{"id":5652,"date":"2002-09-19T00:00:00","date_gmt":"2002-09-18T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20020919-02n"},"modified":"2002-09-19T00:00:00","modified_gmt":"2002-09-18T22:00:00","slug":"stellungnahme-der-mitgliederversammlung-der-ufop-vom-17-september-2002-in-braunschweig-zur-agrar-und-handelspolitischen-situation-der-europaeischen-oel-und-eiweisspflanzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/stellungnahme-der-mitgliederversammlung-der-ufop-vom-17-september-2002-in-braunschweig-zur-agrar-und-handelspolitischen-situation-der-europaeischen-oel-und-eiweisspflanzen\/","title":{"rendered":"Stellungnahme der Mitgliederversammlung der UFOP vom 17. September 2002 in Braunschweig zur agrar- und handelspolitischen Situation der europ\u00e4ischen \u00d6l- und Eiwei\u00dfpflanzen"},"content":{"rendered":"<p>Die Mitgliederversammlung der <a href=\"http:\/\/www.ufop.de\/\" >UFOP<\/a> hat am 17. September 2002 in Braunschweig die Halbzeitbilanz der Agenda 2000, die US-Farmbill und die WTO-Verhandlungen unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der \u00d6l- und Eiwei\u00dfpflanzen behandelt. Nach eingehender Beratung gibt sie hierzu folgende Stellungnahme ab:  <\/p>\n<p><b>Das Blair-House-Abkommen abschaffen<\/b><br \/>1. In den laufenden WTO-Verhandlungen muss das Blair-House-Abkommen f\u00fcr \u00d6lsaaten abgeschafft werden. Dieses Abkommen von 1992 hat die mit St\u00fctzung versehene EU-\u00d6lsaatenproduktion auf 4,93 Millionen Hektar und die Erzeugung von Non-Food-\u00d6lsaaten der Stilllegungsfl\u00e4chen auf ein Fl\u00e4chen\u00e4quivalent von 1 Million Tonnen Sojaschrot begrenzt. Hierdurch wurde der europ\u00e4ische \u00d6lsaatenanbau entscheidend geschw\u00e4cht. Die USA gewinnen Marktanteile, gleichzeitig gehen Einkommenspotenziale f\u00fcr die europ\u00e4ische Landwirtschaft verloren. Die Rechtsgrundlagen f\u00fcr diese Ma\u00dfnahmen sind entfallen. Auch sachlich sind sie nicht zu rechtfertigen, da sie einer Liberalisierung des Welthandels v\u00f6llig entgegenstehen. <\/p>\n<p><b>EU braucht Bedingungen f\u00fcr \u00d6lsaaten wie ihre globalen Wettbewerber<\/b> <br \/>2. In der Halbzeitbilanz der Agenda 2000 m\u00fcssen den europ\u00e4ischen Erzeugern von \u00d6l- und Eiwei\u00dfpflanzen f\u00fcr diese Kulturen gleichwertige Sicherheiten wie in den USA zugestanden werden. Die Agenda 2000 hat in der EU zu einem R\u00fcckgang des \u00d6lsaatenanbaus von 5,82 Millionen Hektar im Jahr 1999 auf 5,07 Millionen Hektar im Jahr 2002 gef\u00fchrt. Ein noch st\u00e4rkerer R\u00fcckgang konnte durch die Nachfrage der Biodieselindustrie verhindert werden. Das derzeit erfreulich stabile Preisniveau an den M\u00e4rkten f\u00fcr \u00d6lsaaten und Pflanzen\u00f6le darf jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass ab dem Jahr 2004 aus nachstehenden Gr\u00fcnden gro\u00dfe Gefahren f\u00fcr eine weltweite \u00dcberproduktion an \u00d6lsaaten und Pflanzen\u00f6len mit Preisr\u00fcckg\u00e4ngen und mangelnder einzelbetrieblicher Wettbewerbsf\u00e4higkeit entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die ca. 30 Millionen Hektar Sojabohnenfl\u00e4che der USA mit einem durchschnittlichen Produktionspotenzial von ca. 80 Millionen Tonnen Sojaproduktion bestimmen mit der Leitb\u00f6rse Chicago die weltweite Markt- und Preisentwicklung bei \u00d6l- und Eiwei\u00dfpflanzen. Die neue US-Farmbill sichert diese Produktion mit einem Zielpreis von 213 US $  je Tonne ab. Mittelfristig wird dies zu einer weiteren Anbauausdehnung und entsprechendem Markt- und Preisdruck f\u00fchren. Besonders wenn die Weltmarktpreise unter dieses Niveau absinken, wird dieses Sicherheitsnetz eine wirksame Anbaust\u00fctze sein. In den USA erfolgt der Sojabohnenanbau zu \u00fcber 70 Prozent mit gentechnisch ver\u00e4ndertem Saatgut und geringeren Produktionskosten. <\/p>\n<p>In S\u00fcdamerika vollzieht sich zurzeit eine starke Ausweitung des Sojabohnenanbaus, weil das Produktionskostenniveau konjunktur- und w\u00e4hrungsbedingt erheblich niedriger liegt als in den USA und Europa. Beg\u00fcnstigt wird diese Produktion durch den verbreiteten Einsatz von gentechnisch modifiziertem Saatgut. Die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit dieses Angebotes ist attraktiv. Hierdurch entstehen zus\u00e4tzliche Produktionsanreize in diesen L\u00e4ndern. <\/p>\n<p>Analysten rechnen damit, dass