{"id":57584,"date":"2018-10-26T06:42:06","date_gmt":"2018-10-26T04:42:06","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.chemie.de%2Fnews%2F1157819%2Fneue-studie-zu-mikroplastik-in-kosmetik.html%3FWT.mc_id%3Dca0065"},"modified":"2018-10-24T20:30:29","modified_gmt":"2018-10-24T18:30:29","slug":"mikroplastik-in-kosmetik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/mikroplastik-in-kosmetik\/","title":{"rendered":"Mikroplastik in Kosmetik"},"content":{"rendered":"<p><strong> Kosmetikprodukte sind eine h\u00e4ufig genannte Quelle f\u00fcr Mikroplastikemissionen. Doch was ist Mikroplastik in Kosmetik genau, welche Materialien und Funktionen \u00fcbernehmen Kunststoffe in den Produkten und welche Alternativen gibt es? Diese Fragen hat Fraunhofer UMSICHT im Auftrag der Umweltorganisation NABU untersucht. Neben Kosmetikprodukten werden dabei auch Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel (WPR) betrachtet. Die Studie schafft eine wissenschaftliche Grundlage f\u00fcr die \u00f6ffentliche Diskussion \u00fcber Mikroplastik.<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl der Begriff Mikroplastik schon l\u00e4nger verwendet wird, war es ein wichtiger Aspekt der Studie, die genaue Definition zu kennen. \u00bbDas war nicht einfach, denn unterschiedliche Akteure benutzen verschiedene Definitionen\u00ab, sagt Co-Autorin Leandra Hamann. Einigkeit herrscht allein dar\u00fcber, dass zu Mikroplastik alle Kunststoffpartikel z\u00e4hlen, die kleiner als 5 Millimeter sind. \u00bbNichtsdestotrotz sehen wir auch diese Beschr\u00e4nkung als problematisch, da sie sich weder aus bestimmten Stoffeigenschaften noch \u00f6kotoxikologisch begr\u00fcnden l\u00e4sst. Manche Definitionen enthalten zudem noch eine Begrenzung der unteren Gr\u00f6\u00dfe, der L\u00f6slichkeit oder der Abbaubarkeit. Diese unterschiedlichen Definitionen k\u00f6nnen zu Missverst\u00e4ndnissen f\u00fchren und auch die Debatte um eine sinnvolle Regulierung nachteilig beeinflussen.\u00ab<\/p>\n<h3>Mikroplastik nur als Partikel, Polymere auch fl\u00fcssig, gel\u00f6st oder gelartig<\/h3>\n<p>Ein bekanntes Beispiel f\u00fcr Mikroplastik in Kosmetik sind die sogenannten Microbeads. Diese Partikel k\u00f6nnen aus Kunststoff bestehen und werden vor allem f\u00fcr Peelingeffekte eingesetzt. Sie werden nach der Verwendung auf der Haut direkt abgesp\u00fclt und k\u00f6nnen so in die Umwelt gelangen.<\/p>\n<p>Neben dem Peeling abgestorbener Hautsch\u00fcppchen erf\u00fcllen Kunststoffe noch andere Funktionen in Kosmetikprodukten: Synthetische Polymere dienen der Haarfixierung, bilden Filme und Emulsionen oder regulieren die Viskosit\u00e4t der Kosmetikprodukte. Daf\u00fcr liegen diese manchmal aber nicht immer als fester Partikel vor, sondern sind wachs- oder gelartig, gel\u00f6st oder fl\u00fcssig. Gelangen die Polymere in die Umwelt, sind sie aber ggf. genauso problematisch wie das Mikroplastik.<\/p>\n<p>Ob ein Polymer in Partikelform, fl\u00fcssig, gelartig oder gel\u00f6st vorliegt, ist aus der heutigen Produktkennzeichnung kaum erkennbar. Jedes einzelne Polymer m\u00fcsste gepr\u00fcft werden. Eine Sisyphosarbeit, denn die Autoren fanden mehrere Hundert Polymere in Datenbanken f\u00fcr Kosmetikinhaltsstoffe.<\/p>\n<h3>Mengen von Mikroplastik in Kosmetik und WPR-Produkten im Vergleich<\/h3>\n<p>Die Einsatzmenge von partikul\u00e4rem Mikroplastik in Kosmetik bel\u00e4uft sich auf 922 Tonnen pro Jahr in Deutschland. Dagegen werden in WPR-Produkten nur 55 Tonnen Mikroplastik pro Jahr eingesetzt. Im Vergleich dazu wird ein Vielfaches an gel\u00f6sten, gelartigen oder wachsartigen Polymeren eingesetzt. Die Mengen werden auf 23 700 Tonnen pro Jahr gesch\u00e4tzt. F\u00fcr WPR-Produkte liegen sie \u00e4hnlich hoch. Zusammengefasst werden j\u00e4hrlich in Deutschland insgesamt ca. 50 000 Tonnen Kunststoffe in Kosmetik- und WPR-Produkten eingesetzt.