{"id":5630,"date":"2002-10-04T00:00:00","date_gmt":"2002-10-03T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20021004-01n"},"modified":"2002-10-04T00:00:00","modified_gmt":"2002-10-03T22:00:00","slug":"nova-position-nachwachsende-rohstoffe-fuer-eine-nachhaltige-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-position-nachwachsende-rohstoffe-fuer-eine-nachhaltige-wirtschaft\/","title":{"rendered":"nova-Position: Nachwachsende Rohstoffe f\u00fcr eine nachhaltige Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Nachwachsende Rohstoffe werden in Zukunft eine wachsende Bedeutung f\u00fcr die Energie- und Rohstoffversorgung der Menschheit bekommen. Oder besser gesagt, sie werden mehr und mehr ihre alte Bedeutung zur\u00fcck gewinnen. Vor dem Zeitalter des schwarzen und des fl\u00fcssigen Goldes, vor der Kohle- und Erd\u00f6l\u00e4ra, deckten regenerative Energiequellen und nachwachsende Rohstoffe mehr als 95% des Energie- und Rohstoffhungers der, ohne Frage damals sehr viel kleineren, menschlichen Bev\u00f6lkerung dieses Planeten.<\/p>\n<p><b>Energiepflanzen und Biomasse: Energetische Nutzung nachwachsender Rohstoffe<\/b><br \/>Unserer Einsch\u00e4tzung nach werden Biomasseverbrennung und biogene Treibstoffe im Energiebereich in den n\u00e4chsten 10 Jahren stark an Bedeutung gewinnen, vor allem aufgrund entsprechender wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen (z.B. Steuerbefreiung bzw. reduzierter Steuers\u00e4tze) und der relativ einfachen technischen Umsetzung. Vor allem sind die \u201eEndprodukte\u201c Strom, Treibstoffe und W\u00e4rme mit geringem Aufwand in bestehende Systeme zu integrieren, und um Nachfrage und Absatz braucht man sich nicht zu sorgen, so lange der Preis stimmt.<\/p>\n<p>Ob dabei immer Wege beschritten werden, die im Einklang mit einer nachhaltigen Wirtschaft stehen, die \u00f6kologisch vorteilhaft und \u00f6konomisch sinnvoll sind, ist eine andere Frage, auf die wir sp\u00e4ter noch einmal zur\u00fcck kommen werden.<br \/>Den biogenen Energiemarkt sehen wir allerdings eher als einen \u00dcbergangsmarkt. L\u00e4ngerfristig wird aus unserer Sicht die technische Nutzung nat\u00fcrlicher Energiequellen &#8211; wie vor allem Sonnen- und Windenergie \u2013 die Biomassenutzung mehr und mehr auf die Nutzung von agraren Reststoffen zur\u00fcck dr\u00e4ngen. Warum?<\/p>\n<p>Regenerative Energietechnologien, wie Sonnen- und Windkraftnutzung werden schon bald technisch, \u00f6kologisch und \u00f6konomisch \u00fcberlegen sein. Dies wird schon deutlich, wenn man die Energieausbeute pro Hektar betrachtet. W\u00e4hrend z.B. Solarzellen ca. 10% der einfallenden Sonnenenergie und Windkraftanlagen ca. 40% der mechanischen Windenergie zur Stromerzeugung nutzen, ist der Wirkungsgrad der Photosynthese, mit deren Hilfe die Pflanzen das Sonnenlicht nutzen, nur ca. 1%. Hinzu kommen nicht unbetr\u00e4chtliche Energiemengen f\u00fcr die Produktion von D\u00fcngern und evtl.Pflanzenschutzmitteln, bei der Landbestellung und Ernte sowie der weiteren Prozesskette, so dass der Gesamtwirkungsgrad der Photosynthese unter 1% liegt.<\/p>\n<p>Diese sehr verschiedene Energieeffizienz pro Fl\u00e4che wird immer ausschlaggebender werden, wenn es um die Nutzung von Agrarfl\u00e4chen geht, denn im Energiesektor kann es nie genug Energie geben. Da bleibt es nicht unerheblich, ob die eine oder andere Nutzung den zehn- oder zwanzigfachen Fl\u00e4chenbedarf bei gleicher Energiebereitstellung hat! (Au\u00dferdem bleibt anzumerken, dass die unter den regenerativen Anlagen liegenden Agrarfl\u00e4chen meist zus\u00e4tzlich landwirtschaftlich nutzbar sind).