{"id":58568,"date":"2018-11-22T07:26:49","date_gmt":"2018-11-22T06:26:49","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=58568"},"modified":"2018-11-20T13:10:25","modified_gmt":"2018-11-20T12:10:25","slug":"umweltpreis-fuer-bio-verpackung-aus-dem-3d-drucker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/umweltpreis-fuer-bio-verpackung-aus-dem-3d-drucker\/","title":{"rendered":"Umweltpreis f\u00fcr Bio-Verpackung aus dem 3D-Drucker"},"content":{"rendered":"<p>Das Verpacken und Versenden von sperrigen, zerbrechlichen Gegenst\u00e4nden kostet nicht nur Zeit und Nerven, sondern ist h\u00e4ufig auch riskant. Damit etwa eine kostbare handgeschnitzte Holzfigur aus dem Erzgebirge den gl\u00fccklichen Empf\u00e4nger im Schwarzwald unversehrt erreicht, sollte gut \u00fcberlegt sein, wie das gute St\u00fcck sicher einzuwickeln ist. Allgemein kommen beim Verpacken unterschiedlichste Materialien wie Styropor, Knallfolie, Schaumstoff oder Klebeband zum Einsatz. Das Motto ist dann h\u00e4ufig: Je volumin\u00f6ser die Verpackung, desto sicherer scheint der Transport. Das Problem dabei: Viele dieser herk\u00f6mmlichen Materialien sind nicht nat\u00fcrlich abbaubar und landen sp\u00e4ter entweder auf dem M\u00fcll oder belasten W\u00e4lder und Gew\u00e4sser.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine m\u00f6gliche L\u00f6sung dieses Problems ist ein junges Chemnitzer Unternehmen mit dem <a href=\"https:\/\/www.smul.sachsen.de\/saechsischer-umweltpreis-5484.html\" target=\"_blank\">S\u00e4chsischen Umweltpreis<\/a> in der Kategorie &#8220;Umweltfreundliche Technologien und Produktionsverfahren&#8221; ausgezeichnet worden. Die erst im Sommer vergangenen Jahres gegr\u00fcndete Firma Amtopus nutzt zur Herstellung von Verpackungen ungew\u00f6hnliche nat\u00fcrliche Materialien.<\/p>\n<p>So wird beispielsweise die harte Schale von Aprikosenkernen zu Pulver verarbeitet, um daraus ein stabiles Verpackungsmaterial herzustellen &#8211; und zwar im Drucker. &#8220;Im Gegensatz zum Fruchtfleisch der Aprikose und dem weichen Inneren des Kerns, aus dem \u00d6l gewonnen werden kann, war die Kernschale bisher nur Abfall,&#8221; sagt Henning Zeidler, einer der beiden Firmengr\u00fcnder. Die Schalen bezieht das Unternehmen etwa von Pharmafirmen, die daf\u00fcr keine Verwendung h\u00e4tten, sagt Zeidler. Ebenfalls genutzt werden k\u00f6nnen Holzmehl und Schilf. Die meisten der verwendeten Materialien m\u00fcssten im Gegensatz zu herk\u00f6mmlichen Verpackungsstoffen wie Plastik nicht etwa in der gelben Tonne entsorgt, sondern k\u00f6nnten direkt auf den Kompost geworfen werden. &#8220;F\u00fcr uns ist zudem wichtig, dass die verwendeten Materialien m\u00f6glichst hier vor Ort verf\u00fcgbar sind&#8221;, f\u00fcgt er hinzu. Der ebenfalls verwendete neuseel\u00e4ndische Muschelkalk etwa, der technologisch auch verwertbar w\u00e4re, solle demnach nur noch in dem pazifischen Inselstaat zum Einsatz kommen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Produktion selber werden 3D-Drucker verwendet. Man habe eine L\u00f6sung entwickelt, sagt Firmengr\u00fcnder Zeidler, um kompliziert geformte und empfindliche Einzelst\u00fccke sicher zu verpacken. Dazu k\u00f6nnten etwa Wachsteile, hochsensible Bauteile, Kunstobjekte wie Glasbl\u00e4serfabrikate, Ausstellungsst\u00fccke f\u00fcr Museen oder Holzfiguren aus dem Erzgebirge geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Firmengr\u00fcnder Henning Zeidler ist aber nicht nur Unternehmer, sondern auch Wissenschaftler. An der TU Bergakademie Freiberg wirkt er als Professor f\u00fcr Additive Fertigung. Der Begriff bezeichnet das 3D-Druck-Verfahren, bei dem durch Auftragen und Verfestigen hauchd\u00fcnner Schichten dreidimensionale Objekte geschaffen werden. Ma\u00dfe und Form des zu sch\u00fctzenden Gegenstandes m\u00fcssen in ein Computerprogramm eingegeben werden, um die Verpackung in der genauen Passform ausdrucken zu k\u00f6nnen. Es sollen keine unn\u00f6tigen L\u00fccken entstehen oder zuviel Material verwendet werden, wie Zeidler betont. Einige der Bio-Materialien sch\u00fctzten besser vor hohen und niedrigen Temperaturen als herk\u00f6mmliche Kunststoffe und auch in Sachen Stabilit\u00e4t seien sie zumindest nicht schlechter, so der Firmengr\u00fcnder.<\/p>\n<p>Bevor das Verfahren marktreif ist, gilt es noch einige Herausforderungen zu meistern. Die Fertigung einer schuhkartongro\u00dfen Verpackung im 3D-Drucker w\u00fcrde laut Zeidler derzeit noch bis zu drei Stunden dauern. &#8220;Wir sind jedoch gerade dabei, die Maschinen weiterzuentwickeln, um den Prozess deutlich zu beschleunigen,&#8221; so der Amtopus-Gr\u00fcnder. Ebenfalls zu kl\u00e4ren sei, wie die Verpackungen zu den zuk\u00fcnftigen Kunden gelangen sollen, sagt er. In Planung ist ein mobiles Ger\u00e4t, dass direkt vor Ort die Gegenst\u00e4nde ausmessen und die Verpackungen ausdrucken soll. Der Preis f\u00fcr diesen Service h\u00e4nge von der Gr\u00f6\u00dfe und Form des zu verpackenden Teils ab. Zeidler nennt einen &#8220;unteren zweistelligen Eurobereich&#8221; als Richtwert. F\u00fcr Holzschnitzfiguren d\u00fcrfte jedoch weniger anfallen.<\/p>\n<p>Die Bio-Materialien sollen in Zukunft jedoch nicht nur f\u00fcr Verpackungen zum Einsatz kommen. &#8220;Ich k\u00f6nnte mir auch vorstellen, B\u00fchnenkulissen oder M\u00f6bel aus diesen nachwachsenden Rohstoffen wie Schilf- oder Aprikosenkernen herzustellen,&#8221; erkl\u00e4rt Zeidler. Bei Theaterauff\u00fchrungen und gro\u00dfen Veranstaltungen w\u00fcrden die verwendeten Requisiten und Aufbauten nur wenige Male verwendet und anschlie\u00dfend zumeist auf dem M\u00fcll landen. Gerade f\u00fcr solch kurzlebige Produkte, die jedoch viel Abfall verursachen, seien nachwachsende, kompostierbare Materialien eine umweltschonende Wahl.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Verpacken und Versenden von sperrigen, zerbrechlichen Gegenst\u00e4nden kostet nicht nur Zeit und Nerven, sondern ist h\u00e4ufig auch riskant. 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