{"id":58026,"date":"2018-11-05T07:32:40","date_gmt":"2018-11-05T06:32:40","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=58026"},"modified":"2018-10-30T12:22:08","modified_gmt":"2018-10-30T11:22:08","slug":"hans-josef-fell-zum-eu-parlamentsbeschluss-die-verheerende-plastikverseuchung-wird-damit-nicht-geloest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/hans-josef-fell-zum-eu-parlamentsbeschluss-die-verheerende-plastikverseuchung-wird-damit-nicht-geloest\/","title":{"rendered":"Hans-Josef Fell zum EU-Parlamentsbeschluss: Die verheerende Plastikverseuchung wird damit nicht gel\u00f6st"},"content":{"rendered":"<p><strong>Inzwischen ist es in einer gro\u00dfen gesellschaftlichen Debatte angekommen: Der Plastikm\u00fcll erstickt unsere Umwelt, verm\u00fcllt die Meere, verseucht auch uns Menschen mit Mikroplastik und t\u00f6tet massenhaft Tiere, die das Plastik aus der Umwelt fressen und elend daran zugrunde gehen \u2013 nicht nur Seev\u00f6gel und Delfine, sondern auch Kamele in der W\u00fcste Abu Dhabis, wie mir ein Tierarzt in einer erschreckenden Dokumentation schon vor Jahren zeigte.<\/strong><\/p>\n<p>Nun hat das EU-Parlament diese Woche einen <a href=\"https:\/\/www.euractiv.de\/section\/energie-und-umwelt\/news\/eu-parlament-verabschiedet-entwurf-fuer-verbot-von-wegwerfplastik\/?utm_source=EURACTIV&amp;utm_campaign=79233dfbd0-RSS_EMAIL_DE_AM_TaglicheNewsAusEuropa&amp;utm_medium=email&amp;utm_term=0_c59e2fd7a9-79233dfbd0-114971295\" target=\"_blank\">viel beachteten Beschluss<\/a> gefasst, um das Problem anzugehen. Verboten werden soll eine Menge von Plastikartikeln, die insbesondere die Str\u00e4nde der Weltmeere verm\u00fcllen:\u00a0 Einweggeschirr, einzelne Verpackungen, Plastikstrohhalme, Haltest\u00e4bchen f\u00fcr Luftballons, Fischernetze und einige andere.<\/p>\n<p>Ist das nun die L\u00f6sung des Problems der weltweiten Plastikm\u00fcllverseuchung? Ganz klar: Nein. Es wird weder die Verm\u00fcllung mit Makroplastik, noch die mit Mikroplastik beendet. Zu gro\u00df sind die Kunststoffproduktgruppen, als dass sie mit dem Verbot einzelner Produktgruppen erfasst werden k\u00f6nnen. So werden, selbst wenn der Beschluss tats\u00e4chlich Gesetzeskraft erlangt, weiterhin riesige Kunststoffmengen Meere, Naturr\u00e4ume und Siedlungen \u00fcberschwemmen, mit Makro- und insbesondere mit Mikroplastik.<\/p>\n<p>Der ganze Gesetzesentwurf ist wie so oft Ausdruck einer verfehlten \u00f6kologischen Denkweise: Dort wo ein Problem existiert, soll mit Verboten agiert werden. Diese Denkweise hat schon in der Vergangenheit nicht funktioniert, zum einen weil es bei Verbotspolitik immer die erfolgreiche Opposition derer gibt, die die wirtschaftlichen Verlierer sein werden. Hier sind es eben die Produzenten von Plastikwegwerfartikeln \u2013 und deren Marktmacht und damit politischer Einfluss ist gro\u00df. Zum anderen, weil Verbotspolitiken nur Teilmengen aus dem ganzen Problembereich herausgreifen, so auch hier wieder: Es sollen beispielsweise nur die Plastikhaltest\u00e4be von Plastikluftballons verboten werden, aber nicht die Plastikluftballons selbst.