ab 2004 neu gepflanzte Palm\u00f6lplantagen in Ertrag kommen und damit das Angebot an Palm\u00f6l kr\u00e4ftig zunimmt. <\/p>\n<p><b>Halbzeitvorschl\u00e4ge der EU verhindern den Energiepflanzenanbau anstatt ihn zu f\u00f6rdern<\/b> <br \/>3. Die Halbzeitbilanzvorschl\u00e4ge der EU zur Fl\u00e4chenstilllegung sind kontraproduktiv und werden deshalb abgelehnt. Diese Vorschl\u00e4ge w\u00fcrden die nachwachsenden Rohstoffe und damit die \u00d6lsaaten besonders hart treffen. Eine 10%-ige Dauerbrache f\u00fcr mindestens 10 Jahre bei Verbot des Anbaus von nachwachsenden Rohstoffen schneidet die \u00d6lsaaten von den sich gerade entwickelnden M\u00e4rkten f\u00fcr biogene Treibstoffe ab und f\u00fchrt zu wachsendem Einsatz importierter Rohstoffe. Gegen diese Vorschl\u00e4ge sind folgende Gr\u00fcnde anzuf\u00fchren:<\/p>\n<ul>\n<li>Die vorgeschlagenen 45 Euro je Hektar &#8220;CO<sub>2<\/sub>-Kredit&#8221; f\u00fcr Energiepflanzen bei einer garantierten H\u00f6chstfl\u00e4che von 1,5 Millionen Hektar in der EU wirken eher demotivierend, da hiermit wiederum ein hoher b\u00fcrokratischer Aufwand verbunden ist. Die Folge dieser Vorschl\u00e4ge w\u00e4re, dass nachwachsende Rohstoffe f\u00fcr energetische und technische Zwecke mit herk\u00f6mmlichen Fl\u00e4chen im Ackerbau konkurrieren m\u00fcssten. Damit w\u00e4re eine Verteuerung der Rohstoffe verbunden.\n<\/li>\n<li>Der Vorschlag l\u00e4uft den umweltpolitisch motivierten Vorschl\u00e4gen der EU zur F\u00f6rderung von Biokraftstoffen entgegen, weil dieses Rohstoffpotenzial &#8220;stillgelegt&#8221; werden w\u00fcrde. Dauerbrache-Fl\u00e4chen binden deutlich weniger CO<sub>2<\/sub> als Produktionsfl\u00e4chen von nachwachsenden Rohstoffen. In Bezug auf die Klimaschutzverpflichtungen ist deshalb dieser Vorschlag kontraproduktiv.\n<\/li>\n<li>Den EU-Beitrittskandidaten w\u00fcrde von Beginn an eine wichtige Produktionsalternative genommen. Dies w\u00fcrde die strukturelle Entwicklung im l\u00e4ndlichen Raum f\u00fcr die Schaffung neuer Produktions- und Einkommensalternativen stark beeintr\u00e4chtigen.\n<\/li>\n<li>Die obligatorisch rotierende Fl\u00e4chenstilllegung nach jetziger Regelung l\u00e4sst es zu, dass diese Fl\u00e4chen jederzeit bei Bedarf wieder in die Nahrungsmittelproduktion zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnten. Damit ist die bisherige Regelung ein flexibles Instrument, um entsprechend der Marktsituation reagieren zu k\u00f6nnen.\n<\/li>\n<li>Die wichtigsten nachwachsenden Rohstoffe sind Raps und Sonnenblumen. Die Verarbeitung dieser \u00d6lpflanzen tr\u00e4gt erheblich dazu bei, dass die Eiwei\u00dfversorgungslage innerhalb der Europ\u00e4ischen Union verbessert wird. Die Stilllegung dieser Fl\u00e4chen w\u00fcrde zu noch st\u00e4rkerer Abh\u00e4ngigkeit von Sojaimporten f\u00fchren.\n<\/li>\n<li>Der Aktionsplan der EU-Kommission zur F\u00f6rderung von Biokraftstoffen k\u00f6nnte wegen Rohstoffmangel nicht erf\u00fcllt werden. V\u00f6llig unn\u00f6tig w\u00fcrde ein Importzwang f\u00fcr die Rohstoffbeschaffung ausgel\u00f6st.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Mineral\u00f6lsteuerfreiheit f\u00fcr biogene Treibstoffe wird begr\u00fc\u00dft<\/b> <br \/>4. Die von der Bundesregierung beschlossene Mineral\u00f6lsteuerfreiheit f\u00fcr biogene Treibstoffe bis 2008 muss unverz\u00fcglich im EU-Ministerrat durchgesetzt werden. Auf nationaler Ebene ist eine praxisgerechte Durchf\u00fchrungsregelung f\u00fcr den Einsatz von Biodiesel in reiner Form, aber auch in Mischungen umzusetzen. Voraussetzung f\u00fcr die Herstellung von Mischkraftstoffen ist die Einhaltung der Qualit\u00e4tsnorm des jeweiligen Reinkraftstoffes <\/p>\n<p><b>Gr\u00fcne Gentechnik f\u00fcr \u00d6l- und Eiwei\u00dfpflanzen f\u00fcr Landwirtschaft und Verbraucher nutzbar machen<\/b> <br \/>5. Die f\u00fcr die Gr\u00fcne Gentechnik bestehenden restriktiven Rahmenbedingungen sind durch praxisgerechte Schwellenwerte und Kennzeichnungsregelungen zu beenden. Die Verbraucherakzeptanz ist durch intensivere Informationsma\u00dfnahmen zu f\u00f6rdern. Der Zugang der landwirtschaftlichen Erzeugung zu gentechnisch ver\u00e4nderten Sorten ist zu beschleunigen, damit Markt- und Kosteneinsparungs-Potenziale genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Mitgliederversammlung der UFOP hat am 17. 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