{"id":5801,"date":"2002-10-30T00:00:00","date_gmt":"2002-10-29T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20021030-06n"},"modified":"2002-10-30T00:00:00","modified_gmt":"2002-10-29T22:00:00","slug":"den-grundstoff-von-holz-und-papier-kennen-und-weiterentwickeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/den-grundstoff-von-holz-und-papier-kennen-und-weiterentwickeln\/","title":{"rendered":"Den Grundstoff von Holz und Papier kennen und weiterentwickeln"},"content":{"rendered":"<p>Der &#8220;Holzstoff&#8221; Cellulose ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Sein Potenzial als unersch\u00f6pfliche nat\u00fcrliche Rohstoffquelle stand im krassen Widerspruch zu den geringen Kenntnissen \u00fcber die chemische Struktur und die Wege zum Erschlie\u00dfen neuer Produkte und Anwendungsfelder. An der Behebung dieser Forschungsl\u00fccke hat seit 1996 das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gef\u00f6rderte Schwerpunktprogramm &#8220;Cellulose und Cellulosederivate &#8211; molekulares und supramolekulares Strukturdesign&#8221; mitgewirkt. <\/p>\n<p>Das Programm, an dem deutschlandweit rund 30 Forschergruppen beteiligt waren, wurde jetzt planm\u00e4\u00dfig mit einer Tagung abgeschlossen, die vom 13. bis 16. Oktober in Jena stattfand. &#8220;Die Cellulose ist eine der h\u00e4ufigsten organischen Verbindungen der Erde und einer der wichtigsten nachwachsenden und bioabbaubaren Rohstoffe&#8221;, sagt Prof. Dr. Dieter Klemm. &#8220;Heute wird Cellulose weltweit aus Rohstoffen wie Holz, Baumwolle und Jute isoliert und weiterverarbeitet&#8221;, weist der Chemiker von der <a href=\"http:\/\/%E2%80%9C[www.uni-jena.de\/\" >Universit\u00e4t Jena<\/a> als einer der Koordinatoren des Schwerpunktprogramms auf die wirtschaftliche Bedeutung des Strukturpolymers Cellulose hin. <\/p>\n<p>Verwendet wird sie nicht nur als Papier, sondern auch in Chemiefasern, Lacken, Klebstoffen, Hilfsstoffen in Nahrungsmitteln und Pharmaka sowie in Dialyse- und Chromatographiematerialien. Daher ist Klemm froh, dass w\u00e4hrend der letzten Jahre eine best\u00e4ndige &#8220;Wechselwirkung mit der Industrie in Deutschland, \u00d6sterreich, Skandinavien und den USA entstanden ist&#8221;, die die Forschungsresultate wirtschaftlich umsetzen kann und sie gleichzeitig befruchtet hat. <\/p>\n<p>60 Promotionen, drei Habilitationen und zahllose Forschungsergebnisse, die in nationalen und internationalen Fachzeitschriften publiziert wurden, sind das Ergebnis der sechsj\u00e4hrigen Anstrengungen der Cellulose-Forscher. Der Aufbau der Ketten in nat\u00fcrlicher Cellulose wurde sowohl in Bakterien- wie auch in Pflanzencellulose weitgehend entschl\u00fcsselt, nennt der Jenaer Chemiker ein Beispiel. Au\u00dferdem ist es den deutschen Chemikern gelungen, Cellulosederivate herzustellen, die gezielt und selektiv wirken k\u00f6nnen &#8211; ein Einsatz in der Biosensorenherstellung und zur Enzymimmobilisierung sind denkbar. Zudem wurde es m\u00f6glich, aus Cellulose ultrad\u00fcnne Schichten zu bilden, die als nat\u00fcrliche &#8220;Kleber&#8221; zwischen unterschiedlichen Materialien eingesetzt werden k\u00f6nnen. Und nicht