{"id":56227,"date":"2018-09-07T07:29:58","date_gmt":"2018-09-07T05:29:58","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=56227"},"modified":"2018-09-04T14:48:24","modified_gmt":"2018-09-04T12:48:24","slug":"kompostierbare-polymerfolien-der-beginn-einer-verpackungsrevolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kompostierbare-polymerfolien-der-beginn-einer-verpackungsrevolution\/","title":{"rendered":"Kompostierbare Polymerfolien &#8211; Der Beginn einer Verpackungsrevolution"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wir Menschen haben bereits mehr als 8 Milliarden Tonnen Plastik produziert. J\u00e4hrlich kommen etwa 80 Mio Tonnen Verpackungen aus Plastik dazu, nur die H\u00e4lfte davon wird wiederverwertet, der Rest landet in der M\u00fcllverbrennung oder verschmutzt W\u00e4lder und Wiesen, Seen und Meere. Mit einer neuen Materialklasse, den bioORMOCER<sup>\u00ae<\/sup>en, ist Dr. Sabine Amberg-Schwab vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Silicatforschung ISC in W\u00fcrzburg einer L\u00f6sung auf der Spur.<\/strong><\/p>\n<h3>Gratulation, Frau Dr. Amberg-Schwab. Sie haben einen bioabbaubaren und kompostierbaren Barrierelack entwickelt und daf\u00fcr den \u00bb<a href=\"https:\/\/newplasticseconomy.org\/innovation-prize\/winners\/fraunhofer-institute-for-silicate-research\" target=\"_blank\">New Plastics Innovation Prize<\/a>\u00ab bekommen. Ist das der Beginn einer Verpackungsrevolution?<\/h3>\n<figure id=\"attachment_56229\" aria-describedby=\"caption-attachment-56229\" style=\"width: 154px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  wp-image-56229\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1534855125083_fk09-2018-ISC-DerBeginneinerVerpackungsrevolutionBild1-300x300.jpg\" alt=\"1534855125083_fk09-2018-ISC-DerBeginneinerVerpackungsrevolutionBild1\" width=\"154\" height=\"154\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/09\/1534855125083_fk09-2018-ISC-DerBeginneinerVerpackungsrevolutionBild1-300x300.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/09\/1534855125083_fk09-2018-ISC-DerBeginneinerVerpackungsrevolutionBild1-150x150.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/09\/1534855125083_fk09-2018-ISC-DerBeginneinerVerpackungsrevolutionBild1-600x600.jpg 600w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/09\/1534855125083_fk09-2018-ISC-DerBeginneinerVerpackungsrevolutionBild1.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 154px) 100vw, 154px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-56229\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Sabine Amberg-Schwab ist promovierte Chemikerin und Leiterin der Abteilung Barriere- und Multifunktionsschichten. \u00a9 Fraunhofer ISC<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das weltweite Problem des Verpackungsm\u00fclls besch\u00e4ftigt uns hier am ISC schon lange. Wir sind stolz, mit unserer Forschung einen wertvollen Beitrag zu leisten, um den Plastikm\u00fcllberg zu verringern. Aber von einer Verpackungsrevolution w\u00fcrde ich nicht sprechen. Mit unserer jahrzehntelangen Erfahrung bei der Entwicklung von Barriere-schichten auf Verpackungsfolien auf der Basis von ORMOCER<sup>\u00ae<\/sup>en war es ein naheliegender Schritt, Beschichtungen f\u00fcr Folien zu erforschen, die biobasiert und biologisch abbaubar sind.<\/p>\n<h3>Mit Ihrer neu entwickelten Materialklasse, den bioORMOCER<sup>\u00ae<\/sup>en, beheben Sie die Schw\u00e4chen der Biokunststoffe und r\u00fcsten diese praktisch auf. K\u00f6nnen Sie das erkl\u00e4ren?<\/h3>\n<p>Auf dem Markt gibt es schon seit einiger Zeit bioabbaubare und kompostierbare Verpackungsmaterialien aus Zellulose sowie aus Polymilchs\u00e4ure oder St\u00e4rke-Blends. Allerdings k\u00f6nnen diese Biopolymere nur bedingt eingesetzt werden, weil sie den verpackten Lebensmitteln keinen ausreichenden Schutz gegen\u00fcber Wasserdampf und Sauerstoff gew\u00e4hren k\u00f6nnen. Das hei\u00dft, diese Materialien sind zu durchl\u00e4ssig f\u00fcr Wasserdampf, Sauerstoff, Kohlendioxid und Aromastoffe. Daher kann auch die erforderliche Mindesthaltbarkeit f\u00fcr diese Lebensmittel mit diesen Biopolymeren nicht garantiert werden. Wir haben deshalb diese Biokunststoffe mit speziellen biobasierten und bioabbaubaren Lacken aufger\u00fcstet und in ihren Eigenschaften verbessert. So kann nun ausreichender Schutz gegen\u00fcber Wasserdampf, Gaszutritt und unerw\u00fcnschtem \u00dcbergang von Fremdstoffen auf den Verpackungsinhalt erreicht werden. Wir wollen kompostierbare Polymerfolien konkurrenzf\u00e4hig machen und ihnen zu einer breiten Marktdurchdringung verhelfen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_56230\" aria-describedby=\"caption-attachment-56230\" style=\"width: 