{"id":58578,"date":"2018-11-22T07:32:47","date_gmt":"2018-11-22T06:32:47","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=58578"},"modified":"2021-09-09T21:32:31","modified_gmt":"2021-09-09T19:32:31","slug":"aufsehenerregendes-energiewende-projekt-guenstiger-wasserstoff-soll-gruene-mobilitaet-voranbringen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/aufsehenerregendes-energiewende-projekt-guenstiger-wasserstoff-soll-gruene-mobilitaet-voranbringen\/","title":{"rendered":"Aufsehenerregendes Energiewende-Projekt: G\u00fcnstiger Wasserstoff soll gr\u00fcne Mobilit\u00e4t voranbringen"},"content":{"rendered":"<p>Die Energiewende hat in Wyhlen, an der Grenze zur Schweiz, schon vor mehr als 100 Jahren begonnen. Damals wurden an beiden Ufern des Rheins Wasserkraftwerke errichtet, die noch heute zuverl\u00e4ssig CO2-freien Strom liefern. Nun entsteht auf der deutschen Seite des Flusses ein weiteres wom\u00f6glich wegweisendes Projekt. Im s\u00fcdlichsten Ort Baden-W\u00fcrttembergs wird aus Wasserkraft Wasserstoff. Dazu hat der Versorger Energiedienst in einer unscheinbaren Betonhalle eine sechs Millionen Euro teure Anlage mit einer Leistung von einem Megawatt bauen lassen. Das Verfahren, das dort zum Einsatz kommt, ist sogar noch \u00e4lter als die Stromerzeugung am Hochrhein: Per Elek\u00adtrolyse wird Wasser aufgespalten \u2013 in Sauer- und Wasserstoff. Verwendet man dazu \u00d6kostrom wie in Wyhlen, dann ist der Wasserstoff klimaneutral.<\/p>\n<p>Das Gas soll in Zukunft Brennstoffzellenfahrzeuge antreiben und damit zu einer sauberen Mobilit\u00e4t beitragen. Eine halbe Tonne Wasserstoff k\u00f6nne die Anlage t\u00e4glich produzieren. \u201eDas entspricht dem, was rund 1000 Brennstoffzellenfahrzeuge durchschnittlich am Tag ben\u00f6tigen\u201c, erkl\u00e4rt Energiedienst-Chef Martin Steiger. Noch ist es aber nicht so weit. Noch verkauft die EnBW-Tochter den gr\u00fcnen Wasserstoff an die chemische Industrie, die ihn etwa f\u00fcr die Produktion von D\u00fcngemitteln, ben\u00f6tigt. Doch Verhandlungen mit Betreibern von Wasserstofftankstellen liefen bereits, betont ein Sprecher. Zudem sei man mit einer Initiative im Gespr\u00e4ch, die die Kandertalbahn, eine alte Zugstrecke in der Region, reaktivieren will \u2013 wom\u00f6glich mit einem Brennstoffzellenzug.<\/p>\n<p>Vier renommierte Forschungsinstitute aus dem Land sind am Projekt beteiligt<br \/>\nProjekte unter dem Schlagwort \u201ePower-to-Gas\u201c (Strom zu Gas) gibt es bereits mehr als zwei Dutzend in Deutschland. Doch dem Vorhaben des Energieversorgers und seiner Partner hat der fr\u00fchere Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) den Status \u201eLeuchtturmprojekt\u201c verliehen \u2013 und daf\u00fcr 4,5 Millionen Euro F\u00f6rderung lockergemacht.<\/p>\n<p>An diesem Donnerstag reist nun seine Nachfolgerin, Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), an die Schweizer Grenze zur Einweihung der Anlage. Sie hatte immer wieder gefordert, nicht ausschlie\u00dflich auf Elektromobilit\u00e4t zu setzen, sondern auch erneuerbare Kraftstoffe wie Wasserstoff einzusetzen. \u201eMit der Power-to-Gas-Anlage in Wyhlen\u201c, lobt sie nun, \u201eist ein Vorzeigeprojekt f\u00fcr die Energiewende in Baden-W\u00fcrttemberg entstanden.