<\/p>\n<p>In eine vergleichende \u00d6kobilanz w\u00fcrde die Energieeffizienz ebenso eingehen wie die zahlreichen Emissionspfade, die bei der energetischen Biomassenutzung auftreten. Und schlie\u00dflich scheint auch die \u00d6konomie f\u00fcr den Weg der regenerativen Energien zu sprechen, sofern in beiden Wertsch\u00f6pfungsketten die direkten und indirekten Subventionen auf das gleiche Niveau kommen.<\/p>\n<p><b>Industriepflanzen &#8211; stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe<\/b><br \/>Aber Industrie und Verbraucher ben\u00f6tigen nicht nur Energie, sondern auch Rohstoffe. Diese Rohstoffe k\u00f6nnen in vielf\u00e4ltiger Weise aus nachwachsenden Ressourcen gewonnen werden. Man spricht hier von der stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe oder auch von &#8220;Industriepflanzen&#8221; im Gegensatz zu &#8220;Energiepflanzen&#8221;.<\/p>\n<p>In diesem Bereich wurden zahllose Produktlinien erforscht und entwickelt, aber nur wenige haben bisher ihren Weg an den Markt gefunden. So vielf\u00e4ltig und faszinierend die Eigenschaftsprofile und Anwendungsm\u00f6glichkeiten sind, so schwer ist es auf der anderen Seite, die neuen Rohstoffe und Zwischenprodukte in bestehende Prozessketten zu integrieren. Was im Energiebereich leicht ist, ist hier schwer. Die biogenen Rohstoffe und Zwischenprodukte haben in vielen F\u00e4llen andere Eigenschaftsprofile als die vorherrschenden Erd\u00f6l-basierten Rohstoffe, auf die fast die gesamte Industrieproduktion der letzten Jahrzehnte zugeschnitten und optimiert ist. Jede \u00c4nderung ist aufw\u00e4ndig und \u2013 zumindest zun\u00e4chst &#8211; kostspielig.<\/p>\n<p>Bei der stofflichen Nutzung bedarf es viel Geschick und Gesp\u00fcr, geeignete Produktlinien zu finden, in welche die biogenen Rohstoffe entweder mit relativ geringem Aufwand integriert werden k\u00f6nnen oder aber ihre Eigenschaften solche Vorteile mitbringen, dass sich eine Ver\u00e4nderung der Prozessketten lohnt. <\/p>\n<p>Mittel- und langfristig sehen die Chancen f\u00fcr den stofflichen Bereich aber recht viel versprechend aus. Das Know-how in Bezug auf Eigenschaften, Einsatzgebiete, Modifizierungen, Prozessketten und \u00d6konomie w\u00e4chst in gro\u00dfen Schritten, in der Umsetzung haben einige Produktlinien bereits Skaleneffekte zu verzeichnen: Infolge der stetig wachsenden Produktion sinken parallel die Produktionskosten.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich nicht zu vergessen: Sonnen- und Windenergie sowie weitere technische Nutzungen nat\u00fcrlicher Energiequellen werden langfristig gro\u00dfe Bedeutung erlangen. Aber sie werden keine Rohstoffe bereitstellen, sondern nur die Energie zu ihrer Umwandlung liefern. Sonnen- und Windenergie und die Nutzung von Industriepflanzen erg\u00e4nzen sich ideal, die eine Technik liefert die saubere Energie, die andere die biogenen Rohstoffe aus denen dann Kaskaden von (bio)chemischen Substanzen &#8211; von chemischen Grundstoffen bis hin zu komplexen organischen Verbindungen &#8211; entspringen.<\/p>\n<p><b>Beispiele erfolgreicher Produktlinien<\/b><br \/>Einige Beispiele sollen erfolgreiche stoffliche Nutzungen aufzeigen. Bio-Schmiermittel haben sich bereits einen sicheren Bereich unter den Schmiermittelanwendungen erobert. Ihre biologische Abbaubarkeit bringt z.B. bei Kettens\u00e4gen im Wald Vorteile in Bezug auf Umweltbelastung und Handhabung, und damit letztendlich in der \u00d6konomie. St\u00e4rke-basierte Bio-Kunststoffe haben in den letzten drei Jahren ihre weltweite Produktionskapazit\u00e4t um mehr als den Faktor 10 auf inzwischen 250.000 t\/Jahr vergr\u00f6\u00dfert. Anwendungen findet man z.B. im Agrar- und Gartenbereich, bei Verpackungen und Einweg-Geschirr. <\/p>\n<p>Auch Naturfasern haben ihre M\u00e4rkte gefunden. Kaum ein Automobil aus deutscher Produktion kommt heute auf den Markt, ohne dass es Naturfaser-verst\u00e4rkte Verbundwerkstoffe als T\u00fcrinnen- und S\u00e4ulenverkleidung, Hutablage, Kofferraumauskleidung oder Reserveradmulde in sich tr\u00e4gt. Auf der Schwelle der Serienfertigung steht inzwischen auch der Naturfaser-verst\u00e4rkte PP-Spritzguss, in dem die Naturfasern die Glasfasern ersetzen. Solche Spritzgussteile kommen fast \u00fcberall zum Einsatz, so z.B. als Geh\u00e4use von Bildschirmen und Fernsehern oder auch von Handys.