zuletzt sind neue analytische Methoden entwickelt worden, um Strukturen der neu geschaffenen Celluloseverbindungen aufkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Dass dies nicht nur der Wissenschaft zu Gute kommt, beweist ein Beispiel aus Jena. In Klemms Arbeitsgruppe wurde gemeinsam mit dem Bereich von Prof. Dr. Dr. Dieter Schumann am Jenaer Uni-Klinikum das Biomaterial BASYC (Bacterial Synthesized Cellulose) entwickelt. Aus diesem flexiblen und biovertr\u00e4glichen Cellulosewerkstoff werden Implantate f\u00fcr Blutgef\u00e4\u00dfe hergestellt, die besonders in der Mikrochirurgie verwendet werden k\u00f6nnen. In einem vom Th\u00fcringer Wissenschaftsministerium gef\u00f6rderten Forschungsverbund erfolgt jetzt die \u00dcberf\u00fchrung in die klinische Anwendung gemeinsam mit der Jenaer Firma SurA Chemicals GmbH. <\/p>\n<p>All dies wurde von den rund 100 Teilnehmern, darunter sieben ausl\u00e4ndischen Spitzenchemikern, w\u00e4hrend der Tagung dargestellt und \u00fcber die neuesten Ergebnisse der Herstellung und Strukturuntersuchung von Cellulose und daraus aufgebauten Produkten berichtet. Nach der Beendigung des Schwerpunktprogramms wird die Entwicklung auf diesem Gebiet nicht enden. &#8220;Deutschland spielt eine f\u00fchrende Rolle auf dem Gebiet der Celluloseforschung&#8221;, best\u00e4tigt Prof. Klemm. <\/p>\n<p>Trauer \u00fcber die Beendigung des Verbundes kommt bei ihm nicht auf. &#8220;Daf\u00fcr haben wir keine Zeit, es laufen inzwischen andere Projekte&#8221;, so Klemm. Die Erforschung des Polysaccharidanteils in Prionen, den BSE-ausl\u00f6senden Erregern, geh\u00f6rt ebenso dazu, wie die Weiterentwicklung von BASYC und die Kooperation mit japanischen Wissenschaftlern zu einheitlich strukturierten Cellulosen und St\u00e4rken. Au\u00dferdem bleibt gerade Th\u00fcringen ein Zentrum der Cellulosewissenschaft und -anwendung.<\/p>\n<p>Dazu ist j\u00fcngst an der Universit\u00e4t das &#8220;Kompetenzzentrum Polysaccharidforschung Jena-Rudolstadt&#8221; gegr\u00fcndet worden, das gemeinsam von der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t, der Industrie und dem <a href=\"http:\/\/www.titk.de\/\" >Th\u00fcringischen Institut f\u00fcr Textil- und Kunststoff-Forschung e.V.<\/a> Rudolstadt betrieben wird. &#8220;Es ist das einzige Kompetenzzentrum dieser Art in Deutschland, Ausbildungsst\u00e4tte f\u00fcr Spezialisten auf diesem Gebiet und Anlaufpunkt f\u00fcr die Experten aus aller Welt&#8221;, ist sich Klemm sicher, dass die Celluloseforschung in Th\u00fcringen auch in Zukunft gro\u00dfe Bedeutung haben wird. <\/p>\n<p><b>Kontakt:<\/b><br \/>Prof. Dr. Dieter Klemm<br \/>Institut f\u00fcr Organische Chemie und Makromolekulare Chemie der Uni Jena <br \/>Lessingstr. 8<br \/>07743 Jena<br \/>Tel.: 03641-94 82 60<br \/>Fax: 03641-94 82 02 <br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:c9kldi@rz.uni-jena.de\">c9kldi@rz.uni-jena.de<\/a><br \/>Internet: <a href=\"http:\/\/www.uni-jena.de\/\" >www.uni-jena.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der &#8220;Holzstoff&#8221; Cellulose ist schon seit Jahrhunderten bekannt. 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