<\/p>\n<p>Auch ich spiele gerne mit meinen Enkeln mit Luftballons. Aber diese Unmengen Luftballons werden auch nach Umsetzung des EU-Beschlusses weiter die Meere und W\u00fcsten verm\u00fcllen. Selbst dann, wenn der Beschluss des EU-Parlaments auch vom EU-Ministerrat best\u00e4tigt wird, was noch l\u00e4ngst nicht ausgemacht ist. Bei aller Unzul\u00e4nglichkeit des Ansatzes w\u00fcnsche ich nat\u00fcrlich, dass der Beschluss auch den EU-Rat passieren kann und Gesetzeskraft erlangt. Dennoch braucht es endlich eine Politik, die das ganze Problem l\u00f6st und nicht nur kleine Teilbereiche, wie die Haltest\u00e4bchen. Luftballons sollten aus selbstverrotbarem Biomaterial bestehen, damit wir noch weiter mit den Kindern mit Luftballons spielen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und diese Politikans\u00e4tze gibt es, doch sie werden nicht verfolgt, weil sie utopisch erscheinen.<\/p>\n<p>Klares Ziel muss eine abfallfreie Wirtschaft sein. Das ist ein v\u00f6llig anderer Denkansatz als die Verbotspolitik.<\/p>\n<p>Da geht es dann darum, dass nicht nur z.B. Plastikwegwerfprodukte verboten werden, sondern dass sie so technisch ver\u00e4ndert werden, dass sie selbst beim unachtsamen Wegwerfen keine ernsten M\u00fcllprobleme verursachen.<\/p>\n<p>Geht nicht, werden nun viele visionslosen Umweltpolitiker antworten oder in diesen Strategien irgendein Haar in der Suppe finden, wo sie schon gleich wieder diese Denkans\u00e4tze zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Dabei gibt es diese Denkans\u00e4tze: Alle Stoffgruppen, die die Menschheit in den Wirtschaftskreislauf f\u00fchren, sollen so gestaltet sein,\u00a0 dass sie auf nat\u00fcrliche Weise in einen geschlossenen Stoffkreislauf f\u00fchren, eben ohne Abfall. Selbst wenn sie weggeworfener Abfall sind, sollten sie in der Natur keinen Schaden ausrichten, sondern in die Stoffkreisl\u00e4ufe zur\u00fcckf\u00fchren.<\/p>\n<p>Der Ansatz cradle to cradle, entworfen von Michael Braungart beschreibt genau diesen Ansatz. Alle Stoffgruppen sollen so entworfen werden, dass es keinen Abfall geben kann. Genauso wie es uns die Natur vormacht, sie kennt eben keinen Abfall.<\/p>\n<p>F\u00fcr Kunststoffe gilt dann eben, dass sie, selbst dann wenn sie unachtsam weggeworfen werden, kein problematischer M\u00fcll sind.<\/p>\n<p>Kunststoffe, aus nachwachsenden Rohstoffen, die so designt sind, dass sie einmal weggeworfen, selbst verrotten und den Kohlenstoff des Pflanzenrohstoffes wieder zu Humus oder zu Tiernahrung f\u00fcr Delfine oder Mikroorganismen werden lassen.<\/p>\n<p>Oh ja, ich h\u00f6re schon wieder die gro\u00dfe Schar der Umweltsch\u00fctzer, die dann rufen, Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen w\u00fcrde \u00fcber die Knappheit der Agrarfl\u00e4chen den Welthunger bef\u00f6rdern. Wie immer visionslos, denn \u00fcber die Wiederbegr\u00fcnung arider Fl\u00e4chen st\u00fcnden genug Fl\u00e4chen zur Verf\u00fcgung, um die etwa 10% fossiler Rohstoffe aus Erd\u00f6l und Erdgas zu ersetzen, die heute in die Chemiegrundstoffe flie\u00dfen. Und mit dieser Visionslosigkeit versch\u00fctten sie seit Jahren die wirklichen L\u00f6sungsans\u00e4tze einer abfallfreien Kunststoffwirtschaft.<\/p>\n<p>Dabei geh\u00f6rt es zu den grandiosesten Fehlleistungen von Chemietechnikern, dass sie Kunststoffe f\u00fcr Plastikt\u00fcten so designt haben, dass sie 1 000 Jahre stabil bleiben \u2013 also ein Wegwerfprodukt, das oft nur einen Tag benutzt wird. Das Ganze dann aus fossilen Rohstoffen wie Erd\u00f6l und Erdgas, was die Erderhitzung massiv antreibt. Denn wenn diese Kunststoffe statt die Meere zu verm\u00fcllen in der M\u00fcllverbrennung landen, dann heizt das so emittierte fossile CO2 kr\u00e4ftig die Erdtemperatur auf.