{"id":55795,"date":"2018-08-21T07:29:21","date_gmt":"2018-08-21T05:29:21","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=55795"},"modified":"2018-08-16T15:18:12","modified_gmt":"2018-08-16T13:18:12","slug":"bio-einweggeschirr-von-neumarkter-firma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bio-einweggeschirr-von-neumarkter-firma\/","title":{"rendered":"Bio-Einweggeschirr von Neumarkter Firma"},"content":{"rendered":"<p>Angefangen hat alles in einer Garage. Im Juni 2004 meldete Florian Ackermann sein Unternehmen im Nebengewerbe an. Er studierte Maschinenbau, hatte aber bereits Familie und die wollte versorgt werden. Biokunststoff kannte er aus dem Studium \u2013 und ihm fiel auf, dass es keinen Online-Shop f\u00fcr Bio-Einweggeschirr gibt: Er gr\u00fcndete die Prodana GmbH, in seiner Garage lagerten bald Palmblattteller und Bio-Kunststoffbecher, Schalen aus Zuckerrohr und kompostierbare L\u00f6ffel.<\/p>\n<p>Florian Ackermann hatte den richtigen Riecher f\u00fcr das richtige Gesch\u00e4ft zur richtigen Zeit, aus dem Neben- wurde ein Hauptgewerbe.<\/p>\n<p>Die Garage platzte bald aus allen N\u00e4hten, zus\u00e4tzliche Lagerm\u00f6glichkeiten mussten her. Vor drei Jahren zog die Prodana GmbH nach P\u00f6lling ins Gewerbegebiet. Anfangs mietete man einen schmalen Gang von 450 Quadratmetern an \u2013 doch halbj\u00e4hrlich wuchs die Fl\u00e4che. Heute ist dem Vermieter von seinen zwei gro\u00dfen Hallen nur noch ein kleines St\u00fcckchen geblieben.<\/p>\n<p>Die Idee passt in die Zeit<\/p>\n<p>Bei der Prodana GmbH stapeln sich indes hunderte von Paletten, Jahr f\u00fcr Jahr vertreibt die Neumarkter Firma drei Millionen Palmblattteller und sechs Millionen kompostierbare Kaffeebecher aus Pappe, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dierk Burmeister, der im Jahr 2016 in die Firma einstieg. Zwar geh\u00f6ren zum Portfolio weit mehr Artikel \u2013 von \u00d6ko-Wachsmalkreiden \u00fcber Sportkleidung aus wiederverwerteten Polyamid-Stoffen bis zu Brennnesselextrakt-D\u00fcnger \u2013, das Hauptgesch\u00e4ft bildet aber Bio-Einweggeschirr. Ob in gro\u00dfen Mengen f\u00fcr Caterer oder in kleinen Mengen f\u00fcr das Sommerfest im Kindergarten oder die private Grillparty.<\/p>\n<p>\u201eDen Wandel merken wir sehr stark.\u201c<\/p>\n<p>Dirk Burmeister<br \/>\nDer gesellschaftliche Wandel kommt der Firma zupass \u2013 Plastik gilt nicht mehr nur bei \u00d6ko-Extremisten als Frevel, nein, das Bewusstsein f\u00fcr die Plastik-Problematik breitet sich in einer immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Gesellschaftschicht aus. \u201eDas merken wir sehr stark\u201c, sagt Burmeister.<\/p>\n<p>Morgens Coffee to go, mittags knackiger Salat aus dem K\u00fchlregal &#8211; und abends die Lieferung vom Vietnamesen um die Ecke. Plastik ist unser st\u00e4ndiger Begleiter und sorgt ganz nebenbei f\u00fcr immer gr\u00f6\u00dfere M\u00fcllberge.<\/p>\n<p>Mit Plastik Schluss machen &#8211; der Umwelt zu Liebe<\/p>\n<p>Dass die EU nun Plastikprodukte wie die viel diskutierten Strohhalme, Besteck oder Einwegteller verbieten will, kommt dem Unternehmen, das \u00fcbrigens tats\u00e4chliche Strohhalme aus Bio-Roggen vertreibt, ebenfalls nicht ungelegen. Wobei das mit den Strohhalmen gar nicht so super ist \u2013 denn die Halme werden nicht in verkaufbarem Zustand geliefert, sondern m\u00fcssen in Neumarkt erst gekocht, desinfiziert und verpackt werden. \u201eDas ist viel Arbeit. Darum ist f\u00fcr uns ein Zuwachs bei echten Strohhalmen nur begrenzt g\u00fcnstig\u201c, sagt Burmeister augenzwinkernd und weist lieber auf die Alternative aus Bio-Kunststoff hin: Halme aus Pflanzenst\u00e4rke, ein industriell gefertigtes Produkt.<\/p>\n<p>Caterer greifen mal zu Porzellan, mal zu Palmblatt<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich, das wei\u00df auch Dierk Burmeister sind normale Teller nat\u00fcrlich immer noch umweltfreundlicher als welche aus Palmbl\u00e4ttern. Und es gibt auch Kunden, die von Mehrwegtellern auf Palmbl\u00e4tter umstellen. Die Masse ist das allerdings nicht. Als \u201eHybridkunden\u201c bezeichnet Burmeister viele seiner Kunden: Caterer, die gerne mit Porzellan arbeiten, aber bei bestimmten Veranstaltungen darauf nicht zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen oder wollen. Vor allem im Sommer bei Au\u00dfenveranstaltungen \u2013 so wurde etwa schon beim j\u00e4hrlichen Empfang des Bundespr\u00e4sidenten auf Prodana-Geschirr gespeist.