{"id":58280,"date":"2018-11-14T07:29:57","date_gmt":"2018-11-14T06:29:57","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=58280"},"modified":"2018-11-09T14:18:13","modified_gmt":"2018-11-09T13:18:13","slug":"das-moderne-baumhaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/das-moderne-baumhaus\/","title":{"rendered":"Das moderne Baumhaus"},"content":{"rendered":"<p>Der M\u00fcnchner Architekt Ferdinand Ludwig entwirft moderne Baumh\u00e4user. Dabei handelt es sich nicht um Spielzeug f\u00fcr Kinder, sondern um nachhaltige Wohnr\u00e4ume, Klassenzimmer und vieles mehr.<\/p>\n<p>Die herk\u00f6mmliche Bauwirtschaft, die auf Stahl und Beton setzt, braucht neue Ans\u00e4tze, denn die Ressourcen werden knapp. Eine m\u00f6gliche Alternative sieht Ferdinand Ludwig im Bauen mit B\u00e4umen. Ein Jahr nachdem er 2006 sein Architekturstudium an der Universit\u00e4t Stuttgart abschloss, gr\u00fcndete er am dortigen Institut das neue Forschungsgebiet Baubotanik, das er bis 2017 als wissenschaftlicher Mitarbeiter auch leitete. Seit M\u00e4rz 2017 ist Ludwig Architektur-Professor an der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen, wo er die Konzeption neuer, nachhaltiger Bauten lehrt und zusammen mit seinem Kooperationspartner Daniel Sch\u00f6nle realisiert.<\/p>\n<p>Frage<br \/>\nWas kann man sich unter dem Begriff Baubotanik vorstellen?<\/p>\n<p>Antwort<br \/>\nDie Baubotanik beschreibt den Ansatz, lebende B\u00e4ume als Teile der Konstruktion in die Architektur zu integrieren. Dabei \u00fcbernehmen \u00c4ste, St\u00e4mme oder auch Wurzeln zum Teil Tragefunktionen. Ziel ist es, die besonderen \u00f6kologischen Potenziale von B\u00e4umen, wie die Reinigung der Luft oder die K\u00fchlung durch Verdunstung, unmittelbar in unserer gebauten Umwelt zu nutzen. Die Baubotanik n\u00e4hert sich also dem Baum technisch und der Architektur biologisch, dadurch k\u00f6nnen wir das Verh\u00e4ltnis von Natur und Architektur neu ausloten.<\/p>\n<p>Frage<br \/>\nSie haben 2007 das Forschungsgebiet der Baubotanik gegr\u00fcndet. Wie weit ist die Forschung und Anwendung seitdem gekommen?<\/p>\n<p>Antwort<br \/>\nIn den vergangenen etwa zehn Jahren haben wir zum einen wichtige botanische Grundlagen f\u00fcr die Konstruktion mit B\u00e4umen zusammengetragen und in Versuchen \u00fcberpr\u00fcft. Zum anderen haben wir Strategien entwickelt, um den besonderen Herausforderungen der Baubotanik gerecht zu werden: Denn B\u00e4ume wachsen, sie ver\u00e4ndern sich also im Laufe der Zeit und ihre Entwicklung ist nur bedingt planbar. Das verlangt ein Denken in Prozessen, M\u00f6glichkeiten und Wahrscheinlichkeiten. Das wird auch in unseren Prototypen und Pilotprojekten deutlich: Dies sind keine fertigen Geb\u00e4ude, sondern Projekte, die einem Entwicklungsprozess und damit einer in der Architektur un\u00fcblichen Dynamik unterliegen.<\/p>\n<p>Frage<br \/>\nB\u00e4ume bieten sich durch ihre Gr\u00f6\u00dfe und Stabilit\u00e4t geradezu als \u201epflanzliches Baumaterial\u201c an. Gibt es noch andere Pflanzen, die sich zum Bauen eignen?<\/p>\n<p>Antwort<br \/>\nDie Baubotanik zeichnet sich explizit dadurch aus, dass sie B\u00e4ume nutzt. Je nach Projekt kommen aber auch noch andere Pflanzen zum Einsatz. So haben wir beispielsweise bei unserem \u201egr\u00fcnen Zimmer&#8221; in Ludwigsburg ein baubotanisch konstruiertes Schattendach mit einer gr\u00fcnen Wand kombiniert. Diese ist mit 40 verschiedenen Pflanzen bepflanzt und tr\u00e4gt so zur Steigerung der Biodiversit\u00e4t bei.<\/p>\n<p>Frage<br \/>\nWie lange halten Ihre Baubotanik-Konstruktionen?<\/p>\n<p>Antwort<br \/>\nBaubotanische Bauwerke k\u00f6nnen im Prinzip so alt werden wie die jeweils verwendete Baumart. Dies beweisen unter anderem historische Beispiele wie die lebenden Wurzelbr\u00fccken der Khasi-People im Indischen Regenwald. Manche dieser oft mehr als 20 Meter weit spannenden baubotanischen Konstruktionen sind mehrere Hundert Jahre alt. Au\u00dferdem entwerfen wir unsere Bauwerke nach dem Prinzip der Redundanz. Das Absterben von Teilen ist \u2013 wie bei jedem Baum \u2013 v\u00f6llig normal und Teil des Prozesses. Eine kontinuierliche Pflege und Wartung ist jedoch ebenfalls essenzieller Bestandteil dieses Prozesses.<\/p>\n<p>Frage<br \/>\nWoran arbeiten Sie zur Zeit?<\/p>\n<p>Antwort<br \/>\nWir haben gerade ein \u201egr\u00fcnes Klassenzimmer\u201c mit baubotanischen Elementen an einer Schule in S\u00fcddeutschland fertiggestellt. In der Forschung arbeiten wir au\u00dferdem intensiv daran, die Konstruktionsprinzipien der lebenden Br\u00fccken \u2013 unserer wichtigsten historischen Referenz \u2013 zu verstehen, um m\u00f6glichst viel davon zu lernen. In einem weiteren Projekt geht es darum, einen integrierten Planungsansatz zu entwickeln, der den Wasserbedarf der Pflanzen und den damit verbundenen K\u00fchleffekt durch Verdunstung mit dem zur Verf\u00fcgung stehenden Regen- und Grauwasser in St\u00e4dten verkn\u00fcpft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der M\u00fcnchner Architekt Ferdinand Ludwig entwirft moderne Baumh\u00e4user. 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