{"id":56882,"date":"2018-09-28T07:29:35","date_gmt":"2018-09-28T05:29:35","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=56882"},"modified":"2018-09-25T14:12:40","modified_gmt":"2018-09-25T12:12:40","slug":"das-reviride-hanf-projekt-koennte-italiens-industrielles-kernland-vor-verschmutzung-bewahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/das-reviride-hanf-projekt-koennte-italiens-industrielles-kernland-vor-verschmutzung-bewahren\/","title":{"rendered":"Das REVIRIDE-Hanf-Projekt k\u00f6nnte Italiens industrielles Kernland vor Verschmutzung bewahren"},"content":{"rendered":"<p>Reviride ist ein \u00d6ko-Projekt des italienischen Unternehmens Hesalis, das mit Industriehanf verschmutzte B\u00f6den dekontaminiert und Menschen zu einem ges\u00fcnderen Leben einl\u00e4dt. Ziel ist es, Italien wieder gr\u00fcn zu machen und die steigenden Krebsraten zu stoppen.<\/p>\n<p>Auf den Spuren des niederl\u00e4ndischen Industriehanfpioniers HempFlax macht ein italienisches Unternehmen gro\u00dfe Fortschritte bei der Nutzung der erstaunlich vielseitigen Hanfpflanze, um nicht nur den Boden, sondern auch die Wirtschaft einer verschmutzten und krisengesch\u00fcttelten Region wiederzubeleben. Trotz R\u00fcckschl\u00e4gen durch die Polizei und eine Ernte, die den M\u00e4hdrescher zerbarst, zeigt das Projekt erste Erfolge.<\/p>\n<p>Im Jahr 2013 startete Hesalis, ein italienisches Unternehmen mit Sitz in Terni, einer Industriestadt im Herzen Italiens, eine Umweltinitiative mit dem Namen Reviride, um Schwermetalle und chemische Giftstoffe aus Ternis kontaminiertem Boden mithilfe von Industriehanf zu entfernen. Das Projekt war so erfolgreich, dass sechs weitere italienische Gemeinden es wiederholen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>\u201eDie Stahl- und Chemieindustrie hat im letzten Jahrhundert Toxine in den Boden Mittelitaliens gelangen lassen\u201c, erkl\u00e4rt Emilio Petrucci, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Hesalis. \u201eEs hatte katastrophale Auswirkungen f\u00fcr das Land und die Menschen. Jeder dritte Mensch in Terni hat Krebs.\u201c<\/p>\n<p>Das kurzfristige Ziel von Reviride \u2013 lateinisch f\u00fcr \u201ewieder gr\u00fcn machen\u201c \u2013 ist es, die Phytosanierungseigenschaften der Cannabispflanze zu nutzen, um den verschmutzten Boden Ternis zu revitalisieren.<\/p>\n<p>Phytosanierung ist der Prozess, bei dem die Pflanze Toxine \u00fcber ihre Wurzeln aufnimmt und in ungiftige Substanzen umwandelt. Dieses Verfahren wurde eingesetzt, um die durch die Tschernobyl-Katastrophe von 1986 in der Ukraine verursachte Verseuchung zu mindern.<\/p>\n<p>Das langfristige Ziel von Reviride ist, die Gesundheit der Menschen in Terni durch die Schaffung von Voraussetzungen f\u00fcr eine umweltfreundliche und nachhaltige Hanfindustrie zu verbessern. Hesalis hat nicht nur zwei Hektar Industriehanf gepflanzt, um Giftstoffe aus dem Boden zu entfernen, sondern auch 254 Familien im Jahr 2017 mit Saatgut versorgt. 2018 sollen weitere 2.000 Familien mit Saatgut versorgt werden, um ein Programm zur Stadterneuerung auf Hanfbasis zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Oude Pekela, das niederl\u00e4ndische Dorf, in dem HempFlax seinen Firmensitz hat, befindet sich derzeit in einer \u00e4hnlichen Phase der Wiederbelebung durch Hanf. Die Hanf-Design-Factory ist die neueste Erweiterung des HempFlax-Gel\u00e4ndes und eine spannende Kollaboration zwischen unserer Schwesterfirma, lokalen Unternehmern, Studenten der nahegelegenen Universit\u00e4t Groningen und der gesamten Gemeinde Pekela. Beide Projekte zielen darauf ab, lokales Know-how und neueste Hanftechnologie zusammenzubringen, um der umliegenden Region und ihren Bewohnern neues Leben einzuhauchen.