{"id":55857,"date":"2018-08-24T07:20:51","date_gmt":"2018-08-24T05:20:51","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=55857"},"modified":"2021-09-09T21:33:34","modified_gmt":"2021-09-09T19:33:34","slug":"goldgrube-biomasse-carbonauten-verwandeln-biomasse-in-hochwertige-plattformprodukte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/goldgrube-biomasse-carbonauten-verwandeln-biomasse-in-hochwertige-plattformprodukte\/","title":{"rendered":"Goldgrube Biomasse \u2013 carbonauten verwandeln Biomasse in hochwertige Plattformprodukte"},"content":{"rendered":"<p>Mittels der sogenannten \u201ecarbotwin\u201c-Technologie kann Biomasse bei gleichzeitiger Energiegewinnung karbonisiert und in zertifizierten Kohlenstoff umgewandelt werden. Dieser kann dann wiederum als Ausgangsstoff f\u00fcr verschiedene Industriezweige eingesetzt werden (Verpackung, Landwirtschaft, Kosmetik etc.). Der Kohlenstoff wird so in den Endprodukten gespeichert und gelangt nicht, wie bei der einfachen Verbrennung, als CO2 in die Atmosph\u00e4re. Dass dies nicht nur umweltfreundlich, sondern auch wirtschaftlich rentabel ist, zeigt das Start-up carbonauten aus Giengen in Baden-W\u00fcrttemberg.<\/p>\n<p>Das theoretische Biomasse-Reststoffpotenzial liegt laut der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) in Deutschland derzeit bei ca. 151 Mio. Tonnen Trockenmasse. Diese setzen sich aus insgesamt 77 Einzelbiomassen wie beispielsweise Landwirtschaftsabf\u00e4llen, Siedlungsabf\u00e4llen oder holz- und forstwirtschaftlichen Reststoffen zusammen. Rund 31 Mio. Tonnen davon bleiben j\u00e4hrlich ungenutzt und werden zum gr\u00f6\u00dften Teil der thermischen Verwertung (Verbrennung) zugef\u00fchrt<strong><sup>1<\/sup><\/strong>. Letztere ist unter Umweltgesichtspunkten jedoch der mit Abstand ung\u00fcnstigste Entsorgungsweg. Mit der carbotwin-Technologie der carbonauten gibt es nun eine umweltfreundliche Alternative auf dem Markt.<\/p>\n<p>Die carbotwin-Technologie<\/p>\n<p>Laut Torsten Becker, Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der carbonauten UG, bietet die innovative Technologie neben ihrer Umweltfreundlichkeit noch viele weitere Vorteile: \u201eDurch die modulare und robuste Bauweise ohne drehende Teile und das energiepositive Karbonisierungsverfahren sind unsere Anlagen sehr effizient und flexibel hinsichtlich verschiedener Biomassen\u201c, erkl\u00e4rt er. Die Entwicklung und Erprobung der Technologie fand in Zusammenarbeit mit einem Ingenieurb\u00fcro in den Niederlanden statt. Ein Modul der Anlage umfasst 4 Retorten, d.h. Reaktoren, in denen jeweils bis zu 5m\u00b3 Biomasse verkohlt werden k\u00f6nnen. Die Verkohlung erfolgt mittels Pyrolyse im sogenannten Batch-Verfahren, einem Stapelprozess, bei dem Biomasse nicht kontinuierlich zugef\u00fchrt werden muss, sondern die Reaktoren w\u00e4hrend der Karbonisierung verschlossen bleiben. Wie der Name carbotwin schon vermuten l\u00e4sst, besteht ein Modul aus zwei identischen W\u00e4rmekammern, in denen sich jeweils zwei der Retorten befinden. Eine W\u00e4rmekammer dient dabei der Verkohlung, die bei Temperaturen zwischen 220 und 650 \u00b0C stattfindet und je nach Biomasse 3 bis 6,5 Stunden dauert. Danach wird die Retorte aus der W\u00e4rmekammer entfernt und ca. 3 Stunden abgek\u00fchlt, bevor die fertige Biokohle entnommen werden kann.<\/p>\n<p>Der entscheidende Vorteil der Technologie: W\u00e4hrend der Verkohlung entsteht Synthesegas, welches zu 700 bis 1.000 kW Hochtemperaturw\u00e4rme umgewandelt werden kann und teilweise zur Erhitzung der W\u00e4rmekammern genutzt wird. Durch den geringen Energiebedarf des Produktionsprozesses verf\u00fcgt die Technologie \u00fcber eine positive Energiebilanz. \u201eDas hei\u00dft, neben hochwertiger Biokohle k\u00f6nnen wir Strom und Heizw\u00e4rme produzieren\u201c, erkl\u00e4rt Torsten Becker begeistert. Konkret hei\u00dft das: Pro Jahr und Modul lassen sich 1.600 Tonnen Biokohle und 8.000 MWh W\u00e4rme produzieren.