<\/p>\n<p>Biokunststoffe aus Pflanzenmaterial \u2013 Pflanzen\u00f6le, St\u00e4rke, Milchs\u00e4ure, Algen u.a. \u2013 k\u00f6nnen diese Bedingungen der Abfallfreiheit erf\u00fcllen. Es gibt schon heute viele ausgereifte Produktentwicklungen daf\u00fcr. Die Fachagentur f\u00fcr nachwachsende Rohstoffe (FNR) hat hier ein umfassendes Wissen parat.<\/p>\n<p>Doch f\u00fcr alle diese Produkte braucht es endlich eine umfassende Markteinf\u00fchrungsstrategie. Im Teilbereich der Verpackungsmaterialien wurde dies unter rot-gr\u00fcn u.a. auf meine Initiative hin auf den Weg gebracht. Die Befreiung der Bioverpackungen von den Lizenzentgelten hatte einen ersten gro\u00dfen Aufbruch f\u00fcr Bioverpackungen geschaffen. J\u00e4h zerst\u00f6rt unter Kanzlerin Merkel, die etwa 2009 die Geb\u00fchrenbefreiungen wieder abschaffte.<\/p>\n<p>Bis heute gibt es keine politischen Ans\u00e4tze mehr, die Markteinf\u00fchrung von abfallfreien Biokunststoffprodukten zu unterst\u00fctzen. Auch das EU-Parlament hat mit dem j\u00fcngsten Beschluss keinen Ansatz dazu vorgeschlagen \u2013 und genau deswegen werden die beschlossenen Verbote von Teilmengen problematischer Plastikprodukte die weitere Verm\u00fcllung der Meere nicht verhindern.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Chance wurde wieder vertan. Es wurde auf eine untaugliche Verbotspolitik gesetzt und vers\u00e4umt, die ganze Wirtschaft und die Verbraucher auf einen technologischen Pfad zu f\u00fchren, der in eine abfallfreie Wirtschaft f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ach \u2013 was w\u00fcrde ich gerne mit meinen Enkeln mit Luftballons spielen, die beim unachtsamen Wegwerfen auch der Haltest\u00e4bchen in der Natur einfach zu bodenverbesserndem Humus werden. \u00a0Dann m\u00fcsste ich ihnen nicht erz\u00e4hlen, wie umweltsch\u00e4dlich doch dieses wunderbare Spielzeug ist und warum es das EU-Parlament gerade verbieten will.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hammelburg, den 26. Oktober 2018<\/p>\n<p>Ihr Hans-Josef Fell<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inzwischen ist es in einer gro\u00dfen gesellschaftlichen Debatte angekommen: Der Plastikm\u00fcll erstickt unsere Umwelt, verm\u00fcllt die Meere, verseucht auch uns Menschen mit Mikroplastik und t\u00f6tet massenhaft Tiere, die das Plastik aus der Umwelt fressen und elend daran zugrunde gehen \u2013 nicht nur Seev\u00f6gel und Delfine, sondern auch Kamele in der W\u00fcste Abu Dhabis, wie mir [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[10763,13159,11567],"supplier":[4514,19232],"class_list":["post-58026","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-biokunststoffe","tag-mikroplastik","tag-umwelt","supplier-european-parliament","supplier-fachagentur-nachwachsende-rohstoffe-e-v-fnr"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/58026","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=58026"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/58026\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=58026"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=58026"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=58026"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=58026"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}