<\/p>\n<p>Wie stark ist Terni verschmutzt?<br \/>\nTerni kann auf ein einzigartiges industrielles Erbe zur\u00fcckblicken, das bis ins 19. Jahrhundert zur\u00fcckreicht, als die Stadt eine Schl\u00fcsselrolle in der Zweiten Industriellen Revolution spielte. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges wurde sie mehr als 100 Mal bombardiert und so wurden 80 Prozent der Stadt in Schutt und Asche gelegt.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg wurde die Stadt als industrieller Dreh- und Angelpunkt f\u00fcr die Stahl-, Chemie- und \u00d6lindustrie zur Herstellung von Waffen, Maschinen, Textilien, Elektrochemikalien und Kunststoffen wieder aufgebaut. Sie wurde \u201eDie Stahlstadt\u201c und \u201edas italienische Manchester\u201c genannt.<\/p>\n<p>\u201eTerni liegt in Mittelitalien, am Fu\u00dfe eines Tals und umgeben von Bergen, was bedeutet, dass keine Luft zirkuliert und Giftstoffe hier regelrecht gefangen sind\u201c, erkl\u00e4rt Petrucci, der in Kolumbien geboren wurde, aber seit 2005 in Terni lebt. \u201eAls meine Familie sich hier niederlie\u00df, wurde mir schnell klar, wie viele Menschen um mich herum Gesundheitsprobleme wie Leuk\u00e4mie, Asthma und Lupus entwickeln.\u201c<\/p>\n<p>Das Problem der industriellen Umweltverschmutzung in Italien ist nicht auf Terni beschr\u00e4nkt, da viele italienische St\u00e4dte und Regionen als \u201eNational Priorisierte Kontaminierte Standorte\u201c (kurz NPKS) identifiziert wurden. Das SENTIERE-Projekt aus dem Jahr 2014, eine Erg\u00e4nzung zu einer epidemiologischen Studie des italienischen Gesundheitsministers von 2010, fand in 17 NPKS, darunter Terni, Zusammenh\u00e4nge zwischen Umweltschadstoffen und \u201eKrebsinzidenzen, Sterblichkeitsraten und Krankenhausentlassungen\u201c.<\/p>\n<p>Der Bericht besagt:<\/p>\n<p>\u201eDie Auswirkungen auf die Gesundheit in den verschiedenen NPKS m\u00fcssen sorgf\u00e4ltig gepr\u00fcft und als Ausgangspunkt f\u00fcr weitere analytische Untersuchungen genutzt werden, die kausale Zusammenh\u00e4nge mit spezifischen Umweltexpositionen best\u00e4tigen und erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Die Beobachtungen k\u00f6nnen jedoch bereits als Grundlage f\u00fcr verbindliche prim\u00e4re Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen betrachtet werden.\u201c<br \/>\nDie Provinz Papigno wurde als das am st\u00e4rksten verschmutzte Gebiet in Terni klassifiziert.<\/p>\n<p>Das bl\u00fchende Reviride-Projekt<br \/>\n\u201eDer entscheidende Punkt war f\u00fcr mich, als mein Cousin an Leberkrebs starb\u201c, sagt Petrucci. \u201eDa habe ich mich entschieden, mich im Umweltbereich zu engagieren. Als ich sah, dass andere Projekte mit der Anwendung von Hanf Erfolg hatten, wusste ich, dass es die ideale L\u00f6sung f\u00fcr Terni ist. Das Sch\u00f6ne an Hanf ist, dass er sich in die heutige Industrie integrieren lassen und sie somit nachhaltig und umweltfreundlich machen kann.