{"id":5711,"date":"2002-12-11T00:00:00","date_gmt":"2002-12-10T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20021211-03n"},"modified":"2002-12-11T00:00:00","modified_gmt":"2002-12-10T22:00:00","slug":"biomassekraftwerke-nachhaltige-dreckschleudern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biomassekraftwerke-nachhaltige-dreckschleudern\/","title":{"rendered":"Biomassekraftwerke: nachhaltige Dreckschleudern?"},"content":{"rendered":"<p>Biomassekraftwerke sind offiziell zur Verbrennung von Frischholz und Altholz vorgesehen. Laut Altholz-Verordnung (Altholz V) geh\u00f6ren hierzu sowohl Industrierestholz aus Holz-verarbeitenden Betrieben oder Holz-haltige Verbundwerkstoffe als auch Gebrauchtholz, wobei der \u00fcberwiegende Anteil des Feuerungsgutes &#8211; d.h.mindestens 50 Prozent &#8211; Holz sein muss. Der Haken sind hierbei die anderen 50 Prozent \u201eNichtholz\u201c.<\/p>\n<p>Dies bedeutet letztlich, dass mit bis zu 25 Prozent des Gesamt- Brennstoffinputs z.B. Kunststoffanteile, Kleberreste, toxische Lacke oder D\u00e4mmsch\u00e4umungen mit in die Verbrennung gelangen. Aufgrund von L\u00fccken im Kontext von Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG), der 17. Bundesimmissionsschutzverordnung, Altholzverordnung und Biomasseverordnung k\u00f6nnen inzwischen beantragte und genehmigte Altholz-Feuerungsanlagen alsbald auf weitere Abfallkapazit\u00e4ten umfunktioniert werden.<\/p>\n<p>Schadstoff-belastete Alth\u00f6lzer gelten indes als besonders \u00fcberwachungsbed\u00fcrftige Abf\u00e4lle und ihre Verbrennung unterliegt den Vorgaben der BImSchV17 (Abfallverbrennung). W\u00e4hrend bundesweit mittlerweile 150 Gro\u00dfanlagen mit bis zu 200.000 Tonnen Jahresdurchsatz entstehen, die zur Erf\u00fcllung der Biomasseverordnung (und damit auch zum Bezug der h\u00f6heren EEG-Einspeiseverg\u00fctung f\u00fcr Biomassestrom) filtertechnisch als Abfallverbrennungen durchgehen, bleiben die Einw\u00e4nde des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes (KrWAbfG) au\u00dfen vor &#8211; von den Gesundheitsrisiken ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Klimaschutz kann in diesem Rahmen wohl kaum noch als Argument zur Errichtung derartiger Anlagen durchgehen, eher ist eine Fehlentwicklung gut gemeinter Ideologien augenscheinlich. Der Gesetzgeber ist hier gefordert, seine Vorgaben dahin gehend zu erweitern, dass nach BImSchG genehmigte Anlagen bei Inputver\u00e4nderungen nicht nur dem Immissionsschutzrecht sondern auch dem Abfallrecht Gen\u00fcge zu leisten haben.<\/p>\n<p>Nachbesserungsbedarf besteht bensonders in Vorgaben zur Zuordnung der diversen Altholzkategorien und deren Sortierung, bzw. den Genehmigungsauflagen und Kontrollmechanismen zur Durchsetzung der Aussonderung kontaminierter Chargen zur separaten Entsorgung. In Puncto Nachhaltigkeit w\u00e4ren dann noch die Energiebilanzen geplanter Projekte im Vergleich mit jeweiligen Alternativen (z.B. Kohlekraftwerk) ernster zu nehmen. Genehmigungsantr\u00e4ge sollten somit <\/p>\n<ul>\n<li>eine genaue Auflistung vorgesehener Brennstoffe<\/li>\n<li>die kontrollierf\u00e4hige Zuordnung der Alth\u00f6lzer in ihre verschiedenen Kategorien<\/li>\n<li>eine Auflistung der zu verbrennenden Altholzkategorien sowie ein Umsetzungskonzept f\u00fcr den Praxis-bezogenen Betrieb<\/li>\n<li>einen Systemvergleich, eine Energie- bzw. Kohlendioxidbilanz<\/li>\n<li>eine Umweltvertr\u00e4glichkeitsuntersuchung und korrekte Immissionsprognose<\/li>\n<li>die Planung einer dem aktuellen technischen Stand angemessenen Rauchgasreinigungsanlage samt entsprechenden Messeinrichtungen<\/li>\n<li>klare Angaben zur Kompensierung herk\u00f6mmlicher &#8211; auf der Basis fossiler Ressourcen &#8211; betriebener Kraftwerke<\/li>\n<li>realistische Vorhaben f\u00fcr Energiesparma\u00dfnahmen im Versorgungsgebiet<\/li>\n<\/ul>\n<p>aufweisen.<\/p>\n<p>Sollten diese Punkte bei Planungen von Biomassekraftwerken keine Ber\u00fccksichtigung finden, ist eher davon auszugehen, dass Gesetzesl\u00fccken und unvollst\u00e4ndig durchdachte Vorgaben einem sch\u00f6n umschriebenen Abfallverbrennungs-Gewinngesch\u00e4ft Vorschub leisten.<\/p>\n<p>(Von den Autoren genannte <b>Literaturquellen:<\/b> Engelfried, J. (1994): Dienstleistung als methodische Grundlage von Produktlinienuntersuchungen. Bewertungsprobleme beim Vergleich von Diestleitungen aus Naturfasern und Polypropylen. K\u00f6ln. &#8211; Sch\u00e4fer, Th.\/Horn, S.\/ Kohler, L.\/Bayer, A. (1999): Restm\u00fcllfreie Gemeinde Velen. Studie \u00fcber die M\u00f6glichkeiten der Abfallvermeidung und Abfallverwertung auf Gemeindeebene. T\u00fcbingen\/Velen &#8211; Sch\u00e4fer, Th.\/Engelfried, J. (2002): Fachliche Stellungnahme zum projektierten Biomasseheizkraftwrk Ulm. Ulm\/T\u00fcbingen (erh\u00e4ltlich beim BUND Ulm).)<\/p>\n<p><b>R\u00fcckfragen bei:<\/b><br \/>Thilo Sch\u00e4fer<br \/>ARENA-Umweltinstitut<br \/>Franz\u00f6sische Allee 30<br \/>72072 T\u00fcbingen<br \/>Tel.: 07071-26-143<br \/>Fax: 07071-26-144<br \/>E-mail: <a href=\"mailto:info@a-r-e-n-a.de\">info@a-r-e-n-a.de<\/a><br \/>Internet: <a href=\"http:\/\/www.a-r-e-n-a.de\/\" >www.a-r-e-n-a.de<\/a><\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biomasse-nutzung-zur-zeit-noch-oekonomisch-schwierig\/\" >2002-08-16<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biomasseverbrennung-oekologisch-und-oekonomisch-weit-abgeschlagen\/\" >2002-07-03<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biomassekraftwerke sind offiziell zur Verbrennung von Frischholz und Altholz vorgesehen. 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