<\/p>\n<p>Und wenn schon Einweg, dann sei das Bio-Einweggeschirr sicher die bessere Wahl, sagt Burmeister. Selbst wenn es nicht kompostiert wird. Zum einen werde nicht auf die f\u00fcr die Plastikherstellung n\u00f6tige Ressource Erd\u00f6l zur\u00fcckgegriffen, zum anderen sei die CO2-Bilanz deutlich besser, wenn Bio-Einweggeschirr aus rein organischem, nachwachsenden Material in der M\u00fcllverbrennung lande. Denn die Sache mit dem Kompostieren ist vielerorts nicht so einfach: Die Palmbl\u00e4tter lassen sich noch relativ leicht kompostieren und sollten selbst in einem normalen Komposthaufen im Garten in etwa einem halben Jahr verrottet sein.<\/p>\n<p>Kompostierung ist ein Problem<\/p>\n<p>Die Becher aus PLA, einem Biokunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen, brauchen aber deutlich l\u00e4nger. Zertifiziert sind sie nach der Kompostierungsnorm EN13432, laut der der Becher sich unter der Bedingung einer industriellen Kompostierung innerhalb von maximal 90 Tagen zu mindestens 90 Prozent zersetzen muss. Vielen Entsorgungsbetrieben dauert das zu lang \u2013 sie sortieren die Becher aus. Das kritisiert auch die Zeitschrift \u00d6kotest in ihrer Ausgabe vom Juni 2018 und empfiehlt daher, PLA-Becher in den M\u00fcll zu werfen.<\/p>\n<p>Doch woher kommen die vielen Palmbl\u00e4tter eigentlich \u2013 und muss f\u00fcr Biokunststoff aus Maisst\u00e4rke nicht noch viel mehr Mais angebaut werden, was aus \u00f6kologischen Gesichtspunkten bedenklich w\u00e4re? Derzeit, so sagt Burmeister, sei das kein Problem.<\/p>\n<p>Die Palmbl\u00e4tter seien reine Abfallprodukte \u2013 sie stammen von Betelnuss-Plantagen in Indien und w\u00fcrden verbrannt, wenn Prodana sie nicht aufkaufe. Zwei Familienbetriebe k\u00fcmmern sich f\u00fcr das Neumarkter Unternehmen um das Sammeln und Einlagern, mit Hilfe von Prodana seien Lagerhallen gebaut worden, so dass die Betriebe auch in der Regenzeit arbeiten und ihre Angestellten ganzj\u00e4hrig besch\u00e4ftigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was sagen die Abfallexperten am Landratsamt zum Thema Bio-Einweggeschirr? Wir haben nachgefragt:<\/p>\n<p>Herr Egelseer, in Neumarkt gibt es eine Firma, die Bio-Einweggeschirr vertreibt und angibt, dass etwa Teller aus Palmbl\u00e4ttern oder Becher aus Bio-Kunststoff kompostiert werden k\u00f6nnen. Die Zeitschrift \u00d6kotest und andere Abfallwirtschaftsunternehmen sehen das eher problematisch. Wie beurteilen Sie das?<\/p>\n<p>Wir sammeln Teile der Bio-Abf\u00e4lle in Bio-T\u00fcten, die verrottbar sind. Die haben zwar eine andere Grundlage und enthalten kein PLA (den Bio-Kunststoff, aus dem die Bio-Einwegbecher hergestellt werden und der auf Pflanzenst\u00e4rke basiert, Anm. d. Red.), aber haben \u00e4hnliche Eigenschaften.<\/p>\n<p>Offensichtlich haben Abfallentsorger ein Problem damit, dass die Becher unter industriellen Kompostierungsbedingungen 90 Tage brauchen, bis sie sich zu 90 Prozent zersetzt haben \u2013 dieser Zeitrahmen ist einigen zu lang. Wie ist das in Neumarkt?<\/p>\n<p>90 Tage sind f\u00fcr uns kein Problem, der Zeitrahmen ist in Ordnung.<\/p>\n<p>In Neumarkt k\u00f6nnte man Bio-Becher und -Teller also problemlos in die Bio-Tonne werfen?<\/p>\n<p>Wir haben ja einen relativ geringen Anschlussgrad bei den Biotonnen, aber theoretisch: Ja, solange es sich eher um Einzelst\u00fccke handelt. Es kann nat\u00fcrlich passieren, dass es f\u00fcr unser Abfallpersonal nicht erkennbar ist, dass das kompostierbares Geschirr ist. Vorsichtshalber sollte man sich da lieber bei uns melden.<\/p>\n<p>Und wer keine Biotonne hat?<\/p>\n<p>Der sollte sich auch mit uns in Verbindung setzen, damit wir eine L\u00f6sung finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angefangen hat alles in einer Garage. Im Juni 2004 meldete Florian Ackermann sein Unternehmen im Nebengewerbe an. Er studierte Maschinenbau, hatte aber bereits Familie und die wollte versorgt werden. 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