\u201c<\/p>\n<p>Das Projekt begann als private Gruppe mit Petrucci, dem Lebensmitteltechniker Claudio Natalini, dem Biologen Luca Schinoppi und dem Landwirt Riccardo Claudiani. Zuerst konzentrierten sie sich auf Nahrung und luden Leute auf Claudianis Bauernhof ein, um ihnen beizubringen, wie man selbst Gem\u00fcse anbaut und Bio-Rezepte zubereitet.<\/p>\n<p>Kurz darauf begannen sie, auch Hanf in ihre Rezepte aufzunehmen, \u201eaber damals wussten wir noch nicht, dass der Hanfmarkt in Italien im Begriff war zu explodieren\u201c.<\/p>\n<p>Im Jahr 2013 pflanzten sie die erste Hanfernte, aber es dauerte f\u00fcnf Jahre, bis sie Erfolg hatten. \u201eDas erste Jahr war katastrophal\u201c, erkl\u00e4rt Petrucci. \u201eWir begannen mit Futura 75, die in Frankreich wunderbares Saatgut ist, weil sie sich an die Umgebung dort angepasst hat. In Italien sind die Bedingungen jedoch v\u00f6llig anders und die Ergebnisse waren furchtbar.\u201c<\/p>\n<p>2014 war die Ernte nicht viel besser. Die Ernte war so schroff, dass sie \u201edie Maschinen zerst\u00f6rte\u201c. Im Jahr 2016 tauchte die Polizei auf und schloss die Plantage. 2017 erfolgte dann die erste erfolgreiche Ernte. Es war auch das Jahr, in dem das Unternehmen durch ein Start-up-Beschleunigungsprogramm namens \u201eERG Regeneration Challenge\u201c ausgezeichnet wurde und die Werkzeuge zur Erweiterung seines Projekts erhielt.<\/p>\n<p>Gro\u00dfer Hanf, gro\u00dfe Herausforderungen, gro\u00dfe Ziele<br \/>\nHempFlax ist es gelungen, von nur 140 Hektar Industriehanf im Jahr 1994 auf 2.500 Hektar im Jahr 2017 zu expandieren, mit dem Ziel, die Anbaufl\u00e4che bis 2020 um weitere 1.000 Hektar zu erweitern.<\/p>\n<p>Bis jetzt hat Hesalis zwei Hektar Industriehanf in verschiedenen Gebieten der Stadt gepflanzt. Jetzt, da sie die Werkzeuge und die Erlaubnis zur Expansion erhalten haben, erweitern sich auch ihre Ziele dementsprechend.<\/p>\n<p>\u201eDer schwierigste Teil ist, die verschmutzten Zonen zu erreichen, wo der Anbau verboten, aber am n\u00f6tigsten ist. Wir wollen ein F&amp;E-Agrartechnologie-Zentrum im Herzen Italiens aufbauen, weil es derzeit keinen Hanfverband, Saatgutproduktionen oder \u00e4hnliches gibt.\u201c<\/p>\n<p>Petrucci ist sich auch der sozio\u00f6konomischen Probleme Ternis bewusst. \u201eHier ist der Hauptgewinn f\u00fcr jeden jungen Mann, einen Job bei einem der gro\u00dfen multinationalen Unternehmen zu bekommen, weil es ein sicherer Gehaltsscheck f\u00fcr den Rest seines Lebens ist \u2013 aber was f\u00fcr ein Leben ist das?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir haben hier Schwerindustrie, hohe Arbeitslosenquoten und viele kranke Menschen in Terni und diese Probleme werden nicht verschwinden, wenn wir keine Ver\u00e4nderungen herbeif\u00fchren. Eine Zentrum f\u00fcr Agrartechnik wird nicht nur zur F\u00f6rderung des Umweltbewusstseins beitragen, sondern auch junge Talente zur\u00fcck in das italienische Kernland locken.\u201c<\/p>\n<p>Hesalis unterteilt sein Hanf in Lebensmittel und Gegenst\u00e4nde. Die Nahrungsmittelpflanzen sind biologisch und die Ernten werden f\u00fcr essbare Produkte wie \u00d6l und Mehl verwendet. Die auf verschmutzten Fl\u00e4chen geernteten Pflanzen werden f\u00fcr Biomasseprodukte wie Ziegel und Papier verwendet.<\/p>\n<p>Industriehanf entfernt nicht nur Giftstoffe aus dem Boden \u2013 ein Hektar Industriehanf kann bis zu 18 Kilogramm Eisen und Blei extrahieren \u2013 er belebt das Anbaugebiet, das somit wieder f\u00fcr den Anbau weiterer Industriepflanzen genutzt werden kann. \u201eDas Potenzial f\u00fcr Biomasseprodukte ist unbegrenzt. In Zukunft k\u00f6nnten wir Toilettenpapier f\u00fcr ganz Italien liefern, oder genug Ziegel, um 500 H\u00e4user zu bauen.