{"id":58039,"date":"2018-11-06T07:23:39","date_gmt":"2018-11-06T06:23:39","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=58039"},"modified":"2018-10-31T14:58:43","modified_gmt":"2018-10-31T13:58:43","slug":"verpackungen-aus-biokunststoffen-wirklich-so-umweltvertraeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/verpackungen-aus-biokunststoffen-wirklich-so-umweltvertraeglich\/","title":{"rendered":"Verpackungen aus Biokunststoffen wirklich so umweltvertr\u00e4glich?"},"content":{"rendered":"<p>Die meisten der heute verwendeten Kunststoffe werden aus fossilen Rohstoffen wie Erd\u00f6l oder Erdgas hergestellt. Obwohl flexibel und vielseitig einsetzbar, haben herk\u00f6mmliche Kunststoffe den Nachteil, nicht erneuerbare Ressourcen bei der Herstellung zu verbrauchen und sich nicht (vollst\u00e4ndig) biologisch abzubauen. Da Kunststoff in unserer Gesellschaft unter anderem in der Medizintechnik zu einem essenziellen Werkstoff geworden ist, der hohe Anforderungen erf\u00fcllen muss, l\u00e4sst er sich nicht ohne Weiteres durch andere Materialien ersetzen. Ein Ansatz, um fossile Ressourcen zu schonen und das Abfallaufkommen zu vermindern, ist die Nutzung von Kunststoffen, basierend auf Rohstoffen aus der Natur. Diese Stoffe k\u00f6nnen, m\u00fcssen jedoch nicht biologisch abbaubar sein. Zudem gibt es auch Kunststoffe, die biologisch abbaubar sind, aber aus petrochemischen Rohstoffen hergestellt werden. Um eine Unterscheidung zu erleichtern, spricht man daher oft von biobasierten \u2013 also aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellten \u2013 und bzw. oder biologisch abbaubaren \u2013 also durch in der Umwelt vorhandene Mikroorganismen zersetzbaren \u2013 Kunststoffen.<\/p>\n<p>Alles bio \u2013 also ab in die Biotonne?<br \/>\nSogenannte biologisch abbaubare Kunststoffe gibt es mittlerweile auch im Einzelhandel zum Beispiel als T\u00fcten f\u00fcr den Biom\u00fcll zu kaufen. Diese sollen eigentlich mit dem Biom\u00fcll in den kommunalen Kompostierungen entsorgt werden. Jedoch gibt es zwischen den einzelnen Biokunststoffen nochmals erhebliche Unterschiede. Nicht jeder biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoff zersetzt sich gleich schnell. Dies h\u00e4ngt nicht nur mit dem Material selbst, sondern auch mit den Umgebungsbedingungen (etwa Temperatur und Feuchtigkeit) zusammen. Deshalb verweigern manche kommunalen Abfallbetriebe die Verarbeitung von Bioplastikt\u00fcten f\u00fcr die Kompostierung, da sie sich unter den dort herrschenden Bedingungen nicht oder nicht vollst\u00e4ndig zersetzen. F\u00fcr den Verbraucher ist dies oft nur schwer ersichtlich und wenig nachvollziehbar. Mittlerweile gibt es hier erste Orientierungshilfen anhand von Normen oder von Zertifizierungen. Dazu z\u00e4hlen beispielsweise das OK Compost Home-Logo, das Produkte kennzeichnet, die auch im heimischen Kompost vollst\u00e4ndig abbaubar sind, sowie das Keimling-Symbol des European Bioplastics e.V.<\/p>\n<p>Nachwachsender Rohstoff = gut f\u00fcr die Umwelt?<br \/>\n\u00dcblicherweise besteht heute genutztes Bioplastik f\u00fcr abbaubare Plastikt\u00fcten aus Biomasse, die aus Mais, Zuckerrohr oder Holz gewonnen wird. Prinzipiell hat dies den Vorteil, dass die Umwelt durch nachwachsende Ausgangsstoffe und daher eine bessere CO2-Bilanz geschont wird, da bei der Kompostierung keine thermische Verwertung erfolgt. Es gibt jedoch noch einige Herausforderungen:<\/p>\n<p>Biokunststoffe aus Mais oder Zucker stehen in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion. Dies ist insbesondere im Hinblick auf die rasant steigende Weltbev\u00f6lkerung und die teils prek\u00e4re Ern\u00e4hrungssituation ein ernstzunehmendes Ph\u00e4nomen. Ein Blick auf Deutschland: Im Jahr 2017 belief sich die Anbaufl\u00e4che von Industrie- und Energiepflanzen deutschlandweit auf rund 2,7 Mio. ha. Zum Vergleich: Insgesamt wurden in Deutschland 2017 nur rund 16,7 Mio. ha landwirtschaftlich genutzt.