<\/p>\n<p>Hoch im Kurs stehen in der Entwicklung derzeit sog. \u201eGr\u00fcne Raffinerien\u201c, in denen mit unterschiedlichen Verfahren aus fast beliebiger Biomasse einfache (Grund-)Chemikalien f\u00fcr die stoffliche und energetische Nutzung gewonnen werden.<\/p>\n<p><b>\u00d6kologische Bewertung<\/b><br \/>Aber auch bei den nachwachsenden Rohstoffen gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen. Das bedeutet f\u00fcr uns vor allem: Welche Produktlinien \u2013 ob energetisch oder stofflich \u2013 wirklich \u00f6kologische Vorteile gegen\u00fcber bestehenden L\u00f6sungen bringen (dabei geht es um mehr als die CO2-Bilanz und auch die ist in der Regel weit weniger geschlossen, als meistens behauptet wird)? Auch \u2013 oder gerade wenn \u2013 etwas vom Acker kommt, ist seine \u00f6kologische Bewertung keineswegs automatisch positiv. Im Lobby- und Interessengeflecht werden hier viele Dinge so lange sch\u00f6n geredet, bis es fast jeder glaubt. In vielen F\u00e4llen fehlen belastbare \u00d6ko-Bilanzen. Und wenn es sie gibt, werden sie gerne von den Interessengruppen ignoriert.<\/p>\n<p>Andere Produktlinien wurden dagegen in verschiedenen \u00d6ko-Bilanzen als \u00f6kologisch vorteilhaft bewertet. Dies sollte mehr wahr genommen werden und auch in F\u00f6rderentscheidungen verst\u00e4rkt einflie\u00dfen. Denn immerhin sollen die nachwachsenden Rohstoffe zu einer \u201ebesseren Welt\u201c f\u00fchren, dabei helfen, die Umweltbelastung sowie den Ressourcenverbrauch zu reduzieren und eben ein Baustein f\u00fcr nachhaltiges Wirtschaften sein!<\/p>\n<p><b>Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/b><br \/>\u00c4hnlich verschwommen sieht es oft mit der \u00d6konomie aus. Im F\u00f6rderdschungel vom Anbau bis zur Weiterverarbeitung, auf EU-, nationaler und L\u00e4nderebene wei\u00df am Ende niemand mehr so recht, wie viele Subventionen in das eine oder andere Produkt aus nachwachsenden Rohstoffen geflossen ist. \u00d6konomie ist aber immer auch ein Zeichen f\u00fcr Effizienz. Es sollte daher mehr Transparenz dar\u00fcber entstehen, welche Gesamtsubventionen in welcher Produktlinie vom Anbau bis zum Endprodukt stecken. Bei Produktlinien, die auch dauerhaft nur mit hohen Subventionen am Markt zu halten sind, sollte eine weitere F\u00f6rderung in Frage gestellt werden.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit kam es dagegen immer wieder zu erstaunlich ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen, die wenig subventionierte Produktlinien ins Aus laufen lie\u00dfen, w\u00e4hrend hoch subventionierte noch mehr gest\u00fctzt wurden. Durch solche Eingriffe werden die marktwirtschaftlichen Kr\u00e4fte auf den Kopf gestellt und eine positive Entwicklung der Branche eher verhindert als gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Dieser Text wurde f\u00fcr das \u00f6sterreichische Nachhaltigkeits-Forum <a href=\"http:\/\/www.nachhaltigkeit.at\/reportagen.php3#g_karus\" >www.nachhaltigkeit.at<\/a> verfasst und ist dort in identischer Form ver\u00f6ffentlicht worden. (Anm. d. Redaktion: Achtung &#8211; f\u00fcr nicht-DSL-Inhaber ist Geduld beim Seitenaufbau vonn\u00f6ten!)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachwachsende Rohstoffe werden in Zukunft eine wachsende Bedeutung f&uuml;r die Energie- und Rohstoffversorgung der Menschheit bekommen. 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