{"id":57349,"date":"2018-10-15T06:42:06","date_gmt":"2018-10-15T04:42:06","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.innovations-report.de%2Fhtml%2Fberichte%2Fumwelt-naturschutz%2Fartenreiche-waelder-speichern-doppelt-so-viel-kohlenstoff-wie-monokulturen.html"},"modified":"2018-10-14T22:14:30","modified_gmt":"2018-10-14T20:14:30","slug":"artenreiche-waelder-speichern-doppelt-so-viel-kohlenstoff-wie-monokulturen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/artenreiche-waelder-speichern-doppelt-so-viel-kohlenstoff-wie-monokulturen\/","title":{"rendered":"Artenreiche W\u00e4lder speichern doppelt so viel Kohlenstoff wie Monokulturen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Subtropische W\u00e4lder mit grosser Artenvielfalt nehmen im Durchschnitt doppelt so viel Koh-lenstoff auf wie Monokulturen. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universit\u00e4t Z\u00fcrich hat Daten von eigens angelegten W\u00e4ldern in China mit \u00fcber 150&#8217;000 B\u00e4umen ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Wiederaufforstungen mit vielen verschiedenen B\u00e4umen auch dem Arten- und Klimaschutz n\u00fctzen.<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2009 startete in China ein einmaliges Waldexperiment, an dem auch die Universit\u00e4t Z\u00fcrich beteiligt ist. Das gross angelegte Biodiversit\u00e4tsprojekt untersuchte die Bedeutung der Artenvielfalt in W\u00e4ldern. Es wurden Baummischungen mit verschiedener Anzahl an Arten angepflanzt \u2013 von der Monokultur bis zum artenreichen Wald mit 16 verschiedenen Baumarten pro 670 Quadratmeter.<\/p>\n<p>Nach acht Jahren speicherte ein solcher Wald in seiner oberirdischen Biomasse durchschnittlich 32 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar. Eine durchschnittliche Monokultur brachte es dagegen nur auf 12 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar \u2013 also nicht einmal die H\u00e4lfte. Bei der Fotosynthese nehmen die Pflanzen Kohlendioxid aus der Atmosph\u00e4re auf und setzen den Kohlstoff zu Biomasse um. Speichert ein Wald mehr Kohlenstoff, verbessert dies die Produktivit\u00e4t des Waldes und hilft gleichzeitig, Treibhausgase zu reduzieren.<\/p>\n<h3>Wald mit Artenvielfalt ist produktiver<\/h3>\n<p>Dass mit der Artenvielfalt die Produktivit\u00e4t steigt, war zuvor bereits durch Experimente in Wiesen-\u00d6kosystemen in den USA und Europa gezeigt worden. F\u00fcr den Wald wurde dagegen ein geringerer oder kein Effekt der Biodiversit\u00e4t vermutet, da man annahm, dass alle Baumarten \u00e4hnliche \u00f6kologische Nischen h\u00e4tten. Offenbar war diese Vermutung falsch: \u00abIm Waldexperiment in China nahm die Biomasse ebenso schnell zu wie im Grasland. Dadurch gab es bereits nach vier Jahren deutliche Unterschiede zwischen der Monokultur und dem artenreichen Wald\u00bb, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Helge Bruelheide von der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg und des Deutschen Zentrums f\u00fcr integrative Biodiversit\u00e4tsforschung (iDiv), die mitverantwortlich f\u00fcr die Feldexperimente waren. Diese Unterschiede wurden \u00fcber weitere vier Messjahre best\u00e4ndig gr\u00f6sser.<\/p>\n<p>\u00abDiese Ergebnisse haben grosse \u00f6kologische und \u00f6konomische Bedeutung\u00bb, unterstreicht Prof. Bernhard Schmid von der Universit\u00e4t Z\u00fcrich, der Letztautor im \u00fcber 60-k\u00f6pfigen Autorenteam der aktuellen Publikation in Science. Eine vorangegangene Studie hatte bereits einen positiven Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und Kohlenstoffspeicherung aufgezeigt. Allerdings beruhte sie auf reinen Beobachtungen in nat\u00fcrlich gewachsenen W\u00e4ldern in China. \u00abEs war daher nicht m\u00f6glich, eindeutig nachzuweisen, dass die h\u00f6here Artenvielfalt der Grund f\u00fcr die h\u00f6here Produktivit\u00e4t war. Nun kommen wir jedoch mit einem Experiment unter kontrollierten Bedingungen zum selben Ergebnis: Ein Wald mit vielen verschiedenen Baumarten ist produktiver als eine Monokultur\u00bb, erg\u00e4nzt Prof. Dr. Keping Ma vom Institute of Botany der Chinese Academy of Sciences in Peking und Co-Leiter des Projekts.<\/p>\n<h3>H\u00f6here Produktivit\u00e4t und besserer Klimaschutz<\/h3>\n<p>Weltweit gibt es Pl\u00e4ne f\u00fcr grosse Wiederaufforstungsprogramme, um mit neuen W\u00e4ldern Klimaschutz zu betreiben. Allein in China wurden zwischen 2010 und 2015 pro Jahr 1,5 Millionen Hektar Wald neu angepflanzt \u2013 allerdings haupts\u00e4chlich mit schnell wachsenden Monokulturen. \u00abUnsere neuen Untersuchungen zeigen, dass Wald nicht gleich Wald ist, wenn es um den Klimaschutz geht: mit einer Monokultur wird nicht einmal die H\u00e4lfte der angestrebten \u00d6kosystemdienstleistung erreicht, erst mit Artenmischungen kann die volle Leistung erreicht werden. Zudem k\u00f6nnte mit dem Anpflanzen von artenreichen W\u00e4ldern gleichzeitig die Biodiversit\u00e4t gesch\u00fctzt werden\u00bb, gibt Bernhard Schmid zu bedenken. \u00abLeider herrscht auch bei uns noch immer die Falschmeinung vor, Produktivit\u00e4t und Biodiversit\u00e4t w\u00fcrden sich gegenseitig ausschliessen \u2013 das Gegenteil ist aber der Fall.\u00bb Artenreiche W\u00e4lder sind auch weniger empfindlich gegen\u00fcber Krankheiten oder extremen Wettereignissen, die durch den Klimawandel immer h\u00e4ufiger werden.<\/p>\n<p>Rechnet man die im Experiment beobachteten Effekte auf die weltweit vorhandenen W\u00e4lder hoch, ergibt sich, dass ein R\u00fcckgang der Baumarten um zehn Prozent zu Produktionsverlusten von 20 Milliarden US-Dollar weltweit pro Jahr f\u00fchren w\u00fcrde. Dieses Ergebnis zeige, dass es sich bei Aufforstungen auch wirtschaftlich bezahlt macht, Mischkulturen zu verwenden, so die Forschenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Subtropische W\u00e4lder mit grosser Artenvielfalt nehmen im Durchschnitt doppelt so viel Koh-lenstoff auf wie Monokulturen. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universit\u00e4t Z\u00fcrich hat Daten von eigens angelegten W\u00e4ldern in China mit \u00fcber 150&#8217;000 B\u00e4umen ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Wiederaufforstungen mit vielen verschiedenen B\u00e4umen auch dem Arten- und Klimaschutz n\u00fctzen. 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