\u201c<\/p>\n<p>Von allen Herausforderungen, vor denen Hesalis stand, war die schwierigste, eine Sorte zu finden, die sich an das Klima und die Bodenverh\u00e4ltnisse in Terni anpasst. Aufgrund der EU-Vorschriften, wonach in Europa nur\u00a0 vom European Seed Catalogue zertifizierte Hanfsamen mit einem THC\u2013 beziehungsweise Tetrahydrocannabinol-Gehalt von weniger als 0,2 Prozent verwendet werden d\u00fcrfen, sind alle europ\u00e4ischen Landwirte gezwungen, Samen derselben zentralen Samenbank zu verwenden.<\/p>\n<p>\u201eDas Problem ist, dass ein Hanfsamen, der sich so entwickelt hat, dass er in Ungarn gro\u00dfartig w\u00e4chst, in Italien nicht gut wachsen kann, weil er nicht an unser Terrain und unsere Sonne angepasst ist. Um die Umweltprobleme Italiens wirklich bek\u00e4mpfen und einen gesunden Lebensstil auf Hanfbasis f\u00f6rdern zu k\u00f6nnen, brauchen wir eine Pflanze, die italienisch ist.\u201c<\/p>\n<p>Das Problem wird durch ein Gesetz von 2017 noch verkompliziert, das den Anbau und Verkauf von Pflanzen mit einem THC-Gehalt von weniger als 0,6 Prozent erlaubt, eine Situation, die nur in Italien existiert. Eine Sorte zu entwickeln, die ideal f\u00fcr italienische Wachstumsbedingungen ist, ist ein weiteres Ziel von Petrucci.<\/p>\n<p>Hesalis hat eine Spendenkampagne mit einem Ziel von einer Million Euro gestartet, um die notwendigen Mittel f\u00fcr die Ausweitung des Projekts auf ganz Terni zu beschaffen. Hesalis arbeitet auch mit Partnern in der Toskana, der Emilia Romagna, dem Latium, Venetien, Apulien und Sizilien zusammen, die das Projekt in den jeweiligen Regionen ausweiten wollen.<\/p>\n<p>\u201eDas Projekt ist so konzipiert, dass es \u00fcberall wiederholt werden und durch die Wiederbegr\u00fcnung dieser vergessenen Brachfl\u00e4chen sowohl Arbeitspl\u00e4tze schaffen und Einnahmen generieren als auch die Gesundheit verbessern kann. Wir wollen niemandem einen Thunfisch geben, wir wollen ihm das Fischen beibringen\u201c, sagt Petrucci.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reviride ist ein \u00d6ko-Projekt des italienischen Unternehmens Hesalis, das mit Industriehanf verschmutzte B\u00f6den dekontaminiert und Menschen zu einem ges\u00fcnderen Leben einl\u00e4dt. Ziel ist es, Italien wieder gr\u00fcn zu machen und die steigenden Krebsraten zu stoppen. Auf den Spuren des niederl\u00e4ndischen Industriehanfpioniers HempFlax macht ein italienisches Unternehmen gro\u00dfe Fortschritte bei der Nutzung der erstaunlich vielseitigen Hanfpflanze, [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[12423,10681,13822],"supplier":[27,14964,7475],"class_list":["post-56882","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-baumaterial","tag-biomasse","tag-nahrungsmittel","supplier-hempflax-bv","supplier-hesalis","supplier-university-of-groningen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=56882"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56882\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=56882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=56882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=56882"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=56882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}