Option fu\u0308r Langstrecken bleiben werden, wobei durch die Nutzung von Bio- oder synthetischen Kraftstoffen auch hier CO<sub>2<\/sub>-neutrale Emissionen erreicht werden k\u00f6nnen. Eine verbesserte Energie- und Logistikeffizienz sowie eine teilweise Verkehrsverlagerung k\u00f6nnen sowohl beim Frachttransport, als auch bei der Passagierbef\u00f6rderung den \u00dcbergang zu CO<sub>2<\/sub>-Neutralit\u00e4t erleichtern.<\/p>\n<p>In der Industrie k\u00f6nnte eine effizientere Nutzung von Materialien sowie effektivere Wiederverwertung und -verwendung innerhalb einer ausgepr\u00e4gteren Kreislaufwirtschaft die Prim\u00e4rproduktion und -Emissionen weltweit um 40 Prozent reduzieren, bei Industriel\u00e4ndern um einen h\u00f6heren Anteil. Grosses Potential zur<br \/>\nReduktion von CO<sub>2<\/sub>-Emissionen besteht hierbei insbesondere bei Kunststoffen und Metallen. Um vollst\u00e4ndige Dekarbonisierung zu erreichen, wird ein Portfolio an Technologien zur Dekarbonisierung erforderlich sein und der optimale Weg zu CO<sub>2<\/sub>-Neutralit\u00e4t wird je nach Standort und lokal verf\u00fcgbaren Ressourcen variieren.<\/p>\n<h3>F\u00fcr alle Wirtschaftssektoren gilt:<\/h3>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>Direkte und indirekte Elektrifizierung (mittels Wasserstoff) wird voraussichtlich in den meisten Industrie- und Transportsektoren eine signifikante Rolle spielen, was zu einer vier- bis sechs-fachen Steigerung des Strombedarfs f\u00fchren wird, von derzeit 20.000 Terawattstunden auf rund 100.000 Terawattstunden bis 2050.<\/li>\n<li>Der Wasserstoffverbrauch wird nahezu sicher dramatisch ansteigen (um das sieben- bis zehnfache bis 2050), wobei CO<sub>2<\/sub>-neutraler Wasserstoff entweder durch Elektrolyse, die sich wohl lang- fristig durchsetzen wird, oder Dampfreformierung von Methan (SMR) mit Kohlenstoffbindung und Kohlenstoffspeicherung erreicht werden kann.<\/li>\n<li>Bioenergie und Bio-Rohmaterialien werden in mehreren Sektoren erforderlich sein, jedoch notwendigerweise in Verbindung mit strikten Regulierungen, um nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt (wie zum Beispiel Entwaldung) zu vermeiden. Priorit\u00e4t fu\u0308r deren Einsatz sollte in denjenigen Sektoren liegen, in denen Alternativen am wenigsten verf\u00fcgbar oder kostenintensiver sind, wie beispielsweise beim Lufttransport und bei Rohmaterialien zur Herstellung von Kunststoffen.<\/li>\n<li>Kohlenstoffbindung (kombiniert mit Verbrauch und Speicherung) wird wahrscheinlich erforderlich sein, um verfahrensbedingte Emissionen aus der Zementproduktion zu binden. Je nach Standort, k\u00f6nnte dies auch die kostenwettbewerbsf\u00e4higste Option zur Dekarbonisierung anderer Sektoren sein. Jedoch muss Kohlenstoffbindung bei Stromerzeugung nicht unbedingt eine sehr signifikante Rolle spielen, da hier der erforderliche Speicherbedarf geringer ausfallen k\u00f6nnte, als viele Szenarien nahelegen. Eine strenge Regulierung der Kohlenstoffspeicherung ist essentiell, um Sicherheit und Best\u00e4ndigkeit sicherzustellen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Bericht \u201eMission Possible\u201c kommt zu dem Ergebnis, dass eine vollst\u00e4ndige Dekarbonisierung in folgenden Sektoren sehr herausfordernd sein wird: Kunststoffe (aufgrund der nach dem Ende der Nutzungsdauer anfallenden Emissionen), Zement (wegen der bei der Produktion entstehenden, verfahrensbedingten Emissionen), und Verschiffung (wegen der hohen Kosten der Dekarbonisierung und der fragmentierten Industriestruktur).<\/p>\n<p>Der Bericht soll als zentraler Referenzpunkt fu\u0308r die EU-Kommission, Parlamentsabgeordnete und Regierungen von Mitgliedstaaten dienen und diese bei der Weiterentwicklung von Europas Roadmap 2050 auf dem Weg zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft unterstu\u0308tzen. Er bietet den politischen Entscheidungstra\u0308- gern eine integrierte Vision von politischen Hebeln, Innovationen und Investitionen, die Europa in die Lage versetzen wu\u0308rden, bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts die erste CO<sub>2<\/sub>-neutrale Wirtschaft zu werden.