{"id":56620,"date":"2018-09-19T06:41:17","date_gmt":"2018-09-19T04:41:17","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=56620"},"modified":"2018-09-16T12:35:04","modified_gmt":"2018-09-16T10:35:04","slug":"baeume-im-klimawandel-schneller-gross-mit-leichterem-holz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/baeume-im-klimawandel-schneller-gross-mit-leichterem-holz\/","title":{"rendered":"B\u00e4ume im Klimawandel: Schneller gro\u00df mit leichterem Holz"},"content":{"rendered":"<p><strong>B\u00e4ume im Klimawandel wachsen schneller. Das klingt wie eine gute Nachricht. Denn es bedeutet, dass B\u00e4ume mehr Kohlendioxid aus der Atmosph\u00e4re im Holz speichern und damit der Erderw\u00e4rmung den Treibstoff entziehen. Doch ist die Rechnung so einfach? Ein Team der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen (TUM) hat Holzproben der \u00e4ltesten existierenden Versuchsfl\u00e4chen aus 150 Jahren daraufhin analysiert \u2013 und kommt zu einem \u00fcberraschenden Ergebnis.<\/strong><\/p>\n<p>Das Team um Hans Pretzsch, Professor f\u00fcr Waldwachstumskunde an der TUM, hat Holzproben von mehreren hundert B\u00e4umen untersucht und jeden einzelnen Jahresring mit einem Hightech-Verfahren analysiert \u2013 es sind mehr als 30.000. \u201eDas Herz der LIGNOSTATION ist eine Hochfrequenzsonde, mit der jede Probe in Hundertstelmillimeterschritten abgetastet wird\u201c, erkl\u00e4rt Pretzsch das Analyseverfahren. \u201eDamit messen wir das spezifische Gewicht des Holzes in einer Genauigkeit und Aufl\u00f6sung, die bis vor Kurzem nicht denkbar war.\u201c<\/p>\n<p>Die Holzproben stammen von den \u00e4ltesten Waldversuchsfl\u00e4chen in Europa, die zeitgleich mit der Gr\u00fcndung der TU M\u00fcnchen vor 150 Jahren angelegt wurden. Die Proben wurden von g\u00e4ngigen europ\u00e4ischen Baumarten genommen, wie etwa von Fichten, Kiefern, Buchen und Eichen. \u201eWir kennen die Geschichte jeder einzelnen Fl\u00e4che, jedes einzelnen Baumes, sehr genau\u201c, sagt Pretzsch. \u201eDamit k\u00f6nnen wir ausschlie\u00dfen, dass unsere Ergebnisse daher kommen, dass der Wald heute anders bewirtschaftet wird als vor hundert Jahren.\u201c<\/p>\n<h3>Der Klimawandel macht das Holz leichter<\/h3>\n<p>Mit der Kombination von Holzproben seit den 1870er-Jahren bis heute gekoppelt mit modernster Messtechnik konnte das Team am Wissenschaftszentrum Weihenstephan zeigen, dass das j\u00e4hrlich wachsende Holz seit Beginn der Beobachtungen allm\u00e4hlich leichter geworden ist: Seit 1900 um acht bis zw\u00f6lf Prozent. Im gleichen Zeitraum hat sich das Volumenwachstum der B\u00e4ume in Mitteleuropa um 29 bis hundert Prozent beschleunigt.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Auch wenn heute mehr Holzvolumen produziert wird, ist es inzwischen mit weniger Substanz gef\u00fcllt als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Erkl\u00e4rung, die sich vordergr\u00fcndig aufdr\u00e4ngt, trifft allerdings nicht zu. \u201eVielleicht mutma\u00dfen nun manche, dass das schnellere Wachstum an sich schon die Ursache f\u00fcr unsere Beobachtungen sein k\u00f6nnte\u201c, sagt Dr. Peter Biber, Mitautor der Studie \u2013 \u201ebei manchen Baumarten ist es in der Tat so, dass breitere Jahresringe tendenziell auch leichteres Holz haben. Diesen Effekt haben wir aber ber\u00fccksichtigt. Die Abnahme der Holzdichte, von der wir jedoch sprechen, hat andere Ursachen.\u201c<\/p>\n<p>Die Ursachen sehen Pretzsch und sein Team vielmehr im langfristigen Temperaturanstieg, hervorgerufen durch den Klimawandel und der damit zusammenh\u00e4ngenden Verl\u00e4ngerung der Vegetationszeit. Aber auch in den Stickstoffeintr\u00e4gen aus Landwirtschaft, Verkehr und Industrie. Darauf deuten f\u00fcr Fachleute etliche Details hin, wie etwa ein R\u00fcckgang der Sp\u00e4tholzdichte und eine Zunahme des Fr\u00fchholzanteils in den Jahresringen.<\/p>\n<h3>Leichteres Holz \u2013 wo ist das Problem?<\/h3>\n<p>Leichteres Holz ist weniger stabil und sein Brennwert ist geringer. Dies ist f\u00fcr zahlreiche Verwendungen entscheidend, vom Holzbau bis zur energetischen Nutzung. Weniger stabiles Holz in lebenden B\u00e4umen steigert zugleich das Risiko von Schadereignissen wie Wind- und Schneebruch in W\u00e4ldern.<\/p>\n<p>Das f\u00fcr Praxis und Politik wohl wichtigste Ergebnis der Studie ist jedoch, dass die aktuelle klimawirksame Kohlenstoffbindung der W\u00e4lder \u00fcbersch\u00e4tzt wird, solange sie mit den g\u00e4ngigen veralteten Holzdichten berechnet wird. \u201eImmer noch f\u00fchrt das beschleunigte Wachstum auch zu einem Mehr an Kohlenstoffbindung\u201c, sagt Pretzsch. \u201eAuf die W\u00e4lder von Mitteleuropa hochgerechnet liegt aber die traditionelle Sch\u00e4tzung um zehn Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr zu hoch.\u201c<\/p>\n<h3>Mehr Informationen:<\/h3>\n<p>Die Forschergruppe am Lehrstuhl f\u00fcr Waldwachstumskunde des Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TUM unter Leitung von Hans Pretzsch untersucht den Effekt des Klimawandels auf das Wachstum, die Stabilit\u00e4t und Vitalit\u00e4t von B\u00e4umen. Eine wichtige Basis daf\u00fcr bilden die Versuchsfl\u00e4chen des Lehrstuhls, auf denen die Dynamik von W\u00e4ldern f\u00fcr \u00f6kologische und \u00f6konomische Fragen seit 1870 gemessen wird. Hier tragen sie dazu bei, den Fu\u00dfabdruck des Menschen in Wald\u00f6kosystemen aufzudecken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00e4ume im Klimawandel wachsen schneller. Das klingt wie eine gute Nachricht. Denn es bedeutet, dass B\u00e4ume mehr Kohlendioxid aus der Atmosph\u00e4re im Holz speichern und damit der Erderw\u00e4rmung den Treibstoff entziehen. Doch ist die Rechnung so einfach? 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