206px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.fraunhofer.de\/de\/presse\/presseinformationen\/2018\/September\/Der-Beginn-einer-Verpackungsrevolution\/_jcr_content\/contentPar\/sectioncomponent\/sectionParsys\/textwithinlinedimage\/imageComponent1\/image.img.large.jpg\/1534855125083_fk09-2018-ISC-DerBeginneinerVerpackungsrevolutionBild2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-56230 \" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1534855125083_fk09-2018-ISC-DerBeginneinerVerpackungsrevolutionBild2-200x300.jpg\" alt=\"1534855125083_fk09-2018-ISC-DerBeginneinerVerpackungsrevolutionBild2\" width=\"206\" height=\"310\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/09\/1534855125083_fk09-2018-ISC-DerBeginneinerVerpackungsrevolutionBild2-200x300.jpg 200w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/09\/1534855125083_fk09-2018-ISC-DerBeginneinerVerpackungsrevolutionBild2.jpg 574w\" sizes=\"auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-56230\" class=\"wp-caption-text\">bioORMOCER<sup>\u00ae<\/sup>e Folien sind bioabbaubar und kompostierbar. \u00a9 Fraunhofer ISC<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Sind Sie mit Ihrem neuen Produkt schon am Markt?<\/h3>\n<p>Wir haben die ersten kompostierbaren Beschichtungen entwickelt und Folien damit ausger\u00fcstet. Diese Folien erf\u00fcllen alle gew\u00fcnschten Eigenschaften wie etwa eine Wasserdampf- und Sauerstoffbarriere. Nach ihrem Einsatz zersetzt sich die beschichtete Folie vollst\u00e4ndig unter den Bedingungen eines Komposts.<\/p>\n<h3>Wie lange wird es dauern, bis wir K\u00e4se, Chips oder andere Lebensmittel in kompostierbaren Verpackungen kaufen k\u00f6nnen, die mit bioORMOCER<sup>\u00ae<\/sup>en beschichtet sind?<\/h3>\n<p>Zun\u00e4chst stehen wir im Bereich Verpackungen vor einer gro\u00dfen Herausforderung. Konventionelle Kunststoffverpackungen auf fossiler Ausgangsbasis sind extrem g\u00fcnstig, weit entwickelt und optimiert. Unsere neuen Materialien k\u00f6nnen preislich noch nicht mithalten. Trotzdem bin ich optimistisch: Wir haben das Grundmaterialsystem entwickelt, jetzt suchen wir Firmen, die die Idee mit uns weitertreiben. Die Chancen stehen jedenfalls ganz gut: Im Rahmen der \u00bbCircular Materials Challenge\u00ab, bei der wir den \u00bbNew Plastic Innovation Prize\u00ab gewonnen haben, nehmen wir an einem zw\u00f6lfmonatigen \u00bbAccelerator-Programm\u00ab teil. Das bringt uns in Kontakt mit Firmen, die ebenfalls an der Entwicklung nachhaltiger Verpackungsmaterialien interessiert sind. Unsere ersten neuen kompostierbaren Beschichtungsmaterialien stehen f\u00fcr Versuche und weitere Optimierungen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<h3>Was bedeutet Ihre Erfindung f\u00fcr die Natur und die Umwelt langfristig?<\/h3>\n<p>Unser Ansatz hilft der Umwelt zweifach: Wir greifen auf biobasierte Ausgangsverbindungen zur\u00fcck. F\u00fcr unsere Beschichtungen k\u00f6nnen wir Lebensmittelabf\u00e4lle oder Nebenprodukte der Lebensmittelherstellung nutzen. Das schont die weltweiten Ressourcen. Dazu kommt, dass die bioORMOCER\u00aee bioabbaubar und kompostierbar sind, im Gegensatz zu den gegenw\u00e4rtig eingesetzten Kunststoffmaterialien auf fossiler Basis, die sich in der Natur nicht oder nur sehr langsam abbauen. Welche Folgen das hat, sieht man zum Beispiel an den Plastikteppichen in den Weltmeeren.<\/p>\n<h3>Eine ketzerische Frage zum Schluss: W\u00e4re es nicht am sinnvollsten, keine Verpackungsmaterialien mehr zu verwenden?<\/h3>\n<p>Richtig, wir sollten an m\u00f6glichst vielen Stellen versuchen, Verpackung zu vermeiden. Aber das wird nicht fl\u00e4chendeckend funktionieren. F\u00fcr eine echte Verpackungsrevolution brauchen wir deshalb verschiedene S\u00e4ulen. Verpackungen entwickeln, die kompostierbar sind. Verpackungen im Kreislauf behalten, recyceln und Verpackungen vermeiden.<\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrte Andrea Schwendemann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Zum Download<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fraunhofer.de\/content\/dam\/zv\/de\/presse-medien\/2018\/September\/ForschungKompakt\/fk09_2018_ISC_Der%20Beginn%20einer%20Verpackungsrevolution.pdf\" target=\"_blank\">Forschung Kompakt September 2018 &#8211; Der Beginn einer Verpackungsrevolution<\/a> [\u00a0PDF\u00a0 0,52 MB\u00a0]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir Menschen haben bereits mehr als 8 Milliarden Tonnen Plastik produziert. J\u00e4hrlich kommen etwa 80 Mio Tonnen Verpackungen aus Plastik dazu, nur die H\u00e4lfte davon wird wiederverwertet, der Rest landet in der M\u00fcllverbrennung oder verschmutzt W\u00e4lder und Wiesen, Seen und Meere. 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