<\/p>\n<p>Die Energy Transitions Commission unterstu\u0308tzt das Ziel, die globale Erwa\u0308rmung idealerweise auf 1,5\u00b0C oder zumindest auf deutlich unter 2\u00b0C zu begrenzen. Nach dem Weckruf zu dringendem Handeln des IPCC sendet der Bericht \u201eMission Possible\u201c ein deutliches Signal an politische Entscheidungstra\u0308ger, In- vestoren und Unternehmen: Vollsta\u0308ndige Dekarbonisierung ist mo\u0308glich, sodass die ehrgeizigen Klima- ziele erreichbar sind.<\/p>\n<p>Zentrale politische Hebel zur Beschleunigung der Dekarbonisierung in den Sektoren, in denen sich eine Reduzierung der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen als besondere Herausforderung darstellt, sind:<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>Versch\u00e4rfung von Mandaten zur Kohlenstoffintensit\u00e4t bei industriellen Verfahren, beim Schwertransport und beim Kohlenstoffgehalt von Verbraucherprodukten.<\/li>\n<li>Einf\u00fchrung angemessener Kohlenstoffpreisgestaltung, bei intensiver Verfolgung des Idealziels von international vereinbarten und umfassenden Systemen zur Preisgestaltung. Hierbei sind M\u00f6glichkeiten zu ber\u00fccksichtigen, die Preise nach Sektoren zu differenzieren, auf Downstream-Verbraucherprodukte anzuwenden und im Voraus festzulegen.<\/li>\n<li>F\u00f6rderung des Wandels von einer linearen hin zu einer zirkul\u00e4ren Wirtschaft durch geeignete Regulierungen zu Materialeffizienz und Recycling.<\/li>\n<li>Investitionen in \u201aGr\u00fcne Industrien\u2018 durch F\u00f6rderung von Forschung und Entwicklung, Unterst\u00fctzung bei der Implementierung, und eine entsprechende Beschaffung seitens der \u00f6ffentlichen Verwaltung, um eine Initialnachfrage nach \u201egr\u00fcnen\u201c Waren und Dienstleistungen zu schaffen.<\/li>\n<li>Verst\u00e4rkung der Zusammenarbeit zwischen \u00f6ffentlichem und privatem Sektor, um notwendige Energie- und Transportinfrastrukturen zu entwickeln.<\/li>\n<li>Unternehmen und Investoren k\u00f6nnen so unabdingbare, tiefgreifende Transformationen in den Sektoren der Schwerindustrie und des Fern-\/Schwerlasttransports antizipieren, indem sie fr\u00fchzeitig in Dekarbonisierungs-Technologien und umweltfreundliche Infrastruktur investieren, und Innovationen in diesem Bereichen f\u00f6rdern und entwickeln.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mit ihrem Bericht bietet die ETC die Faktengrundlage fu\u0308r Industrieassoziationen und Privatunternehmen, um Roadmaps zu entwickeln und Kooperationen und Projekte zu initiieren, die effektiv zum Erreichen des Ziels der CO<sub>2<\/sub>-Neutralit\u00e4t in den verschiedenen Sektoren beitr\u00e4gt. Zu- dem m\u00f6chte die ETC Unternehmen in mehreren Sektoren dazu veranlassen, ihre Beschaffungspraktiken zu hinterfragen und sich zum Kauf \u201egr\u00fcner\u201c Waren und Dienstleistungen zu verpflichten.<\/p>\n<p>Die Mitglieder der Energy Transitions Commission haben sich verpflichtet, das Pariser Klimaziel zu erreichen, und die globale Klimaerw\u00e4rmung auf idealerweise 1,5 \u00b0C oder zumindest auf deutlich unter 2\u00b0C zu begrenzen. Sie sind davon \u00fcberzeugt, dass die Erreichung dieser historischen Bemu\u0308hung nicht nur die sch\u00e4dlichen Auswirkungen des Klimawandels beschr\u00e4nken w\u00fcrde, sondern auch Wohlstand f\u00f6rdern und signifikante, positive Auswirkungen auf die Umwelt haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Adair Turner, Co-Vorsitzender der ETC, sagte: \u201eDieser Bericht sendet eine optimistische und dennoch vollkommen realistische Botschaft \u2013 wir k\u00f6nnen bei geringen Kosten fu\u0308r das wirtschaftliche Wachstum eine CO<sub>2<\/sub>-neutrale Wirtschaft aufbauen. Wir sollten uns jetzt verpflichten, dieses Ziel bis spa\u0308testens 2060 zu erreichen und dementsprechend erforderliche politische Ma\u00dfnahmen implementieren sowie notwendige Investitionen t\u00e4tigen.