{"id":56119,"date":"2018-09-05T06:42:07","date_gmt":"2018-09-05T04:42:07","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.innovations-report.de%2Fhtml%2Fberichte%2Fagrar-forstwissenschaften%2Fwie-der-wald-mit-dem-hitzesommer-zurechtkommt.html"},"modified":"2018-09-04T19:25:11","modified_gmt":"2018-09-04T17:25:11","slug":"wie-der-wald-mit-dem-hitzesommer-zurechtkommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wie-der-wald-mit-dem-hitzesommer-zurechtkommt\/","title":{"rendered":"Wie der Wald mit dem Hitzesommer zurechtkommt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zwischen April und August hat die Schweiz die regen\u00e4rmsten Sommermonate seit Messbeginn 1864 erlebt. Besonders der Wald scheint unter der Trockenheit zu leiden: Bereits im August haben die B\u00e4ume begonnen, sich braun zu verf\u00e4rben. Eine Studie der Universit\u00e4t Basel deutet nun darauf hin, dass die heimischen B\u00e4ume besser als erwartet mit der Trockenheit umgehen k\u00f6nnen. Doch f\u00fcr eine Entwarnung ist es noch zu fr\u00fch.<\/strong><\/p>\n<p>B\u00e4ume sind darauf angewiesen Photosynthese zu betreiben, um Zucker f\u00fcr ihren Stoffwechsel zu produzieren. Dazu m\u00fcssen sie durch kleine Poren an den Bl\u00e4ttern Kohlenstoffdioxid (CO<sub>2<\/sub>) aufnehmen. Dabei verdunsten erhebliche Mengen Wasser: Bei einer ausgewachsenen Buche k\u00f6nnen das t\u00e4glich bis zu 400 Liter sein.<\/p>\n<p>Dieses Wasser muss der Baum jeden Tag ersetzen, indem er es \u00fcber die Wurzeln aufnimmt und \u00fcber Leitbahnen im Stamm in die Bl\u00e4tter f\u00fchrt. F\u00fcr den Transport in die H\u00f6he sorgt ein Unterdruck, der durch den Wasserverlust in den Bl\u00e4ttern entsteht und das Wasser aus dem Boden nach oben saugt.<\/p>\n<h3>Vertrocknen oder verhungern<\/h3>\n<p>Trocknet der Boden aus, wird diese Saugspannung immer gr\u00f6sser. Wird sie zu gross, k\u00f6nnen die Leitbahnen erheblichen Schaden nehmen, sodass kein Wasser mehr zu den Bl\u00e4ttern gelangt und der Baum vertrocknet.<\/p>\n<p>Um dies zu verhindern, verschliessen die B\u00e4ume bei Trockenheit ihre Poren. Dadurch reduzieren sie den Wasserverlust und vermeiden extreme Saugspannungen in den Leitbahnen.<\/p>\n<p>Doch das hat seinen Preis: Die Photosynthese wird dadurch eingeschr\u00e4nkt. Bleiben die Poren l\u00e4ngere Zeit geschlossen, kann der Baum keinen Zucker mehr synthetisieren und droht letztlich zu verhungern. Bis jetzt ist man daher davon ausgegangen, dass B\u00e4ume bei extremer Trockenheit Gefahr laufen, entweder zu vertrocknen oder zu verhungern. Verl\u00e4ssliche Daten gab es bisher jedoch nicht.<\/p>\n<h3>B\u00e4ume physiologisch gut ger\u00fcstet<\/h3>\n<p>Forscher der Universit\u00e4t Basel konnten nun zeigen, dass die wichtigsten heimischen Baumarten erstaunlich gut in der Lage sind, bei extremer Trockenheit durch den Verschluss der Poren Sch\u00e4den an ihren Leitbahnen und damit ein Austrocknen zu verhindern. Dies berichten sie auf Basis einer dreij\u00e4hrigen Studie, die das Jahr 2015 einschliesst, welches ebenfalls durch einen extrem heissen und trockenen Sommer gekennzeichnet war. Die Forscher fanden auch keine Anzeichen daf\u00fcr, dass der lang anhaltende Porenschluss zu einer Reduktion der Zuckerspeicher im Baum f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Forscher schliessen aus ihren Untersuchungen, dass die B\u00e4ume durch effizienten Porenschluss und durch ausreichende Zuckerreserven physiologisch erstaunlich gut ger\u00fcstet sind, um extreme Trockenheitsereignisse wie den Sommer 2015 zu \u00fcberleben. Erste Daten aus dem Hitzesommer 2018 best\u00e4tigen diese Ergebnisse.<\/p>\n<h3>Kontrollierter biologischer Prozess<\/h3>\n<p>Wieso aber verf\u00e4rbt sich der Wald dennoch gelb, wenn unsere B\u00e4ume gut gegen Trockenheit ger\u00fcstet sind? \u00abDas vorzeitige Abwerfen der Bl\u00e4tter ist eine weitere Sicherheitsmassnahme der B\u00e4ume, um sich vor Austrocknung zu sch\u00fctzen. Es ist ein kontrollierter biologischer Prozess und ist zun\u00e4chst nicht bedenklich\u00bb, so Studienleiter Prof. Dr. Ansgar Kahmen vom Departement Umweltwissenschaften der Universit\u00e4t Basel.<\/p>\n<p>\u00abZwar k\u00f6nnen die braunen Bl\u00e4tter keine Photosynthese mehr betreiben, aber die Zuckerspeicher sind zu dieser Jahreszeit bereits schon recht voll, sodass der Baum auch so gut \u00fcber den Winter kommen sollte\u00bb, erl\u00e4utert der Pflanzenwissenschaftler.<\/p>\n<p>Entscheidend ist, dass die Blattknospen die Trockenheit ohne Sch\u00e4den \u00fcberdauern. \u00abDie Knospen sind bereits jetzt angelegt, um im kommenden Jahr neue Bl\u00e4tter austreiben zu lassen. Ob dies der Fall ist, k\u00f6nnen wir erst im kommenden Fr\u00fchjahr beurteilen.\u00bb<\/p>\n<h3>Zu fr\u00fch f\u00fcr Entwarnung<\/h3>\n<p>Trotz der erstaunlichen F\u00e4higkeit der B\u00e4ume, eine D\u00fcrreperiode zu \u00fcberdauern, geben die Forscher keine Entwarnung. Zwar k\u00f6nnen unsere B\u00e4ume mit Einzelereignissen wie den Hitzesommern 2015 oder 2018 offensichtlich gut umgehen. Es ist jedoch unklar, ob ihre Sicherheitsmechanismen ausreichen, um auch einer starken Zunahme von Trockenheitsereignissen widerstehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Forscher geben auch zu bedenken, dass B\u00e4ume zwar ein einzelnes Trockenheitsjahr \u00fcberleben k\u00f6nnen, daraus jedoch geschw\u00e4cht hervorgehen k\u00f6nnen und so zum Beispiel f\u00fcr Insektenbefall anf\u00e4llig werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen April und August hat die Schweiz die regen\u00e4rmsten Sommermonate seit Messbeginn 1864 erlebt. Besonders der Wald scheint unter der Trockenheit zu leiden: Bereits im August haben die B\u00e4ume begonnen, sich braun zu verf\u00e4rben. Eine Studie der Universit\u00e4t Basel deutet nun darauf hin, dass die heimischen B\u00e4ume besser als erwartet mit der Trockenheit umgehen k\u00f6nnen. 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