<\/p>\n<p>\u00bbIn Anbetracht der hohen Eintragsmengen und der nicht abzusch\u00e4tzenden Risiken f\u00fcr die Umwelt m\u00fcssen s\u00e4mtliche schwer abbaubaren, wasserl\u00f6slichen Polymere \u00fcber die europ\u00e4ische Chemikaliengesetzgebung reguliert werden. Unser Wissen \u00fcber die Wirkungen, die Polymere in der Umwelt haben, reicht nicht aus. Kunststoffemissionen sollten deshalb \u00fcber die EU-Chemikaliengesetzgebung oder andere geeignete Wege reguliert werden\u00ab, so J\u00fcrgen Bertling, f\u00fcr die Studie verantwortlicher Wissenschaftler bei Fraunhofer UMSICHT. \u00bbDabei sollte die lange Verweildauer in der Umwelt ein viel st\u00e4rkeres Gewicht bei der Bewertung der Umweltgef\u00e4hrdung bekommen. Derzeit werden Polymere, einschlie\u00dflich Mikroplastik, aufgrund der geringen Toxizit\u00e4t als kaum umweltgef\u00e4hrdend eingestuft\u00ab, so Bertling.<\/p>\n<h3>Strengere Regulierung gefordert<\/h3>\n<p>Die freiwillige Selbstverpflichtung zur Reduzierung von Mikroplastik in Kosmetik wird bereits umgesetzt und ist ein erster Schritt zur Reduzierung von Kunststoffen in Kosmetik. Allerdings sind Mikroplastik, das keine Peelingfunktion hat, Leave-on-Kosmetikprodukte sowie gel\u00f6ste, gelartige oder wachsartige Polymere bisher von der Verpflichtung ausgenommen. Deswegen fordert NABU-Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Leif Miller strengere Gesetze: \u00bbWir brauchen ein EU-Verbot von Mikroplastik in Kosmetik und Reinigungsmitteln, da Meere keine nationalstaatlichen Grenzen kennen und die Hersteller f\u00fcr internationale M\u00e4rkte produzieren. Nur Mikroplastik als Reibk\u00f6rper in Duschgel und Peeling zu verbieten, wie es manche Staaten verfolgen, greift viel zu kurz. Mikroplastik muss funktions- und produkt\u00fcbergreifend in Kosmetik und Reinigungsmitteln verboten werden. Das muss auch in der EU-Plastikstrategie konkretisiert werden. Die Industrie m\u00fcsse schnellstm\u00f6glich auf besser abbaubare Ersatzstoffe umsteigen.\u00ab<\/p>\n<p>Viele Regelungsma\u00dfnahmen erfordern wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zum Gefahrenpotential zu Kunststoffen und Polymeren, um den Einsatz st\u00e4rker einschr\u00e4nken zu k\u00f6nnen. Diese sind f\u00fcr Mikroplastik bisher aber noch nicht vorhanden. Dennoch liegen bereits gen\u00fcgend Hinweise auf Schadwirkungen vor und es ist aufgrund des weltweiten Wachstums beim Kunststoffverbrauch sehr wahrscheinlich, dass die Problematik weiter an Relevanz zunimmt, so dass es geboten scheint, bereits heute das Vorsorgeprinzip anzuwenden.<\/p>\n<h3>Alternativen und verbraucherfreundliche Informationen<\/h3>\n<p>F\u00fcr Verbraucher ist es im Supermarkt oft nicht ersichtlich, welche Produkte Mikroplastik enthalten. Erste Anhaltspunkte bietet die Datenbank haut.de, in der nach Inhaltsstoffen gesucht werden kann. Allerdings ist dies aufw\u00e4ndig und die Erkl\u00e4rungen sind teilweise schwer verst\u00e4ndlich. Deswegen fordert NABU-Konsumexpertin Katharina Istel mehr Transparenz und umweltfreundliche Alternativen: \u00bbZertifizierte Naturkosmetik und Putzmittel mit Umweltkennzeichnungen wie dem Blauen Engel sind aus Umweltsicht die bessere Wahl, haben aber noch extrem geringe Marktanteile. F\u00fcr den Massenmarkt brauchen wir transparente und verst\u00e4ndliche Informationen zu Inhaltsstoffen und Umweltaspekten, wie zum Beispiel der Abbaubarkeit in Gew\u00e4ssern.\u00ab<\/p>\n<p>Die nun ver\u00f6ffentlichte Studie bietet einen wissenschaftlichen \u00dcberblick zur Definition von Mikroplastik, Kunststoffen und Polymeren in Kosmetik- und WPR-Produkten, Einsatzmengen und Funktionen, sie liefert Alternativen und bewertet Handlungsalternativen. Vielf\u00e4ltige Beispiele machen sie verst\u00e4ndlich und helfen Verbrauchern bei der Orientierung rund um das Thema Mikroplastik.<\/p>\n<p>Fraunhofer UMSICHT hat die Studie \u00bbMikroplastik und synthetische Polymere in Kosmetikprodukten sowie Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln\u00ab im Auftrag des Naturschutzbund Deutschland (NABU) durchgef\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kosmetikprodukte sind eine h\u00e4ufig genannte Quelle f\u00fcr Mikroplastikemissionen. 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