<\/p>\n<p>Der Markt<\/p>\n<p>Die erzeugte Biokohle soll an gro\u00dfe Hersteller von Grillkohle verkauft werden, die diese dann als besonders umweltfreundliches Produkt vertreiben k\u00f6nnen. \u201eHerk\u00f6mmliche Grillkohle stammt n\u00e4mlich gr\u00f6\u00dftenteils aus schmutzigen Quellen und enth\u00e4lt Tropenholz\u201c, kritisiert Becker. Allein im Jahr 2017 wurden rund 217.000 Tonnen Holzkohle im Wert von 18 Mio. Euro nach Deutschland importiert \u2013 damit ist Deutschland EU-weit der gr\u00f6\u00dfte Verbraucher in diesem Markt. Kritisch dabei: Das Holz f\u00fcr die Kohle stammt aufgrund niedrigerer Preise oft aus Paraguay oder Nigeria2. Als Konsequenz versch\u00e4rft sich die Abholzungs-Problematik in diesen L\u00e4ndern. Dem k\u00f6nnte mit der Biokohle aus dem carbotwin-Verfahren entgegengewirkt werden.<\/p>\n<p>Aufgrund des geringen Personalaufwandes, der geringen Betriebskosten und des g\u00fcnstigen Preises f\u00fcr Restbiomasse (z.B. Abschnittsreste aus S\u00e4gewerken) ist die Biokohle der carbonauten sogar g\u00fcnstiger als die Konkurrenz aus fossilen Quellen. \u201eEine Anlage mit drei Modulen erzeugt rund 3 Mio. Euro Umsatz, davon bleibt ohne\u00a0 Einnahmen aus dem Verkauf der entstandenen Energie oder W\u00e4rme ein EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen) von rund 1 Mio. Euro. Bereits ab zwei Modulen ist die Technologie extrem wirtschaftlich\u201c, rechnet der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der carbonauten vor. Wichtig sei jedoch die Zusammenarbeit mit lokalen Recyclern, S\u00e4gewerken, Entsorgungsunternehmen und Kommunen, sodass die Biomasse ohne lange Transportwege zu der Verkohlungsanlage transportiert werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>\u201eDezentralit\u00e4t ist uns sehr wichtig\u201c, sagt Becker. Dies sei auch unter \u00f6kologischen Gesichtspunkten sinnvoll, f\u00fcgt er hinzu. Weitere potenzielle Abnehmer sind neben dem Grillkohle-Sektor Aktivkohle-Hersteller und die Landwirtschaft. So wurden bereits Vorvertr\u00e4ge mit einem Aktivkohle- und einem Grillkohlehersteller abgeschlossen, und auch aus der Landwirtschaft gibt es positives Feedback. Landwirte, die die Biokohle beispielsweise als Futtermittel-Zusatz in der Schweinemast oder H\u00fchnerzucht verwenden, ben\u00f6tigen nachweislich weniger Medikamente f\u00fcr ihre Tiere, die zudem \u201emunterer\u201c werden und an Gewicht zunehmen. Auch als Bodenhilfsstoff kann die Biokohle verwendet werden.<\/p>\n<p>Weitere Anwendungsfelder wie Biokohle-Schaumstoffe f\u00fcr den Bausektor oder biokohlebasierte Kunststoffe befinden sich in der Entwicklung. Um auch hier immer auf dem neuesten Stand zu sein, kooperieren die carbonauten mit verschiedenen Forschungseinrichtungen, unter anderem mit der Universit\u00e4t Hohenheim, und beteiligen sich somit direkt an der Entwicklung innovativer, umweltfreundlicher Produkte f\u00fcr die Bio\u00f6konomie.<\/p>\n<p>Regional und international<\/p>\n<p>Die Kaskadennutzung von Ressourcen und das Schlie\u00dfen von Stoffkreisl\u00e4ufen liegt Becker dabei besonders am Herzen. \u201eEs geht uns nicht nur um Gewinn\u201c, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, \u201ewir haben den Anspruch, unseren Beitrag zu einer biobasierten, umweltfreundlichen und sozialvertr\u00e4glichen Wirtschaftsweise zu leisten. Ich bin \u00fcberzeugt, dass uns das mithilfe der carbonauten gelingt.