\u201c<\/p>\n<p>Ajay Mathur, Co-Vorsitzender der ETC, f\u00fcgte dem hinzu: \u201eDie Gebote des Klimawandels, wie sie erst k\u00fcrzlich im IPCC-Sonderbericht dargelegt wurden, n\u00e4mlich die globale Erw\u00e4rmung auf 1,5\u00b0C zu beschr\u00e4nken, machen es notwendig, dass die Welt bis etwa 2060 CO<sub>2<\/sub>-Neutralit\u00e4t erreichen muss \u2013 wo viele der heute get\u00e4tigte Investitionen immer noch operativ sein werden. Der ETC-Bericht bietet pragmatische Schritte, um CO<sub>2<\/sub>-neutrale Technologien in diesen schwieriger zu dekarbonisierenden Sektoren zu implementieren, wobei nicht nur Hoffnung vermittelt, sondern auch eine strategische Ausrichtung in diesen Sektoren vorgegeben wird.\u201c<\/p>\n<p>Den vollst\u00e4ndigen Bericht finden Sie auf der <a href=\"http:\/\/www.energy-transitions.org\/mission-possible\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ETC-Website<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>\u00dcber die Energy Transitions Commission<\/h3>\n<p>Die Energy Transitions Commission (ETC) bringt eine vielf\u00e4ltige Gruppe von Pers\u00f6nlichkeiten aus dem Energie- und Klimaschutzbereich zusammen: Investoren, f\u00fchrende Energieunternehmen, Branchendisruptoren, Ausr\u00fcster, energieintensive Industrien, gemeinn\u00fctzige Organisationen, Berater und Wissenschaftler aus Industrie- und Entwicklungsl\u00e4ndern. Unser Ziel ist die Beschleunigung des Wandels hin zu kohlenstoffarmen Energiesystemen, die eine solide wirtschaftliche Entwicklung erm\u00f6glichen und den Anstieg der globalen Temperatur auf deutlich unter 2\u00b0C begrenzen. Nachfolgend sind die ETC-Kommissionsmitglieder aufgelistet.<\/p>\n<p>Der Bericht \u201eMission Possible\u201c wurde von den Kommissionsmitgliedern erstellt, mit der Unterst\u00fctzung des ETC Secretariat, bereitgestellt von SYSTEMIQ. Er stu\u0308tzt sich auf eine Reihe von Analysen, die von Material Economics, McKinsey &amp; Company, University Maritime Advisory Services und SYSTEMIQ fu\u0308r und in Zusammenarbeit mit der ETC durchgef\u00fchrt wurden, sowie auf einen umfassenden Literatur\u00fcberblick.<\/p>\n<p>Die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen sind das Ergebnis eines sechsmonatigen Beratungsverfahrens, bei dem wir Beitr\u00e4ge von fast 200 Experten aus Unternehmen, Industrie-Initiativen, internationalen Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und wissenschaftlichen Einrichtungen erhalten haben, denen wir ganz herzlich fu\u0308r ihre Beitr\u00e4ge danken mo\u0308chten.<\/p>\n<p>Dieser Bericht gibt die kollektive Sicht der Energy Transitions Commission wieder. Die Mitglieder der ETC unterst\u00fctzen den allgemeinen Tenor der in diesem Bericht vorgebrachten Argumente, was jedoch nicht dahingehend verstanden werden sollte, dass sie jedem einzelnen Ergebnis, jeder Schlussfolgerung bzw. jeder Empfehlung zustimmen. Die Institutionen, denen die Kommissionsmitglieder angeh\u00f6ren, wurden nicht darum gebeten, den Bericht f\u00f6rmlich zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gem\u00e4ss dem heute von der Energy Transitions Commission (ETC) ver\u00f6ffentlichten Bericht ist CO2-Neutralit\u00e4t in Schwerindustrie und Schwertransport technisch realisierbar und wirtschaftlich machbar: Bei Kosten von weniger als 0.5% des globalen BIP k\u00f6nnte dieses Ziel bis 2060 erreicht werden, in Industriel\u00e4ndern bereits m\u00f6glicherweise zu einem fr\u00fcheren Zeitpunkt. 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