{"id":5621,"date":"2002-10-11T00:00:00","date_gmt":"2002-10-10T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20021011-01n"},"modified":"2002-10-11T00:00:00","modified_gmt":"2002-10-10T22:00:00","slug":"probleme-mit-biodiesel-bei-neufahrzeugen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/probleme-mit-biodiesel-bei-neufahrzeugen\/","title":{"rendered":"Probleme mit Biodiesel bei Neufahrzeugen"},"content":{"rendered":"<p>Neue Dieselfahrzeuge, die vom Hersteller offiziell f\u00fcr Biodiesel freigegeben wurden, k\u00f6nnen in der Praxis durchaus Probleme bereiten. So erwarb ein Kunde einen Volvo V70 2.5 D, nachdem das Autohaus anhand von Volvo-Unterlagen versichert hatte, dass Biodiesel keine Probleme bereite. Beim ersten Werkstattbesuch warnte dann der Meister eindringlich vor dem preisg\u00fcnstigen \u00d6ko-Sprit. Es sei bereits \u00f6fter zu Sch\u00e4den am Einspritzsystem gekommen. In einer internen Werkstattanweisung vom 22.01.2001 hei\u00dft es: &#8220;Die Verwendung von Biodiesel (RME) ist f\u00fcr die Fahrzeuge S80 und V70neu mit Motorkod 72 (Diesel) nicht zul\u00e4ssig&#8230; Der Grund sind Kraftstofftank- und Leitungsdichtungen, die unter Umst\u00e4nden schwellen oder R\u00fcckst\u00e4nde hinterlassen, die zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt Motorlaufprobleme verursachen k\u00f6nnten. Ein Zubeh\u00f6rsatz, um auf Biodieseltauglichkeit umr\u00fcsten zu k\u00f6nnen, ist nicht vorgesehen und aus Kostengr\u00fcnden auch nicht in Planung.&#8221;<\/p>\n<p>Der Kunde forderte daraufhin eine schriftliche Unbedenklichkeitserkl\u00e4rung vom Hersteller, doch Volvo schwieg. Der Kunde f\u00fchlte sich verschaukelt und klagte auf Wandlung des Kaufvertrags &#8211; und bekam nun in zweiter Instanz Recht. Das Fahrzeug habe nicht die vertraglich vereinbarten Eigenschaften und weise somit einen &#8220;erheblichen Sachmangel&#8221; auf, urteilten die Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe (Az. 9 U 165\/01). Ob der V70 tats\u00e4chlich RME-tauglich ist, interessierte die Juristen dabei nicht. Entscheidend war, dass Volvo den &#8220;begr\u00fcndeten Verdacht&#8221; mangelnder Biodiesel-Eignung nicht ausr\u00e4umen konnte.<\/p>\n<p>Das Urteil ist inzwischen rechtskr\u00e4ftig und k\u00f6nnte eine Prozesslawine ausl\u00f6sen. Verdachtsmomente in puncto fehlender Biodiesel-Eignung gibt es viele &#8211; auch bei anderen Automarken. Die Autohersteller bewegen sich bei der Biodiesel-Freigabe auf d\u00fcnnem Eis. Was auf dem Papier als \u00d6ko-Vorteil und Verkaufsargument taugt, f\u00fchrt in der Praxis oft zu Problemen. Biodiesel gilt als &#8220;aggressiver Treibstoff&#8221;, der Korrosion und leckende Dichtungen verursacht, er l\u00e4sst Filter verstopfen, D\u00fcsen verkoken und Gummi aufquellen. Er kann Kunststoffe angreifen und Einspritzpumpen besch\u00e4digen. Deshalb d\u00fcrfen nur mit speziellen, RME-resistenten Dichtungen, Schl\u00e4uchen und Filtern ausgestattete Autos Biodiesel tanken &#8211; ob nachger\u00fcstet oder ab Werk vorger\u00fcstet.