{"id":56095,"date":"2018-09-03T07:20:16","date_gmt":"2018-09-03T05:20:16","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=56095"},"modified":"2018-08-29T11:38:05","modified_gmt":"2018-08-29T09:38:05","slug":"start-ups-gute-geschaefte-mit-der-muellvermeidung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/start-ups-gute-geschaefte-mit-der-muellvermeidung\/","title":{"rendered":"Start Ups: Gute Gesch\u00e4fte mit der M\u00fcllvermeidung"},"content":{"rendered":"<p>Die Stadt K\u00f6ln hat ein M\u00fcllproblem. Und zwar ein gewaltiges. \u201eAn einem besonders sch\u00f6nen Sommertag holen wir bis zu 40 Tonnen M\u00fcll aus den Gr\u00fcnanlagen\u201c, sagt Wilfried Berf, Pressesprecher der K\u00f6lner Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB). Die Tendenz sei seit zehn Jahren steigend. Produzierten die K\u00f6lner 2007 noch 19 610 Tonnen Leichtverpackungsm\u00fcll (also all das, was \u00fcberwiegend in der gelben Tonne entsorgt wird), waren es 2017 bereits 26 958 Tonnen. Eine Zunahme von \u00fcber 37 Prozent.<\/p>\n<p>Bei den Kunststoffen ist es noch drastischer: Hier stieg der Wert zwischen 2011 und 2017 um \u00fcber 530 Prozent. Fast surreal wirkt die Abfalllast bei Coffee-to-go-Bechern. Hier fallen momentan etwa 180 000 Einwegbecher am Tag an. Aufs Jahr gerechnet also deutlich \u00fcber 65 Millionen. Und das allein in K\u00f6ln, wo die Becher mittlerweile die H\u00e4lfte des st\u00e4dtischen Abfalls in den \u00f6ffentlichen Papierk\u00f6rben ausmachen.<\/p>\n<p>Carla St\u00fcwe vom Abfallwirtschaftsbetrieb der Stadt K\u00f6ln kennt diese Zahlen und wirbt f\u00fcr ein Umdenken. Etwa beim Kaffee unterwegs. 450 000 Liter Kaffee trinken die K\u00f6lner am Tag. Deutlich zu viel davon aus Einwegbechern. Stadt und AWB haben in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer \u201eCoffee-to-go K\u00f6ln\u201c entwickelt, eine Internetseite, die zeigt, welche Caf\u00e9s, B\u00e4ckereien und B\u00fcdchen den eigenen oder geliehenen Mehrwegbecher auf- und nachf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Allein sieben Millionen Euro kostet achtlos weggeworfener M\u00fcll \u2013 in der Forschung als sogenanntes \u201eLittering\u201c bekannt \u2013 die Stadt jedes Jahr. Eingeholt wird das Geld \u00fcber die allgemeinen M\u00fcllgeb\u00fchren. Konkret hei\u00dft das: Alle zahlen f\u00fcr das, was nur Wenige zur\u00fccklassen.<\/p>\n<p>Wer in Deutschland ein Produkt auf den Markt bringt, muss sich auch f\u00fcr das Recycling der Verpackung einen Entsorger suchen, ein sogenanntes Duales System. Diese Entsorger sollen in Zukunft die Preise nach der Wiederverwertbarkeit staffeln. Das macht intelligent verpackte Dinge g\u00fcnstiger und soll Schritt f\u00fcr Schritt die Recyclingquoten erh\u00f6hen. 2016 lag die bei Kunststoffen bei knapp unter 50 Prozent. Ab dem 1. Januar 2019 soll die Quote beim Kunststoffrecycling zun\u00e4chst auf 58,5 Prozent steigen, 2022 dann schon bei 63 Prozent liegen.<\/p>\n<p>Die neuen Vorschriften spielen manchen Unternehmern in die Karten. Regionale Start-ups wie Doli und Airpaq entwickelten umweltfreundliche Trinkflaschen und Rucks\u00e4cke aus recyceltem Material. Die Aachener Architektin Marcella Hansch gr\u00fcndete eine Plattform, mit der sie und ihr gemeinn\u00fctziger Verein Pacific Garbage Screening die Ozeane von bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikm\u00fcll befreien wollen. Auch Tahsin Dag (35) hat sich mit Papacks am Markt etabliert. In einem Industriegebiet im Westen K\u00f6lns wachsen Dags Ideen seit f\u00fcnf Jahren \u2013 und sie wachsen rasant. Papacks bietet intelligente Verpackungsl\u00f6sungen aus Recyclingpapier, aber auch aus nachwachsenden Naturfasern wie Nutzhanf, Agrarabf\u00e4llen und Alge an, die vollst\u00e4ndig wiederverwertet, recycelt oder kompostiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Insgesamt zehn Jahre lang hat Dag f\u00fcr verschiedene Unternehmen in der Getr\u00e4nkebranche gearbeitet. Ihn st\u00f6rte die gro\u00dfe Menge M\u00fcll, die bei der Verpackung der Getr\u00e4nke anf\u00e4llt. Flaschen und Dosen etwa, die mit Tonnen von Plastikfolie eingewickelt werden. Auf der Suche nach Alternativen stie\u00df er auf Eierkartons aus Faserguss, die gleich zwei Vorteile bieten: Das Material aus Altpapier oder nachwachsenden Rohstoffen wie Hanf, Heu oder Stroh ist zu 100 Prozent recycelbar. Zudem k\u00f6nnen die Verpackungsteile entweder komplett kompostiert oder als Altpapier wiederverwendet werden.