<br \/>\nBeim Anbau von nachwachsenden Rohstoffen kommen h\u00e4ufig Monokulturen zum Einsatz, die einen hohen Verbrauch von B\u00f6den und Wasser zur Folge haben, was wiederum in die CO2-Bilanz mit einzurechnen ist. Dazu kommt der Energieverbrauch bei der Herstellung.<br \/>\nOft sind die Eigenschaften der biobasierten Werkstoffe noch nicht gleichwertig wie die der herk\u00f6mmlich hergestellten Kunststoffe (beispielsweise bei der Verwendung als Verpackungsmaterial f\u00fcr Lebensmittel).<br \/>\nDie Abtrennung von Biokunststoffen in automatisierten Sortieranlagen ist bisher noch sehr unzureichend, wodurch diese Materialien dem Stoffkreislauf durch Kompostierung verloren gehen und stattdessen verbrannt oder deponiert werden.<\/p>\n<p>Biokunststoffe ja, aber richtig!<br \/>\nDie Forscher der Fraunhofer-Projektgruppe IWKS sind der Meinung, dass Biokunststoffe einen erheblichen Beitrag zur Entlastung der Ressourcen und der Umwelt leisten k\u00f6nnen. Allerdings sind hier einige Grundvoraussetzungen zu erf\u00fcllen. Die Forscher empfehlen daher:<\/p>\n<p>alternative biobasierte Rohstoffe zu nutzen, die nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelherstellung stehen. Nur dann sind Biokunststoffe unter \u00f6kologischen, \u00f6konomischen sowie sozialen Faktoren sinnvoll und nachhaltig einzusetzen.<br \/>\nAns\u00e4tze der Forschung wie die Nutzung von Resten aus der Lebensmittelherstellung konsequent f\u00fcr die Anwendung im industriellen Ma\u00dfstab weiterzuverfolgen (etwa aus Himbeer- oder Apfeltrestern).<br \/>\ndie Eigenschaften der Biokunststoffe nach den Anforderungen der Industrie weiter zu verbessern, ohne hier Abstriche bei der Nachhaltigkeit zu machen (zum Beispiel biobasierte und biologisch abbaubare Beschichtungen auf Basis von Hemicellulose oder biogene Haftvermittler, um die mechanischen Eigenschaften von nachhaltigen Kompositmaterialien zu verbessern).<br \/>\nmehr Transparenz f\u00fcr Verbraucher zu schaffen durch eindeutige Kennzeichnung auf den Produkten, um einerseits die M\u00f6glichkeit der Einflussnahme durch das Kaufverhalten zu er\u00f6ffnen und andererseits die korrekte Entsorgung zu gew\u00e4hrleisten.<br \/>\nbioabbaubare Kunststoffe f\u00fcr eine automatisierte Sortierung entsprechend einheitlich zu kennzeichnen. Nur dann ist aus Sicht der Fraunhofer-Projektgruppe IWKS eine Zuf\u00fchrung in den Recyclingkreislauf sinnvoll.<br \/>\naktive Einbeziehung der Industrie sowie der Recyclingunternehmen durch Anreize zur Entwicklung von Prototypen und Umsetzung in den Industriema\u00dfstab (Anreize statt ausschlie\u00dflich Verbote, Ansatz des Design for Circularity).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meisten der heute verwendeten Kunststoffe werden aus fossilen Rohstoffen wie Erd\u00f6l oder Erdgas hergestellt. Obwohl flexibel und vielseitig einsetzbar, haben herk\u00f6mmliche Kunststoffe den Nachteil, nicht erneuerbare Ressourcen bei der Herstellung zu verbrauchen und sich nicht (vollst\u00e4ndig) biologisch abzubauen. 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