<\/p>\n<p>Treten trotzdem Defekte auf, ist der Kunde meist der Dumme und bleibt auf seinen Reparaturkosten sitzen. Die Autohersteller machen n\u00e4mlich stereotyp schlechten Biosprit f\u00fcr die Probleme verantwortlich. Bislang existiert n\u00e4mlich keine rechtsverbindliche Mindestqualit\u00e4t f\u00fcr Biodiesel. Trotz DIN-Norm E 51606 und stichprobenartigen Qualit\u00e4tskontrollen unterliegt Biodiesel zum Teil erheblichen Qualit\u00e4tsschwankungen (vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/unsichere-biodieselqualitaeten-schaffen-haftungsfragen\/\" >2002-06-09<\/a>).<\/p>\n<p>AUTO BILD zufolge liegen allein aus dem Jahr 2002 f\u00fcnf F\u00e4lle defekter Einspritzpumpen in j\u00fcngeren VW-Modellen vor. Die betroffenen Halter versichern, ausschlie\u00dflich Bio-Sprit nach der Norm 51606 getankt zu haben. Fragen nach Kulanz wimmelte Wolfsburg mit Standardschreiben ab: &#8220;Ein Schaden an der Einspritzpumpe durch Biodiesel kann nur dann entstehen, wenn der Kraftstoff nicht die vorgeschriebene Norm erf\u00fcllt.&#8221; Dass Zulieferer Bosch keine RME-Freigabe f\u00fcr seine Einspritzpumpen erteilt, steht allerdings nicht in dem Schreiben.<\/p>\n<p>Der Konstanzer Rechtsanwalt, der das oben genannte Urteil erwirkt hat, meint: &#8220;Die versprechen vollmundig die Tauglichkeit ihrer Produkte f\u00fcr Biodiesel. K\u00e4ufer entsprechender Neuwagen sollten sich deshalb von Hersteller und H\u00e4ndler eine Haftungs\u00fcbernahme f\u00fcr k\u00fcnftige Motorsch\u00e4den geben lassen.&#8221;<\/p>\n<p>Unter <a href=\"http:\/\/www.streithansel.de\/\" >www.streithansel.de<\/a> finden sich weitere Informationen zum Thema, so z.B. auch ein &#8220;Formulierungsvorschlag bei der Verwendung von Bio-Diesel&#8221;:<br \/>&#8220;Das Autohaus X und der Hersteller Y verpflichten sich, eintretende Sch\u00e4den an dem Fahrzeug (Beschreibung Marke, Typ, Fahrgestellnummer und Kennzeichen), die auf die Verwendung von Bio-Diesel zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, wahlweise auf eigene Kosten zu beheben oder die in diesem Zusammenhang entstehenden notwendigen Kosten zu erstatten. Im Falle eines Motorschadens tr\u00e4gt das Autohaus und der Hersteller die Beweislast daf\u00fcr, dass der Schaden nicht auf die Verwendung von Bio-Diesel zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Diese erweiterte Garantie gilt bis zu einer Kilometerlaufleistung von 250.000.&#8221;<\/p>\n<p>Unter Umst\u00e4nden ist es der bessere Weg, eine kompetente Fachwerkstatt zu suchen, die Erfahrung mit der Umr\u00fcstung normaler Dieselfahrzeuge auf Biodieseleinsatz hat. Hier d\u00fcrften die sp\u00e4teren \u00dcberraschungen geringer sein als bei Neufahrzeugen, die laut Hersteller f\u00fcr den Biodieselbetrieb geeignet sein sollen.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biodiesel-bioluege\/\" >2002-03-11<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/neuer-internetservice-fuer-biodieselfahrer\/\" >2002-09-27<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Dieselfahrzeuge, die vom Hersteller offiziell f&uuml;r Biodiesel freigegeben wurden, k&ouml;nnen in der Praxis durchaus Probleme bereiten. 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