\u201c Vier renommierte Forschungsinstitute aus dem Land sind daran beteiligt, darunter das Zentrum f\u00fcr Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW). Hinzu kommen, neben Energiedienst, sieben weitere Partner aus der Wirtschaft etwa der Gasnetzbetreiber Terranets BW oder die Daimler-Tochter Nucellsys, ein Entwickler von Brennstoffzellen- und Tanksystemen. Sie alle wollen Power-to-Gas gemeinsam weiterentwickeln. \u201eEs geht konkret darum, die Effizienz der Elektrolyse zu steigern und die Herstellungskosten zu senken\u201c, erl\u00e4utert der ZSW-Wissenschaftler und Leiter des Projekts, Marc-Simon L\u00f6ffler. Auch Hoffmeister-Kraut betont dieses Ziel: \u201eWir ben\u00f6tigen dringend Demonstratoren wie in Grenzach-Wyhlen, die Power-to-Gas aus dem Laborma\u00dfstab holen und den wirtschaftlichen Betrieb dieser Technologie zeigen.\u201c<\/p>\n<p>Zu Beginn dieser Dekade hatte es einen regelrechten Power-to-Gas-Hype gegeben<br \/>\nIn der Tat hat vor allem die fehlende Wirtschaftlichkeit die Technologie in den vergangenen Jahren ausgebremst. Dabei hatte es noch zu Beginn dieser Dekade einen regelrechten Power-to-Gas-Hype gegeben. Viele Energieexperten sahen in der Umwandlung von \u00d6kostrom zu Wasserstoff \u2013 und in einem weiteren Schritt zu Methan \u2013 die L\u00f6sung f\u00fcr eine der dr\u00e4ngendsten Probleme der Energiewende: der Speicherung von \u00d6kostrom. Das Prinzip: In Zeiten, in denen wetterbedingt mehr Strom aus Sonne und Wind produziert als verbraucht wird, wandelt man Strom in Gas um. Das l\u00e4sst sich dann im Erdgasnetz speichern, bevor es zum Heizen oder aber als gr\u00fcner Kraftstoff zum Einsatz kommt. Und wenn einmal l\u00e4ngere Zeit kein Wind weht und die Sonne nicht scheint, kann das Gas auch wieder verstromt werden. So weit, so genial. Kritiker jedoch verweisen darauf, dass es gar nicht genug \u00fcbersch\u00fcssigen Strom gebe, zu viel Energie bei der Umwandlung verloren gehe und eben die Kosten zu hoch seien.<\/p>\n<p>Wasserstoff-Herstellung soll ein Gesch\u00e4ftsmodell werden<br \/>\nBef\u00fcrworter fordern indes mehr politische Unterst\u00fctzung; die Bundesregierung m\u00fcsse Speichertechnologien von bestimmten Geb\u00fchren befreien, die jeder Stromkunde zahlen muss, sofern er kein Gro\u00dfunternehmen ist. Genau hier setzt nun das Wyhlen-Projekt an, denn weil Energiedienst Wasserstoff mit seinem eigenen Strom direkt auf dem Kraftwerksgel\u00e4nde herstellt, fallen weder Netzentgelte noch die EEG-Umlage an. Dadurch halbieren sich laut ZSW-Forscher L\u00f6ffler die Kosten auf rund f\u00fcnf Euro f\u00fcr ein Kilo gr\u00fcnen Wasserstoff. Auch wenn der Wasserstoff vom Rhein damit immer noch doppelt so teuer ist wie fossiler, sei die Kostensenkung bereits die Basis f\u00fcr ein Gesch\u00e4ftsmodell, sagt der Energiedienst-Sprecher.<\/p>\n<p>Parallel zum Wyhlen-Projekt treibt Energiedienst sein Engagement f\u00fcr alternative Antriebe weiter voran. Rund 30 Kilometer Rhein aufw\u00e4rts, im schweizerischen Laufenburg, will der Versorger Ende kommenden Jahres zusammen mit Audi mit Wasserkraft Wasserstoff und daraus wiederum gr\u00fcnen Diesel herstellen \u2013 vielleicht das n\u00e4chste wegweisende Projekt am Ufer des Hochrheins.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Energiewende hat in Wyhlen, an der Grenze zur Schweiz, schon vor mehr als 100 Jahren begonnen. Damals wurden an beiden Ufern des Rheins Wasserkraftwerke errichtet, die noch heute zuverl\u00e4ssig CO2-freien Strom liefern. Nun entsteht auf der deutschen Seite des Flusses ein weiteres wom\u00f6glich wegweisendes Projekt. 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