\u201c So w\u00e4re die Technologie auch besonders gut dezentral in Afrika oder S\u00fcdamerika einsetzbar, wo sehr viel Biomasse anf\u00e4llt, die relativ einfach und regional verwertet werden k\u00f6nnte. Dadurch k\u00f6nnte auch die lokale Wirtschaft nachhaltig gest\u00e4rkt werden. Vielversprechende Kontakte nach S\u00fcdafrika bestehen bereits. Doch auch die arabische Halbinsel, wo es einen hohen Bedarf an Grillkohle gibt, oder Australien hat der Firmengr\u00fcnder bereits ins Visier genommen und Kontakte gekn\u00fcpft.<\/p>\n<p>In Deutschland wird die erste Anlage in Eberswalde stehen. Weitere in Baden-W\u00fcrttemberg werden folgen. \u201eBis 2026 rechnen wir mit 15 bis 20 neuen Standorten und der Besch\u00e4ftigung von ca. 250 Mitarbeitern. Unser Ziel ist die quantitative und qualitative Marktf\u00fchrerschaft in Europa mit mindestens 100.000 Tonnen Biokohlenstoff. Allein in Baden-W\u00fcrttemberg gibt es ein riesiges ungenutztes Potenzial im Bereich der Bio\u00f6konomie. So w\u00fcrde unsere Technologie zum Beispiel auch dazu beitragen, das Entsorgungsproblem der Kommunen zu l\u00f6sen,\u201c erkl\u00e4rt Becker. Der Enthusiasmus des Firmengr\u00fcnders l\u00e4sst keine Zweifel offen, dass den carbonauten dies gelingen wird. F\u00fcr den Ausbau der Bio\u00f6konomie in Baden-W\u00fcrttemberg, Deutschland und weltweit sind Pioniere wie Becker und seine Kollegen schon jetzt eine treibende Kraft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur<\/p>\n<p>1 FNR (2015):Band 36: Biomassepotenziale von Rest- und Abfallstoffen &#8211; Status Quo in Deutschland. Online unter: <a href=\"https:\/\/mediathek.fnr.de\/band-36-biomassepotenziale-von-rest-und-abfallstoffen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/mediathek.fnr.de\/band-36-biomassepotenziale-von-rest-und-abfallstoffen.html<\/a> [10.7.2018]<\/p>\n<p>2 Augsburger Allgemeine (2018): Gef\u00e4hrdete Tropenh\u00f6lzer: das schmutzige Gesch\u00e4ft mit der Grillkohle. Online: <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/wirtschaft\/Gefaehrdete-Tropenhoelzer-Das-schmutzige-Geschaeft-mit-der-Grillkohle-id51624076.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/wirtschaft\/Gefaehrdete-Tropenhoelzer-Das-schmutzige-Geschaeft-mit-der-Grillkohle-id51624076.html<\/a> [24.07.2018]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittels der sogenannten \u201ecarbotwin\u201c-Technologie kann Biomasse bei gleichzeitiger Energiegewinnung karbonisiert und in zertifizierten Kohlenstoff umgewandelt werden. Dieser kann dann wiederum als Ausgangsstoff f\u00fcr verschiedene Industriezweige eingesetzt werden (Verpackung, Landwirtschaft, Kosmetik etc.). Der Kohlenstoff wird so in den Endprodukten gespeichert und gelangt nicht, wie bei der einfachen Verbrennung, als CO2 in die Atmosph\u00e4re. Dass dies nicht [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572,5571],"tags":[14832,10681,10608],"supplier":[14831,19232],"class_list":["post-55857","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","category-co2-based","tag-biokohle","tag-biomasse","tag-biooekonomie","supplier-carbonauten-ug","supplier-fachagentur-nachwachsende-rohstoffe-e-v-fnr"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55857","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=55857"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55857\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=55857"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=55857"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=55857"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=55857"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}