{"id":5597,"date":"2002-07-04T00:00:00","date_gmt":"2002-07-03T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20020704-02n"},"modified":"2002-07-04T00:00:00","modified_gmt":"2002-07-03T22:00:00","slug":"schliessung-der-weltgroessten-jute-faseraufschlussanlage-in-bangladesch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/schliessung-der-weltgroessten-jute-faseraufschlussanlage-in-bangladesch\/","title":{"rendered":"Schlie\u00dfung der weltgr\u00f6\u00dften Jute-Faseraufschlussanlage in Bangladesch"},"content":{"rendered":"<p>Die weltgr\u00f6\u00dfte Jute-Aufschlussanlage und gleichzeitig gr\u00f6\u00dfter Industriebetrieb Bangladeschs steht mit weit reichenden \u00f6konomischen und sozialen Folgen vor dem Aus. Jute wurde noch vor einigen Jahren als die \u201eGoldene Faser\u201c bezeichnet und in den Adamjee Jute Mills (AJM) nahe Dhaka, laut dem \u201eDaily Star\u201c als \u201eStolz des Landes\u201c, verarbeitet. Damals hie\u00df Bangladesch noch Ostpakistan, und seine Juteexporte st\u00fctzten die Industrialisierungsbem\u00fchungen der politischen und wirtschaftlichen Macht. 1971 wurde Bangladesch unabh\u00e4ngig und die AJM verstaatlicht. Seither wurde die Betrachtung unter \u00f6konomischen Einflussgr\u00f6\u00dfen au\u00dfer Acht gelassen und die weltgr\u00f6\u00dfte Jute-Faseraufschlussanlage, die j\u00e4hrlich 30.000 Tonnen Jute herstellt, wurde langsam aber sicher ein Opfer staatlicher Misswirtschaft.<\/p>\n<p>Trotz Exportsubventionen \u00fcber die letzten 30 Jahre von \u00fcber 50 Mio. USD hat die AJM seit 1971 kumulierte Verluste von 200 Mio. USD eingefahren. Sie ist mit 125 Mio. USD verschuldet. Ende letzter Woche beschloss die Regierung deshalb, die Anlage zu schlie\u00dfen. Sie kommt damit auch Forderungen von Arbeitgeberverb\u00e4nden, der Weltbank und dem Internationalem W\u00e4hrungsfonds nach, die wiederholt die Schlie\u00dfung verlustreicher Staatsbetriebe verlangt hatten. Kehrseite ist, dass 25.000 Angestellte ihre Arbeit verlieren. Zudem m\u00fcssen sie und ihre Familien ihre armseligen H\u00fctten rund um die Fabrik r\u00e4umen, was 100.000 Menschen obdachlos macht. <\/p>\n<p>Die Regierung will das Gel\u00e4nde neu nutzen. An Ideen stehen eine Zone f\u00fcr Exporteure, ein Industriepark und ein Containerhafen im Raum. Um die Not zu lindern, hat die Regierung 50 Mio. USD f\u00fcr einen \u201egoldenen Handschlag\u201c versprochen: Arbeiter sollen als Abfindung vier Wochen Lohn und Mietzins f\u00fcr zwei Monate erhalten. Sie f\u00fcrchten freilich mit Verweis auf die Schliessung kleinerer Anlagen in der Vergangenheit, lange oder ewig auf ihr Geld warten zu m\u00fcssen. Ungewiss ist auch die Zukunft tausender Jute-Lieferanten, denen die AJM \u00fcberdies 3 Mio. USD schuldet. <\/p>\n<p>Missmanagement und Korruption sind zwei Punkte, warum die Anlage chronische Defizite erwirtschaftete. Zus\u00e4tzlich ist sie ein N\u00e4hrboden f\u00fcr Kriminalit\u00e4t und immer wieder Schauplatz von K\u00e4mpfen rivalisierender Gewerkschaften. Veraltete Maschinen und ein zu hoher und \u00fcberbezahlter Personalbestand ist es, weshalb die AJM mit 45% h\u00f6heren Produktionskosten arbeite, als die anderen Fabriken des Landes. Allerdings sind auch diese in Turbulenzen: Laut dem Dachverband BJMC hat der gesamte Jutesektor in den vergangenen 30 Jahren 600 Mio. USD Verlust eingefahren. Den Niedergang haben au\u00dferdem die zunehmend billigeren, synthetischen Fasern beschleunigt, die die Jute ersetzen. Indien und China konnten dadurch mit einer j\u00fcngeren, effizienteren Jute-Industrie den Konkurrenzkampf f\u00fcr sich entscheiden. Wie rasch die AJM als gr\u00f6sster Industriebetrieb Bangladeschs geschlossen wird, h\u00e4ngt auch von der Intensit\u00e4t der Proteste ab.<\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage, welche Auswirkungen dies auf die europ\u00e4ische Naturfaserindustrie haben wird, die in immer gr\u00f6\u00dferem Umfang die Automobilindustrie beliefert (vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-studie-naturfasern-fuer-die-europaeische-automobilindustrie\/\" >2001-11-26<\/a>). Die recht starke Selbstversorgung der EU mit Flachs- und Hanffasern l\u00e4sst vermuten, dass die Auswirkungen vergleichweise gering bleiben. <\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bangladesch-neues-mischgewebe-aus-jute-und-flachs\/\" >2002-04-30<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bangladesch-neue-jute-zuechtung\/\" >2002-04-22<\/a>.)<\/p>\n<p>*Anmerkung von B. Schlattmann, (AUGUST BEYER GmbH &#038; Co. KG, H\u00f6rstel-Bevergern): <\/p>\n<p>&#8220;Die im Text als Faseraufschlussanlage bezeichnete Fabrik ist keine Faseraufschlussanlage, sondern vielmehr der gr\u00f6\u00dfte Jute-Spinnweberei-Komplex der Welt. Die Fabrik exportiert keine Jutefasern, weshalb die Schlie\u00dfung der Anlage keine Auswirkungen auf die Versorgung der europ\u00e4ischen Automobilindustrie haben wird.&#8221; <\/p>\n<p>Die Redaktion bedankt sich f\u00fcr diese Information.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die weltgr&ouml;&szlig;te Jute-Aufschlussanlage und gleichzeitig gr&ouml;&szlig;ter Industriebetrieb Bangladeschs steht mit weit reichenden &ouml;konomischen und sozialen Folgen vor dem Aus. 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