<\/p>\n<p>2013 machte er sich schlie\u00dflich selbstst\u00e4ndig und gr\u00fcndete die Papacks. Finanzielle Unterst\u00fctzung bekam er von einem Schweizer Investor. Was einst etwas holprig in Eierkartonoptik begann, hat Dag dank mittlerweile 16 Patenten zu einer echten Marke entwickelt, die sowohl preislich als auch qualitativ mit herk\u00f6mmlichen Verpackungen mithalten kann: \u201eUnsere Oberfl\u00e4chen sind jetzt so gut verarbeitet, dass wir auch sexy sind\u201c, sagt Dag, der seit zw\u00f6lf Jahren in K\u00f6ln lebt. Im Faserguss-Verfahren entstehen dabei f\u00fcr Kosmetik-, Pharma-, Elektro- und Automobilindustrie zugeschnittene Verpackungsl\u00f6sungen, die Plastik ersetzen. Zu den 500 Kunden \u2013 60 davon aus K\u00f6ln und dem K\u00f6lner Umland \u2013 geh\u00f6ren laut Internetseite unter anderem der Discounter Lidl, das Modeunternehmen Boss sowie Radeberger, Deutschlands gr\u00f6\u00dfte Brauerei-Gruppe .<\/p>\n<p>Ende des Jahres wird Papacks auch eine vollst\u00e4ndig \u00f6kologische und lebensmittelechte Beschichtung anbieten und sein Portfolio noch einmal deutlich erweitern k\u00f6nnen. \u201eEs gibt dann keine Grenzen mehr. Alles, was vorstellbar ist, ist machbar f\u00fcr uns\u201c, sagt Dag, der vom kommenden Jahr an auch selbst produzieren und sein Angebotsspektrum damit noch einmal deutlich erweitern will.<\/p>\n<p>Neben einer Aufstockung seines Teams auf dann 20 Mitarbeiter prognostiziert er auch ein deutliches Wachstum des Umsatzes, der f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2018 mit 3,5 Millionen Euro kalkuliert wird. In drei Jahren will Dag bereits mehr als 20 Millionen Euro umsetzen. \u201eWir m\u00fcssen die Innovationen in diesem Sektor nach vorne bringen. Die Anforderungen des Marktes sind gigantisch geworden\u201c, sagt der Firmenchef.<\/p>\n<p>Derzeit ersetzt Papacks mit seinen Verpackungsl\u00f6sungen 1350 Tonnen Plastikabfall im Jahr. Schon Ende des Jahres, prognostiziert Dag, soll sich die Menge verdoppelt haben.<\/p>\n<p>Aktionsplan gegen Plastikm\u00fcll<br \/>\nIm Kampf gegen Berge von Plastikm\u00fcll fordern die Gr\u00fcnen eine Vereinfachung des deutschen Pfandsystems und eine Abgabe auf Einweg-Flaschen f\u00fcr Getr\u00e4nke. \u201eWir wollen die Pfandsysteme so vereinheitlichen, dass jeder Laden ab einer bestimmten Gr\u00f6\u00dfe auch alle Flaschen zur\u00fccknimmt\u201c, hei\u00dft es in einem Aktionsplan gegen Plastikm\u00fcll.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6re, das Pfandsystem auf alle Einweg-PET-Flaschen auszuweiten \u2013 unabh\u00e4ngig vom Inhalt. Bisher gibt es Ausnahmen, zum Beispiel f\u00fcr Fruchts\u00e4fte. Mit den Einnahmen aus einer Einweg-Abgabe wollen die Gr\u00fcnen nationale und regionale Mehrweg-Projekte f\u00f6rdern. Zudem unterst\u00fctzen sie einen Vorschlag aus Br\u00fcssel, bestimmte Wegwerf-Produkte aus Plastik zu verbieten. Dazu geh\u00f6ren etwa Einweg-Plastikgeschirr, Strohhalme, Watte- und R\u00fchrst\u00e4bchen oder Luftballonhalter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadt K\u00f6ln hat ein M\u00fcllproblem. Und zwar ein gewaltiges. \u201eAn einem besonders sch\u00f6nen Sommertag holen wir bis zu 40 Tonnen M\u00fcll aus den Gr\u00fcnanlagen\u201c, sagt Wilfried Berf, Pressesprecher der K\u00f6lner Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB). Die Tendenz sei seit zehn Jahren steigend. 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